Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 18.1926

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RUND SCHAU

Sammlungen
NEUERWERBUNGEN DER ISLA-
MISCHEN ABTEILUNG DES KAISER-
FRIEDRICHM-USEUMS
Die Ausstellung der Neuerwerbungen im
Mschattasaal ist besonders reichhaltig durch
eine Anzahl von Geschenken, die der Ab-
teilung zum 60. Geburtstag Friedrich Sarres
gemacht wurden oder aus einem von Freun-
den aus diesem Anlaß gestifteten Fonds ge-
kauft werden konnten.
Unter der reichlich vertretenen Gefäßke-
ramik fällt eine geschlossene Gruppe west-
turkestanischen Ursprungs auf, die mehrere
charakteristische Beispiele der bis jetzt in
der Abteilung nicht vorhandenen frühmit-
telalterlichen Samanidenware enthält und
eine fühlbare Lücke schließt. Neben Stük-
ken mit reinem Schriftdekor auf weißer,
hier und da mit wenig stumpfem Rot abge-
setzter Glasur finden sich geometrische Pal-
metten- und Lilienornamente, frühe Band-
arabesken und als Zeugnis des Einflusses
ostasiatischer Keramik Schalen mit Ritz-
dekor unter grüner, gelb und manganviolett
gefleckter Überlaufglasur. Von den übrigen
Fayencen verdienen besondere Beachtung
eine Ghabrischüssel mit Sgraffitorelief un-
ter smaragdgrüner Glasur, zwei Raghes-
fayencen des 13. Jahrhunderts, eine kräftig
dekorierte großePaternaschüssel des 14.Jahr-
hunderts mit einem schreitenden Stier, Grün
und Manganviolett auf weißem Grund.
Die Baukeramik ist vertreten durch zwei
teilweise ergänzte Zwickelfelder mit figür-
lichen Darstellungen, Drachen- und Löwen-
kämpfe, auf gelbem Grund in Blau, Grün
undWeiß, Isfahan 17. Jahrhundert,und einige
Fayencemosaiken des 14. und 15. Jahrhun-
derts von persischen Bauten.
Ein reizvolles Bruchstück von einer figür-
lichen Freskomalerei des 12. Jahrhunderts
aus Raghes ist ebenfalls persischen Ur-
sprungs. Die Blütezeit der persischen Mi-
niaturmalerei ist glanzvoll vertreten durch
eine Reihe von Miniaturen, die einem in
Afghanistan erworbenen Kodex entstam-
men. Sie gehören zu einer Anthologie per-
sischer Dichtungen aus der Bibliothek des
Timurenkels Baisanghur Chan in Schiras,
sind durch die Inschrift des Exlibris als un-
zweifelhaftes .Werk der berühmten Schrei-
ber- und Miniatorenschule, die Baisanghur
für seine Bibliothek beschäftigte, beglaubigt
und auf das Jahr 1420 datiert. Die Miniatu-
ren illustrieren verschiedene Dichtungen,
das Schah-namä, Iskander-namä, Leiia wa
Madschnun u. a., und sind in ihrer strengen

Flächenkomposition, der außerordentlich
sicheren und zarten Zeichnung und feinfüh-
ligen Farbenstimmung Meisterwerke höch-
sten Ranges. Ausgezeichnet erhalten, be-
haupten sie den unbestrittenen Vorrang in
der an Qualität nicht eben armen Ausstel-
lung.
Durch ebenfalls ungewöhnlich gute Er-
haltung und reiche Farbe fällt ein türkischer
Gebetsteppich des 17. Jahrhunderts auf. Der
Stoff ist Seidenbrokat mit roter, grün und
weiß gestreifter Kette und Schußfäden in
Hellblau, Weiß, Grün, Rosa und Hellgelb,
zum Teil mit Silber umwickelt. Das Mu-
ster zeigt eine Säulennische im Mittelfeld,
oben und unten durch breite Tulpen- und
Nelkenborten abgeschlossen. Der Teppich
ist ein Stück kursächsischer Türkenbeute
und stammt aus dem Besitz des Hauses
Wettin.
Ein mit gleichmäßigem Rankenwerk in
Gold tauschierter Brustpanzer, Indien oder
Persien, 16. Jahrhundert, fatimidische Berg-
kristallarbeiten, eine frühislamische Elfen-
beinschachfigur und ein Blatt eines kubi-
schen Koran, Mesopotamien, g. Jahrhundert,
verdienen einen besonderen Hinweis, eben-
so die für Schah Abbas 1609 angefertigte
persische Lacktruhe. Eckhardt.
BASEL
Kupferstichkabinett. Das Kupfer-
stichkabinett zeigt in seinen Ausstellungs-
räumen eine Schau von italienischen
Landschaftszeichnungen deutscher
Künstler vom Anfang und aus der Mitte
des ig. Jahrhunderts, die in engstem inne-
ren Zusammenhang steht mit der eben ge-
schlossenen Ausstellung der Böcklin zu-
geschriebenen italienischen Landschaften
um 1850 (siehe Cicerone Heft 8). Es han-
delt sich um Arbeiten von Koch, Rott-
mann, Schirmer, Fries, Dreber,
Lugo, Achenbach, Flamm, Roll-
mann, Thiers ch u. a., die sich um die
Böcklin-Zeichnungen der Basler Samm-
lung gruppieren, und für deren Überlassung
man zum größten Teil deutschen Samm-
lungen zu danken hat. W. R.
BONN
Die aus 223 alten Gemälden bestehende,
nach ihrem Sammler Otto Wesendonk be-
nannte Sammlung, die die Eigentümer Karl
v. Wesendonk in Berlin und Universitäts-
professor Freiherr v. Bissing im Haag der
Stadt Bonn bisher leihweise überlassen
hatten und die im Provinzialmuseum unter-
gebracht ist, wird jetzt gemeinschaftliches

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