Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 18.1926

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Ausstellungen

Proben der Monumentalmalerei des 14. Jahr-
hunderts ausgestellt. Die Malereien der Us-
penijekirche in Volotowo bei Nowgorod in
ihrer wundervollen Farbigkeit schließen
sich an die frühe Paläologenkunst an und
erinnern stilistisch an die Mosaiken der
Kahrie-Dschami Konstantinopels. Erbaut
wurde die Kirche 1352. Daß um diese Zeit
die Beziehungen zu Byzanz rege waren, be-
weist der Zyklus der 1374 errichteten Spas
Preolwazhenijekirche in Nowgorod, dessen
Schöpfer der Grieche Theophanes ist.
In ihm besitzen wir die erste greifbare
Künstlerpersönlichkeit Rußlands. Von ihm
geht dann Andrej Rublow aus, von
dessen Fresken in der Uspenijekirche in
Vladimir um 1408 einige Kopien eine gute
Vorstellung geben. Auch von dem großen
Zyklus des Dionysios und seiner Söhne
im Theraponkloster (1500—1502) stellt das
russische kunsthistorische Institut Proben
aus.
Von diesem entwickelten Stil führt der
Weg zu der Ikonenmalerei, die gut in etwa
60 Originalen vertreten ist. Sie stammen alle
aus deutschem Privatbesitz.
Wir finden gute Beispiele der Nowgoro-
der Schule, diese vor allem aus der Samm-
lung Dr. Winkler, Königsberg, der nord-
russischen Provinzschule, der Moskauer
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einigt die Ausstellung rund 86 Nummern
bester europäischer Malerei, deren große
Treffer, die beiden Bilder von van Gogh,
das Selbstbildnis Gauguins, Arbeiten von
Hodler, Liebermann, und nicht zuletzt die
beiden prachtvollen und berühmten Bilder
Corinths sind, der Florian Geyer von 1906
und die Salome von igoo, um die man von
jeher Barmen beneiden durfte. Dr. Reiche,
der der gute Geist der von ihm betreuten
Sammlergeneration ist, hat auch als Direk-
tor der Barmer Ruhmeshalle dieser Aus-
stellung ein kluges Katalogvorwort ge-
schrieben. B.
BERLIN
In den schönen Räumen der tüchtigen
Galerie Neumann-Nierendorf ist
eine Jubiläumsausstellung zum 60. Geburts-
tag Kandinskys zu sehen. Man möchte
hier etwas Angenehmes sagen, den Künst-
ler feiern, der so viel Charakter und Un-
beirrbarkeit gezeigt, aber —. Nicht anders
als bei der Kirchner-Ausstellung, über die
wir das letztemal berichten konnten, hat
man den Eindruck des Überlebten. Was
Kandinsky um 1913 herum bedeutete, kann
niemand bestreiten. In jener großen Ent-
scheidungsstunde, als es galt, den Impres-
sionismus zu überwinden, der in eine Sack-
sse gelangt war, der unfähig geworden,
r jungen Generation die Möglichkeiten
r Äußerung zu geben, war das künstle-
che Manifest Kandinskys eine Befrei-
ig, eine Erleuchtung. Sein Werk ist aber
it der Zeit immer trockener geworden,
e Liebe zur schönen Farbe, zur klang-
:hen Differenzierung ist geblieben, den
reg aber, den der Künstler in den Kubis-
us hinein beschritten, hat den Schöpfun-
:n ihre Frische genommen. Die Geometrie
it ihn nicht unterstützt, sondern eher be-
ndert, und eine wahrhaft befriedigende
ymthese ist nicht entstanden. Man hat das
efühl einer Abseitigkeit, eines Laufens im
genen Kreise, einer Lösung vom starken
jtrom der Zeit zugunsten einer esotheri-
g:hen ästhetischen Spekulation.
In der Galerie Wiltscheck, Viktoria-
l'raße, wird eine Ausstellung Tsche-
h o s 1 o w aki s c h er Maler gezeigt. Mehr
ne diplomatische als eine künstlerische
ngelegenheit von besonderer Bedeutung.
|.s muß begrüßt werden, daß uns Gelegen-
en geboten wird, die Kunstprodukte frem-
er Nationen zu sehen, und es kann gar
1 icht genug auf diesem Gebiete geschehen,
alsch jedoch wäre es, wenn die Kritik
urch die freundliche Geste der Gastfreund-
chaft soweit beeinflußt würde, ihr Urteil
u fälschen und wenn sie einen anderen
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