Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 18.1926

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SAMMLER UND MARKT

DIE LUXUSSTEUER MUSS FALLEN
Der neue Reichsfinanzminister hat kürz-
lich im Reichstag die Aufhebung der Luxus-
steuer in Aussicht gestellt und es ist zu hof-
fen, daß damit auch die Luxussteuer für
den Kunst- und Antiquitätenhan-
delin Wegfall kommt, die sich sowohl aus
moralischen als auch wirtschaftlichen Grün-
den heute kaum noch aufrechterhalten läßt.
Moralische Einwendungen gegen diese
Form einer Sondersteuer bestehen vor allem
im Hinblick auf die Tatsache, daß durch sie
der reguläre, jederzeit kontrollierbare Kunst-
handel schwer belastet wurde, während um-
gekehrt der sogenannte nichtöffentliche pri-
vate Handel aus dieser Steuer unendlichen
Nutzen gezogen hat. Denn niemand dieser
„privaten“ Kunstuntemehmer hat sich je
um die Luxussteuer gekümmert und es ist
ja zur Genüge bekannt, wie zahlreiche Ob-
jekte gerade auf dem Wege bewußter Schie-
bung veräußert worden sind und noch je-
den Tag veräußert werden.
Um diese vielen Liebhaberhändler und
vor allem die zahllosen neuaufgekommenen
kleinen Händler, die auch in 90 von 100 Fäl-
len die Luxussteuer nie bezahlt haben, hat
sich die Steuerbehörde nie gekümmert,
trotzdem sie immer wieder darauf hinge-
wiesen wurde, während der reelle Kunst-
händler von den Beamten des Luxussteuer-
amtes oft in empfindlicher Weise bedrängt
wurde. Das war vielleicht der Grund, wa-
rum eine ganze Anzahl angesehener deut-
scher Händler im Ausland Filialen aufge-
macht hat, da in Deutschland infolge der
Luxussteuer ein Handel mit großen Objek-
ten fast nicht mehr möglich war, diese viel-
mehr den oben genannten privaten Kunst-
händlern überlassen bleiben mußten.
In einem Moment wirtschaftlicher
Schwäche, wie wir sie im Augenblick er-
leben, ist die Aufhebung der Luxussteuer
entscheidend für die Existenzfrage eines
großen und wichtigen Erwerbszweiges, der
durch die wesentlich günstiger gestellte
ausländische Konkurrenz Jahre hindurch
schwer zu leiden hatte und dem man heute
vor allem die Mittel in die Hand geben
müßte, das in den Jahren der Inflation viel-
fach verlorengegangene deutsche Kulturgut
wenigstens zum Teil nach Deutschland zu-
rückzuführen. Diese Aussicht besteht in-
folge unserer stabilisierten Währung durch-
aus. Voraussetzung für den Erfolg aber
wäre in jedem Fall die Beseitigung der
Luxussteuer, weil mit derselben ein erfolg-
reicher Kampf gegen die ausländische Kon-
kurrenz nicht möglich ist.

In diesem Zusammenhang darf dann auch
auf die Entwicklung des deutschen Ver-
steigerungsmarktes verwiesen werden,
dessen jäher Verfall gegenüber der blühen-
den Vorkriegszeit vor allem zu Lasten der
Luxussteuer geht, weil die großen Verstei-
gerungshäuser, zumal in Berlin und Mün-
chen, durch die Sondersteuer im internatio-
nalen Wettbewerb um die Auktionen erst-
klassiger ausländischer Sammlungen über-
haupt nicht mehr mitkonkurrieren können.
Und doch stand einmal gerade der deutsche
Kunstmarkt in dieser Beziehung ebenbürtig
neben Paris und London, gar nicht zu
reden etwa von Amsterdam, wo sich in den
letzten Jahren vor allem die entscheidenden
europäischen Ereignisse abgespielt haben.
Die Verkaufsprovisionen der Versteigerun-
gen sind im In- und Ausland ungefähr die-
selben. Kommt aber, wie es bisher der Fall
war, zu dieser Provision für den Eigentümer
der betreffenden Sammlung noch eineSteuer
hinzu, die die Provision fast verdoppelt,
so ist es ohne weiteres klar, daß Deutsch-
land im internationalen Konkurrenzkampf
um ein einzelnes großes Objekt — wie es
z.B. die Sammlung Castiglioni war — von
vornherein wegen der Luxussteuer aus-
scheidet. Es entgehen damit dem Reiche
nicht nur die für die Versteigerung einer
ausländischen Sammlung evtl, fällig wer-
dende Umsatzsteuer, sondern auch alle da-
mit verbundenen Einkommen-Vermögens-
und Gewerbesteuern u. a. m. Gegen die
Luxussteuer spricht endlich noch die Tat-
sache, daß viele deutsche Sammlungen aus
Furcht vor der Luxussteuer ins Ausland
gewandert sind, wo eben eine solche Son-
derbesteuerung nicht erhoben wird.
Gerade weil die großen seriösen Firmen
des deutschen Kunst- und Antiquitätenhan-
dels in diesem Augenblick geschlossen für
die Aufhebung der Luxussteuer eintreten
und weil für die Wiederbelebung der deut-
schen Wirtschaft auch die Entwicklung am
Kunstmarkt durchaus nicht nebensächlich
ist, besteht die Hoffnung, daß in Kürze dank
der klugen Initiative des neuen Reichs-
finanzministers Dr. Reinhold jene Luxus-
steuer endgültig beseitigt wird, die der deut-
schen Wirtschaft mehr Schaden als Nutzen
gebracht hat. Biermann.
EIN REMBRANDT VON SCHWEDEN
NACH AMERIKA VERKAUFT
Eine berühmte Sammlung von alten Mei-
stern in dem schonischen Schloß Vanas
in Schweden hat neulich eine erhebliche
Einbuße seiner wertvollen Kunstschätze er-

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