Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 18.1926

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RUNDSCHAU

Sammlungen
DIE NEUEINRICHTUNG DES
ZWICKAUER MUSEUMS
Das König-Albert-Museum in Zwickau ist
in völliger Neuordnung und -ausgestaltung
der Räume eröffnet worden. Direktor Dr.
Hildebrand Gurlitt hat mit gesammelter Tat-
kraft und zäher Ausdauer seinen planvollen
Willen durchzus'etzen gewußt: wo es beim
Alten geblieben ist, behaupten sich unüber-
windliche Hindernisse. Das fatale Reiter-
standbild König Alberts steht immer noch
in der großen Kuppelhalle und verhindert
jede großgedachte Raumausnutzung. Im
übrigen hat die Direktion mit viel Glück
und noch mehr Geschick, beraten durch
Heinrich Koch vom Dessauer Bauhaus, die
Renovation in allen Abteilungen dürchge-
führt, sodaß die Stadt nunmehr ein reprä-
sentatives und für den Sammler sehr be-
achtenswertes Museum besitzt.
Folgende Abteilungen sind im Museums-
gebäude untergebracht: Stadtgeschichte,
Bürgerliche Kunst, Waffenhandwerk, Pla-
stik des Mittelalters, alte und neue Ge-
mälde, Bergbau, Mineralogie, Geologie, Pa-
läonthologie und wechselnde Ausstellung.
Das Robert-Schumann-Museum, einer stren-
gen Sichtung noch durchaus bedürftig, ist
ebenfalls angeschlossen. Für Vorträge ist
ein großer, äußerst günstig gerichteter
Raum freigemacht worden. Die Verteilung
der Räume entspricht genau Wertund Wür-
digkeit der Objekte. Man kann unmöglich
besser disponieren. Wenn es einmal gelin-
gen sollte, die Stadtbibliothek an anderer
Stelle unterzubringen, würde der Samm-
lung der Kunstwerke die nächstens erfor-
derliche Ausdehnungsmöglichkeit gegeben.
In den beiden großen Sälen für die wech-
selnde Ausstellung hängt gegenwärtig das
Werk von Käthe Kollwitz, im anschließen-
den graphischen Kabinett Heckei, Nolde
und Schmidt-Rottluff in genügender Aus-
wahl. Der Besitz an alten Gemälden ist mit
großer Gewissenhaftigkeit, aber streng ge-
gen jede Inferiorität gesichtet worden, der
Rest ist respektabel. Der Grundstock neue-
rer Gemälde ist bedeutend, was die Quali-
tät betrifft; man begegnet Stücken ersten
Ranges von Kokoschka, Heckei, Pechstein,
Mueller, Feininger, Schmidt-Rottluff, Klee,
Dix, Felixmüller und einiger anderer nam-
hafter Dresdner Maler. Die neue Plastik ver-
treten Barlach, Haller, Archipenko und
Kolbe. Es ergibt sich ein Überblick von aus-
reichendem Umfang.
Von weitestgehender Bedeutung ist die
Sammlung mittelalterlicher Plastik, die

außerordentliche Kunstwerke aus alten
Kirchen der Umgebung enthält und vorbild-
lich ausgestaltet ist. Die Hauptwerke sind
von der Hand des Meisters Peter Breuer
aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts, dar-
unter der Vielauer Altar. Hervorragend sind
ferner die Gruppe der Anna Selbdritt, ein
Meisterwerk von unsäglicher Schönheit, die
Apostelfiguren aus Ebersbrunn, die Maria
aus Wildbach und zwei Kruzifixe vom
Ende des 15. Jahrhunderts. Höchst merk-
würdige, gut erhaltene Stücke belegen die
Wandlungen des plastischen Ausdrucks
zwischen dem 14. und 18. Jahrhundert, einer
Zeit, wo die Stadt noch Mittelpunkt des kul-
turellen Lebens in Westsachsen gewesen
ist. Möge man daran erkennen, welche
hohen Aufgaben sich für die Stadtverwal-
tung zur Förderung des Kulturbesitzes er-
geben. M.R.M.
FRANKFURT a.M.
Durch Stiftung der verstorbenen Frau Ge-
heimrat Rathenau ist jetzt dem Staedel
die Gemäldesammlung Walther Rathe-
naus zugefallen, die neben zwei Werken
älterer Meister Arbeiten von Max Klinger,
Max Liebermann (Die Weberwerkstatt),eine
Landschaft mit Figuren von Manet und Bil-
der von Gari Melchers, Zulvaga, Fernand
Knoph u. a. enthält. Die Sammlung wird
demnächst in einem besonderen Saal zur
Aufstellung gelangen
* *
*
Das Kunsthistorische Museum Frankfurt
a. M. hat von der dortigen Kunsthandlung
Arnold & Siegel, Bockenheimerlandstr. 17,
eine Glasmalerei: Frankfurter Innungs-
scheibe, Moses mit den Gesetzestafeln dar-
stellend, um 1550 erworben.
HANNOVER
Die Neuordnung des Provinzial-Museums
wurde durch Fertigstellung der letzten vier
Räume zu Ende geführt. Der erste Saal ent-
hält die Malerei der deutschen Renaissance,
mit Bildern von Holbein (Melanchthon), Cra-
nach, H. v. Kulmbach u. a.; ein weiterer hat
die italienischen Meister aufgenommen. An-
schließend entstanden zwei Räume mit wert-
vollen Gobelins des 17. Jahrhunderts aus
der Werkstatt von Oudenaerde (Leihgabe
des Barons G. von Münchhausen), mit
prachtvollen, zum Teil einzigartigen Kostü-
men und Waffen.
Auch in letzter Zeit gelang es, einige wert-
volle Neuerwerbungen zu machen. So kam
ein sehr schöner J. Ruisdael, Teich amWal-
desrand (Hofstede de Groot Nr. 592), in den
Besitz des Museums. Für den Rokokosaal

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