Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 18.1926

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Die Asienausstellung in Köln

Mit einer Tafel

Von ALFRED SALMONY


N dritter Stelle steht in der Nachkriegszeit das Unternehmen der Vereinigung

X JLder Freunde ostasiatischer Kunst, Köln. Die Zeitabteilung wird gerecht-
fertigt durch die zahlreichen neuen Funde auf dem chinesischen Festland und
durch die Begeisterung, mit der die Sammelwelt sich den neuen Objekten zu-
gewandt hat. Alle Ausstellungen der neuen Epoche werden daher von China
beherrscht. So war es in der umfassenden Ausstellung zu Paris, die im Frühjahr
1925 der Kunsthändler Ch. Vignier organisierte. Von ihrer Nachfolgerin zu Amster-
dam im Herbst des gleichen Jahres ist an dieser Stelle ausführlich die Rede ge-
wesen. Sie umfaßte überhaupt nur China. Was bietet jetzt Köln?
Vor allem sollte Kunstgut herbeigeholt werden, das man in Paris und Amster-
dam nicht gesehen hatte. Wie in Paris und im Gegensatz zu Amsterdam sollte
der Kunsthandel einbezogen werden, schien diese selbstverständliche Geste doch
nur ein bescheidener Dank an die Pioniere östlicher Kunst und ihre Nachfolger,
ohne die auch der vornehmste Sammler nichts besäße. Das Kunstwerk ver-
ändert sich nicht mit dem Eintritt in eine berühmte Sammlung. Gerade auf
dem Gebiet östlicher Kunst hat sich außerdem der Begriff des Händlers seltsam
mit dem des Kenners, ja des Gelehrten verschränkt. Diese Rechtfertigung fand
wohl die Billigung aller großen Sammler und Museen Europas, denn sie haben,
soweit sie sachlich interessiert sind, die Ausstellung in Wahrheit erst möglich
gemacht. Sie erlaubten vor allem die Einbeziehung des indischen Kulturkreises.
Aus Vorderindien ist in Europa nur Plastik erreichbar. Man muß schon froh sein,
wenn wirklich gute Bronzen aus der Zeit der Stücke im Madras-Museum gezeigt
werden können. Bei der Bevorzugung Hinterindiens mag ein wenig das Spezial-
interesse des Leiters mitgesprochen haben. Relativ leicht war die Beschaffung
der siamesischen Gruppe, denn der Hamburger Bestand stand zur Verfügung.
Aus Birma ließen sich nur mit Mühe kleine und späte Beispiele auftreiben. Auf
Champa mußte verzichtet werden. Java vertreten die Pariser und Essener Bronzen
ausreichend und qualitativ hervorragend. Aber die Kunst von Cambodgia dürfte
einen der Höhepunkte der Ausstellung bilden. Die Stücke entstammen sämtlich
der Angkor-Zeit, dem 9.—12. Jahrhundert n. Chr. Die schönsten stellten die Museen
Guimet und Indochinois in Paris (Abb.). Die unbekannten Köpfe aus deutschem
Privatbesitz bilden zu den berühmten Meisterwerken eine glückliche Ergänzung.
Die großen Plastiken aus Vorder- und Hinterindien stehen in einem schmalen
Gang, nicht unähnlich der Galerie Khmere in Paris. So leicht wird sich eine
solche Fülle von bedeutenden Kunstwerken dieser Gruppe nicht wieder ver-
einigen lassen. Auch ist es nicht sicher, ob die staatlichen Institute Frankreichs
nochmals mit solcher Großzügigkeit ihre Schätze wegleihen werden.
Mit der indischen Plastik wurde die buddhistische Malerei Chinas zusammen-
gebracht. Auch hier stellte das Musee Guimet das Beste, vier Seidenbilder der
Mission Pelliot. Was würden wir wohl in Europa sagen, wenn wir Malerei des
9. und 10. Jahrhunderts in der Erde finden könnten? Man redet soviel von der
Handschrift des chinesischen Malers. Die Beispiele der Ausstellung zeigen die
sichersten und damit die stilgeschichtlich wichtigsten Ausgangspunkte. Die Kunst
kommt dabei durchaus nicht zu kurz. Chinesische Fresken überschwemmen
neuerdings den Markt. Was der Kunsthandel davon nach Köln sandte, gehört
aber zum Besten und Frühesten. Die kleinen Stücke indischer Plastik mußten
mit hinterindischer Keramik, die China nachahmt, und mit Korea einen Raum
teilen.

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