Heidelberger Zeitung — 1866 (Januar bis Juni)

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gar nicht daran, daß Herr von U., wcnn der
Wunsch dcs Beobachters in Erfüllung ginge,
alS Minister scine Jdcen von „Freiheit" in
dcm schon frühcr bcthätigtcn Sinne zu ver-
wirklichen suchen würde; müssen aber den uur
der Wahrheit dicncndcn Beobachter bitten, jeine
Lcser auch bei Zeiten auf das ihnen zugcdachte
Glück vorbereiten zu wollen — vorausgcsctzt,
daß ihm seine Polemik gegen die Hrrren v.
Noggenbach, Lamey. Bluntschli u. s. w. Zeit,
Raum und. — Athem dazn übrig lassen.

Saarbrücken, 30. Dec. Heute Morgen
wnrde dcr Encyclicaproceß gegen Nouge unter
großcr Theilnahme deS Publikums verhandclt.
— Der Staatsanwalt trug auf 14 Tage Ge-
fängniß an; daS Urtheil soll nachsteu Frcitag
vcrkündet werden.

Schlcsttng. Eine angenehme Neuigkeit
für die Bevölkerung Schleswigs ist rs, daß
aus Berlin in den letzten Tagen reichlich 800,000
Mark angckommen siyd zum Ersatz für die ver-
schiedenen KriegSleistungen der Einwohner.
Zwar sind damit dieselben noch nicht vollstän-
dig zedeckt, aber es ist zugleich die Uebermitte-
lung deS Rcstes in nahe Aussicht gestellt, so-
bald nur erst die Nechnungen vollständig auf-
gcmacht und genau revidirt worden sind.

F r a n k r c i ch.

Paris, 2. Jan., Abends. Nach dem heu-
tigen „Abend-Moniteur" lautct die Ansprache
deS KaiserS an das diplomatische CorpS bei
dem gestrigen Empfange, wic folgt: Alljährlich
schauen wir bei demselben Zeitabschnitt zurück
auf die Vergangenheit und werfen cinen Blick
anf die Zukunft. Glücklich sind wir, wenn
wir, wie heute, uns mit einander Glück wün«
schen können, daß wir Gefahren vermieden ha«
ben, daß Besorgnisse verschwunden sind, daß
wir die Bande, welche Völker und Fürsten
vcrcinigen, befcstigt haben. Glücklich zumal
sind wir, wenn die Erfahrung der vollendeten
Ereignisse es unS gestattet, für dic Welt lange
Tage de< FriedenS und deS WohlergehenS zu
inauguriren. Jch danke dem diplomatischen
Corps sür seine Glückwünsche.

G n g l a r? d

London, 2. Jan. Dem Office Reuter
geht per Dampfcr „Hibernian" auS Newyork,
23. Dec., dic Nachricht zu, daß der „Commer-
cial Advertiser" eine Depesche auS Washington
enthält, nach welcher die Franzosen binnen drei
Monaten Mexico verlassen würden. — Gold
1452/g; Wechselcours 159^/z; BondS 103^/^;
Baumwolle 51.

Neuefte dt.chrichten.

Hamburg, 3. Jan. ^aut einem Pariser
Telegramm dcr „Hamb. Nachr." wird für Ve-
netien ein Lokalstatut erlassen, Venedig aber
fortdauernd dem Kriegsgesetze üntcrworfen
bleiben.

Gerlin, 3. Jan. Nach der „Provinzial-
Corresp." sind über die EröffnungSsitzung des
Landtags Bestimmungen noch nicht getroffen.
Es sei jedoch anzvnehmen, daß der König nicht
in Person den Landtag eröffnen werde. Der
Gesetzentwurf wegen Auödehnung des GeschäftS-

bctriebes dcr preuß. Bank, deffen letztliche Zu-
rückweisnng die gesammte HandelSwelt befrem-
det habe, dürftc mit einigen, sachliche Bedenken
bescitigcnden Vcränderungcn der Kammer wie-
dcr vorgelegt wcrden. — Die preußische Be-
satzung deS HerzogthumS Schleswig werde auf
den Antrag deS GouverneurS Frhrn. v. Man-
teuffel behufs Erleichtcrung deS Herzogthums
um sechS Bataillonc vermindert. — Die preu-
ßischc Regicrrtng hegc die Zuversicht, daß Han-
nover der Ausführung deS HandelSvertragS
zwischen dcm Zollvercin und Italien dauernde
Hinderniffe nicht cntgegeustellen werdc. —
Endlich versichert die Correspondenz noch, daß
in den Beziehungen PreußenS zu den fremden
Mächten und in dercn Stcllung zur Elbher-
zogthümcrfrage uicht das Mindeste eingetreten
sei, waS geeignet sein könne, die preußische
Rcgierung in den Ziclpunktcn ihrcr biSherigen
Handlungsweise schwankend zu machen.

Berlin, 3. Jan Der heutige „Staats-
anzeiger" enthält in seinem nichtamtlichen Theilc
einen Artikel über üie nordamcrikanischc Union,
in welchcm dic Botschaft des Präsideuten John-
sou alS eminent conservativ charakterisirt und
die stctigen freundschaftlichen BeziehungenPreu-
ßcns unb der Union constatirt werdeu. Justi-
tutionen, hcißt eS in dem Artikel, welche Eu-
ropa nicht zusagen, haben in Amerika ihre oft
bczweifeltc Kraft bewährt. Trotz der Störung
der Arbeit, trotz der Untcrbrechnng deS Han-
dels, trotz eines beispiellosen KostenanswandeS
habe dicselbe Negierung, welche in vier Jahren
beinahe A/z Millionen Soldaten inS Feld
stellte, die Kraft gefühlt, in etma ebenso viel
Monaten ihr Heer biS auf ^/g zu entlassen.
Der Artikel sagt schließlich, daß eS in regie-
rungSfreundlichen, irrthümlich als die Stimme
der Negierung bctrachteteu, Blättern nicht an
voreiligen und ungerechten Beurtheilungen der
Präsidentenbotschaft gefehlt habe.

Florenz, 3. Jan. Die hicsigcn Journale
nehme» an, daß Scialoja daS Finanzprojekt
Sella's aufrecht erhalten und sich nur vorbe-
halten werde, weitergehende Ersparnisse in den
BudgetS der Ministerieu deS KriegS und der
Marine zu cczielen.

Aus Baden. Herr Legationsrath und
Kammerhcrr Freiherr v. Ungern-Stern-
berg ist nach mehrtägigcr Anwesenheit in
KarlSruhe am 3. d. NachtS 3 Uhr wicder nach
Vevey abgercist. — Jn Mannheim hat sich
ein Dragoner in den L>tallungcn erschossen.
— Nach einer Notiz des „O. C." hat der
Gcrichtshof in Heidelberg die Erweiterung
des CollegiumS um ein Mitglied in Karlsruhe
beantragt, um der kaum zu bewältigenden Ar-
beit entspkechende Fördcrnng zu geben. —
Der Großh. Hofbibliothekar, Dr. v. Weech,
ist schon seit längerer Zeit mit den Vorarbei-
ten zu einer Geschichte beS constitutionellen Le-
benS in Baden vou 1818 bis 1848 beschäftigt.
Soweit das betreffende Matcrial in Regierungs-
acten enthalten, ist es Hrn. v. Weech vollstän-
dig zugänglich gemacht worden; für die Dar-
stellung der oppositionellen Politik und den
EntwickelungSgang der liberalen Partei, die

doch zur Vüllendung deS WerkeS nicht weni-
ger nothwendig ist, fehlt dagegcn daS Ma-
terial sehr. Hr. v. Wecch bittet dahcr Alle,
bei denen er Theilnahme für seine Arbeit vor-
auSsetzen darf, um die Mittheilung etwaiger
Privatcorrespondenzen oder noch fortlebender
persönlicher Traditionen. Alles wird willkom-
men sein, waS auf das damalige politische Le-
ben Bezug hat. Die strengste Discretion in
Bctreff persönlicher Verhältnisse wird zuge-
sichert. Wir fühlen uns veranlaßt, von dieser
Aufforderung unseren Lesern Kenntniß zu ge-
ben und schließen hieran die dringende Bitte,
dem Wunsche des verdienstvollen Gelehrten,
wenn irgcnd möglich^ nachzukommen.

^ ey, 3<). De^br^ ^ i^ fü^ Geschäst^-

Maiinbeim drei^sölchc Ueue Ärbeüer iu chrer Nagel-

sj Aus dem Amtsgerichtsbezirk Ladenburg,

29. Dccbr. Jn dcn Nachbarstädien Weinheim mid

Vermischte Nachrichten.

Vertoosungen.

Wien, 2. Jan. Bei* der heute erfolgten Serien-

zogen?Seiie°139. 220^ ?9l" 452 .^782 .^'l539°" 1551.
1570, 1672, 1683, 2114. 2158. 2122, 2698. 2803.
2826, 3066, 3092. 3657 und -3686.

Obrigkeitliche Bekanntmachungen und Privat-Anzeigen

Großh. Bezirksamt Heidelberg.

Die Dienstbücher der SchiffSmann-
schaften anf dem Rhein, Neckar u.

Main brtr.

Nr. 28465 Nachstehende Ministerial-Vkrordnung
wird auch im Kreisverkündigungsblatt zur Kennt-
nißnadme und Nachachtung veröffentlicht.

Hetdelberg, den 20. December 1865.

S o n n t a g.

Unter Aufhrhung der Verordnung vom 17- Oc-
tober 1845 und unter Hinweisung auf die §§ 47,

49 und 149 des PolizrtstrafgrsetzbucheS vom 31.

October 1863 wird im Einvcrständniß mit Großh.

Ministerium deS Jnnern andurch verordnrt:

8 1- Die alS Reise. und Heimathsausweise der
dienenben und orbeitendcn Elaffe allgemein ein-
geführten Paßbücher find anch von den badiscken
SckiffSmannschaften (SckiffSgesellrn oder Sckiffs-
knechten und SchiffSjungen oder SchiffSlehrlingen)
auf dem Rhein, Reckar und Main zn führen. Sie
bilden zuglrich die Dienstbücker dieser Mannschaften.

§ 2. Der Schiffsberr ist verpflichtet, die Zeit des
Etn- uud Austritts deS Gesellen oder Iungen tn
das Dienstbuch rntwcder selbst einzutragen oder
durck dir nächste Polizeibehörde rintragen zu laffen.

Mit dem Gintrag deS DienstauStrittS wird zugletch
das Zeugniß deS Schiffsherrn über das Betragen

oder letztmalS erneuert wordrn sind, belaffen wer-
den iind gelten so lange auch als Paßbuch.
KarlSruhe, den 11. Rovember 1865.
HandelS-Ministerium.

Mathy. Zehr.

Großh. Amtsgericht Wiesloch.

Nr. 210. Gegen dcn flüchtigen Liaarrenfabri-
kanten Adam Retnhardt von Malsch haben wir
am 23. v. MtS. — vorbehaltlich drr Bestimmung
deS Ta^S des Ausbruchs deS ZahlungSunverm^ögenS

ter Zahlung ihre ^chuldigkeiten nur an den ^auf-
gestellten Massepfleger zu bezahlen.

WieSloch, den 3. Ianuar 1866.

H ö r d t.

Beck.

AuS Wcüddistrict 1, Abth. 24 „Dreieichcnschlag"

Montag, den 8. d. M.,

Vormittags 9 Uhr,

auf hiefigem Rathhause folgenbe Holzsortimentc
verstetgert:

69-/^ Klafter Buchensckeitholz.

52-/4 „ . klotzholj,

b/» „ gemischtcs Klotzholz,

32-/4 „ Bnchenprügelholz,

4Vr „ gemifchtes Prügelholz,

52V, „ büchen Stockholz,

5368 buchene Wellen,

116 gemischte „

3 aspene Muckenhölzer.

Heidelberg, den 2. Ianuar 1868.

Der Gemeinderath:
KrauSmann.

(2) EachS.

ktLtiirkistoriskli-IlleäikiAZkller Verew.

Freitag, den 5. Januar.

Erlenmeyer: Glykolsäure im Pflanzenreich; Rel-
kxnöl.
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