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Heidelberger Zeitung — 1866 (Januar bis Juni)

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Nr. 50-75 März
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https://doi.org/10.11588/diglit.2795#0299

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Utidclbkrgrr Zkilung.

KreisverMldigMgsblatt sür üen Kreis Heiüelbcrg miü amtliches 4!erkündigungsblatt für die Antts-- und Amts-
Gerichtsbezirke Heidelbcrg und Wicsloch und dcn Auitsgerichtsbczirk Ncckargemünd.

M 6«


Dienstag, März

I8«6.

* Politische Umschau.

Heidelberg, 19. März.

Die „Norddeutsche Allgemeine Ztg." bezeich-
net die Nachricht als erdichtel, welcher zufolge
Gräf v. Clarendon eine Depesche nach^Berlin
gerichtet haben sollte, um dem preußischen Ka«
binet die schwere Verantwortlichkeit einer Friedens-
störung zu bcdenken zu geben.

Ueber die neueste prcußische Verordnung in
Schleswig bemerkt die France: „Der General
Manteuffel bchandeltSchleswig wie ein erobertes
Land. Er hat daselbst soeben eine königliche
Verordnung verkündet, welche die Bcwohner
des Landes den Verlust der dänischen Herrschaft
stcherlich bedauern machen wird."

DaS Sendschreiben von Zachariä über Ar-
tikel 84 rc. der Verfaffungsurkunde bezüglich
der ständischcn Redefreiheit ist gestern in allen
BerlinerBuchhandlungen aufAntrag des Polizei-
Präsidiums mit Beschlag belegt worden.

Die Magdeburger Preffe kündigt für den 1.
April d. I. ihr Eingehen an. — Der Social
Demokrat wird von demselben Zeitpunkte an
statt wie bisher taglich nur dreimal wöchentlich
erscheinen.

Die „Hamburgcr Nachrichten" bringen eine
Mittheilung aus Berlin, welcher zufol'ge daselbst
das Gerücht circulirt, der König werde im
Laufe dieses SommerS in Baden-Baden eine
Znsannnenkunft mit dem Kaiser der Franzo-
sen haben.

Die „Wiener Abendpost" bemerkr officiös,
daß der von der „Preffe" gemeldete Abgang
eines Theiles der Pcster Garnison nach Böhmen
nur die Folge dcr alljährlich stattfindenden
Truppendislokationen sei und keincrlei politischc
Bedeutnng habe. (Aber doch dic wenigstens, den
in jüngster Zeit vielfach vorgekommenen Ex-
zessen zu steuern.)

Die „Wiener Debatte" erfährt, daß von
Seiten der Westmächte eine Kundgebung gegen
die in der Verordnung dcs Königs von Preu-
ßen vom 11. März geführte Sprache zu er-
warten sei, da in diesem Erlasse der proviso-
rische Charakter dcr Dinge in Schleswig-Hol-
stein geradezu negirt werde.

Eine österreichische Circular-Depesche an die
nichtdeutschen Mächte setzt den bedrohlichen
>L>tand der Herzogthümerfrage auseinander, be-
kämpft die Annexion und macht Preußen für
die hieraus entspringenden Eventualitäten ver-
antwortlich.

Deutscbland.

Korlsruhe, 17. März. 5. öffentl. Sitzung
der 1. Kammer. Vorsitz: Se. G. H. der Prinz
Wilhelm. Am Ministertische: die Staatsminister
Dr. Stabel uud Frhr. v. Edelsheim, die Staats-
räthe Dr. Lamey, Dr. Vogelmann und Mathy
und Geh. Nath Dr. Junghanns. Prälat Holz-
mann ist wegen Krankheit vcrhindert zu er-
scheinen. Nach Eröffnung der Sitzung erklärt
der durchkauchtigste Präsideiit, er habe in der
Sitzung vom 10. d. M. gelegcntlich der An-
frage des Frhrn. v. Andlaw ait den Präsiden-
ten dcs Ministeriums des Jnnern sich veran-
laßt geseheu, in den Worten des Freiherrn (be-
züglich gehcimer und offener, religionSwidriger
Tendenzeu des Schnlaufsichtsgesetzes) ciuen
Angriff auf das Gesetz zu erkennen; nachdem
er nun aber die stenographischen Berichte ver-
glichen, habe er sich überzeugt, daß den Worten
eine Dentung zu geben sei, wyrnach sie gegen
eine Partei, nicht gegen das Gesetz gebraucht
wurden, und sei er geneigt und verpflichtet, dies
zu erkennen. — Frhr. v. Andlaw dankt Sr.
Gr. H. für die richtige Deutuug jener Worte.
Er spreche das Recht seiner Ansicht in vollem
Maße an, natürlich in jenen Schranken, welche
ihm feine Erfahrungen, seine Bildung und
seine LebenSstellung auferlegen. Redncr zeigt
an, daß er nach den Ferien seine Anklage gegen
Staatsrath Lamey in Form einer Motion be-
gründen werde.

Die Tagesordnung führ-t zur Jnterpellation
Sr. Durchlaucht des Fürsten Karl zu Löwen-
stein an das gr. Staatsministcrium bezüglkch
einer Acußerung deS Präsidenten des Ministe-
riums des Jnnern in der Sitzung der Ersten'
Kammer vom 9. Dezember v. I.

Se. Durchlaucht stcllt mit VorauSschick-
ung einer kurzen Begründung an das großh.
Staatsministerium die Anfrage, welchen Stand-
punkt daffelbe zu der Acußerung des Präsiden-
ten des Ministeriums des Jnnern einnehme?

Staatsminister Dr. Stabel: Die einzelnen
Mitglieder des Staatsministeriums — denn nur
diese können interpellirt werden, nicht die oberste
Staatsbehörde als Kollegium — sind jederzeit
bereit, über ihre Amtshandlungen und deren
Gründe. über ihre Beschlüsse und Anordnungen
Auskunft zü geben, soweit diese Handlungen
überhaupt eincr ständischen Kontrole unterliegen.

Wir bemühen uns jedoch vergeblich, in der
Jnterpellation eine Anfrage über irgend eine I

bcstimmte AmtShaudlung zu finden. Jhr Jn-
halt und Zweck ist vielmehr lediglich der: unsere
Gedanken auszuforschen über eine Aeußerung,
welche ein Mitglied des Staatsmiuistcriums
vor längerer Zeit in einer Sitzung des hohen
Hanses gethan hat.

Die Beantwortung einex Jnterpellation ent-
hält das Anerkenntniß ihrer Berechtigung. Wir
würden also durch unsere Einlassung auf dicse
Anfrage das Recht einräumen, hicr unsere Ge-
danken und Gesinnungen in beliebiger Richtung
auszuforschen, uns nach Bekenntnissen dieser
und jener Art zu fragcu. Unsere Pflicht ver-
bietet uns aber, einen solchen Gcbrauch und
eine solche Ausdehnung deS Jnterpellations-
rechts zuzugeben, und so gerne wir auch ge-
rade über dicsen Gegenstand unsere Gedankcn
offenbaren und so gern wir nachweisen möchten,
daß der fragliche Satz schon seit 60 Jahren
nicht nur in unseren Konstitutionsedikten, son-
dern in viclen VerFassungen Deutschlands ge-
schrieben steht, so müffen wir doch zu unserem
Bedauern eine solche Antwort ablehnen.

So lange die christliche Welr besteht, hat es
unseres Wissens nur ein Jnstitut gegeben, das
sich zur Aufgabe machte und sich die Bercchti-
gung zufchricb, die Gcdanken und Gesinnungen,
das Meincn und Glauben der Mcnfchen aus^-
zuspüren und zu vcrfolgen.

Es war dics das Jnstitut der sog. heiligcn
Jnquisition. Sie hat Tausende und aber Tau-
sende der bcsten Menschen dem Scheiterhaufen
überliefert, nicht deßhalb, wcil fie irgend eine
unrechte Handlung begangen hatten, sondern
weil man ihre Gedanken und Gesinnungen ver-
dammte oder verdäcbtig fand.

Wir wcrdcn niemalö zugeben, geschweigc denn
indirekt durch Anerkeunung des Prinzips be-
günstigen, daß der Versuch gemacht wird, die-
ses hohe Haus in ein Tribunai der Heiligen
Jnquisition zu verwandeln und statt der Ver-
fassungSurkunde das kanonische Recht auf den
Tisch dcs Hauses zu legen.

Darum, durchlauchtigste, hochgeehrtesteHcrren,
können wir dem Verlangcn des Herrn Juter-
pellanten nicht entsprechen.

Staatsrath Dr. Lamey erklärt, daß blos
Mißverständniffe obwalten. Der Sinn der
Jnterpellation sei ihm nicht ganz zugänglich,
es sci darin bereits eine Anklage gegen ihn und
ein Tadel gegen das StaatSministcrium ent-
k halten.

-j- Mufikalisches.

diegenes. Der Eoncertgeber selbst zeigte uns, daß
er mit vollem Rechte mit dem rrsten Preife des
Pariser ConservatoriumS gekrönt wurde. Wir be-
wunderten bei seinem Spiele sowohl den schönen
Ton, der in der Tiefe kraftvoll und markig, in der
Mitte und Höhe vou wunderbarer Zartheit und
Retnheit ist, und in den gefühlvollen Stellen oft
srappante Aehnlichkeit mtt einer schönen mensch-
llchen Singstimme hat — als die große technische
Fertigkeit nnd Eleganz seiner Bogenführung. Das
„Trio von Mendelssohn, wobei ein ausgezeichneter
hiesiger Dilettant, sowie zu unferm besondern Ver-
gnügen unser so belirbter, schyn sett längerer Zeit
nicht mehr gehörter Klavicrvirtuose Beggrow mit-
wirkten, wurde mit einer Vollkommenheit, Präzi-
fion und Abrundung vorgetragen, die man nicht
letcht wieder finden wird, und volle Anerkennung
verdienen. Hieran reihten fich mehrere von Hcrrn
Friemann ausgeführte Concertstücke, in welchen

seine oben erwähnten Etgenschaften zur vollständi-
gen Geltung kamen, und namentlich bei dem„Sou-

Künstler mit liebenswürdiger Bereitwilligkeit Folge
leistete. Die Gesangsparthie war von einem jungcn
Tenoristen, Herrn Ruff auS Matnz, vertreten.
Wenn das Programm einen Tenoristen ankündigt,
so erwartet man immer mit einer gewissen Bangig-
keit seine Leistungen, denn wie wenige gute Tenor-
sänger gibt es! Um so angenehmer waren wir daher
überrascht, als schon bei deu ersten Tönen des
Sckubert'schen Liedes „Am Mecrc" eine Stimme
erschallte von einer Schönheit, Kräft und Metall,
von einer Lieblichkeit und Reinheit, daß fie unS
wahrhaft entzückte, dabei tirfes Verständniß deS
Vorgetragenen.

Wir wünschen dem jungen Manne herzlich Glück
zu dieser schönen und theucrn Gottesgabe, die ihm
etne glänzende Zukunft verspricht. Wir hatten an
setnem Gcsange nur eines auszusetzen, wir wünsch-
ten, daß die Consonanten brsser zum Vorschein
kämen, damit seine Aussprache etwas deutlicher
würde, die Wirkung seiner Sttmme gewänne da--

innerung an diesen Abend wtrd gewiß allen Kunst-
freunden noch lange im Gcdächtniß bleiben.

Ein rafsinirter Gaunerstreich.

welier ein rasfinirter Gauners?reick ausgeführt.^der
seinesgleichen in der Geschichte von Betrügereien
suchen dürfte. Zu einem der ersten Juweliere Lon-
dons kam ein franzöfischer General, dte Brust reich
mit Orden geschmückt, den rechten Arm in einer
schwarzseibenen Binde tragend, und legte dem Ju-
welier eine Zeichuung zu einer kostbaren Broche
nebst Obrgebängen und einem Armbande vor, ge-
nau angebend das GkPicht, die Reinheit unb die
Farbe der Steine, die dazu verwendet werden soll-
ten. Endlich ben Kostenpreis derührend, erfuhr
er von dem Iuwclier, daß letzterer den Schmuck
mtt Ruckstcht °uf die °b,n g,flell„n Bektnguugkn
ntcht untki ck»0» Pfd. Strrltng (»,.»»» ff. g W.)
h,rzust,ll,n virmögk. D«r Grnrrnl war -nrltch mit
u"d gad rinr I»0 Pfd.-
Note (lOstO ff. ö. W.) als Anzahlung. Jn virc
Wvchrn solltr drr Schmuck firttg srtn. Rach V-r-
l-us dtrsrr Zrit rrschirn rlchlig d-r G«n-r-l Vvr-
miltags, in Brglritung -tn-s rrich mit «vld br-
trrßlrn Brdtrnlrn und srug. ob srtn Schmuck schon
 
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