Heidelberger Zeitung — 1866 (Januar bis Juni)

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Utidtlbergtr Ztiluiig.

Kreisvcrlündigungsblntt fiir den Kreis Hcidclberg und aintlichcs Verkündiguügsblatt fiir die Antts- und AintS-
Gcrichtsbczirke Hcidelblrg und Wicsloch und dcn Auitsgcrichtsblzirk dlcckargciiilind.

M K7- '''^^88777'^''* *- Freitag. F-ebruar 18««

* Auf die „Heidclberger
Zeitung" kann man sich
noch für die Monate
Februar nnd März mit 42 Kreuzern abonniren
bei allcn Postaustalten, den Boten und Zei-
tungsträgern, sowie der Expedition (Schisfgasse
Nr. 4).

* Politische Umschau.

* Das hcute tclegraphisch berichtete Urtheil
deS Berliner ObertribunalS in der Tivcstcn'schen
Sache wird nicht verfehlen, in ganz Dentich-
land und über die Grenzen Dentschlands hin-
auS ein peinliches* Erstaunen hcrvorzurufen.
Eö wird dieß um so mchr der Fall scin, als
ein srüherer Beschluß dcssclbcn GerichtShofes
vom Jahr 1853 vorlicgt, welchcr die Erhcbung
einer Anklage gegcn cincn Abgcordneten wcgen
in dcr Kammer gehaltener Neden als mit dcm
Art. 84 dcr Verfassung im Wiverspruch stchend
abgclehnt hatte. Nun hat sich aber in ncucrer
Zeit die Staatsanwaltschaft durch dieses Citat
aus eincr cbenfalls schwercn Neactionsepoche
nicht abschrccken lasscn, und dcnnoch neucrdings
ihre für als bekannt vorausgesctzte Anklage cr-
hoben. Jndcssen wiesen die Gerichte Itcr und
2tcr Jnstanz die'Anklage ab. Dic StaatSan-
waltschaft basirte ihrc ncue Anklagc auf die
spitzfindige Argnmentation, daß unter „Mei-
nungen" im Sinne dcs Art. 84 (wonach die
Abgeordnetcn nnr innerhalb der Kammer
auf Grund dcr GeschäftSordnung zur Ncchen-
schaft gezogcn werdcn köuncn) nicht alle Acuße-
ruugcn der Abgeordnclen überhaupt, sondern
nur dic Motivirung der Abstimmungcn zu ver-
stchcn sei, daß also cin Abgeordnelcr wcgen
andcrcr gcäußertcr Worte den gewöhulicheu.Ge-
setzcn unterliege, weun dicse Jujuricn rc. eut-
hicltcn. Ob das Obertribuual nun diese An-
sicht des Staatsanwalts adoptirt, odcr ans an-
dern Grüuden seincn exorbitantcn Beschluß er-
lassen hat, wird sich bald zeigen, wcnn die Ent-
scheidungsgründe bckannt geworden sind. Wir
wcrden dann auf diescs ausiällige Ereigniß
zurückkommen.

Die von dcr „A. A. Z." gcbrachte Nach-
richt, daß die Tübinger staatswissenschaftliche
Facultät die Beurtheiluug der Arbcitcn znr Lö-
sung der Welker'schen Preisaufgabe abgelchut
habe, wird in demselbcn Blatte als unrichtig
erklärt, da die Facultät noch gar keinen Be-
schlnß in dieser Sachc gcfaßt habe.

Die „Wicner Abendpost" ist gegenüber der
vom „Mem. diplom." vcröffentlichten Analyse
eineS angeblichen NuiidschrcibcnS an die diplo-
matischeu Vertretcr OcstcrrcichS übcr deu der-
maligen Stano dcr schlcswig-holsteiuischen Frage
zn crklären ermächtigt, daß ein solcheö Nund-
schrciben überhaupt nicht cxistirt, dic Analyse
dahcr auch keinen Anspruch auf Glaubwürdig-
keit machen kann.

Der in Müncken cingetroffeuen Deputation
ist dic erbetene Audienz bci dem König nicht
bewilligt, dcrsclben aber bcmerkt worden, daß
sie ihre Anliegen durch das königl. Staatsmi-
nistcrium des Junern in Vorlage bringen köuue.
Sämmtliche Mitglieder dcr Deputatiou sind
wiedcr abgcreist.

Großes Aufsehen «nd bedeutenden Eindruck
hat zu Paris die gcstcrn gemcldete Nachricht
vom Ucbcrfalle der mcxikanischen Stadt Bag-
dad durch s. g. „Freibeuter" aus der Union
unter Führung des Gencrals Necd, eines An-
gehörigen des Geueralstabs von Crawford, gc-
macht.

Dic Cholcra tritt -in Brest ziemlich hcftig
auf, namentlich kommen häufig fast plötzlich
tödtende Fälle vor.

Ju VcrvicrS wurde am 27. Januar vie
Büste von Nichard Cobden cnthüllt. Zwci-
undzwanzig Handclökammern hattcn der Ein-
ladung dcrjcnigcn'von Vcrviers dnrch Zusen-
dung von Deputationen entsprochen. Die
Feier im Stadlhansc unter Gcrvy's Vorsitze
war durchauS würdig.

D e u t f ch l a n d.

Karlsruhe, 31. Jauuar. Se. Königliche
Hoheit dcr Großherzog haben Sich aller-
gnädigst bcwogcn gcfundeu, dcn großltz Geh.-
Nath Dr. Maximiliau Joscph Cheliuö in
Heidelberg auf iein untcrthänigstes Ansuchen
mittelsi Allerhöchstcr Entschlicßnug auS großh.
Staatöministerinm vom 2. d. M. für sich und
seine ehclichcn Nachkomincu in dcn AdclSstand
des Großhcrzogthums zu erheben, den biöheri-
gen großh. Consul Eduard Lämmert auf scin
Ansuchen der ihm seiuer Zcit übertragencn
Funclion eineö großh. Conjuls für Nio dc
Janciro, nnter Aucrkeniiung der gcleistctcn
Consulardienste, in Gnadcn zu enthcben, dcn
Iisenbahubaucassier Schumacher in Gengen-
bach zum Obcreinnchmcr in Hornberg zu er-
ncnnen.

Se. Königliche Hoheit der Großherzog
haben mit höchstcr Elitschlicßung anS großh.
Staatsministerium auf die Höchstihrcm Patro-
nat uuterlicgende kathol. Pfarrei Wattcrdiugen,
Dccanals Engen, den Pfarrcr Franz Auton
Stang iu Lcnzkirch, und anf die Höebstihrcm
Patronat nntcrliegcude kathol. Pfarrci Wyhlcn,
Decauatö Wiesenthal, den Pfarrer Chryjosto-
mus Burkhardt von Wieden gnädigst zu er-
ncnnen geruht.

Karlsruhe, 31. Jan. DaS hente erschie-
neue Negicrnngsblakt Nr. 7 cnthäll (außer
Personalnachrichten):

I. Verfü.umgen und Bckaiintmachiinaen der Mini-

burg - sünderShauseu'sche Rcgicrung unlerm 20. v. M.

UI. TodeSfall. Gestoiben ist: Am 23. Decbr. v. I.
Geb.-N.ith Dr. Bnchegger dahier.

Karlsrrrhe, 31. Jan. Se. Großh. Hohcit
der Prinz Karl ist heute früh 2 Uhr auS Ve-
vey wiedcr hiehcr znrückgckchrt.

Am Vorgestrigen hat Se. Kaiserl. Hohcit
dcr Herzog von Leuchtcnbcrg, Brudcr Jhrer
Kaiscrl. Hoheit dcr Priuzessin Wilhclm, die
Nückrcise nach St. Peteröburg wiedcr auge-
trcten. (K. Z ) ^

-j-* Karlsruhe, 3l. Jan. Die Verzögcruug
dcS WicverzusammcntrittS der Kammern hat
wenigstens das Gute, daß die Arbeitcn mehr
alS soust vorbereitct nnd zu cinem gewisfen
Abschluß gcführt an die Stände kommen. Dics
gill iuöbesoudcre auch hinsichtlich dcr Bericht-
erstattung übcr die umfangrcichste Vorlage an
die zwcile Kammer, wclchc in der Negel weit
die meiste Zeit in Auspruch nimmt. Es sind

X Vorträgt im Museum.

Vcrfloffenen Samstag hielt Herr Prof. Kuapp
im Museilmssaale dahier einrn Vortrag über
Krankenhäuscr, besonderS Augenklini-
ken. Er sagte, daß er dieses im Vcrgleich zu an-
dern nicht scbr k-ankbar erscheinende Thema aus
praktischcn Rücksichten gewäblt habe, indem rs für
Heidelberg etne Tagesfrage sei. Er begründet dte
Kra'.ikenhäiiserals Wohithätigkeitsanstalten in ihren
vcrschicdencn Formen als nothwcndige Folge dcr
Glicderung der bürgerltchen Grscllschaft in Arme
und Reiche. Abcr auch der Reiche könne in die
Lage kommen, von cinem KrankenhauS Gebrauch
zu mcichk,,, wenn er sich in dcr Fremdc brfinve
oder ihm in sciner Heimath nicht die bestcn Be-
dingungrn de'r Heilung (Clima, ärztlicbc Special-
bildung, besondere Heilapparate u. dgl) zur Ver-
fügung ständen. Unter einem clinischen Kran-
kenhauS odrr kiner Elinik verstrhe man eine An-
stalt, welche neben dem Hctlzwccke noch den deS
Unterrichts der jungen Acrzte vrrfolge. Darauf
spricht Rekner über Entstehung und Gcschichte
der Krankenhäuser, wobci er auf die große Ver-

breitung der Aiissahhäiiser im Mittelalter hinwcist.
Die Krauk.nkäuser der Zctztieit spccialisirten sich
nach zwci Richtungcn htn, 1) der drs Hetlmit-
tels, wclchrs ausschlicßlich oder vorzugsweise in

gleichartige Kranke aufnehme, z. B. Augrnkranke,
Hautkranke, chirurgischc Kranke u. s. f. Erstere Art !
von Anstalten liefe Gefahr, die Nützlichkeit ibreg !
aUkjnigen Heilmittels zu schr auszudehnen und so
Zweckmäßigeres zir unterliffcn odcr gar zu schabrn. l
Lctztrre Art dcr Specialisirung nach drn einzclncn
Krankhciten biete bei hinrrichcndem Brsuch die besten
Bürgschaften, indem die Becürfniffe einer besonbe-
rcn Elaffe von Kranken leickter erkannt unv be-
schafft, ebenso die A rzte geschickter werven könutrn, !
als wenn zu Vrclerlei unv zu Verschirdencs in riner ^
Anstalt verriuigt werve. Das Princip der Arbeits- ^
theilung zrige fich hier, wie übrrall, rmpfehlenS-
werth. Eine weitere Trennung über vie unentbebr-
lichen 3-Eliniken der UnivrrsiiätSspiläler sei auch
in unserm Lanke durch daS Anwachfen der Städte, ;
den erlctchterten Vcrkehr unb an den Universitäten

durch die Fortschritte der Wissenschaft und dcS Un-
terrichts grboten. Die Arrenanstalten hältcn sich
schon Ilbcrall abgezweigt. Zn nnscrm Lande sei dafür
im Vcrgletch zu andcrn Ländcrn und andcrn Be-
dürfniffcn im eigrnrn Lande unverhältnißmäßig
rrichlich grsorgt. Rcdner will damit nicht sag.n,
daß zu virl geschrhe, nicht cinmal bchaupten, daß
genng gcschrhe, sondrrn nur auf das übergroß
erschcinende Mißvcrhältniß in unserem Ausg-rbe-

niffrn hinwciscn.

Nächst drn Gcisteskrankrn dürften wohl die B lin-
den die unglücklicbsten Miiglicder vrr menschlichen
Grsrllschast sein. Wenn auch durch Älindenanstälten
für dirselbrn grsorgt würde, so könne man hier
doch mit virl fruchlbarerrm Erfolg, als bci den
Serlcngrsiörten, darauf bcdacht sein: wie die Er-
blindung so virl als möglich zu ve hüten unv wie
dte einmal eingetretrnc zu heilen sei. Dirs gr-
schche, wrnn die Arrzte rs sich zur Pflickt machten,
sich mit der Erkrnnung und Heilung drr Augen-
krankheiten gründlicher vertraut zu machen, als
dtrs bis jetzt im Allgemetnrn drr Fall wäre. Dazu
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