Heidelberger Zeitung — 1866 (Januar bis Juni)

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H8««.

Samstag, 17 Marz

* Politische Umschau.

Heidelberg, 16. 'Äärz.

Nach cincm Tclec,ramm der Wicner „Prcsse"
har das ungarische Landcscommando Bcsehl cr-
haltcn, sosorl eincn bcträchtlichcn Theil der
Pcst-Ofencr Garnison nach Böhmcn abzu-
scnden.

Nach der Wicncr „Corresp." wird tzer fran-
zösische kaiscrliche Prinz in seiner Eigcnschaft
alö Präsident der Pariser Welt-Jndustrie^Aus-
stcllung dcn Kronprinzcn von Oesterreich zum
Besuche der Ansstcllnng einladen.

Nach dcr „Schlesw.-Holst. Ztg." bestätigt
sich das scit etlichcn Tagcn umlaufende Ge-
rücht, Gcncral von Mantcufsel werde aus
Schlcswig abbcrusen und zuvördcrst durch den
Gencral von Moltke crsetzt werden.

Jn cincm Sendschrcibcn an die Herrcn
Dunckcr und Hnmblot'in. Berlin „Ueber Ar-
tikcl 84 der prcujsischcn Verfassnngsurknnde"
begründct Profcssor Zachariä iu Göttingcn seine
rechtliche Uebcrzcugung von dcr völligen Un-
haltbarkeit und der objcctiven Vcrfassungs-
widrigkcit dcS Obertribunals-Beschlusses vom
29. ^anuar.

Ern Bcrliner Telcgramm des Wiener „Va-
terland" mcldet, es seicn Verhandlungen mit
Prcnßcn wegcn Ablrctnng Holsteins bevor-
stehcud. Ocstcrrcichs Vorschläge würdcn cr-
wartet. Eine Territorial-Compensation gelte
als nnmöglich.

Die kurhessischcn Stände sind durch aller-
höchste Bolschaft am 14. d. M. vertagt worden.
Jn eincr vorher stattgchabten geheimen Sitzung
wurde (wie schvn gcstern unter Kasscl kurz ge-
mcldet) beschlossen: 1) Die Ständevcrsamm-
lung crklärt Angcsichts des Landes: die Staats-
rcgicrung verweigert gegen die Landcsversassung,
dcn Bnndcsbcschluß vom 24. Dtai 1862, gegen
Fürstcnwort die volle Wiederherstcllung deö
LandeSrechtS; sie vcrnachlässigt trotz unausge-
setzter Mahnungen der Stäude fortwährend
ihre Fürsorge für die gcistigen Jnteresscn und
für materielle Landeswohlfahrt. 2) Stänve
legcn gegen die Folgen der Mis;regiecung Ver-
wahrung cin. 3) Gegen dcn Exjustizminister
Pseifer und Jnstizministcr Abce erhebcn sie
Anklage auf Verfassniz>gsverlctzung wegen Nicht-
zurückziehung des provisorischen Gesctzcs von
1851, das die gcsctzliche Ständemitwirknng bei
der Besctzung dcs OberappellationsgerichtS bc-

Die Leiden des Millionärs.

Paris, 4. März.

nären Rußlants nnd scbätzt scine jährlichrn Ein-
künfte auf drei Millionen Francs.

Dic Pariscr HandelSwrlt sprculirte anf dirse fette

Die Gräfin macbte von diescm Credit einrn reich-
lichen Gebrauch. Das HauS Gourdon u. Co. srn-
drte ihr einige Toilrttesachen um 564lt FrS. und
ein zirmlich einfachrs Klcid — krinrswegS ein hof-
fähigrS Salonkleid — auch um 100t» Frs.

Wrder ver Graf nock die Gräfin kümmerten fich
um die Bczahlung; dcr Sendung entspracd wobl die
frrundliche Annahme derselben, aber bri drr Be-
zahlung gkbraucdtrn fie daS vielgerühmte Mittel deS
pasfivrn Widerstandes.

Gourdon u. Co. sahen fich endlich zur gerickt-

seitigt. Die bcrcitS entworfene Anklageschrift
wird genchmigt uud der blcibende StändeauS-
schuß mit dcr Aussührung beauftragt.

Deutschland.

K«Arlsruhe, 16i März. ,Sc. Königliche
Hoheit dcr Großherzog haben dcm Geh.-
Nath Prof. Nau in Heidclbcrg die nachgcsuchte
Erlaubniß zu crtheilcn gcruht, deu ihm von dem
Kaiser von Nnßland vcrlichenen St.-Annen-
Orden zweiter Klassc anzunehmcn und zu tra-
gcn, — den Negistrator Stahl bei dem Verwal-
tungshof bis zur Wiederherstcllnng seincr Ge-
s^ndheit in den Nuhestand zu versetzen.

Karlsruhe, 15. März. Das heute cr-
schienene Regbl. Nr. 14 enthält (außer Per-
sonalnachrichten):

l. Gesctz, die frühere Cinbcrufung dcr Nc-
crutcn betrcffend. Dadurch wird das KriegS-
ministerium ermächtigt, dic Nccruten jewcils
am 1. März in Dicnst zu rufeu. Jn dicsem
Falle ist überall, wo dic Conscriptionsgesctz-
gcbung dcn 1. April als Fcist bezeichnet, dcr
1. März die gcsctzliche Frist.

H. Todeöfälle. Gestorbcn sind: Am 1-4. Dcc.
v. I. der pensionirtc Amtmann Umrath in
Karlsruhe. Am 14. v. M. dcr peniionirte
Staatsminister v. M cyie n b u g in .NarlSruhe.
Am 27. v. M. der Kriegsministerialrcgistrator
K. Stulz in KarlSruhe.

-s* Karlsruhe, 15. März. (Scchszcbnte
öffentliche Sitznng der zwcilcn Kammer.) Ta-
geöordnung: Forlsctznng dcr Berathnng des
Bcrichts der Bndgetcommission übcr den Vor-
anschlag des Handclsministerinmö für die Jahre
1866—67. Die Negiernug stctlt unter dem
Titcl: „Landeögestüt" eine neue Forderung vou
1000 fl., als Gehalt für Anstcllnng eines Aisi-
stentcn des Landstallmeiste.rs. Dcr Abg. Nodcr
trägt anf Strich dicser Forderung an, da ein
solcher Aisistknt ganz unuöthig sei. Er wird
zwar vielfach unterslützt, dcnnoch wird die For-
derung- schließlich bewilligt.

Für die gcwöhnliche ordnungSmäßigc Untcr-
haltnng der StaatSstraßcn werdcn 478,895 fl.
verlangt. Wir besitzen dermalen noch, nach
Ueberwcisung vieler Slraßcn an die Gemein-
den, 393^/z Stundeu Staatsstraßen; cs kostet
demnach jede Stunde Slaalöstraßc in ihrcr
Unterhaltung etwas über 1000 fl.; oft abcr
reiche dicse Summe nicht auö. Schaasf meint,
man vcrfahre ost in der Ukbcrweisuirg dcr Stra-

lichcn Klage grgcn die russifchcn Millionärr, dcn
Grafen und die Gräfin Kuschrlrff, vrrgnlaßt. Am
27. v. Mts. kam die Sache bei drm Civil-Tribu-
nal der Seine zur Vrrhandlung.

Dir Gräfin hatte drr Klage krinerlri Cinwen-
dung entgrgcnznsrtzen; rs wäre aber auch unnütz
gcwcscn, denn rs lirgt rine zirmlich staikc Corre-
spondcnz vor, worin sir, in Anerkrnnung der Vor-
trrsflichkrit drr Srndung, um nichtö als advoca-
»tische Fristen wirbt - zur Zihlun,i. Dcr Graf da-
grgcn vrrweigert tie Zahlnng rntschicdrn. Lr be-
hauptet, daß ihn dir Scknlden fiiner Frau nickts
angrhrn; er sei ein Ruffe und nach russischen Ge-
sctzcn habe jrder Ehcgatte nur für s.ine rigrnen
Schulden rinzustehrn. A»s drm V.rmkgcn drs an-
drrn Ehegatten könncn sie uicht hercingrbracht wer-
dcn- Aber auch nach drn französiscbcn Gc<etzen
könne er zur Zahlung solcker Schulden,'wie die
ring.klagte, nicht vcrhalten wrrden, drnn rr babe
jrne Sachcn f»r scine Frau bei Gourdon u. Co.
nickt brstrllt. Als er nach Pa.is kam, sei ihm un-
glücklicherwrise der Ruf rinrS Millionärs voran-
gegangrn; ein solchcr Ruf könne und müffe j.dcn
MiUionär tn PariS zum Brttler machrn. Die ganze

ßen an die Gemeinden zn rigoros. Der Ne-
gierungscomniissär Muth wcist nach, daß dieS
nicht dcr Fall sei; man bcfolge hanptsächlich
dcn Grundjatz, nur solche Straßen auszuschei-
den, wclche mit der Eisenbahn parattcl gehen.

Tritscheller bringt daS Offenhalten dcr
Winterbahncn von Schnce, besondcrS auf dcm
Schwarzwald, znr Sprache.' Dics sei für die
Gemcindcn cine große Last, selbst ganz kleine
Gemeindcn müßtcn ofl 7—800 fl. dafür aus-
gcben; man solle sie daher bcsser nntcrstützcn.
Das Bndgct cüthält hiefür 3000 fi. jährlich;
cs wird hicrvon dcn Gemeindcn pcr Arbeitcr
20 kr. täglich, und pcr Pscrd 1 fl. vcrgütet.
Man sindct dicse Ansätze allgemcin zu gcring
und wird dcShalb anf Gerbel'S Antrag der
Wunsch zu Protokoll gcgeben: daß die Ncgic-
rung dic einschlägige Verordnung den jetzigen
Verhältnisscn cntsprechend rcvidiren möge, und
daß übcrhaupt keine Gemcinde zu dicser Art
Frohnoen über ein gewisseS, ihren Vermögcns-
vcrhältnissen nicht cntsprechendcs Maß bcigezo-
gen wcrden möge.

Schlicßlich wird dcr Gcsammtctat dcS Han-
delöministeriums mit 1,352,727 fi. für daS
Jabr bcwilligt.

Die Kammer gcht zu dem zweiten Gegen-
stand dcr Tagesordnnng, zur Berathnng dcs
VoranschlagS des Ministcriums dcS grvßhcrzogl.
HanseS und der auöwärtigen Angclrgenheitcn
über. Bou der hohen Wichtigkeit der Sache
thcilen wir vorcrst nur anö den hcntigcn Ver-
handlnngcn mit, was sich auf die schleSwig-
holstcinische -Fragc bezieht

Wie in der Negcl gab die Position: „Bei-
träge zu dcn BnndcSkosten" auch hrule Anlaß,
die Znstände Deutschlands, beziehungswcise die
Lage der Hcrzogthümer znr Sprache zu brin-
gcn. DcrAbg. Knies trng hicrüber im Wc-
scntlichcn Folgcndcs vor: Man.würoe die For-
dcrung gcrne bcwilligcn, wcnn nnr anch die
BundcSvcrsammlung zu Franksnrt den Erwar-
tungen des dcntjchcn Volkes entspreche. Er cr-
innere daran, wie in den lctzten Jahrcn durch
Häusscr'S Vcranlassnng von dcm Vorfahrcn
des jetzigcn MinistcrS dcs AuSwärtigcn über
die Auffassnng nnd di? Aussichlen bezüglich dcr
schleswig holilcinischen Frage im answärtigen
Amte Erklärungcn gcgcben wordcn seicn, wclche
die bcste Hoffnung für die Lösung der schlcö-
wig-holsteinischcn Frage fasscn zu lassen gccig-
nct gcwesen scien. Aber auch diese Hoffnnn-

war mik Anrrdirtungrn und Znsrndungrn förinlich
brlagrrt. Bald härtrn die rcichen Räumlichkritrn
seinrs Palastrs nicht mrhr zugrrrickt, um alle die

waarenhändler, der Zuwrliere, drr Mobislinnrn
u. s. f. aufzunrhmen. Um die Correlpond.nzen die-
srö Scklages zu bcwältigen, hätte ein eigrnrr Ca-
binkts-Srcrrtär nickt gcnügt, und wrnn cr sclbst
die Thätigkeit und Lorr.spondenzliist deS ganzen
Cabincts Srcrrtariats von Napolcon grhcibt hälte.
Dcm mußtcn Sckrankcn grsctzt werdrn; rs tbat
dringrnb noth, fich von den Leidcn drr Millionär-
schaft, von dcm industricllen BelagernngSzustande
zu befreicn. Die Spcculat'on der Pariser Modisten-
wclt auf die Kok.ttrricgclüste drr Gräfin und die
Millionrn deS Grafrn mußtrn endlick niedergeschla-
grn werden, denn die Gräfin nabm unbcdingt Allrö
an, waS ihr zugrscndrt wurde, und kümmrrte fich
Nicbt darum, wie lricht die rnssischrn Millionrn anf
diese Art in PariS schwindsüchtig wcrden. Zm Laufe
von zwei Zahren habe er für dte Gräfin mindestenS
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