Heidelberger Zeitung — 1866 (Januar bis Juni)

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Hkidtlliergrr Zeilung.

KreisverkündigMgsblatt für den Kreis Heidelberg und aintliches BerküiidigungSblatt für die Amts- und Amts-
Gerichtsbezirkc Heidelbcrg und Wjcsloch uud den Anitsgerichtsbezirk Neckargemünd.


Donnerftag, t« Zuni

S8S«

' Pvlitische Upischnn.

Heidelherg, 13. Zuni.

Art. 19 der deutschen Bnndesakte, kraft n>el-
chern nach d«r gestcrn mitgethcilten Nachricht
gegen Preußen vorgegangen werden soll, lautet:
„Wenn zwischen Bundesgliedern THLtlichkeiten
zu besorgen, oder nnrklich ausgenbt ivorden
find, so ist die BundeKversamnilung berufen,
vorläufige Maßregeln zu ergreifen, wodurch
jeder Selbsthilft voxgebeügt, und der bereits
unternommenen Einhalt gethan werde. Zn-dem
Ende hat sie vor allem für Aufrechthaltung
des Besitzstandes Sorge zu tragen."

Als tÄgebniß der in München gepstogenen
Berathungen höherer deutscher Osfiziere wird
ein allgemeines deutsches Militärreglement ge-
nannt.

Beauftragt durch die Circulardepesche des
Grafen v. Bismarck vom 10. Juni, legte der
preußische Gesandte dem Hamburger Senate
die Details des.preußischen Bundesreformplanes
vor. Dieselben umfasse» in 10 Artikeln: Fest-
stellung des Bundesgebietes auf dem bisherigen
Umfang mit Ausnahme Oesterreichs und Lim-
burgs, das Nationalparlamcnt, die Organisation
einer südlichen uud eiuer nördlichen Bündes-
armee, die ersterc untcr Bayerns, die letztere
unter Preußeus Oberbefehl.

Der Juristentag, der im August in
München hätte stattfindeu sollen, ist der Zeit-
umstände halber oertagt.

Zm euglischen Unterhaus brachte Herr Kiug-
lake die continentale Lage zur Sprache: die
Grundursache der Wirren sei die Lust Preußens,
die ElbherzogMmereinzuverleibeu, uiidJtaliens
Streben nach Venetien. Ganz Deutschland
opponire gegen die Politik des Grafen Bismarck.
Ztalien könne vermöge des Rückhalts, den es
an Frankreich haie, jederzeit ungestraft Europa
in Aufregung versetzen und werde indirect
durch England aufgemuntert, das Oefterreich
die Abtretung Venetiens angerathen habe. Der
Schatzkanzler Gladstone protestirt gegen derar-
tige unersprießliche Viskussion; er meint, dke
Herzogthnmerfrage und nicht die venetianische
iverde inuthmaßlich den Ausbruch des Krieges
veraulassen. Jtalien habe nicht zuerst gewaffnet
und sei von England nicht uuterstützt, das uie
officiell Oesterreich die Abtretung Venetiens
angerathen habe: Was die Elbherzogthünier
betreffe, so besitze Oefterreich, weil großentheils
im Rechte, die Smnvaihieen Engtando. Die

Erhaltung des Friedens sei kaum wahrscheinlich;
eii»e wirkungslose Rathgeberei vermesden die
Westmächte.

D o u r f ch l >, n d.

Kartsruhe, 11. Juni. (S0. Lffentliche
Sitzung der 2. Kammer. Schluß.) Trit-
scheller bespricht die bezüglichen Verhältnisse
des Schwarzwaldes und kommt zu dem Antrage:
1) die geforderte Suinme von 500,000 fl. zur
Ausführung d-r Sommeraubahn nicht zu be-
willigen, dagegen 2) die großh. Regierung zu
bitten, nochmals eine Untersuchung der Schwarz-
waldübergänge vornehmen zu lassen. — Seiz
und Frick sprechen gegen, Hebting für den
Antrag. — Es sprechen noch Staatsrath Mathy,
Ministerialrath Muth, die Abgeordneten E ck-
hard, welcher den Wunsch zu Protokpll zu
erklären beantragt, die 500,000 fi. erst dann
zu verwenden, weun eine nöchmalige Untsr-
suchung die Somineraubahn als die ersprieß-
lichste erkaiint habe, Moll, der diesen Antrag
unterstützt, Federer für den Antrag Trit-
scheller's, Paravicini', Roßhirt, welcher
mit der Regierungskommisston bemerkt, öaft ja
die Linie, um welche es sich Handelt, schon unter-
sucht sei, und für den Kommisstonsantrag, beziv.
die Regierungssorderung spricht, Ministerial-
rath Muth, welcher erklart, dah ein bedeuten-
der englischer Techniker sich sür die Beschlüsse
der Regiernng erklärt habe, Knies, welcher
den hartnäckigen Widerstand der Schwarzwälder
hetont und für den Strich der Forderung spricht,
Beck und v. Feder für Eckhard's Antrag,
Friderich sür den Kommissioiisantrag, Trit-
fcheller, der npch eine zu sstät gekommene
Bittschrift verliest, Kusel und Berichterstatter
Stelloertreter Kirsner. — Der Kommis-
fionsLNtrag nii Beivittigung der 500,000
Guldensür die Lmievoii Hausach nach Villingen
wird nach Verwerfnng der Anträge cher Abg.
Tritscheller (nur 7 Stimmen) und Eck-
hard (mir t5 Stimmen) genehmigt.

Karlsruhe, 12. Juni. (51. öffentliche
Sitzuug dev 2. Kammer.) .Tagesordnuyg:
Fortsetzung der Berathung des Berichts des
Ageordneten Buhl über das Eisenbahubau-
budget. Die Bittschriften für den Bau
von Schwarzwatzbahnen, der Luckiuanierbahn
nnd der Bahu von Freiburg über Neustadt
nach Donaueschingen werden deni großh. SMts-
ministerium zur Kemitnißnahme überwiesen.

Eisenbahu von Lauda nach Wertheim. v. Fedcr
spricht warm für diese Linie. — Ministerial-
rath Muth gibt befriedigende Zusicherung;
von Hochhausep bis Wertheim zwar seien die
Arbeiten noch nicht in Accord gegcben, aber
das Ängesapigene werde sortgesetzt werden. —
Kiinmig hankt dcr Regierung für die An-
soroerung wegen des »oraussichtlichen Anschluss.es
einer Renchthalbahn bei Appenweier; eine Pri-
vatgesellschaft für den Bau habe sich bereits
gebildet. Alle Korderungen der Regierung und
zwar für die badischen Eisenbahnen 21,863,073
Gulden, für die Eisenbahnbctriebsverwaltung
6,278,059 fl. und für die Main-Neckareisenbahn
1,688,050 st. für die Zahre 1866 und 1867
werden mit Ausiiahme eines. Postens von
40,000 fl. bewilligt. Schluß der Sitzung.

(B- L.-Ztg.)

§ Karlsruhe, 12. Juni. Nachdem die
2. Kammer jy itzrer heutigen Sitzung das
Eiscnbahnvaubudget erledigt und nächsten Don-
nerstag der pon der gr. Rcgierung verlangte
außerordentliche Credit zur Mobilmachnng zur
Verhandlung kommt, bleibt für dicselbe nur
noch ein kleiner Rcst von Budgetarbeiten, welche
voraussichtlick noch in dieser Woche erledigt
werdeu, so daß alle Ausstcht vorhanden, daß
mit Schluß der Woche cine Beurlauhung anf
so lange eintritt. bis die 1. Kammer mit ihren
Bndgctarbeiten so weit nachgekommen sein wird,
daß daS Finanzgesctz vorgelegt, nach dessen Fest-
stcllung dann eine förmliche Vertagung bcider
Kammern kiytretcn wird. Fast alle Mitglieder
des Landtages sehucsi sich in dieser politisch so
aufgeregtcn Zejt nach Hause zurückkchren zu
können, da auch die seit einigen Zxrgen herr-
schende Hitze, welche hier fast tropisch zu nen-
nen ist und die oft 5 Stunden andauernden
Sitzungen die Gemüther sehr abspannen.

-s* Karlsruhe, 12. Juni. Die Verhand-
leungen über die neue Forderung cines außer-
ordcntlichen Credits für Mobilmachung unseres
Armeccorps werden in der 2. Kammer künf-
tigen Donnerstag, den 14. Juni, statlfinden.
Man ist mit Necht hierauf gespannt, wiewohl
von vornherein anznnchmen ist, daß der ge-
fordcrte Credit bewilligt werdcn wird, und zwar
einstimmig oder jedenfalls mit weit übcrwie-
gender Majorität. Denn Baden wird seine
Schuldigkeit thun, und in djescn für Deutich-
lauds Zuknnft entscheidenden Tagen nicht zu-
rückbleiden. Ob indcß das Gesetz über Cin-

Das Sombardement von Valparaiso.

(Fortsetzung.)

seinkm Schiffe aufznzikhen nnd mit 21 Kanonen.-
schüffen zu begrüßrn! Mittcn in biesem Kanonen-
donner sollte vom Lande und vom Bvrd eines der
spanischcn Krikgsschjffe ans dieie Begrüßung gleich-
zeitig und mit einer gleichen Anzahl Scküffe er-
widert werden und Alles sollte vergeffen sein. Die
chilenisische Regirrung, die nack Anknnft drr pe-
ruanischen Krikgsfchiffe ,m Stande sein würde, die
spanische Flotte mit Gewalt zu vertreiben, war
weniger genöthigt, nachzugeben als die Spanier,
die, abgkskhen von der Ungerechtigkeit ihrer Sache,
täglich sckwächer wurden und Mangel an AUem
hatten. Trotzdem nahm fie die Provofition an,
und man sagte allgemein, daß auch der spanische

Frevelthat durch SelbstmorH zn sühnen gesucht; das
sckriftliche Bekenntniß vor seinem Tode, welches
auch in den ruropäischen Zeitungen erschien, war

wurde diese infame und erniedrigende Korderung
verweigert, und am 27. März Abends, am stillen
Mittwock erschien plötzlich die Notification des spa-
uischen Commandanten, daß er am 31. März
Morgcus 8 Uhr die Stadt bombardiren würde!!
Es ist keiner Feder gegeben, kas Lntsetzen und d(e
Noth der noch bleibenden drei Tage beschreibcn!
Valparaiso liegt zwischen dem Meer und kahlen

die nach brm Innern führt, und die Verwirrung,
welche die Flucht der 7tt,000 Einwohner, fo viel
wie möglich mit Hab und Gut, auf dieser Straße
hervorrief, ist nickt in Worten zu faffen.

(Fortsetzung folgt.)

feutlichkeit. So schreibt man einem Grazer Blatt
aus Müncben, 29 Mai: Der König , der zur Zeit

bas Schiff in Bereitschaft gefetzt würde. DteS ge-
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