Heidelberger Zeitung — 1866 (Januar bis Juni)

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nun herauSgestellt, daß der Missethäter gar
kein VotkSvcrtreter ist. allein derselbe hat sich
noch nicht wieder gestellt, um weiterc Ausschlüffe
über seiae Persönlichkett zu geben. — Wie die
„Nazione" anzeitzt, wurde das betreffeude Jn-
dividuum indeß am folgenden Tage sestgenom-
men. Daffelbe war noch mit dem Werkzeug,
deffen er sich gegen Hrn. Sella bedient, eiuer
Bleikugel an der Spitze eincs sehr dickeu Kaut'
schukriemenS, versehen. Hr. ^ella wurde nicht
ernstlich beschädigt.

S p a n i e n.

Madri-, 29. Dec. Die Thronrede, mit
welcher die Königin vorgestern die CorteS er-
öffnete, hat, mit AuSnahme der wenigen mi-
nisterielleN Blättcr-, in der ganzen Preffe eine
sehr ungünstige Beurtheilung gesunden, und
wenn man die Lage dcs Landes in Betracht
zieht, kaun man kaum umhin, in diesen Tadel
einzustimmen. Nachdcm das Ministerium
O'Donnell ein volles halbes Jahr regiert hat,
ohne der traurigen Zerrüttung aller Verhält-
nisse mit cincr cinzigen wohlthätigen Maß-
reSel zu Hilfe zu kommen, war es eine natür-
liche Erwartung, daß die Thronrede in be-
stimmten Worten die Verbesserungen aukün-
digen werde, deren das Laud so dringend be-
darf. Statt d.sffeu bietet sie fast übexall nur
unbestimmte ÄuSdrücke, und vor Allem bleibt
Das, was sie über die Finanzen sagt, auch
hinter den bxscheidensten Hoffziungen zurück.

Ucber den so ebcn ausgebrochenen Ausstand
cntnchmen wir dem Pariser „Moniteur" Fol-
geudes: Am 3. Januar bei Tagesanbruch em-
pörte sich ein Thcil der beiden in Aranjuez
und Ocanna liegenden Husarenregimenter Bai-
len und Calatrava. Diese; beiden von den
Obersten Heredia und Äldama commandirten
Regimenter bildeten eine unter deu Befehlen
des Generals Conrado stehende Jnstructions-
brigade. Üm daS Regiment Calatrava aus
Aranjuez hinauszubringen, übersielen mehrere
mit Karabinern bewaffnete Sotdaten unter
Führung eineS Unlerofsiziers den wachehabeu-
dep Lieutenant, bandcn ihn mit Stricken und
schafftcn ihn nebft dem Obertrompcter und
einem Wachtmeister in ein Arestlokal. Einmal
Hcrren beS Kasernenthores, zogen die Aufstän-
dischen unter dem Nufe: „Es lebe die Verfas-
sung! cS lebe General Prim" hinaus. DaS
Regimeut zählt über 40 Offiziere, von denen
nur 8 sich am Aufstande betheiligten. Jm
Regiment Bailen wird die Beweguug von dem
Hauptmann Terrones und einer geringen Au-
zahl Offiziere geleitet. Zweimal versuchten die
Aufftändischen vergeblich, sich der Telegraphen-
station von Aranjuez zu bemächtigen. Jn die-
ser Stadt stießen etwa 40 Civilpersonen, die
mit der Bahn von Madrid gekpmmen waren, >
zu ähnen. Gegen 11 Uhr Vormittags waren
die Aufständischen zu Arganda del Ney änge-
kommen, gingen aber, da sie von-den Einwoh-
nern übel aufgenommen wurden, nach Villarejo
de SalvaneS zurück, wo sie auf dic nicht ab-
gefallenen Offiziere unter Oberst Aldama stie-
ßen. Nachdem man einige L>chüsse gewechsclt,
versuchte dcr Oberst die irregeleiteten Soldaten
wieder zur Pflicht zurückzuführen und setzte sich

auftretend, die ihr colossaleS Vermögen rechtfer-
tigt. Keine Summe ist ihr zu groß, wenn eS gilt,
cine Laune zu befriedigen. Hockmüthig, herrsch-
süchtig und ercentrisch in ihrem Wesen, duldet fie
nur Sclaven um fich. Jhr maßloser Stolz bewahrt
fie vor jeder Schwäche. Der Graf Giufeppe würde
fiL gewaltig täuschen, wenn er hoffen zu können
glaubte, eine andere Rolle ih' gcgenüber zu spie-
lrn, alS d^r fie ihm angewiesen hat: die eines
platonischcn Anbeters und eines MarterholzeS. Da--
bri vrrlangt ße aber dpch, daß Ieder, der sich in
solcher Eigrnschaft an sie anschließt, ihr mit Leib

er auch nur ein Atom seiner Huldigungen nach
andrrer Sette spendet, und diese sonderbäre Ca-
prtce wird Ihnen dcr Schlüffrl zu dem kleinen
Drama sein, das ich noch zu erzählen habe.

(Schluß solgt.)

München. AuS Cham im bayerischrn Wald
,wird ein Zweikampf. berichtet, der an Wilbheit den
wildesten Zriten germantlchen HeidenthumS nahe
steht. Zwei junge Bursche bekamcn im WirthS-
hause Streit und wurden, da fie nicht von einan-

in den Besitz der RegimentSkasse, die ihm von
der BedeckungSmannschaft ausgeliefert wurde.
Unter den Aufständiicheit schien Unordnung
einzureißen, ejpzclne Abthcilungew. stellün sich
den Alcaden ber umliegenden Dörfer. Außer-
dem griff die aufgebotene Gendarmerie an ver-
schiedenen Punkten Leute, Waffen und Pferde
auf. Die Aufständischen.solleu an Proviant
und Fourage Mangel leiden und schwerlich
lange zusammenhalten können. General Prim
ist im Laufe deS 2. aus Madrid verschwunden.
Ein Offizier. der bei ihm erschien, um ihu ein-
zuladen, sich auf das KriegSminlstcrium zu
verfügen, erhiclt 'zur Antwort, der General sei
in Beglcitullg Pehreyer Freunde am Abend
zuvor iu emcm telchtell Wagen auf die Jagd
iu die Sicrra von Toledo gefflhren. Um 3
Uhr Nachmittags, alp 3., ging der Marine-
ministcr Zavala mit 1000 Pferden und 4000
Fußgängern in der Nichtung der Brücke von
Fuente-Ducnna von Madrld ab; um 4 Uhr
schlug eine zweite Colonne, die aus einem Ba-
taillou Genietruppen, dem Jägerbataillon von
Lindad--Nodrigo, zwei Batterien Artillerie und
vier Tchwadronen Kürassiere beftand, unter
VorauSsendung von Plänklern den Wcg nach
Valencia über Arganda und den Rio Jarama
ein. Die Cavallerie-Brigade des GeneralS
Vera ist. von Altala de HonareS in Madrid
aiigekommen,. wo sich mit Anbegriff .der drei
Genie- nnd der zwei Artillerie-Regimellter, jetzt
eine Garnison von mehr als 6000 Mann zu-
verlässiger Truppen befindet. Marschall Ser«
rano befehligt einen Theil der Garnison. Mar-
schall Narvacz war der erste aus dem Kriegs-
minlsterium, um sich zur Verfügung zu stellen.
Alle in der Hauptstadt weilendeu höheren Of-
fiziere sind seiuem Beispiel gesolgt. Die Ne-
gierung hat den Militärdistrikt vou Neukaftilicn
in Belagerungszustand erklärt und vorläufig
allc öffcntlichen Gesellschaften, Casino'S uyd
Club's geschlossen. Die Gcneralc Pierrard und
ContreraS waren schon. vor einigen Tagcn auf
Bcfehl des Kriegsministers aus Madrid ent-
fernt worden; am 3. d. wurde die Verhaftuug
dcs GeneralS La Torre in Bajadoz angeordnet.
— Nach dem „Jrurac Bat" vom 6. d. ist
General Prim von dem General MilauS de
Bosch begleitet.

A m e r i k a.

Neuyork, 23. Dec. Am 18. d. M. hat
däs NepräsentantenhauS der Ver. Staaten ohne
weitere Debatte die Bill genehmigt, dcr Wittwe
des Prästdenten Lincoln 27),000 Dollars, so
viel, alS das Jahresgehalt ihres Gatten betrug,-
ausznzahlen. Ein Amendcment Wentworth's
aus JllinoiS , die Summe auf 100,0()0 Doll.
zu erhöhen, wa.rd abgelehnt. DaS dle'Äuf-
hebung der Sklavcrei betreffende Amendement
der UnionSvcrfassung lautet: „Art. 1Z. Weder
Sklaverei noch unfreiwillige Dienstbarkeit aus-
genommen, alS Strafe für ein Verbrechen,
desfen der Betreffende in gebührender Weise
überführt ist,. soll iunerhalb der Vereiniglcn
Staatcn oder an irgcnd einer ihrer Jurisdic-
tion unterworfenen Stelle existiren. Der Con-
greß ist befugt, diesen Artikel durch geeignete
Gesetzgebung durchzuführen. Dasselbe ist rati- !

der ablaffen wollten, von den anweftuden Gästen
mit Gewalt aus drm Ztmmer entfernt. Darauf
kämpften sie im Hofe eine halbe Stunde lang
Messer gegen Messer mit solcher Hcftigkeit, daß
der Eine über 20, der Andere. sogar gegen 30
Stiche erhalten haben soll. Endlich kamen fie ein-
zeln ins Zimmer zurück und setzten ßch an getrennte
Tische, die blutigen Messer vor fich nicderlegrnd.
Kurze Zeit darauf verlangte der Eine nach eincm
Kisscn, da es ihm unwobl.werde, doch bevor ihm
dasselbe gebracht wurde, sank er sterbend zusam-
men, und während die Gäste sich mit ihm beschäf-
tigten, fiel auch der Andere todt vom Stuhle.

Pesth. 30. Dec. Für Ihre Majestät die Kai-
sertn wtrd hier ein prachtvoller pngarischer Winter-
attila angrfertigt, welcker bestimmt ist, von Ibrer
Majestär bci drm bevorstehenden Allerhöchsten Ein-
zuge benutzt zu werden. Das Klrtdpngsstück ist mtt
Zobxl verbramt und gefüttert und kommt auf
4000 fl. zu stehen.

Ein komiscker Unfall fand Mittwoch auf der
Königsbrücke in Berlin statt. Etner Dame wurde

ficirt worder. von den Gesetzgebungen der Staa-
ten Jlliuois, Nhode-JÄand, Michigan, Mary.
land, Neuyork, Wcst-Virginia, Ohio, Miffouri,
Nevada'^ Jndiaya, Lousiana, Minnesöta. Wis-
cönsin, Vermönt, Tenncffee, ArkansaS, Connec«
ticut, New-Hamshire, Süd-Carölina, Alabama,
Nord - Carolina und Georgia, zufammen 27
Staaten.

M e x i c o.

Ein vom Kaiser Maximilian erlasseneS Re-
krutirungSdekrct bestimmt, daß jeder, der durch
Geburt odcr Naturalisirung als Mexicaner an-
zusehen ist, in dem Alker von 18 bis 35 Jah-
ren der Aushcbung unterworfen ist. Am Schlusse
eines jeden Jahres setzt der Kaiscr die Zahl
der AuSzuhebenden fest, und das Loos gibt die
Entscheidung unter den Militärpflichtigen. LoS-
kauf ist um 400 Dollars gestattet. Die LLnge
der Dienstzcit ist 6 Jahre.

Neueste Atachrichren.

Neuyork, 27. Dccbr. Die Blätter von
Matamoras behaupten, der Einmarsch der
Banden Escobedo's in Montercy sei das Er-
gebniß einer KriegSlist gewesen. Oberft Jean-
ningroS, wclchcr schnell zurückkehrte, überraschse
l^Scobedo und schlug ihn vollständig, indcm er
ihm große Verluste beibrachte. — Die Nach-
richt von der Verhastung des CapitänS Sem-
mcs, Befehlshabers des Alabama, bcstätigt sich.
— Man fürchtet noch eine Empörung der
Neger in Vjrginien und in Mississippi. Jn
Manchcster und Alexandria (Virginia) sind
Unordnungeu vorgekommen. — Herr Seward
äußerte gegen eine HandelSabordnung von
Neuyork, die Vermittelung der Regierung sei
in den zwischcn Spanien und Chili ausge-
brochenen Streitigkeiten bereits angeboten wor-
den und werde auch fernerhin angeboten wer-
den. Er hege die Hoffnung, daß dieser Schritt
zu einem gutcn Ersolg führen werde.

Mudrid, 7. Jan., MittagS. Madrid ift
ruhig. General Prim erreichle die Mancha
und scheint nach Andalusien zu marschiren;
Zabala verfolgt ihn.-^eine andere Colonue unter
Cousa sucht ihm den Weg zu verlegen. Die
Jnsurgcnten von Avila marschirten nach der
portugicsischen Grenze. Jm Senat erklärte
O'Donnel, daß die Umftände schwierig und
eine umfangreiche Verschwörung vorbcreitet ge-
wesen wäre, eS herrsche aber überall Ruhe,
mit AuSnahme der iu Aranjuez, Ocana und
Ävila äyögcbrochenen Unruhen, er hoffe auf
Wiederherstellung der Ordnung in 2 Tagen.

Wien. '8. Jan., Vormitt. Ein kaiserliches
Handschreiben vom. 1. Zanuar oerordnet, daß
jenen eheinaligen Angehörigen des lombardo-
venetlanischen Kömgreichs, welche als unbesugte
Auswanderer verurtheilt wurden, die gesetz-
lichen Folgen nachgesehen werden und daß den-
selben das sequestrirte Vermögen ausgefolgt
wird. Alle wegen unbefugter Auswanderung
anhängigen Prozeffe stnd niederzuschlagen. Der
Statthalter Lomdardo-Venet iens kann unbefugt
Abwesenden oder Ausgewanderten straffxeie
^ückkehr und das Staatsbürgerrecht bewilligen.

ihr Ehignon durch einen Windstoß entführt. Ein
Herr, der sich gefällrg zeigen wollte, stürzte ihm
nach, hierbei entfiel ihm sein Hut, und, o Miß-
geschick — seine Pcrrücke solgte dem Chignon, und
beide fchwammen alsbalb lustig neben einander
her, leicht getragen von den Wellen des KönigS-
grabenS.

(PreiS^auSschreiben.) Der Verleger drS
„Deutschen Dichtrrgartens", Herr C. Knatz in
Frankfurt a. M., ladrk die poetischrn Kräfte
Deutscklands von Neuem zu einer Concurrenz von
Dicktungen auS dem Gebtete des Epos ein. Der
für daS beste episckc Grdicht ausgesetzte erhöhte
Preis beträgt Ein Hundert Gulden süddeutscher
Währung.

Oesterreich und die Güter der „todten Hand".
ES sind grsichert vor der Hand
Die geistlicken Güter der „todten Hand";

Dock wenn's die Lrbenden nöthig han,

Dann kommen zuletzt auch die Todten dran.

(Frkf. Lat.)
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