Heidelberger Zeitung — 1866 (Januar bis Juni)

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gegcn dic nack Oberlahnstein gefinchlelcn Neste
deS Kölner Abgeordnetenfestcs, durch seine zahl-
reichcn Prcßprocesie und durch seine HerauS-
fordcrung an den Abg. Dr. Sicbcrt — im
Ducll dcn Lieutenant Frhrn. Marschall von
Biberstcin in die Brust geschosieu. Der Ver-
letzte wurde iu das Militärhospital gcbracht.
Sein Zustand flößt Bcsorgniß ein. Der Ver-
wundcte, ein geachtetcr nnd bclicbtcr junger
Mann, findet in dcr hiesigen Bevölkerung die
größtc Thcilnahme. Man sagt, daS Duell
habe nur eine geringfügige Veranlassung ge-
habt. (N. F. Z )

Aus Bayern, 28. Jan. Die Abord-
nungen an den König aus den verschiedenen
Landesthcilen, um dem Staatsobcrhaupt die
Lage und Stimmung deS Landes mündlich vor-
zustellen find nun auf dem Wcge nach Mün-
chen. Die Herren bitten particnweise um Au-
dienz bcim König. da sie sich uach ihren LandS-
mannschaftcn theilen wollcn. Zudcm ist cs
nach dcm Gcsetze nicht erlaubt, daß Deputa-
tionen an den König aus mehr als 10 Dcpu-
tirtcn bestchen. Nun wird nur oic Eine
Frage erörtert: ob sie vorgclasien wcrden oder
nicht.

Berlin. 27. Jan. Die Budgetcommission
hat gestern Abend Sitzung gehaltcn und mch-
rcre Etats crlcdigt, u. A. den des MinisteriumS
der auSw. Angclcgenheiten. Die vorjährigen
Bewillignngen und Absetzungen wurden großen--
.thcilS beibehalten, so beispielswcise der Posten
einc's Mililärattaches in PeterSburg gestrichen,
dagegen das Gencralconsulat in PariS bewilligt.
Auch der geh. DispositionSfond von 31,000
Thlr. wurde wicder gestrichen.

K r >, n k r c i ch

Paris. 28. Jan. Was die französischen
Truppen in Mexiko anbclangt, so bclaufcn sich
die Kräftc, über welche Marschall Bazaine ver-
fügt, auf uoch 25,000 Mann, und zwar auS
21 Bataillouen Jnfanterie. 13 Schwadronen
Cavallerie, 9 Battericn Artillerie, und aus einer
Compagnie Pioniercn bcstchcnd. — Jn Folge
dcr rcpublikanischcn Emeute im Quartier Po-
pincourt sind noch wciterc Verhaftungen vor-
genommcn worden. Jm Quarticr Latin wur-
den füuf Stndentcn festgcuommen.

Paris, 28. Jan. Die „Patrie" mcldet,
daß die auf die mexikanische Angclegenheit be-
züglichen Documcnte in die kaiscrliche Druckerei
geschickt sind, wo sic zu cincr Broschüre zu-
sammcngcstellt werdcn, um unmittelbar nach
Vorlage des GelbbuchS als dcsicn Anhang zur
Vertheiluug zu kommen.

G n g l «1 D

Lorrdvn, 28. Jan. Das Parlamcnt wird
muthmaßlich einstimmig dcn bishcrigen Spre-
cher wiedcrwähleu. Ob dic Königin persönlich
die Thronrede verlescn wird, ist noch unent-
schieden. Die Neformbill wird nicht vor Ende
März eingcbracht werden.

S ch w e t z.

Wie die „N. Z. Z." berichtet, so zcigt Sc.
K. Hoh. unser vcrehrler Großhcrzog großes

art. Nach Berndigung der jetzt in Angriff genom-
rnenen Tnnnrlbauten beabsichkigt Hrrr Abegg an
den Mont Ee«iS zu gehcn, um, wenn es gestattct

Studjrn zu machcn, wozu wir ihm empfehlknde
Untcrstützang wünschen. Die Maschinenfabrik Im-
mendingen liefert die nach Abegg'ichcm System
vcrfertigten Steinbohrmaschinen um den Preis von
50 und 65 fl.; dieselben sind nicht nur bct Tunnel-
bauten und Steinbrüchen, sondern überhaupt betm
Bergbau, namentlich dei GypSgrubcn, von der
vortheilhaftesten Wirkung und gewahren cine be-
deutende Zeit- und Geldersparniß.

Paris, 25. Ian. Die Fürstin Mctternich macht !
nach der „K. Z." seit einigen Tagen wieder einmal
von sich rrden. Dicselbe ersckien uamlich auf dem
letzten Hofballe in cinem „schwarzrn" Atlaskleide,
was allgcmein für unerhört gilt, da man sich am
Hofe nur schwarz kleiden darf, wenn Trauer tst.
Klüglich hatte dte Fürsttn Metternich thr Klrid mit

Jnteresie an-dcn Pfahlbauten deS Gcnfersees. j
Er hat von Vevcy aus die Sammlungcn veS
Hrn. Troyon in Lausanne besucht und den
Gegcustand währcnd mehrereu Stunden mit
demsclbcn bcsprochcn.

Jn dcr Sitzung vom 24. Jannar kam eS
im Großen Nathc von Tessin zur Schlußab-
stimmung über daö Conccssionsgesuch der HH.
Hentsch u. Comp. für eine Alpcnbahn über den
Lnkmanicr. Die Cvncession wurde mit 49 ge-
gen 27 Stimmen crtheilt.

Z t a l » e «.

Mesfina 2V. Ja». Dic Geistlichkcit de-
strcbt sich- mit allen ihr zu Gcbote stehcnden
Mitteln, dcr Einsührung der Civilehc Schivie-
rigkeitcn zu bereiten. Nicht nnr, daß man in
Gcnua von den Kanzcln herab die Civilehe
als Concubinat und die darin erzeugten Kinder
alS Bastarde crklärt, man droht auch mit Ver-
weigerung der Absolutiou, dcr letzteu Oclung
und eines kirchlichcn BegräbnisscS.

Florenz, 27. Januai. Dcputirtenkammer.
Herr Nicciardi richtct eine Jnterpcllation an
den Finanzministcr bezüglich dcr von der Na-
tionalbank ergriffcncn Maßregel, welche den
Zwcck hat, die Vorschüsie auf öffentliche Werthe
zu bcschränkcn. Der Nedner tritt gcgen die
Unterhandlungen bezüglich der päpstlichen Schuld
auf. — Hcrr Scialoja antwortct, indem er
erklärt, welches die Befugnisie der Bank sind
und Indem er daran erinnert, daß sie in ihrcn
Operationen unabhängig ist. Er fügt hinzu,
daß nach Annahme dcS ncuen GesctzentwurfS
über die Bank die Negierung Mittel zum Ein-
fiuß auf diescS Etablisiemcnt in Händen ha-
ben wcrde. Jn Betrcff der päpstlichen Schnld
erklärt der Ministei* cr könne nicht antwortcn,
da Hcrr Nicciardi keine Frage formulirt habe.
— Hr. Mejlona spricht zu Guusten der Plu-
ralität dcr Bauken. Der Finanzminister legt
zwei Gesctzenlwürfe vor, die zum Zwccke cha-
bcn, der eine die Grundstcucr, der andere die
Stcuer auf Weinproduclion zu regeln. —
Mehrere Wahlen wcrden von der Kammer be-
stätigt.

S p ck rr i e rr »

Madrid, 27. Jan. Jn dcm Ausschüß
der Abgeordnctenkammer sür Abfasiung ciner
Antwort auf die Thronrede vcrlangte Casanueva
die Aufnahme einer Stelle, welche cine Ver-
wahrung zu Gunften dcr weltlichcn Herrschaft
deS Papstes enthält. Der Vorschlag wurde
von dcm Staatsminister gebilligl. Der Be-
lagerungszustand soll am Dienstag aufgchoden
werden.

R u ß l a n d.

Petersburg, 28. ^Jan. Ein kaiserlicheS
Ncscript an den Statlhalter von Polen ordnet
die Gründnng vou Gymnasien und Normal-
schulen für polnische, russische, gricchischnnirle
und litthauische Kuaben, sowie auch von Mäd-
chenschulcn an. ES soll darin russische und
polnische Geschichte und Sprache gclehrt wer-
den. Dcr NeligionSunterricht soll Weltgcist-

weißen Spitzen und rothen Rosen geschmückt. Aber
man nahm es doch übel auf, daß sie so gegen die
Etiquette zu verstoßrn wagte. — Die brkannte Seil-
täuzerin Frau Sacqui ist in Neuilly bei Paris tm
Alter vom 84 Iahien gestorben. Dieselbe tanzte
seit der ersten Republik bei allen Festrn und war
bis zu den vierzigrr Iahren eine der populärsten
Gcstalten von Paris. Bei Gelegenheit der Geburt
drS KönigS von Rom tanzte sie auf einem Scile,
daS man zwischen den brtven Thürmen drr Notre-
Dame-Kircke grspannt hatte. EineS Tagrs tanzte
fie, trotz deS Vcrbotes Napoleons I., inmitten
cines FeuerwerkeS, nur von einem leichten Gaze-
kleide bevrckt. Napoleon wurde wüthend darübrr,
aber sie ließ ihm antworten: „Sagen Sie dem
- Kaiser, daß er seinen Grenadteren besihlen und
! eS uns übcrlassen möge, unser Lcben für unseren
! -Ruhm zu wagrn." Frau Sacqui starb sehr arm,
! sie lebte von einer kleiuen Penfion, die ihr drr
i Staat ausgesrtzt hatte.

! DaS von Pfarrer RolfuS redigirte Süddeutsche
I kathol. Schulblatt gibt uns in Nr. 1 einen fchönen
Belrg von der Lehrweise mancher Geistlichrn. So

lichen anvertraut werden. Die Vorschriftcn
entrücken dcn Untcrricht allen politischen Ten-
denzcn und schützen die vcrschiedcnen Nationa-
litätcn des Königreiches gcgen frühere Ueber-
griffc dcs PolcnthumS.

Neueste R^chrichten.

Schleswig, 29. Ian. DaS „Schleswig'-
sche VerordnungSbiatt" cnthält folgende Be-
kanntmachung deS k. preuß. Gouvcrneurs Frei-
herrn v. Manteuffel: dic HH. Nömer (Oldcns-
worth), Hauckcn (Tönning), Ebsen (Wippen-
dorf). Thvmsc»r (Kicl) und Noderich Graf
Bandissin schrieben mir mit Hinweis auf daS
Bedauern, welchcs ich bczüglich dcs Mangels
ciner Landcsvcrtretung auSgesprochcn, wie die
Lage des Landes es ihnen znr Pflicht mache,
mir die Nothwendigkeit vorzustellen, daß die
Einberufnng der Landcsvertretung für SchleS»
wig baldigst erfolge. Die Eingaben stimmen
nicht nur in der Fasiung deS Antrags, sondern
auch in dcn zur Motivirung des AntragS cr-
hobcncn Anjchuldigungen über die Art und
Weise wörtlich überein, in der die Verwaltung
gcführt werde. Jch übergehe sonach die Mo-
tivirung der Anschuldigungen und verweise,
indem ich mich nur an den Antrag selbst halte,
cinfach anf die Worte. welche ich am 25. Sept.
an dic Beamtcn in Flensburg richtete. („Die
Verhältnisse, welche über dcn Herzogthümern
schweben, haben eS leidcr nothwendig gemacht,
daß cin zu ihrem Wohle unumgänglich noth-
wendiger Factor, die Landesvertretung, seit
längcrcr Zeit ruht. So lange diese rnht, sind
wir zur vollsten Erfüllung unsereS Amtcs dop-
pelt verpflichtet, um sie dem Lande möglichst
zu ersetzen. ES wird für Sie alle ein erhe-
bendcs Gefühl seiu, wcnn die legale Landcs-
vertrelnng Jhrer Wirksamkeit ihren Beifall
ausspricht.") Die damaligen Verhältnisie wal-
ten auch heute noch ob, und die doppelte Ver-
pfiichtung zu vottstcr Amtserfüllung ruht auch
heute noch auf mir Ulld sämmtlichen Beamlen
des Herzogthums. Wir werden ihr mit GotteS
Beistand nachkommen. DieS ist meine Anlwort
an dic Obeilgenannlcn, die ich in dicser das
ganze Lapd inleressircnden Sache öffentlich gebe,
und welche zngleich als Beantwortung aller
Schreibcn ähnlicheu Jnhalts dient, die mir in
dieser Frage jetzt nbch zugehen sollten.

Berlin, 29. Jan. Der Ministerpräsident
Gras Bismarck benachrichtigte die Commission
des Abgeordnetenhauscs über dcn Antrag Vir-
chow'S bezüglich Lauenburgs: „Die Ncgierung
bcäbsichtigc nicht,' sich bei den Berathungen zu
bethcili^cn. Die Abtretungssumme an Oester-
rcich sel nicht auS StaatSmitteln entnommen."
Die Commission tagt dahcr ohne Negierungs-
commisiär.

Berlln, 29. Januar. Das Kammergericht
verhandelte heute in zweiter Jnstanz gegen den
Nedacteur May wegcn Majestätsbeleidigung.
Da Hr. May nicht erschienen war, so bean-
tragtc der Obcrstaatsan'wait Adclung desien
Sistirmlg und zwangswcise Gestcllnng mittelst
Neqnisition des Statthalters v. Gablenz auf
Grund des Bundesbeschlusses vom 10. Jlmi

entstand einmal beim Katechisiren folgende Unter-
haltung.

Pfarrer: Sage einen Mann auS der Bibel, der
ein großer Sünder war, sich aber nachher bekrhrte.

Kind: Paulus.

Pf: Richtig, aber den meine tch hier nicht. Ach
meine den Zach —

K.: ZackariaS.

Pf.: Nein, Zachäus. Was that denn dteser
ZachäuS?

K.: (sckweigt).

Pf.: Nun er stieg auf einen Maul —

K.: Maulrsel!

Pf.: Netn, auf einen Maulbeer —

K.: Maulbeereselü'.

* Theaternoliz.

Am 30. Ianuar, Morgen (Mittwoch) kommt
nrben einem neiien Lustspiel von Benedir(„der
grheimnißvolleBrief") unc> kem Dauc-rville„s'Lorle,
oker: ein Berlinrr im Sckwarzwald" rin einactigcr
Schwank („rine Vcrlobung nach drr Hockzeit")

Aufführunq, d.ffen seit eivtger Zeit in unserer Stadt
weilcnder Verfaffer durch geistvollr Feuill.ton-Artikel
in mehreren auswärtigen Iournalen schon tn weite-
ren Kreisen bekannt ist.
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