Heidelberger Zeitung — 1866 (Januar bis Juni)

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nmr aber dic cndlichc Aufhtdung der Spikl-
bank hcschlosiene Sache ist. jcit der Abgcord-
nete Kunz vor weuigcu Tagcn seinen Wählern
die Erfolglosigkeit aller wcitcrn Schritte gegen
die Abschaffuug des öffentlichen Spieles dar-
gclegt hat, spürt man da und dort einen ge-
waltigen U.nschlag dcr. wenn wir so sagen
dürfcn, politischen Gcsinnung. Manner der
Gcmeindcvcrwaltuug entblödcn sich uicht, den
Entschluß dcr Negierung als ein Machwerk der
dem wohlhabendcn Bürgcr fcindlichcn StaatS-
diener uud „dcr Heidelbcrger Profcssoren"
darzustclleu. Uebcrdies hat der Badische
Bcobachtcr, der bcrcitö mehrere wahrscheinlich
aus der Fcder eincs katholischcu Gcistlichcn ge-
flofscnc Schutzrcden sür das L-piel gebracht,
einige Abonnenten in hiesigcr Stadt gewonncn.
Endlich setzte dem Ganzcn ciu hiesiger Kauf-
mann dadurch die Krvne auf, daß er bei Gc«
^ lcgenheit ciues FaschiugSspielS einc nichts we-
ß nigcr als humoristischc, dagegen um so plumpere
R Rcde, voll der stärkstcn Jnvectiveu gegcu alle
U Feittbe der Spiclhöllen, zu halten sich erkühnte.
U Ein solchcs Bcuehmen dürfte wahrlich nicht
K geeignet sein, daS Wohlwvllen der Negierung
V sür dcn Kurort besondcrS zu crhöhen.

Aus Baden, 30. Jan., schreibt die „N.

> Fr. Z ": Badische Blätter bringen die Nach-
richt, daß gcgen den Gymnasiumsprofessor Dr.
Eckcrt in Offenburg, wclchcr zugleich daS Amt
eines katholischen geistlichcn Lehrers diescr An-
stalt bckleidete, wegen cines vor Kurzem in
dcr Gymuasiumskirche gehaltencn Kanzelvor-
IrageS vom erbischöflichcn Ordiuariate ztt Frei-
burg DiSplinar-Uulersuchung eingeleitet wor-
den sei. Dem Veruchmen nach behandclte die-
ser Vortrag, bci AuSlegung einiger Schrift»
stellen, die menschlichen Formen, in denen sich
die geistige Eutwickclung deS Stifters der christ-
lichen Neligion, natürlichcn Gesetzen folgend,
vollzogen habe. Dr. Eckert, alS Gclehrter,
öfseutlicher Lehrer und als freisinnigcr Bürger
ein allgemein hochgcschätzter Mann, scheint
durch seiue theologischen Studien zn Ergeb-
uisscn gekommen zu sein, die — wenn sie
auch läugft ein Gcmeingut der Wisicnschaft
unsercr Zeit gcworden sind — doch nie sich
mit der officiellen Lehre der römischen Kirche
vereinigen lassen. Diese Thatsache begrcifend,
hat dcr charactervolle Manu der erzbischöflichen
Untcrsuchungs-Commission ihre Aufgabc mit
der Erkläruug erlcichtcrt, daß er inzwischen
dcm Erzbischofe die freiwillige Niederlcguug
seines Priestcramtcs angezcigt habe. Man
hofft, die Negierung werde nicht dulden, daß
Dr. Eckcrt, deffen Privatlcben flcckcnlos ist,
nach obigen Vorgängen in seiner philologischen
AmtSthätigkeil irgenowie benachthciligt wcrde.

Wicsbaden, 30. Jan. Auf Grund zu-
vcrlässiger Ermittclungen kann das „Fr. I."
über das Dncll zwischcn Hauptmann Vogler
und Lieutenant v. Marschall Folgendes berich-
ten: Am 25. d. M. fand ein Hofball statt.
Bei dem Antritt zum Cotillon machte Vogler
dem v. Marschall eine Bemcrkung, in wclcher
Idieser cinc Belcidigung erblicktc nud auf die
Udaraufhiu staltgehablcn Erpltcalionen elne Her-
s.auSfordcruug auf Pislolcu an Vogler richtete,

welche dikser annahm. Schon am 26. d. schlu-
gcn sich Beide unter den Eichen an der Walk-
mühle; es wurde a temsio geschosien. Dogler
wurde leicht am Schcnkel, v. Marschall schwcr
in die Brust verwundct; scin Zustand läßt
wenig Hoffnung. Die Duellanten jollen, wie
man sich erzählt, einen in Aussicht genommeneu
Versuch dcS Ehrenrathcs, die Sachc auszuglei-
chen, nicht abgewartet haben. Dcr Vorfall hat
aufs Neue eine erregte Stimmuug gegen Vogler
wachgerufen. Der in Rede stehende Lieutenant
Marschall v. Bieberstein ist dcr Enkel des frü-
hetttt StaatsministcrS gleichcn NamenS, der
auS einent badischen Adelsgeschlechte. stammt.

E rr g i n D

London, 30. Jan. Die Majorität dcö
KabinctS hal sich für eine gcmäßigtcre Neform-
bill, alS die von Nussell eiugcbrachtc, auSge-
sprochen. ,

Z t a l i e n.

Florenz, 30. Januar. Die Jnteresscn der
SchatzbonS sind auf 5, 6 und pCt. fcst-
gesetzt.

Venedig, 30. Jan. Die Ccntralcongrc-
gation hat das ihr vorgelegte Neformproject
untrr der VorauSsetzung bestimmter Aenderun-
gen, namentlich untcr Beibehaltung der Ver-
bittdung des venctianischen Gebiets und der
Stadt Denedig, für auSführbar erklärt.

Niederlande

Haag, 30. Jan. Die Demission dcr Mi-
nister Thorbeck! u»d Olivikr ist ongeuommrn.
Dcr Eolonialminister Fransen v. d. Pulle lst
mit der Bildung eineö neuen Kabincts bcaus-
tragt.

P a r t u g a l

Liffabvn. 30. Jan. Berichtcn auS Bra-
silicn zusolge hadrn die Chilenen bci Coquimbo
ein jpanijches Schiff gtnommen.

I p a ü i e !i

Mabrid, 30. Ia». Da >n kcn spanischcn
Gcwässer» zwei chilenische Krcuzer signaiijiki
stnd, so ist die Frcgatte „Jsadclla" zu dercn
Bcrfoigung andgeschickt worde».

Neueste Nachricbren.

Neuyork, 18. Jannar. Dcr mcxicanische
Gencrai Mcjia verweigekik, Gencral Wcizcl's
Protest gegen Hinrichiunge» anzuerkeniien,
weil darin eine Eiiimischuiig licge. Wcizel
will auS Washingion weitere Jiistrnctioneii
abwaricn.

Derlin, 31. Jan. Die „Provinzialcorre-
spondcnz" sagt: Vorgänge wie die Aiionaer
Massenvcrsammlung und daS Verhaltcn dcr
holsteinischen LandeSregicrung überhanpt lieste»
Zweisdl cnisteheu, ob die Wahrnehmung der
dsrch dcn Wiener Fricdcnvon Ocstcrreich „und"
Preußcn crworbenen Nechte nach den VorauS-
setzuugcn deS Gasteilicr VcrtragcS in Holstcin
SeitenS Oesterrcichs wirklich statlfinde. — Wei-
ter sagt die „Prsvinziaicorrcspondenz": Der
jüngste Entichcid des ObcrtribunalS übcr die
Vcrfoigbarkcit der Abgcordnctcii wcgcn ihrer
Kamoierrcdcn sct gccigiiet, dcr Parlamciilarischeii
Zügcllosigkcit einigcrmaßcii zu jtcuern.

Wion, 31. Jan. Die protestant. Ksrchen-
ordnnng, wclche von dcr im Zahre 1884 in
Wien «ersammelte» Synode enlivorfc» und be-
ralhen wurde, hat die Saiictiou deS Kaiser«
erhalteu und wurde der bctreffendcn Kirchen-
behörde zur Publicaiion nbermittelt. Der Kaiscr
bleibt als solchcr scrnerhiii Kirchenoberhaupt,
nicht blo« Schirmherr. Jn proiestantischcn
Krcisen herrscht freudigc Stimmünß.

Wi'en, 31. Zan. Zn der Angciegcnheit
dcS NedacteurS May ist wcdcr hier noch bet
Hrn. v. Eablcnz bis jctzt von Berlin a»S ir-
gend cin Schrltt erfolqt. Eventuell wäre je-'
doch sicher die Vcrweisung eineS prcußijchen
Ansuchens vor das znständige Gcricht zu ge^
w^tigen. — Eine kaiserilche Entschlkeßnng hedt
bie landeSfürstlichen Polizeibehördcn in Graz
»nd Saizburg ans und übrrweist die Handha-
bung dcr Localpolizei den G-meinden.

A«S Baden. Nach einer Miltheilung der
B.L.-Z. hat dte gr. Ncgicrung beschiossen, die Ey-
laubuiß znm Ba» einer Eisenbah» von hier durch
daS Murgthal bis GcrnSbach zn ertheilen nnd
dem gegeiiwäriigcn Landiagc noch darüber einen
Gesetzcntwurf vorzulegen. Dcr Bau gkschieht
durch Private, dcn Bctricb wird dcr Staat
übcrnchmcn. Die Baukostcn, ctwa 500- bis
600,000 fl., sind bereitS dnrch Zeichnungcn
gedcckt — Wieder ist eincr der Flüchtlinge deS
ZahreS 1849, der pract. Arzt Knblcr. in
seine Hcimath zurückgckchrt, Dcrselbe bcfindct
sich zum Besnche >n Kkhl, wird stch auf kurze
Zeit noch einmal nach Amerika degcben, »m
sich dann bleibend wieder in Kchl »icdcrzulasscn.

vcrmischtc Uachrichtrn.

stzrankfurt. 30. Jan. Hcule Nuchmittaq fand dle
Trauung dc» Prinzcn Wiihelm von Hanan. dritlen

Prinzejsin Elisadkch von Schanmburg - Lippe, in dcr
Wohnnnp der Fnisiin-Dinlikr siaii._

Heidelbcrq, Zt. Zan. Znr B'grgnung irriger

g,griffe!,en schnldig zr/sein.

Vie Kedaction der Heidelberger veitung.

Bremen, 29. Jan. DaS Posidampfschiff deS Nordd.
Lloyd „Brcmen", Capit. C. Meyer, dat gestern die'
crste dieöjähriqe Neise nach Nenyork vi» Southampton
angetrtten. Dasielbe yabm außer der Post 34s Passa-
giere uud 1050 Tonö Laduug an Bord; von dcn Passa-

diesco, 8 Ub- Morgens woblbcbalten in Neuyork an-
Hamburg, 29. Zanuar,1866.

Obngkeitliche Bekanntmachungen und Privat-Anzetgen.

Großh. Amtsgericht Hcidelberg.

Nr. 2549 In das GescNschaftsrrgiste^unter

Cylup." Nirdrrlaffungsort Schönau. Mitglieder
der offenen Handklsgesellschaft sind: Pbilipp Ger-
bert, Jäcob Black !>., Friedrick Ncichwein, Michael
Hcrion, Adam Black u. Valentin Hcrion Wittwe

18. Dcccmber 18 ?7.

Heidelberg, den 25. Ianuar 1866.

^ ^ 'Mechler.


Lieferuilg von Trottoirquader

Die Liefernng von 230 tf. Fuß 8" dicken und
12" hoben auf einer Seite unv drm Hauptgeflächte,
und mit einer Fafe verschenen Trottot'quäder auf
die Station Carlsthor soll im Soumissionswcg an
einen Untcrncbmer vergebcn werden.

portckftei ustd mkt dek Ausschrlft „Lkeferllng
von Trottoitquadern" längstens bis zum
ttl. Februar d. I., Vormittags 19 Uhr,
auf dem techuischen Dureau dcr unterferkigten
Stelle tittr^ichrtt, w0fc?bst auch tnzwrschcn die Ac-
cordbediugimgen eingesehen wrrden könurn.
Heivelbcrg, den 27. Ianuar 1866.

Großh. Eiscnbahuamt. s2^'
Der Vorstand: Der Bez.-Jngenieur:

Sachs. Iost.

Holzdersteigerung.

iesloch. AuS Do-
>mänenwaldungen verstci-
gcrn wir mit Zahlun s-
frist bis 1. Novrmb. l. I.
DonNerstag. dcn 8. Fe-
brnar, im District „Sal-
llNgrund", Schlag 21—23

Wagnerstangen Klftr. birkenes, ». 6'/r Klftr.
erkenes Scheitbokz, 79'/r Klftr. bnchenes, 5 Klaf-
trr birkenes, 4 Klafter cichcnes, 9 Klftr. erlenes
und 43 Klftr. aspcncS Prügrlholz.

Freitag, deri 9. Febrnar, in obigen Schlägen:
2238 aspene, 11,464 buchene*D. eichene und 350
erlene Wellen.

Montag, den 12. Februar, im D'srrict „Schlee-
berg", Scdlag 8 und 9:

21 eicbene Nutzbylzstä'nme, 4 Klftr. bnchenes
und 22 Klstr. eichenes Schcitbolz — tbeilweise
zu Nutzholz gecignet — l'/r Klftr. buchcnes und
3 Klafker eichencs Prügelholz, 8 Klafter buche-
nes und eickenes Stdckholz unb 7625 buchene
und eichene Wcllcn.

Zusammcnkunft am 1. und 2. Tage im Rath-
hause in Baierthal, am 3 Tage in ,'enem zu Mühl-
hansen, jcdeSmal srüb 9 llhr.

Wiesloch, den 29. Ianuar 1866.

Gr. Bcz.-Forstel.

Bletbimhaus. (2!)

kirturliistorilloli-Keäieillisclier Verein.

Freitag, drn 2. Februar: Ballotage.

Drof. Friedr eich: Ueber angrborenen Skirrhus.
Prof. Knapp: Ueber E.zieluttg gewiffer Effckte
bei Schielopcrativn.

Dr. Stein aus Frankfurt: 1) Untrrsuchungen
während der Hederslkbener Trrchinenepidemie.
2) Neuere Untrrsuchungen dcr Blutgefäße des
AugenhintergrunvkS.

Ein Reisender
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