Heidelberger Zeitung — 1866 (Januar bis Juni)

Page: 220
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/hdtz1866/0220
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
llnlkrfange» den größeren Kirchenbnnn auizu-
I'Prechen, jder die Schulrigc», wenn ste stch auch
verborgen zu halre» verstehen, im Gcwissen
treffen u»d diesclben, bi« ste nichl nach gehöriger
Gennglhunng die Lvssprechnng vvn ihrem Obcr-
hirte» cmpfangen haben, von der Gemeinschaft
der kirchlichen Gnadeu und inSbesondere der
hl. sakramente auSschließen wird..

Berlin, 23. Kedr. Die Regierllng hal
nicht abgewartet, biS sich das AbgeordnetenhanS
„selbst zu Tode geschwatzt": sie ist rasch und
nnvermulhet gegen daSfclbe vorgegangen und
hat e« heimgkschickt, obgleich nicht ein einzige»
Gesetz zu Stande gekomnien Ulld kein Handels-
vertrag die Genehmignng crhalten hat. Daß
d;r Landtag bis zum Ablauf der gegenwärtigcn
Periode geschloflcn wurde, wird als faktische
Bescitigung der B-rfaffung aufgesaßt und er<
wartet man, daß wir nun in eine Periode noch
auSgedehnterer Willkür, mit gcrichtlichen Vcr-
folgungen, Unterdrückung der Presse und Be-
seitigung aller störender Elemente ciutreten.

Berlift, 23. Febr. Da« Kammergericht
beftätigtc in Sachen Roller, deS Lciter« eineS
Lasfalle'schen ArbeitervercinS, die vom Stadt-
gericht auSgejprochene definitive Schließung
dc« allgemeinen deutschen Arbeitervercin«.

A r a n k r e > ch.

ivaris, 2?. Febr. Der Brief dc« KaiserS,
der die Erhaltung dcS westlichcn Theilc« de«
LuxcmburggartenS verfügt, hat allgemein be-
fricdigt und nicht Wenige wollcn darin eine
Art von „Fcbruar-Errnngenschaft" crbiicken.

PariS, ?Z. Febr. Die Francs schreibt:
Das DampstranSportschiff Rhone, von Toulon
und zuletzt vou Aigier kommend, ist am 17.
vox Oran cingstroffen. DieseS Schiff soll däs
letzte Bataillvn dcr Fremdenlegion, welches in
den Dienst de« Kaiser« vou Mexiko tritt, au
Bord nehmen.

I t a l i c n.

Floreuz, 24. Febr. Lamarmora jorderte,
indcm cr eine Darstellung der Sachiage gab,
die Kammer aus, der Regicrnng Unterstütznng
zu vexleihcn, um verjassungSgemäß zu rcgicren.
Er wcist die Anklage übermäßigcr Fügsamkeit
gegcnüber der französtschen Regierung zurück
und bemerkt, daß Frankrcich freundschaftüche
Gesühle gkge» Jtalicu hkgc. Belrcffs der Con-
venlion erkiärt er, die bcidcn Regierungen HLttcn
sreilich jede ihre eigenc Anstcht von der Zukunft,
die Convention aber werde gelreuüch ausgesührt.
Ueber die Thcilung dcr päpstlichen Schuld
schwebtcn Verhandlungen, welche zur Keuntniß
des ParlamcntS gebracht wcrden würden. Frank-
reich habc hinsichtlich der Bildung der päpstlichcn
Legion dic Erklärung abgegeben, daß die Legion
in keiner Verbindung mit der französichen Rc-
gterung steheu würde. Den Rath, mit Spanien
zu brechen, vervirft dcr Ministcr: mit Ocster-
rcich sei kcine Unterhaudiung politischer Natur
angcknüpft worden; über die commerciellen
Bcziehungeu haie die italicnische Regierung
noch keine Enljcheidung gefaßt. ,<Schließlich
fordert er zu einer schuellen Wsung der Finanz-
srage auf.

L p a n i o ü

Madrid, W. Febr. Die Hcrzogin vvn
Montpeuster ist von ciuem Prinzcn cutbunden
worden.

' KarlSruhe, 18 gcbr. (Ge^scniivui:. d i

mcmdcveriammtuilz, dczicb'.ingSweiie yon dem gioßen
Ansschuiic gcwähN. Die Wahl deS Ersteren dedarf der
BestLligung dcr lLtagiSbehörde, dercn Vcrsagung deni
Ministrrium des Jiincrn zustehl. Znc Gilligtcil der
Wahl wird erforderi. dast iämmlliche Wahiberechligten
dazu eingelaüen wmden. Jn dem EinladungSschieiben
!nii'i dickZeil bcstimmt werdcn, innerhalb welcher die
»bifimniung zu glschehen hal. Pach Abiani oer be-
stimmtcn Frist wiid dic Widlhandiung gefchlosien. Bei
dcr Wahl oeS BnrgcrmeisterS gitl nur Dersenigc für
gewLhll. aui wetchen, wv die Wahi durch deu großen
ÄuSichuß gcschieht. mcbr ,is dic HLIfle oer Sliinmeii.

Ivird, oon allm die meiftcn chiimineu oei Abstiuiiiim-
den und zugleich weiiigstcnS ein Drimheil der Siimmen
aller Wahlberechtmlen gefaUen sind. EchaUen bci der
^hi^^uich^oie

der Beftätigimg des GewLhlren findet n« zweimal sta«.
Derimize, dem die Bcstäligung oeriagl wird, kann bei
einer folgmdm Wahlhandlung nichi^mehr gcwahlr wer-

von drr StaalSbehSrdc aus höchstcns drci Jahre crnannl.
Bei der Wahl der Gemeinderäthe u. i. w. (unvcrändcrl
wie die Ictzlen sechs Absätze dcs seilherigm 8 27)."

8 30 erhält fotgmde Fassung: „Das Aml de» Bürger-
meisters daueri ncun, jmcs der Gcmeinderälhe sechs
Jahrc. Der AnSlrelende ist wieder wähibar. Dcr Ge-
i^einderalh^wird^ aUc,drch ^Iah^ iir d^n er^ie^ ^Taze^

zur Becndigung dcr Neuwahl im Amle." Abiatz 3, 4,

5 unverLndert als Absatz 4. ö, 6. 8 13 erhalt soi^ende

Wahi des großen AttSschuijeS (88 17, 18) zn biiden
sind. Jst^ die Zahl der Mikglieoei dcs kiiiiien Aus-

lrelm stnd. fällc die Klasfcneinihtilung für die Wahl
des BürgerauSichusseS we,,."' 8 47. An die Slclle dcs
Absatzes 2 trilc folgendc Bestimmung: ,Dei Auöschuß
wird alle drei Jahre zur Hälfte in der Ari neu gcwähtl,

Elneuerungswaht de« GemeiiwcrathS nach den für diese
Wahl gegebenen Lorichristm statt. Das Nähere be-
^sti^iml^die ^Rc^ie^ugSoeioioiiu^g Abfatz

ihrc AmiSdaucr im Laufc des Jahreö 1866, fo bleiben
ste im Amle bis znm ersten März 1367. II. Jn Ge-
meinden. wciche durch cinen großeu Ausschuß vertreteu

im Zanuar^des Jahres 1867 ftauziisiiiceii. Gleichzeirig

Mb.^k e-b . ^ n "-g !

es treten für^ diesen" Fall die Vorschriflen deS Art. I.

8 33, Absatz 2 in Wirksamkeit. AUe sonstigen zwischen
der Vrrkündung dieses Gesetze« und dem ersten März
1867 mit Rücksicht auf die AmtSdauer. der im Dienste
b^ndlichnGemeindebeamten erforderli^ werd^rd^

meinderath" oder BürgeraitSschuß vor dem ersten März
1867 durch Tod oder AuSlritt erledigt, so bleibt die-
selbe bis zu diesem Zeitpunkt unbesetzi.

AuS der deutschen Wehrzeitung.

Zur Beleuchtung unserer gegen-
wärtigen Wehrverhältnisse.

Die HeereSorganisation der Mittelstaaten ist
keine volksthünsliche, weil sie die Anforderungen,
die das Volk zn stellen berechtigt und verpflichtet
ist, nicht erfüüt.

Diese Forderungen dürften sich in folgenden
Punkten concentriren: _ !

> Adolph Hn m erling, Derlagsbuchhandlung

1. Die Pflicht, das Vaterland zu schützen,
liegt nicht blos einzelnen, sondern allen Staats-
angehörigen ob.

2. Da als Vorcmssetzung der Existenz eineS
Dolkes angenommen werden muß, daß es ent-
weder als selbstständiger Staat oder als Glied
eines StaatenbundeS daS Vermögen besitzt, seine
Angehörigcn gegen Vergewaltigung aller Art
zu schützen, da dies Aes nur geschehen kann,
wenn daS ganze Volk waffensähig ist, so ist es
Pflicht der Regierung, diese aÜgemeine Waffen-
sähigkeit herbeizuführen.

3. Die deutschen Mittelstaateu, welche aner-
kanntLimaßen weit mehr auf das Defensivsystem
angewiescn sind als die größercn sie umgeben-
den Staaten, müssen einc Heeresorganisation
herbeiführen, welche diesem Defensivsystem cnt-
spricht.

4. Das jetzige System ift ein Zwitterding;
es ersüllt einestheils weddr die Ansorderungen,
welche an eine aus BerusSsoldaten gebildete
Armee gemacht werden, noch erfüllt es die Än-
forderungen, welche an ein Volkshcer ^emacht
werden

Die ersteren deßbalb nicht, weil hierzu eine
vieljährige Angewöhnung nöthig ift, die letzterell
nicht, weil diese eine militärische Jllgenderziehung
bedingen.

Jugendwehren und Wehrvereine.

Obgleich die Wehrzeitung erst vor Kurzem
auf die Angriffe, welche in der Allgemeineu
Militär-Zeitung gegen die Jligendweh.ren gemacht
waren, geantwortet hat, so will sie doch auik
diesmal auf den in den FeuilletonS der Chem-
nltzer Nachrichten stehenden Angriff gegen die
Wehrbewcgung etwaS sagen.

Berfasser will mitersuchen: „warum eigent-
lich so starke Hecreskräfte innerhalb dcr gcsitte-
ten und christlichen Welt in Europa nöthig
erscheinen" und ftndet uuschwer, daß die ver-
hältnißmäßige Ungeordnetheit oder Uunatur
der gczogenen Staatsgrenzeu daran die Haupt-
schuld hat.

Gleich in diesem erstcn Satz begeht Verfasser
eiilkn großen Jrrthum, wenu er die so starken
HeereSkräste auS der Uugeordnetheit rc. der
Staatsgrenzen herleitet.

Früher spielten bei einem Kriege Bewegungen,
Demonstratiollen, Lager und Winterquartiere
die.Hauptrolle, die Schlachten selbst waren un-
blutig und endeten selteu mil Vernichtung des
Gegners. Da ^varf die französische Revolution
das französische Volk in den Krieg und eö er-
schienen seit der Völkerwanderung nicht mehr
gesehene Heerhanfen auf der Wahlstatt. Die
ganze KriegSführung veränderte sich, die Ver-
nichtung lrat wieder in den Vordergrund.
Seitdem haben sich die Verhältnisse immer mehr
gesteigert, das Bedürfniß nach Vergrößerung
der Heere wächst mit den stets blutiger werden-
den Schlachten und der Staat, welcher zuerst
das ganze Volk wehrbar macht, wird jedem
andern mit stehendem Heere so überlegen sein,
daß ihm alle nachfolgen müssen.

Vermischte Aachrichten.

Berlin, 22. Febr. Bei der Aufführung der „Afri-

am Ende drS ersten Acles gcgen daS geistliche Gerichl
die Strophe: „Verblendet bist du Tribunal"; diese Stelle
wurde von einem Publikum, daS ^seine Sitze mit den

^ Bmgen, 23. Febr. Di'e Person deS Manne-, dessen
KleidungSstücke uud^Effecten am hi^sizen Nheiinlfer ge-

Leben ein Ende gemacht hal. Aus die Ausfindung der'
Leiche ist ein PreiS von 100 fl. gesetzt.

Dublin, 20. Febr. Jn der Grafschaft Wcstmeath
ward am 18. d. der teuflischc Versuch gemacht, rinen
Eisenbahnzug in'« Verderben zu stürzen. Ein Haufe
schwerer Sleine wär auf die Schienen gelegt worden,
und die Passagiere können von großem Glück sagen,
daß die Maschine dädnrch nicht aus dem Gcleise ge-
bracht und über einen hohen Damm hinabgeschleuderk
worden ist.

DaS Hamburg-Neuvorker Postdampfschiff „Bavaria".
CapitänTaube, welcheS am 21. Januar von hier und
am 25. Januar von Southampton abgegangen, ist nach
einer Reise von 13 Tagen am 3. Februar 8 Uhr Mor-
genS woblbehalten in Neuyork angekommen.

Hamhurg, Febr. 1866._

unr- Buchoruckerei iu Hetveiberg.
loading ...