Heidelberger Zeitung — 1866 (Januar bis Juni)

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merkenswkrthe Artikel über Schulangelegenhei-
ten gebracht', worin zeitgemäße Fragen auf
diesem Gebiete theilS angeregt, theils einer ein-
gehcnden Beleuchtung unterworfen worden sind.
Wir möchren heute mit wenigen Wortcn auf
eine Schuleinrichtung hinweisen, deren nicht zn
bezweifelnde Unzweckmäßigkeit in den badischen
Blättern unseres WissenS noch nicht besprochen
wordcn ist, obwohl sie nach unserer Ueberzcu-
gung dringend der Abhilfe bedarf. Wir meinen
die unnatnrliche Verbindung einer gelehrten mit
einer höheren Bürgerfchule, wie solche doppelt-
gestaltige Institute an sämmtlichen PLdagogien
und an einigen Gymnasien unseres Landes her-
vortretcn. DaS Resultat dieser Verbindung ist,
wie in allen ähnlichen FLllen. daS einer halben
Maßregel: beide unter Ginen Hut gebrachte
Anstalten stehen sick grundsatzgemäß und that-
sächlich einander im Wege; die Nealabtheilun-
gen schadcn den humanistischen Klasscn, ohne
ihren Schülcrn den Vorlheil eincr vollständigcn
Nealschulbildung zu gewährcn; nirgenbs zeigt
sich eine feste organische Verbindung der inner-
lich getrennten Theile; der Unterricht erscheint,
auch bei eincm möglichft gestreckten Stunden-
maße, übcrall und in einigcn Zweigen in rccht
fühlbarer Weisc zu kurz fallend, um wichtigen
Anforderungcn gcnügend entsprechen zu können,
andere Schattcnseiten nicht zu erwähncn, die
besonders das Zusammenwirken der Lehrer und
die Disciplin der Schüler betrifst. Von diescm
GesichtSpunkt auS ist denn auch das Arbeits-
feld der Lehrer an solchen Anstalten in der
Rcgel alS ein übcraus mühsam zu bebauendeS
und ost nur cinen zwcifelhaften Erfolg abwer-
fendes zu betrachlen. Unsere Zeit drängt aber
auf allen Gcbieten des öffentlichen Lebens, und
so auch auf dem der Jugendbildung, wie zu
einem besonnenen VorwärtS, so zu ciner zweck-
entsprechenden Hcrstellung aller darauf gegrün-
deten Erfordernisse. Mit den halbcn Maßre-
geln räumt sie überall gründlich auf, und so
dürfte auch daS hier erwähnte Mißverhältniß
bald eine Abanderung zu gcwärtigen haben.
und jedem der bciden Schulgebiete zugetheilt
werden, waS ihm zur selbstständigen Wahrung
seiner Jntereffcn gcbührt. Viel richtiger im
Grundsatze und crspricßlicher für die Praxis
erscheinl dic Vereinigung der Gewcrbsschulen
mit den höhern Bürgcrjchulen und den soge-
nannten erweiterten Volksschulen, wodurch in
Wahrheit der Grund zur Bildung gutcr Real-
schulen, die ein unabwcislicheS Bedürfniß ge-
worden sind, gelegt wird. Unsebe erleuchtete
Regierung wird bci dcr bevorstehenden Regu-
lirung des SchulwesenS gewiß darauf Bedacht
nehmen, zumal sie mit dem Plane umgeht,
einige Realgymnasicn nach preußischem Muster
zu errichten; sie wird sich ein weiteres Ver-
dienst erwcrben, wenn sie mehrere der klcineren
Bürgerschnlen, dic nur ein ärmlicheS Dasein
ftisten und durch allerlei äußerc Mittcl noth-
dürftig zusammengehalten werden, zur Einstcl-
lung ihrer Geschäfte veranlaßt, um Angemeffe-
nereS und Durchschlagenderes an ihrer Stclle
zu schaffen und jedem etwaigen Wunsche nach
Neuerrichtung einer solchen in diesem odcr jenem
Landstädtchen seine Billigung versagt. Man

und drri Wockrn wohnte cr bet dem Nacktwäckter
auf dem Thurm; erst als der Waffenstillstand ge-
kündigt werdeu sollte, erinncrte man fich seiner

tete er seine desten und schönsten Lieder: Der Gott,
der Eisen wachscn ließ u. s. w. Was tst des Drut-
scken Vatcrland? WaS blasen die Trompeten: Hu-

heißen.

Und nach der Völkerschlacht bei Leipzig besah er
fick das Schlacktfrld und sckrieb eine Schrift, dte
wir auck nicht vergeffen wollen: „Der Rhein,
Deutschlands Strom, nicht DeutscklandS
Grenze".

Lerwendet. — Nach der Rückkehr der Verbündrten auS !
Frankreich wurde er entlassen und fand bei Slein :
auf dessen Gute zu Nassau freundliche Aufnahme. ^

errichle in den kleinern Städtcn erweiterte
VolkSschulen, die auch keinen so bedeutendcn
Aufwand erfordern, als wohleingerichtete höhere
Dürgerschulen, deren immerhin einige mit den
gehörigen Einrichtungcn und ausreichender Fun-
dation bestehen bleiben mögen; in dcn vicr grö-
ßern Städten abcr gründe man Rcalgymnasicn
mit einem umfaffenden Unterrichtsplane, dem
auch ein beschränkter und auf das Technisch-
Prakti'che gcrichtcter Lateinunterricht beizufügen
wäre, jedoch mit Beseitignng alleS philologischen
Ballastes, der jetzt noch eher nachtheilig als
förderlich auf die kleineren Schulen drückt. Im
Ganzen gebe man dcn Gelehrtenschulen, was
ihnen gebührt, aber auch der Realschule räume
man ihr Necht em : daher Trennung diescr Ge-
biete und sorgfältige Sonderpflege eineS jeden
derselben, wic solcheS in den Bedürfniffen un-
serer Zeit und in der Natur dcr Sache selbst
gelegen ist.

Badcn, 24. Febr. Jn der letzten Zeit
war der Kreisausschuß unsereS Kreises zu
einer Sitzung hier versammelt und sprach sich
dahin aus, daß durch die Aufhebung der Spiele
nicht allein der Kurorl Baden, sondern der
ganze KreiS auf daS Empsindlichste betroffcn
würde. Es wurde deshalb beschloffen. dem
Kreishauptmann von dieser Ansicht Mitthei-
lung zu machen, damit derselbe der großh. Re-
gierung davon Kenntniß gcbe und hiemit die
Bitte verbinde, „falls die Negierung zu einer
Verlängerung des Spielpachtes bis zum Jahre
1870 sich nicht veranlaßt'sehen könne, die
rechtzeitige Fürsorge für Herstellung dcr schon
mchrfach beantragten Kuranstalten eintreten
laffen und die Bewilligung erheblicher Zu-
schüsse aus Staatsmitteln geneigtest bewirken
zu wollen.

Darmsitadt, 26. Febr. Der Abgevrdnete
Metz erklärt, daß er sejn bisheriges Verhältniß
zur „Hessischen Landeszeitung". seincr eigenen
Lieblingsschöpfung, abgebrochen habc, da die be-
kannte Mainzer Correspondenz ohne seine Zu-
stimmung aufgenommen worden sei.

Hamburg, 26. Febr. Der „Hamburger
Corresp." vcröffcntlicht den Wortlüut einer
Eingabc der hvlstcinischcn Landesregierung an
die Statthalterci vom 23 d., worin diesclbö
gcgen die gesetzwidrige einseitige Ueberreichung
der Adreffe von Scheel und Genoffen an dcn
König von Preußen protestirt und sich auS-
drücklich verwahrt, daß Agitationen geduldet
werden, deren ausgesprochener Zweck rechtlich
oder moralisch unmöglich sei. Die Landesregie-
rung constatirt vielmehr, daß der gesunde Sinn
der Holsteiner sich nicht habe bcirren lasscn,
und bietet in corpoi-o ihre Entlassung an,
wenn der holsteinische Statthalter die von
Scheel und Genoffen gegen die Landesregierung
erhobenen Beschuldigungen für begründet fände.
Gegcn die Unterzeichnüng der Annexionsadrcffe
behält sich die Landesregierung das Gcrichts-
verfahren vor und bittet um Mittheilimg die-
ser Eingabe an den Kaiser von Oesterreich.

Wien, 26. Febr. Der „Ttzanderer" und
die „Preffc" von heutc Abend enthalten ein
vom Heutigen datirteL Telegramm aus Bucha-
rest, welcheS meldet: Der Fürst Kusa ist

Napoleon wieber kam und Frteden sttsten half; !
am 11. Marz 1815 kam die Kunde nack Wien, ^
daß Napoleon tn Frankreich gelaubct. Jetzt gab !
es Frieden unter den Mäckten; aber Arndt war
keine gern gesehene Persönlickkeit mehr: man musterte !
ibn mit scheelen Augen, denn „der Mrnsck räson-
nirte" Es wurde den Verbündeten leicht, den be- !
reits Zersckmetterten noch einmal zu zerschmettern, j
sie bedurften der eigentlichen Volkseryebung nicht
mehr, fie bedurften auch der Feder unseres Arndt j
ntcht mehr.

gestern unter Escorte nach Kronstadt abgereist.
Er übergab vorher der neuen Regierung einc
schriftliche Erklärung seincr frciwilligen Abdi-
cation. Dic Ordnung blieb nngcstört. Die
Zufriedenheit ist allgemein.

B ,» e r i k a.

NeWVork, 15. Febr. Der Präsideut ent-
zog dem chilenischen Cousul in Newyork das
Excquator; der Consul sowie der chilenische
Agent M'Kcnna sollen unter Anklage, die Neu»
traiitäksgcsetze verletzt zu haben, vor die MLrz-
Assisen gestellt werden. Jn einer vor dem Re-
präscntantenhause gehaltenen Lobrede auf Lin-
coln erklärte Bancroft, die mexicanische Repu-
blik müffe auferstehen. Juarcz war am 17.
noch in El Paso.

Die KriegSerklärung Peru's an Spanien ist
jetzt einc Thatsache. Der Wortlaut derselben
liegt nunmehr vor.

Neueste Nachrichten.

Berlin, 27. Febr. Am Samstag ist die
preußische Antwort auf die österreichische Note
vom 7. Febr. nach Wien abgegangen. Der
Jnhalt derselben ist selbst den Rstthen des Mi-
nisteriums des Aeußern geheim gehalten. Graf
Goltz wirv hier blciben, bis eine Nachricht
über die Aufnahme, welche dicse Note.im öster-
reichischcn Cabinet gcfunden hat, eingetroffen
sein wiro. — Gon einer erneuten Anregung
der Congreß-Jdec von französischcr Seite weiß
man hier in gutunterrichteten Kreisen nichts.

Berlin, 27. Febr. Sämmtliche belgische
Gesandtschaften und das Bucharester Consulat
wurden telegraphisch von der definitiven Ableh-
nung bes Grafen von Flandern als Fürst von
Rumänien benachrichtigt.

Hamburg, 27. Febr. Die „Hamburger
Mchrichtcn" enthalten nachstehendes Telegramm
auS Paris: Die „Patrie" schreibt: Die
Großmächte sind darüber einig, den Donau-
fürsteuthümern die Wahl Ihrer Regierung frei-
zustellen, vorausgesetzt. daß der Pariser Ver-
lrag von 1856 nicht verletzt werde und keine
europäischen Verlegenheiten aus der zu treffen-
den Wahl sich ergeben. Der Graf von Flan-
dern empfängt heute die Deputation aus den
Fürstenthümern. Es heißt, derselbe werde die
Wahl ablchnen.. Hr. Eloin, der Privatsecre-
tär des Kaisers Maximilian, wird heute hier
erwartet, eben so der General Prim.

Paris, 27. Febr. Jn der gestrigen Sitzung
des gesetzgebcnden KörperS begann die Adreß-
debatte. Thiers bckämpft die innere Politik
der Regierung, verlangt persönliche Frciheit,
Preßfretheit, Vereinsrecht, Ministerverantwort-
lichkeit und Jnterpellationsrecht als unerläß-
liches Minimum. Latour vertheidigt die Adv.ffe.

Florenz, 27. Februar. Jn der gestrigen
Sitzung der Deputirtenkammer wird der Än-
trag Pepoli's', in Folge der von dem Ministc-
rium abgcgebenen Erklärung die Abstiminung
zu verschieben oder durch einfache Tagesordnung
von einem MißtrauenSvotum abzusehen, vcr-
worfen, dagegen eine motivirte TageSordnung,
welche daS Nrtheil über das Finanzgefetz vor-
behält und bczüglich politischer und administra-

waren die ersten Frückte des BefreiungskampfeS,
der Volkserhebung der gebrachten Opfer, des ge-
flossencn Blutes.

Arndt knirschte. Er gründete in Köln ein Blatt:
„Der Wächter". Noch vorher hatte er in einer
merkwürdigen Schrift „über die ständischen
Verfassungen" die Fürstew aufgefordert, ehr-
liche wohlgemeinte Constitutionen zu verleihen nnd
namentlich Preßfreiheit, Volksbewaffnung, Anthetl
an den niederen Gerickten und dcr niederen Ver-
waltung dem Volke zu gewähren. Auck ein deut-
scheS Parlament verlangt er, aber in einer wenig
durckgebildeten Weise, wie denn auch seine An-
sichten von einer Wiederherstellung beS deutscken
RcichS sammt Kaiserwürde nickt pie reckte Reife
und Klarheit haben. Aber das Verdienst Arndt's,
die Fürsten an die Rechte des Volks mit Krafl und
Entschicdenheit erinnert zu haben, ist darum nicht
gertnger. (Korts. f.)
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