Heidelberger Zeitung — 1866 (Januar bis Juni)

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Wien, 9. April. Auf die letzte preußische
Depdche soll daS hiesige Cabinet erwidert
haben, daß nach dem AuStausch der beidcrsei-
tigen FriedenSabsichten und unter Hinweis auf
die Sistirung der Defensivmatznahmcn Oester-
reichs auch die Sistirung der preußischen Mo-
bilisirungsordre nothwendig sei.

Wien, 9. April. Die „Debatte" schreibt:
„Der Thalsachc gegenüber. daß die preußische
Mobilmachung officiell im „Staatsanzeiger"
angeordnet worden, dürfte Oesterreich die Er-
klärung abgeben, daß eS, so lange nicht ebenso
officiell demobilisirt worden, nicht in der Lage
sei, etwaige Verhandlungen forlzuführcn." Die
„Presse" vernimmt, daß die Antwort des öster-
reichifchen Cabinets aus die letzte preußische Notc
bcreits vorgestern abgegangen sei. Der Cha-
rakter dcr Note solle dem einer Sommation
analog sein und man glaube, daß nach Ein-
treffen einer unbefriedigenden Antwort auf die-
selbc Oesterreich sofort am deutschen' Bunde
einen Antrag aufKriegsbereitschaft stellen werde.

X Vom füdöstlichen Schwarzwaid,

5. April. 'Ein in Baltimore wohnender Freund
theilt uns Nachstehendes mit:

„Deutsche Auswanderer, welche ohne alle
oder nur mit wenigen Mitteln nach der Union
kommen und nicht geeignet sind, sich durch Hand-
arbeit einen genügenden Verdienst zu schaffen,
gerathen sehr bald in die bedrängteste Lage,
verfallen der Armenunterstützung, die aber nicht
hinreicht, das Leben fristen zu können, weshalb
manche so bedauernswerthe Landsleute dem Ar-
beits- und Zuchthause verfallen. Dahin gehö-
ren gewöhnliche Arbeiter, welche aus Mangel
an Mitteln nicht in das Jnnere des Landes
reisen können, deshalb in den überfüllten Ha-
fenplätzen bleiben müssen; auch Frauenzimmer
mit Kindern ohne Männer und Ernährer." —
Mögen sich solches die Europamüden merken,
und namentlich unsere Landsleute, die ihr Va-
terland zu verlassen gedenken, gehörig beachten.

Aus Daden. Die am 8. d in Pforz-
heim anläßlich des drohenden KriegS anbe-
raumte Volksversammlung beschloß mit einer
nahe an Einstimmigkeit grenzenden Mehrheit
folgende Erklärung: „Wir verabscheuen den
im Augcnblick drohenden Bruderkrieg um fo
mehr, da cr nur dynastischen Zwecken dienen
würde. Wir wollen die Lösung ver schlcswig-
holsteinischen Frage nur unter Mitwirkung des
schleSwig-holsieinischen VolkeS, mit ausdrücklicher
Wahrung der deutschen Jnteressen. Wir sor-
dern alle Deutscheu, namcntlich das preußische
Volk, auf, in gleichem Sinn die Stimme zu
erheben und zur Sicherstellung und Förderung
der vaterländischeu Angelegenheiten auf die
Einberufung eiues freigewählten deutschcn Par-
laments zn dringen." — Jn Mannheim
war am 8. d. Abends 9 Uhr 4 Minuten, wäh-
rend der Horizont auf allen Seiteu von dun-
keln Wolken, welche beständig durch Wetter-
leuchten durchzuckt wurden, eingesäumt war,
über nnserer Stadt aber ein sternenheller Him-
mel prailgte, cin in der Richtung von Ost-
Nord-Ost gegen West-Süd-West durchziehendeS,
prachtvolles hellleuchtcndes Meteor, welcheS die
ganzc Bahn mit seinem bläulichen Feuer er-
hellte, sichtbar. — Jn Uffhausen bei Frei-
burg ereigncte sich der beklagenswerthe Fall,
daß Actuar ÄZannemacher, ein verheiratheter
Mann und Familienvater, in trunkenem Zu-
stand nach vorherigem Wortwechsel dic Frau,
bei welcher er in Miethe wohnte, mit einer
Axt derart verletzte, daß dieselbe sofort ihren
Geist aufgab. Der Thäter wurde sogleich nach
vollbrachter That verhaftet und in das Amts-
gefängniß verbracht.

Die Verhandlungen vor dem Gr.
Heffischen Bezirksstrafgerichte
Micheistadt,

DaS Gerichl ist wte folgk besetzt:

Prästdent ist der §roßh, Ländj,erichtsassessor, Mitistied
deS BezirkS-Slrafgerichles, D. Faust m a n n. Er wurde
an die Slelle deS eigentlichen Dirigenteu, großh. Land-

Slarkenburg dazu ernanm. d )

Beisttzer sind die großherz. LandgerichtSasiessoren D.

Der Zuhörerraum ist dicht angefüllt, er faßt etwa
200 Personen.

Der mitllere Raum ist ebenfalls dich^ gefüllt36 An-

eS werden zucrst folgen^e Namen der Angeschuldigten
verlesen: t. Johann Ludwig Schmitt lll., 23 Jahr alt,
Schiffsbesitzer; 2. Justus Heinrich Olbert, 28^J. alt,
Schiffer; 3. Johann Heilmaun, 27 I. alt, großbeur-

quartiermeister-StabS; 4. Heinrich Dörsam. 31 Jahre

Chausseearbeiter; 6. Earl Olbert, 33 I. alt. SchiffSbe-

M^IIII II.. gz J.".iu"Schiff-r; 8. Ludwig Schmidl. 21
I. alt, miliiärpflichtig, Schiffsbursche; 9. Georg Keidel,

30 I. alt, Schiffer und Holzhändler; 10. Georg Spitz,
38 I. alt, Nagelschmied; 11. Ludwig Heidenreich. 25
I. alt, SchiffSknecht; 12. Daniel Rehberger, 28 Jahre
alt, SchiffSknecht; 13. Joh. Michael Neuhäuser, 27 I.
alt, SchiffSbursche; 14. Wilhelm Spitz. 31 Jahre alt,
Lchiffer; 15.'Michael Lang, 45 I. alt, Schiffsbursche;
16. Leonbard Heilmanu, 29 I. alt, SchiffSbesiher; 17.
Jakob Oesterreicher, 27 I. alt, SchifsSbursche; 18. Chri-

Sicgel, 22 I. all, SchisfSknecht; 20. Heinrich Michel,
29 I. alt, Schuhm^cher; 21. Friedrich Brod, 21 Jahre

bläser, 24 I. alt, Schiffer; 23. Friedrich Heidenreich,

31 I. alt, Schiffer; 24. Johann Wagner, 30 I. alt,
Tuchbleicher; 25. Johann Bock V.. 33 I. alt, SchiffS-
besitzer; 26. Carl Bock. 26 I. alt, beurlaubter Schütze
in der 1. Schühencompagnie deS großh. Isten Infante-
rieregimcntS; 27. Margaretha Siegel, 37 I. alt, geb.
Eichel, Ehe'rau des unter Nr. 5 ausgeführten Chaussee-
ai beiters Georg Siegel; 28. Gottlieb Schneider, 37 I.

steinach; 29. Philipp Rothenbusch, 23 I. alt, Schrei-
uergesclle von Weinheim; 30. Johann Bing. 73 Jahre
alt, Schiffsbauer; 31. Philipp Schmidt. 31 I. alt,
SchiffSbesitzer; 32. Ludwig Erbahn, 40 I- alt, SchiffS-
besitzer; 33. JustuS Olbert, 41 I. alt, SchiffSbesitzer;

34. Joseph Heilmann IV.. 39 I. alt, Schiffsbesitzer;

35. Gustav Dörschuck, 22 I. alt, Bierbrauer; säinmt-
liche von Nr. 30—35 von Neckarsteiuach; 36. Jakob
Beisel, 28 I. alt, von Ober-Hainbrunn, Knecht in
Nrckarsteinach; 37. Georg Michel, 28 I. alt, SchiffS-
knecht; 38. Wilhelm Dörschuck, 24 I. alt, Bierbrauer;
39. Johann Vorreiter, gen. Wiffele, 31 I. alt. Tag-

erwähnte Gesetz hier keine Geltung habe. Man wählte
jNeckarsteinach und den SMoßhof des Freiherrn Nudolph
von Dorth daselbst.

Durch die Vorfälle im Großherzogthum Baden seien
die Jnteressen des Publikums und der Preffe lebhaft er-
reg^ worden. Als m Badei^^beka^nt wurde, daß chz

kommenden Männer, man wolle nichts mehr mit ihnen

Das Thal bei Neckarsteinach ist sehr schmal, daß der
dorlige Feldbau sehr unbedeutend ist. Der hauptsäch-
lichste Erwerbzweig der dortigen Einwohner besteht in
der Bearbeitung der großen und bedeutenden Steinbrüche
und der Verschaffung der Steine nach dem Neckar und
Rhein, nach Mannheim. an andere Orte und der Um-
gegend. Es wurde wiederholt gesagt, man würde nie
mehr etwas von ihnen nehmen, man würde sie allge-
mein verachten und werde nie mehr etwas mit ihnen

lung duldeten.

Tüe Versammlung sollte schon am dritten Ostertage
statlfinden; es wurde am ersten Ostertage eine Versamm-
lung von dortigen Einwohnern im Gasthause zum Hirsch
gehalten und da beschlossen, wenn Pfaffen kämeu, sollen
sie über die Grenze gejagt werden. Am folgenden Tage

mer wirklich so schlimme Anträge stellen würden.

Das Casino fand also den 18. April 1865 statt und

... .......... ..

so ve^suchtcn ^sie ^s Thor mit Gewalt zu ^öffnen, in-

einschließlich, dann Nr. 35, 33, 39 wird zur Last ge-

» AN. 164 des groß^heff. Strafgesetzgebuche» setzt fest:

die Versammlnng beendigt war, vereinigten sich die oden
unter Nr. 2, 3, 6, 7 und 25 genannten Personen, den
am der ^imkehr begriffenen^ katholischen Pfarrer Dw»r-

Die unter 1, 2,^5, 6, 7, 8, 25, 26 und 27 genann-

von Dilsberg, welcher sich von^r Chauffee nach Klein-
gemünd zu hinter die Hütle eineS Sleinhauer- geflüchtet
hatte, und schlugen ihn mit Prügeln, womit sie dem-
selben einige leichte Verletzu^rgen zufügten. — Die unier
Nr. 1, 28 und 29 genannren Personen begegneten nach
beendigter Versammlung dem Fr. Ehrlein, Obstdändlcr
^^H^d^lb^ ^ück^eg^ nach E Hau^se ^im^

):( Aus dem Amte Sinsheim, 9. April. Jn
^cn^u^dei^ ^gehörigen Ortcn

Tödten des kranken ThiereS ist noch nicht gelungen; er
ist cin schwarzer Schäfer- oder Metzgerbund. Jn den
genannten Orten ist von AmtS wegen die Einsperrung

Das Hamburger Postdampfschiff „Teutonia", Capit.
Haack, von der Liuie der Hamburg - Amerikanischen
Packeliahrt-Actien-Gesellschaft, ging, erpedirt von Herrn
August Bolten, William Millcr'S Nachf., am 7. April
von Hamburg'nach Neuyork ab.

Außer einer starken Brief- unü Packetpost hatte daS-
selbe'45 Passagiere in der Cajüle und daS Zwischendeck
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