Heidelberger Zeitung — 1866 (Januar bis Juni)

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des GesammtvLterlandes, sowie die Sclbst-
ständigkeit der einzelnen Theile gegenüber
unberechtigter und brutaler Gewalt ver-
bürgen,

4) Das deutsche Volk erwartet demgemäß die
Anerkennung des Selbstbestimmungsrechtes
des Schleswig-Holsteinischen Volkes und
die sofortige Einberufung eines deutschen,
auf Grundlage des Reichswahlgesetzes vom
12. April 1849 zu wählenden Parlamentes
und die Schaffung ciner volksthümlichen
Centralgcwalt,

Als Redner find aufgetreten:

Bürgermeister Schaible, Abgeordneter,
Eckhardt, Präsident, A. Gögg, v, Feder,
Venedey, Prof, Wundt von Heidelberg,

Die Redner waren darin einig, daß man
das Parlament verlangen müsse, ohne Rückficht
auf llnterhandlungen mit Bismarck,

-L- Rastatt, 14, April, Vor achl Tagcn ge-
riethen rreußischc und österreichische Soldaten
in Strcit, schwcre Thätlichkeiten wurdcn „ur
durch das Einschreite» der Patrouillen verhin-
dert; Verhastungcn mußtcn vorgenommen wer-
den, Dic prcuß, Truppcn sind Tag für Tag
durch achtstündigcn F-lddicnst sehr angcstrengt,
Hainburg, 14, April. Der „Hamburger
Ztg," zufolgc wcrdcn am Montag Morgcn
hier eintreffen und „ach Schleswig wcitergchcn:
zwei Mnnilionscolonnen dcs fchlesischen Feld-
Artillerie-RcgimcutS Nr, 6 mit BcdicnuugS-
Mannschafteii und 470 Mann vom 2, ichlest-
schen Grcnadier-Rcgiment Nr, 11, im Ganzcn
10 Officiere, 9K8 Mann und 07 Wagen,
Berlin, 14, April, Es ist aufgefallen,
daß der Banquicr Commerzicnrath Bleichröder,
der zu dcm Grafen Bismarck in intimen Be-
ziehungcn steht, daS cinzige Mitglied dcS Ael-
testcncollcgiumS dcr Kausmannschast ist, da«
die Friedeuspetition nicht unterzcichuet hat.
Die Zcidler'sche Correspondenz bczcichnct die
Petition deS Collegiuiiis als ungceignet zur
'Vorlage an dcn König,

Antrag von Preusten in Betreff eiiicr
Reform der BnndeSverfaffnn,,.

- (Schlutz.)

sch^en. ^ ^ ^ ^ ^ Auslausch ^ ersch^ d ^i

Begründelcn wiedcr erwachen und damit anch die Hoff-
nungeii ^des ^ deutschen . Volkcs einec^ iieuen Täuschung

lebenSfähige Schöpfunii erstehe.

Diese Erwägung ist es, welche die königl. Regiernng
zn dem Vorschlag an ihre hohen Mitverbündeten be-
stimmt, die Reform deS Bnndes sofort dqmit in An-
griff zu nehmen, datz zur Mitwirkung für die
Nengestaltung der Verfassung durch Bun-

festtzallen, daß für eine Lersammlung, beruien, um inS-
tzesondere tza« Jnteresse der Gesammlheit und tza« ein-
heirliche Princip als solcheS zur Geltung zu bringen,
der Grundsatz der directen VolkSwahl im Gegensatz zur
Delegation der Ginzelnkammerir allein annehmbar er-

Auge gehabten Zweck und ber der Nothwendigkeit, die
verschiedensten partikularen Verhältnisse einem Mahstab
dienstbar zu machen. als das allein Mögliche bezeichnet
werden, und nimmt die königl. Regierung um so we-
niger Anstand, diese Form der Wahl in Vorschlag zu
bnngen^ als sie dieselbe für^ das conservative Pnnzip

werden leicht anzuordnen ftin, nachdem^erst ^das allge-
meine Prinzip der Wahlen festgestellt ist; und kann die
k^nigl.^egi^^ sich für jetzt charauf^ b^schränken,

fsi Die Berhandluagen vor dem Gr.
Heffischen tlezirksstrafgerichte
Micheistadt.

(F-rlschuilg.)

8) Prlcr F arrcnkops, Müller in Ncckarsteinach und

9) Jakob Bach, Bardier daselbst.

nommen und sich damit bewaffncl." Der Mann, welcher
sie gcbrachk hat, heitz! Fischer, ich habe ihn rrst heule
erkannt. > - , v

hörk; als eincr der Rkdiicr stch deS Lusdiucks „BaSler
Fabrik" bedienle. ich weitz nicht. in welchem Sinne,
fing der Tumull an. Jch habe Niemanden mit Waffen
gesebcn, die Leiile^voii der Bers^mmlung^hallen einfache

klirren.' Ein Blunieiibeel ist da, welches mit sehr dlcken
Wackensteiiien eingefaßt ist. — .auf der Teirafse smd
keine Steine. sonderii »ur Kics; es konnten also Sleine
nichl hiniuiter gemorfen wevden.

11) Peter Paul Hochstädter, Tüncher und Maler
in Neckargemünd, 37 Jahre alt, kalholisch:

^^cho ii^ a^^

aber vcrfolgt und mit Steiiieii geworfen.

12) Joh. Adam Heidenreich, Metzgermeister iir
Neckarileinach, bO Jahrc alt, evangelisch, Gemeindecakh,

^isuwohnen; er hirte, Einer fich laut über die

falle, der sollc fortgehm; eL entstand Tumult. und al«
e« in der Stadt stürmte. ging » nach Hause. Unter»
wegS begeguelen mir mehcere Leute, von dnren ei»ige
mil Prugeln vrrscheu wareu.

13) Valentin Finzer, Landwirch vom Dil-berg«
Hof, 62 Zahre all, katholisch. wohnte ebensaö« der Ler-
sammlung bei; seine AuSsagen driuzeu nicht- wesent-
liche« und stimmen vielfach mit denen des vorhcrgehen-
ben Zeugen überein. AlL er sortging. sah er, wie der
Ralhschreiber Maurer mitzhandelt wurde.

Der 14. Zeuge Valentiu Sbert au« Schönau war

15) Leonhard Brcidenbach. 47 Jahsse als. Schjffer
in Neckarsteinach, katholisch:

Jch war ebenfalls bei der Versammtung urrd hörte
die Redner, eS sprach aber keiner etwa« ilniechtcS. Einer
beschwerle sich ützer die badische Schulreform rmd sagte,
sowoh! gute Protestanten wic die Kalholiken scirn da-
durch im Nachtheil, und eS könnr dadurch leicht Unglück
entstehen. Jch horte und sah den enlstaudcven lLrpektakel,
und ries den Leuten zu, sie solllen machen, datz sie fort»
kämen. Jch hörre schimpfen, schietzcn, mil Steinen
sEfen, und sehr heirig wider daS verschlosicne Tbor

Kiesel und Schloßen. „Warum HLltft Du dich zu d m
Jesuilenchor*, ritf man mir zu. Jch bekam weder eine
Pistole noch eine Flmte rn die Hand, und habe weder
geschosien, noch geworscn, noch geschimpft. Jch sah den
Johann Bing den Badischen mit einer Mistgabel nach-
eilen, uud rief den Andern zu: „Hcbt den rolhen Bing."
Datz ich ihn einen rothen Spitzbubrn geheitzen habr, ist
nichl wahr.

griffe einen Brief zu schreibm, als plötzlich die njchl
vcrschlosiene, nur einfach zugcmachte Thüre aufging und

Die schlimmstcn waren Johann Ludwig Schmitt III.,
Philipp Schmidt und Johannes Bing; dcr letztere zog
niich an nieiiiem^^roßcnaile zu^Boden uiiü^

Jakob Beisel blieb auf der Thürschwelle stchcn und kam
gar nicht in die Stube.

Auf die Frage des Staatsanwaltes: „Kamen die
> ^^Jhnen^angegebenen 12 Männer auf einmal in die

Zeuge: „Nein, das war noch nicht der Fall!"

Adv. Metz: Zch ersuche den Herrn Präsidenten. dieses
in dem Protokoll bemerken zu lasstn. Dik Glaubwür-
digkeil des Zeugen geht aus dieser Behauptung hervor,
denn in dem bei den Akten liegenden Leumimdszeugnisie
des großh. Landgerichts Hirschhorn ist gesagt, daß der
Zeuge wegen Verwunduna zu einer Gefängnißstrafe von
6 Tagen bei Wasier ünd Brod verurtheilt worden ist,
und diese Strafe verbüßt hat."

Der Leumundsbericht wurde sofort vorgelesen. Er
schildert den Zeugen in vielfacher Bcziehung .in sehr un-
günstiger Weise.

16. Kilian Benz, 39 Jahre alt, katholischer

Pfarrer in Dilsberg, stellt auf das entschiedenste in Ab-
t"ch' anderer Redner von der protestan-

ivie nachtheilig gesprochen habe. Einige Tage vor der
Versamnilung sei ein Colporteur mit 2 Frauenzimmern
uach Dilsbeig gekommen und habe eine Menge Druck-
schriften, kleine Lractate, dort verbreilet. Auf allen sei
„Traktaten-Fabrik BasA" gestanden und er sei entschre-

lasse, dann werde cr ihn^der Polizei zur.B^estranmg an-
zeigen. Jn Neckarsteinach sei ihm ein Blait deS Öbcr-
schulratheS von Heidelberg zugekommen nnd von diesem

G.roßheizogs gcscicrt.wcrd^ 3 -

17. WilhelmSiefert, Bäckermeister inFieckar-
steinach. 36 Jahrc alt, evangelisch: Einer der Nedner
raisonnirie über die prolestantische Neligion und über
die badische Ncgierung, was er ganz bestimml gehörl
habe. Einer von üer Versammlung rier sodaim, als
Widerspruch erfolgte: Wer eS nicht höien kann. der
möge biiiausgctzeii. Mehrere von ihnen zogen dabei ihre
Slöcke und hoben sie in die Höhe, während sie auf die
Neckarsteinacher hinzugingen und sie aus dem Schloß-
hofe hinausdrängten. Jch sah, wie der Natbschreiber
Maurer mißhandelt wurde, . ich kann aber nichl sagen,

gimg bezog sich hier ai^ eine bei den Akten befindliche
Nrkunde, Jnbalts welcher Ehrlein aus Klage und Be-
strasung der Angeschuldigteii Verzicht leistele. Sic accep-

(Fortsetzung solgt.)
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