Heidelberger Zeitung — 1866 (Januar bis Juni)

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thun solle, darüber sei dte brsahrung noch eine
ungenügende, man glaube abcr, es reiche hin,
wenn die Frauen in gewiffcn Zwischenräumen,
in Neiner Anzahl und unter genügender Auf-
sicht ihren Spaziergang machen; sie sollen nur
keinen Vcrkehr mit einander haben. Zur Auf-
sicht sollen nur Frauenspersonen verwendet und
«S soll gesorgt werden, daß sclbst die Beamten
der Anstalt nur in Beisein einer Aufseherin
die Gefangenen besuchen dürfeu, also auch die
Geistlichen, Lehrer, Aufsichtsräthe rc., welche
letztern nur auS MLnnern bestehen werden.
Die großh. Ncgierung gcdenke, in der HauS-
ordnung die Bestimmung zu treffen, daß den-
jenigen Frauen, welche auf ihren Spaziergän-
gen eine Maske zu tragen wünjchen, solcheS
erlaubt wcrde. Eine Trennung in Schule und
Kirche sei nothwendig; auf welche Weise aber
diesc hergestellt werden solle, sei noch nicht be-
stimmt. Nur Art. 2 rief eine Besprechung her-
vor, woran Theil nehmen: Schmidt, Bluntschli,
v. Andlaw, Bertheau, Jolly, Mohl, Berichter-
statter und RegierungscommissLre. Der ganze
Gesetzesentwurf wurde mit den Abänderungen
bei Art. 2 dcr Commission und ciner kleinen
Aenderung daran Seitens der Kammer, welche
von Hofrath Schmidt und Obergerichtsadvo«
kat Bcrtheau beantragt wurde, mit allen ge-
gen eine Stimme (v. Mohl) gcnehmigt.

(Schluß folgt.)

Karlsruhe, 17 April. (24. öffentliche
Sitzung dcr zweiten Kammer.) Vorsitz: Hil-
dcbrandt.

Schriftführer Kiefer zeigt die neu einge-
gangenen Bittgesuche an: Eisenbahnbauteu, daS
Recht der Verehelichung, Weinverkauf im Klei-
nen betr. Die Abg. Buhl und Fauler er-
halten nachgesuchten Urlaub.

StaatSrath Dr. Lamey legt vor: 1) den
GesctzcSentwurf über den Elcmentarunterricht;

2) einen solchen über die RechtSverhältnisse der
an andern Schulen als Volksschulen angestell-
ten VolkSschullehrer und Gewerbschullehrer und

3) einen solchen. den Besuch der Gcwerbeschule
betr. Für alle drei Gesetze ist Ministerialrath
Jolly zum Regierungscommiffär ernannt. Die
TagcSordnung führt zur Berathung des Be-
richtS des Abg. Knies über. den'Gesetzescnl-
ivurf, dic Abänderung dcS Conscriptionsgesetzes
betr. Jn der Berathung im Allgcmcinen, wclche
der Kriegsminister mit Hervorhebung der Haupt-
punktc, welche für daS Gesetz sprechcn, nament-
lich dcr Vortheile der Conscriptionsp.flichtigen
als Einsteller und der Vortheile vom militäri-
schen Standpunkt aus, bcginnt, stellt Feverer
den Antrag, das Gesetz abzulchnen, wcil er
nicht zugcben könne, daß dic Erhaltung der
Rahmen, beziehw. die Befferstellung der Ünter-
officiere, auf Kosten dcr Conscriptionspflichtigen
erfolge. Das sei die Pflicht der Allgemeinheit.
— Auch v. Roggenbach erklärt, gegeu das
Gesetz stimmen zu müssen, weil dessen Zweck
mit den zu bringenden Opfern in keinem Ver-
hältniß stehe, weil,das Gesetz nicht auf mora-
lisch und volkswirthschaftlich zu rechtfertigendem
Grunde bcruhe und daö gr. KriegSministerium
leicht in den Fall kommen könne, gegen die be-
reits in Hand habenden Summen keine Ein-

der Klostcrkirche zu Lichte^hal statt.^DaS Festmahl

befanden fich der Fürst Karl zu Löwenstein," die
Pri^zesfin Sophie von Isenburg, der Prinz Bern-

^rtnz Salm-Salm^"Arst ^AVeia^d?/Metch^Sky,'
Obersthofmeister der Großfürstin Katharina von
Rußland, Fürst von Wrede.

* Literarifches.

DaS Iournal „1,'Lnrope" sagt in Nr. 99:

„Die Frankfurter Presse hat sich in den letzten
Tagen ,um ein neues Organ bereichert, welcheS
absolut nn^g^in seinrr Art ist unv sich „Börsen-

Dieser Börsenteufel, rin satyrischeS, dreimal mo-
natlick erscheincndeg und mit Holzschnitten ge-
schmückteS Blatt, gleicht nicht übel dem „Hinkenden
Teufel" von Lesage, deffen Borzügc und Untugen-
den rr befitzt. Er verhöbnt mit eben so viel BoS-
heit alS Feinhcit die Winkelzüge der Börsenleute,
tst ohne Erbarmen für xerdächkige Speculationen
oder Untcrnebmungen und verspricht ver indiScre-
teste aller höllischen Geister zu werven.

Aber die Jndiscretionen deS „Börsenteufels"
werden stetS das Verdienst haben, kostbare Winke
für jeneS 'zahlreiche Publikum zu geben, welcheS
nur zu häufig das Opfer strafbarer Kinanzmanö-
ver ist."

steher zu erhalten; für das Gesetz nach den
Anträgen der Commission sprechen außer den
Regierungscommiffären (Ludwig, Lamey. Götz,
Winter und Brauer) Berichterstatter KnieS
und die Abgg.Schaaff, Roßhirt, Haager,
Friderich, Sachs, Moll, Huffschmid,
Gerwig und Krrsncr. Die Berathung der
einzelnen Artikel wird, da die Zcit zu sehr vor-
gerückt ift (2 Uhr), auf morgen verschoben.
Der Antrag Federer's crhält kcine Unter-
stützung.

* Heidelberg, 18. April. Wir haben
schon gestern kurz übcr daS Attentat auf den
Kaiser von Rußland berichtet. Nach der „K.
Z." entging auch Jhre kais. Hoheit die Prin-
zessin Wilhelm von Baden, welche sich während
des Atlentats in der Gesellschaft des KaiserS
bcfand, glücklich der Gefahr, und soll der THL-
1er verhaflet sein. Gestern Vormittag hat sich
der Flügeladjutant Major von Freydorf nach
Baden begeben, um Jhrer kaiserl. Hoheit der
Großfürstin Katharina, Herzogin von Mecklen-
burg-Strelitz die Glückwünsche II. KK. HH.
deS Großherzogs und der Großherzogin für die
LebenSreltung deö KaiserS zu überbringeu.

Berlin, 16. April. Dic Antwort auf die
letzte östereichische Depesche ist heute dem Kö-
nig zur Genehmigung vorgelegt worden; sie
bietet Raum zu eincr Verständigung.

Berlin, 16. April. Von genau informir-
ter Lreite wird vem „Frkf. I." rnitgetheilt, man
dürfe heute die Situation nicht' mehr als be-.
droht ansehen; die österreichische Note vom 7.
April habe hier selbstredcnd keinen gutcn Ein-
druck gemacht, und wäre die Antwort darauf
sofort erfolgt, so hätte durch gleiche barsche Er-
klärungen des diesseitigen CabiuetS die Lage
leicht gefährdet werden können. Jndeß einerseits
wären, und nicht ohne Erfolg, die Mittelstaa-
ten, uamentlich Bayern, bemüht gewesen, den
Ministcr v. BiSmarck zu ruhigen Erwiderungen
zu bewegen, und andererseits hätte Graf Ka-
rolyi nichtS verabsäumt, um die Gras MenS-
dorff'sche Note durch mündliche Vorstellungen
und Erläuterungen abzuschwachen. Die preußi-
sche Antworl soll hervorheben, daS Verlangen
deS Wiener CabinetS auf Abrüstung der preu-
ßischen Armce wäre für den Fall ein billigeS,
vaß Oesterreich seinerseits ebenfalls die Concen-
tration seincr Truppen in Böhmen rückgängig
machte. Um diesen PreiS könne die kaiserliche
Regierung jeden Augenblick die Rückgängig-
machung der preußischerseits getroffenen Kriegs-
rüstungen bewirken, ein einseitigcs Nachgeben
Preußens liege aber anßerhalb aller Billigkeit.
Hier ist man übrigens dazu unter ehrenvollen
Bcdingungen jcderzeit bereit.

C n g l n n d

London, 16. April. Morgen wird Beau-
mont wegen angebllcheu preußisch.italienischcn
BündnisseS cine Anfrage an die Regierung
stellen. Die Debatte über die Reformbill
dauert fort und wird wahrscheinlich heute ver-
tagt werden.

Z t a l i e n.

Florenz, 16, Axril, Der Finanzminister
hat in dcr K-umn-r die Autorij«Iion zur AuS-
führung dcs Bndgetenlwurfs für 1868 biS zur
dcfinitiven Genehmigung desielben »achgesncht,
— Die Commijston für die Finanzprojecte wird
nächstens ihren Bericht erstatten,

Neueste Nachrichten.

Berlin. 18, April. Die Nationalzeituug
bringt den Worllaut der preuß, Depejche vom
1S. April, Sie schlietzt mit dem Satze: ES ist
an der kaiserlichen Regierung, die Jnitiative zu
ergreifen für Herstellung deS Stntcm <zno snte,
wenn si- di- Gegenseitigkeit der abgegebenen
Erklärungen auf die thatjächlichen Ver^ältnisse
angcwendet zu wissen wünscht.

Aus Baden. F-ldwcbel Stranb im
Sten Jnfantcrieregimcnt und Corporal Wie-
landt im (1.) Leib-Dragonerregiment wurdcn
zu Portepeefähnrichen bcfördert. — Obcrlieu-
l-nant Horchler vom (1) Lcib-Grenadicrre-
giment wurde zur Dienstleistung zum CorpS-
commando der GenSdarmerie besehligt und
Oberlieutenant Strohmeyer vom 2, Jnfan-

tericregimcnt bis zur Wiedcrherstellnng jeiner
Geiundheit in Rnhestand versetzt, — Wie der
„Bad. Leob," hört, haben prcußische KriczS-
dienstpslichtigc am Polytechniknm und Hofthea-
ter i» KarlSrnhe von zn Hanse Einbcru-
fungSordreS erhalten, — Dcm ,O, K," wird
g-meldet, die Rcgierunz habe wegen dcS star-
ken SinkenS der Kurst daS nene Eisrnbahn-
anlehcn vorläufig znrückgczogc» und würden
keinc weitcre» Einzahlnngen mehr angcnommen.

Di« österreichische Note vom
1 April.

Die in der Uederjchrift crwähnte Rote des
Grasen von MenSdorss ist an den österreichi-
jchcn Gesandten in Bcrlin, Grafen Karolyi,
gerichtet und lantet nach eincr der „Coburger
Zeitung" zugcgangcncn Abjchrift, wic folgt:

^ ^Jch übersende Ew. im Anschlusse eine Abschrift der

in Oesterreich oder in Preußen^ist eiidlich vollkommen

babe, mittelst der Note vom 31. März klar uiid bündig

Eine analoge Versicherung, eben so klar und bündig
im Namen Sr. Maj. des Königs Wilhelm ertheilt, be-
dingt von stlbst die beiderseitige Einstellung jedtzr wei-

ruttg aus die erwähnte Note, dem kaistrlichen Hofe die
förmliche Erklärung vor, daß d^r Abfichten Sr. Maj.
des .Königs nichts ferner liege, als ein AngriffSkrieg

Der Kaiser, unser allergnädigster Herr, hat auf diese
Erklärung gehofst. Se. Majestät nimmt dieselbe mit
Vertrauen an.

Ein Grund zu weiteren Nüstungen liegt sonach nicht
mehr vor, und da in Oestcrreich, wie ich im Vorstchen-'
den erhärtet habe, keine Kriegsvorbereitungen im Gange
sind, so müsscn wir nunmehr der — in der Note des
königl. preußischen Gcsandlen mit Bedauern von uns
vermitzten — Nachrjcht entgegensehen, daß die in Prcußen
am 28. v. M. erlassene Mobilisirungsordre unausge-
führt bleiben werde. Um eine beruhigende Mittheilung
hierüber wollen Ew. unverweilt, da das kaiserl. Cabinet
nach dem statt ichabten Notenaustausche nicht ohne schwere
Verantwortlichkcit gegen ejne längere Fortsetznng der
Rüstungen Preußens gleichgültig bleiben köunte, den
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