Heidelberger Zeitung — 1866 (Januar bis Juni)

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wrrbk „nd vkrgkblichk Mühc machc. Zu d-r
That war alle VerthcidiguiiL Veiicdkh'a uirtzivö.
Scin Ankrag erhielt uur ciuc ciuzige Stiuime.

Berlin, 23. April. Eine schr zahlrcich
bksuchtc Pcrsammlung dcr Wahlmäuncr und
Urwählcr deS dritlen Berliu-r Wahlbczirk»
taßte beut Abend ähuliche Resvlutioneii, wie
dic andcrn Bezirkc. Nur der drittc PassuS,
dic ParlamcntSbcrufuug betrefscnd, lautct: Die
Berusung eiues auS dircctcn Vvlkswahlen her-
vorgegangcnen ParlamentS, ausgcstatlct mit
allen Befugnisscn jeiuvr Scndung, ist dcr crstc
Schritt zur BerwirSichuug di'S uiwcrjätzrbarcn
NechteS der Natwn aus dic Einigung Dentsch.
landS in Wacht uud Frcihcit. DaS prcichcjch«
Vvlk hat trvtz des inncren EvnflicteS jeinc
Pflicht, vvr andcrcn dafür einzutretcn, iiicmal»
vcrgcsscn.

kioilin, 24. April. Die „Kreuzzeitung"
rcproducirl dic von der hcutigcn „Prvv.-Corr."
vcröfscntlichte prelißijche Notc vom 21. April
und bemerkl, darnach sci es zweifcllos, daß
beidc Mächtc cntivaffneten, und daß dic drohendc
KricgSgefahr beseitigt sci. Dic neucsten Vor-
gängc iu Ztalicn solleu dem Wicncr Cabinette
cine »neue Mahnung sein zur Vcrständigung
mil Preuüen über SchleSwig-Holstcin. — Dic
„Nordd. Allg. Ztg." bcmertt zu dcn iiiuestcn
Nachrichtcu auS Jtalicn, c« scheinc fast, alS
wollc Oestcrrcich mit Jtalien dasselbc Spicl
trcibcn, welchcs cS mit Preußen vcrsttcht habe.

Wien, 24. April. Graf Arejc isl auch
hcntc wedrr vom Kaiscr, uoch von dem Grafen
AtenSdorff empfangen wordcn. — Abendbörse
flau.

Wien, 33. April. Dem Fr. Z. wird ge-
schrieben: Seit gestern ist die ganze österrei-
chische Armee auf oollen Kriegsfuß gesetzt (doch
wohl nur die in Venetien stehende Armce), so
zwar, daß selbft sämmtliche 18 kroatischc Grenz-
regimenter mit ihren Seressanern (Rothmänt-
lern) Marschbefehl erhalten habcn. Fragt man
nach den Gründen dieser Maßnahme, so heißt
cs, daß plötzlich von Ztalien unmittelbar dic
größten Gefahren drohen, während über Preußen
nicht ein Sterbenswörtcheii laut wird. Uns
kommt es vor, daß iu diesem Augenblicke sich
-ine der größten diplomatischen Jntriguen die-
ses Jahrhnnderts abspielc, in welcher die Rü-
stungen Jtaliens einerseiks und die scheinbar
ruhigen Vorkehrungen Oesterrcichs dagegen ein
Hauptnioment des großartig angelegten diplo-
matischen Blendwerks bilden, desseu Urspruug
nirgends anders als in den Tuilerieu zu suchen
sein kann. Wir glauben nicht au den Ernft
der kriegerischen Absichten Jtaliens, dagegen
verniuthen wir, daß über eine österreich-italie-
nische Einigniig wegen Venetiens in größter
Stille Berhandlungen im Znge sind. Wir
glauben, daß Oesterreich, ehe es sich aus Deutsch-
land hinauseskamotiren laßt, lieber zu einem
Vergleich wegen Venetieus sich cntschließen würde.
Hierdurch würde es auch ErNärung finden,
was Graf Arese, der bekaunte italienische
Diplomat und Freund Napoleons lll., mit
'Herrn Bisconti-Vcnosta, welcher allerdings sich
auf der Durchreise nach Konstantinopel besin-
det, seit zwei Tagen hier zu suchen hat.

Krq«kreich.

Paris, 24. April. Wie dic „France" mel-
def, wird die Donaufürstenthümcr-Conferenz in
Kurzem wicder zu Sitzungcn zusammentreten.
Die „Gazctta di Vcnetia" von, 23. d. enthilt
eine amtliche Berordnnng, durch wclche die
Wiedereinsührung der Pässe zum Ueberschreitcn
der österrcichischcn Grenze angeordnet wird.

I t a l i e

Norenz, 24. April. Die Universität Pis»
ist ,n Folge einer Pelition dcr Studenten wie-
der eröfsncl worden.

D ä „ e m a r k

Kopenhageo, 23. April. Heute ist der
däuifche Rcichstag eröffnet worden. Jn dcr
Botschast de» KönigS wurden die gesetzliche
zweite Borlegung der Grundgesetzabändcrung,
scrner dic Fiiianzvoranschläge sür oaS König.
rcich auf die Jahre 1867 und 1868, ein Eisen-
bahngesetz un» andere Borlagcn verhcißen,
dcre» schleunigc Erledigung dringcnd cmpfohlen
wird. — Die „BerlingSkc Tidende" theilt in
ihrcr Reoue mil, daß die internationale Com-
mijston anßer der PcnsionSsrage noch cine an-
dere höchst ivichtige Angelegenheit gcocdnct
habe, nämlich dic Art und Wcisc der Abtragung
deS vvn den Hcrzogthümcr» übernommcnen
Antheils an den Gesammtstaatsschulben, im
Bctrage von 29 Mill. Rrichrihalcrn. Die
deutschcn Großmächlc haben eingewilligt, daß
dic ZahlungStcrmine für dic halbsährlich abzu-
sührenden 586,000 RcichSthaler nicht vom
Tage deS Wicner FriedenS, sondcrn schon »om
23. December 1863 ab gcrechnct werden.

Neneste Nachricliten.

Berlin, 25. April. Dic „Provinzialcorr."
schrcibt: Der BundeStagS-AuSschuß wird zuerst
dahiu zu wirkcn haben, daß vor Allem der
Bejchluß dcr Berufung der dculjchcw Reichs-
vcrsammlung festgcftellt werdc. Das deutsche
Volk und die Ncgicrungen müssen vorweg von
der lleberzeugung durchdrungen sein, daß die
BundeSrcsorm dieSmal mit dem crnsten Willcn
deS wirklichc» GclingcnS nnternommcn wird.
AuS vorläufigcn Audkutungeu ist zu entneh-
men, oaß dic prcußische Rcgierung BundeScin-
richtungen anstrcbl, wclchc einc kräftige natio-
nalc Entwickiung DcutschlaudS in allcn positi-
ven praklischcn Bczichuiigcn sichcru, wie die
Organisation der Wehrkräfte, die Flotte, ge-
uieinsame Behandlung und Vcrtrctung von
BundeS wegen der deulschen Handels- und Ber-
kchrsintcrcssen, dcs Zoll-, Eisendahn-, Telegra-
phen- und PostwcseuS, gcmcinsamc Cvnsular-
vertrelung zum Schutz der dcutschcn Untertha-
ncn im AuSland."

Wien, 25. Aprit. Die KricgSgcfahr, so-
wcit sie Prcnßcn bclrifft, ist beseitigt; dic vcr-
langtc authentijchc Mittheilung übcr dic Ab-
rüstung geht nach Berliu ab. Dic Erneiinung
Bloome'S zum Minister ist uiibcgründet.

Paris, 25. April. Ein Artikcl von Li-
mayrac im „Constitutionnel" sucht anläßlich
der TimcS-Correspondcnz zu zeigcn, daß die
französijche Negierung gegenüdcr dcm Conflict

in D-utschland uicht» Befferes h-be thun köu-
nen, als in absoluter N-ulralrtät sich die volle
Freiheit der Action und all« Mitlrl ihreS Ein-
flusse» für dcn Augenblick zu bewahrcn, wo
dieselben »on Nutzen werdeu könnten; die That-
sachen rechtfertigtcn das Berhallcn deS KaijcrS.
Sich selbst sibcrlaffcn, seicn Preußen und Oester-
reich zur Entwaffnung gekommen; es fci ichr
zwcifelhaft, ob durch frcmde Eiumischung ei»
gleichcs R-sultat schncller und l-ichter crreichl
worden wäre.

Florenz, 25. April. Die „Opinione" mel.
dct: Ocsterrcich hat für dic Land- und Scc-
macht Veneticns zum 1. Mai den Kriegssutz
befohlen. Dic beurlaudten Soldaten sind ein.
bcrusen und sind Maßrcgcln gctroffcn zur Er-
richtung von Ouartieren für eine ungeivöbn-
liche Anhäufung vvn Truppen in bcr Provinz
Rovigo. — Dic „Razione" bringt dicjelbcii
Nachrichten und inacht dabei zugleich darauf
anfmcrksam, daß Oesterreich k-in Jnteresse
daran habe, jetzt Ztalien anzugreifen, und daß
dic Contingente Oesterreichs uicht dazu bcftimmt
seien, Jtali-n auf italienischem Bodc» zu be-
kämpfcn. Diese Maßregeln dienten vielmehr
wahrjcheinlich zur Verdeckung einer Berletzung
deS EntwaffnnngSabkommenS mit Prcußen und
die „Nazionc" glaubt daher, daß Preußeli mehr
als Jtalien sich schnell zu cntscheiden habc iu
Bezng auf diese österreichischcn Rüstungen.

Bukarest, 25. April. Brqliano und Dr.
Davila rcisen hente nach Berliik ab, um oem
Prinzen von Hohenzollern die Fürstenkrone als
Rejultat der VolkSabstimmung und im Namen
der Ration zu ofseriren.

Perersburg, 25. April. Das „PetcrSb
Journal" bcmerkt gegen dic „Eurvpc", daß
Rußland notorisch nie ciner Union der Donau-
sürstenthümer entgegengestande» habe. Rußland
sei nie sür und uie gegen die Union gewcsen;
e» vcrlange cine Wsung, welche die wirklichen
Wünsche der Fürsteulhümcr mit dcn b-steheudeii
Verträgcn verjöhnt. Diese Wünschc seien nur
durch cin gesetzliches, sreieS, rcgelmäßigcS Vo-
tum zu constatiren.

AuS Batzen. Zum Mai-Pfcrde-Markt
in Mannheim sind angcmeldct: 543Pferde;
dic Fettviehhalle wird durch LuxuSpserde voll-
ständig bcfctzt. Von den VerloosungSgegenstän-
den sind Landaucr und Coupe gcstcrn von
Stuttgarl angekommen und in der Schloßremijc
ausgestcllt. — Die zweite juristische StaatS-
prüfung dies-S JahreS wiro in den GerichtS-
scrien (15. Juli bis 31. Angust d. I ) stalt-
finden. Zu dersclben wcrden dicjenigen NcchtS-
praktikanlcn zugelassen werocn, wclche mit dem
Erlasse de» großh. Juftizministeriuins vom 21.
Dccembcr 1864 oder frühcr rccipirt worden
sind.

vcrmischte illachrichten.

Obrigkeitliche Bekanntmachungen und Prlvat-Anzeigen.

Bekaii«tmachiiii-i

Nr. 2105. Jn Sachrn dec Ghefrau deö Friedrich
Kaufmann, Anna geb. Kcilbach in Hridelberg, ge-
geu ihren Eheman», Veimögensabsonderung betr.,
ist 'Tagfahrt zur Vcrhandlung über die Vermögrns-
absynderungsklage auf Dienstag, den 29. Mai d.
I., früh 8 Udr, anberaumt, waS zur Krnntntß-
nahmx cer Gläubiger birrmit vrröffentlicht «ird.

Hkibelbcrg, den 19. April 1866.

Großh. bab. Krrisgrrickt als Eivilkammer.

Der Vorsitzende.

Krebs.

BeLtold.

VersäumungSerkenntniH.

Nr. 2019 — 20. In Sachxn ber Ehefrau des
Friedrich Borheimer, Anna geborene Stalf in Hei-
delberg grgen ihren Ghemann, Vermögensabsoni-
drrung brtrrffend, wirb auf AuSblriben d«S
beklagten Theils in Riicksickt auf die vorgebrachten
Bewctse — auf klägerischen Antrag erkannt: dte
Tbatsachrn drr Klage wcrden fiir zugestanden er-
klärt, ber Beklagte mit seincn Emreoen in der
Hauptsache, mit seiuer Vernebmlaffung auf die
Arrestklage uud mit seinen Ginreden gcgen bie
Rrchtmäßigk-it des Arrestes ausgeschloffen und in
der Hauptsache zu Recht erkannt:

1) ver am 27. Februar d. I. verfügte Arrest set
für statthaft und fortdauernd zu erklären;

2) die Klägerin sei bcreckrigt, ihr Vermögrn von
dem des Beklagteu abzusondern;

3) der Beklagte habr die Kosten des Rcchtsstrei-
tes zu tragen.

V. R. W. Dics wird zur Eröffnung an bcn
stücktigrn Beklagten uiid'Zur Kenntnißnabme der
Gläubtger hiermtt öffentlich bekannt gemackt.

Heidelbrrg, den 14. April 1866.

Großb- bav. KreiSgericht, Eivilkainmer.

Krebs.

_Bechtold.

Großh. Bezirksamt Heidelberg.

An sammtüche Gemeinderäthe des
Dezirks:

Nr, 8728. Bei Gesucheu um Auswanderungserlaub-
niß ist künftig stets anzugeben:

1) Nanie, Familienstand (ob levig oder verheirathet),
Religion und Alter des Emzelnstehenden oder des Fa-
milienhauptes und jeiner sämmtlichen Angehorigen;

2) Stand und Bejchäsügung der Erwachsenen;

3) Betrag des ausgeführten Vermögens und einer
etwa aus ösfentlichen Mitleln beivilligten Unterstützung;

4) das Land der neueu Heimath; bei dem Wegzug
in die Nachbarländer die nähere Angabe des künfligen
Wohnorls.

Hridelberg, den 25. April 1866.

Renck.

Großh. BezirkSamt Heidelberg.
Bekanntmachung.

Gs wird hiermit zur allgcmeinen Kenntniß gc-
brackt, daß nächsten Sonntag, den 29. d. M.,
MorgenS von 7 bis 10 Uhr, wegen einer Repara-
tur der Wegübergang über die Eisenbahn bet der
Gasfabrik gcsperrt setn wird.

Hridelberg, den 25. April 1866.

Großh. Bezirks-Amt Heidelberg.
Bekanntmachung.

Nr. 9407. Da man in der ncueüen Zeit wre^r-

stimmungen dcr unterm 2. Jan. d. I. erlaffenen
ortspolizeilichen Vorschriften über öffrntliche Rein-
lichkeit vielfach übertreten werden, so sieht man
sich veranlaßt, namrntlich nachstehende §§ wieder
zu veröffentlichen und darauf aufmerksam zu machen^

c-S i^.St.G. eine Giidflrafc dis ja W ff. dcau-
tragt werden wird.

z 18. Zur Adfudr d,S Lloak-a- und Adtrtit.
düngers und jedes Pfuhlwaffers überhaupt vurfen
nnr wohkverwahrte Wägen und Bebälter vcrwender
w rden. Wer die Straße bei Abfuhr von Dung r
oder Iauche jeder Art verunreinkgt, w'rv vestrasl.

8 19. Zu Gunstcn der hiesigen Landwirthe, welchi.
Pfuhlwaffer oder trockenen Stalldunger auf rhre.
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