Heidelberger Zeitung — 1866 (Januar bis Juni)

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HMlbergtr Zkilung.

Kreisuerkiindigimgsblatt sür den Kreis Heidelberg unü aintliches ^erkündigungsblatt für die Aints- und Amts-
Gerichtsbczirke Heidelbcrg und Wicsloch unü dcn Anitsgerichtsbezirl Ncckargeuiünd.


Dienstag, 8 Mai


* Politifche Umschau.

Heidelberg, 7. Mai.

Die „Hamb. Nachr." erfahren, hnß, wenn
Oesterreich sich bewogen finden sollte, die Hcr-
zogthümerfrage auf den Bundesweg zu über-
tragen, in Frankfurt sofort fvon wem?) ein
Antrag gestellt werde, die ruhende holstcinische
Stimme unfehlbar zu reactiviren und einen
Gesandten des Herzogs Friedrich zum Eintritt
in die Bundesversammlung für legitimirt zu
erklaren.

Der „Morning-Post" zufolge sind lebhafte
Unterhandlungen Behufs Berufung eines Con-
gresseS.zur Schlichtung der schwebenden kriegs-
drohenden Fragen im Gange.

Aus Athen werden die Gerüchte von einer
in Thcssalien, Epirus und Macedonien vorbe-
reiteten Erhebung als eine Erfindung öster-
reichischen Ursprungs bezeichnet. Bloß 200
Danditen aus Attica sind zum Behuf von
Räuberei ins Königreich abgegangen.

Garibaldi soll, unverbürgten Nachrichten zu-
folgc, Caprera verlassen haben und bereits in
Parma eingetroffen sein, wo sich Freiwillige in
großen Schaaren,um ihn sammeln sollen.

Wie die „Jndependance" meldrt, ist der
Congreßvorschlag in vertraulicher Weise von
England gestcllt und von Rußland acceptirt
wordcn. Die französische Regierung habe am
4. d. M. geantwortet, daß sie nicht die Jni-
tiative in dicser Angelegenheit ergreifen werde,
daß aber auf ihre Beistimmung ger.echnet wer-
den könne, wenn andere Mächte mit diesem
Beispiel vorangingen.

Ein Wiener Telegramm der „Wescr-Ztg."
vom 5. d. meldet, Oesterreich werde die letzte
preußische Note mit der Erklärung beantwor-
ten, es sei bereit, abzurüsten, sobald Jtalien
thatsächlich documentire, keine Agressivpläne zu
haben.

Deutfchl<rnd.

Karlsruhe, 5. Mai. Se. Königl. Hoheit
der Großherzog haben Sich gnädigst be-
wogen gefunden: den evangel. Pfarrer Her-
mann Strübe in Unterschüpf zum Kreis-
Schulrath für den Schutkreis Mannheim —
Heidelberg, mit dem Wohnsitz in Heidelberg,
zu ernennen; den Kreisgerichts-Expeditor Karl
Hammes in Karlsruhe wegen Kränklichkeit
in den Ruhestand zu versetzen; den Professor

Eine Erpedition von 700 Iungfrauen.

Eine Erpedition, welcbe an romantischem In-
teresse den Argonautenzug, die Fahrt der ersten
Angelsachsen nach den Felsenufern Britanniens und

Welt übertrifft, — so schreibt ein New-Uorker Blatt,
— ist die deS SchiffeS-„Continental", und der Un-
ternehmer H. Mercer wird in der Geschichte einen
Platz neben Iason beanspruchen können. Er ist
namlich der Agent deS Territoriums Washington
und von den Bewohnern jenes so reich mit edlen
Metallen gesegneten Landes beauftragt, ihnen das
zuzuführen, woran es ihnen gebricht und ohne
welches Gold und Silber, Diamanten und Perlen
nur eitel Sand — nämlich Weiber. Siebenhundert
weibliche Wesen haben fich unter seine Obhut ge-
strllt, um von ihm einem schönen Loos entgegen-
geführt zu werden. Lache nicht, lieber Leser; es ist
nicktS Lächerliches dabet und daS Ganze eine höchsi
respectable Affatre. Ketn Geringerer als General
Grant, der Bezwinger deS rebellischen SüdenS, gab
seinen Segen und die Regierung ein Schiff dazu
her — Bürgschaft genug für die Respectabtlttät deS

Dr. Zittel an der Polytechnischen Schule
auf sein Ansuchen auf 1. September d. I.
aus dem Slaatsdienst zu entlaffen.

^^ar^^ D^aS^!^

ordemliche Conscnptton sür daS Jahr 1867^ betresfend.

II. TodeSfälle. Gestorben siad: Am 19. kllärz d. I.

Karlsruhe, 4. Mai. 3A. Sitzung der
2. Kammer. Staatsrath Dr. Vogelmann
legt vor: das Budget der aus dem Domä-
nengrundstock zu nehmenden außerordentlichen
Ausgaben und bemerkt dazu: Das sei die letzte
Budgetvorlage, die gemacht werde, und es wäre
ihm Angesichks gegenwärtiger Verhältnisse sehr
angenehm, wenn er in die Lage gesetzt würde,
auch bald das Finanzgesetz vorzulegen. — Auf
Ansrage des Abgeordneten Eckhardt erklärt
Vogelmann: Die Frage über Aufhebung von
Abgaben der Flößer (Stapelgeld, Looszoll) urrd
der Zunftverfassung könne nur in Ueberein-
stimmung mit der württembergischen Regierung
geregelt werden; beide Regierungen hätten zur
Berathung eine besondere Kommission nieder-

UnternehmenS. ES kostete Herrn Mercer Mühe
genug, seinen Zweck zu erreichen; ein volles Halb-
jahr unb darüber hat er ausschlirßlich dazu ver-
wendet. Er rechnete auf die Beihülfe LincolnS,
aber dieser fiel, bevor die Unterredung stattfinden
konnte, und Johnson hatte, so wichtig dies auch
sein mochte, doch WichtigekeS zu thun. Der Kriegs-

konnte Onkel Sam kein Schiff entbchren, und erst
jetzt konnte Herr Mercer sein Ziel erreichen. Sie-
benhundert ledtge Frauenzimmer! Möge Niemanb
die Nase rümpfrn: jede sich zur Theilnahme Mel-
dende mußte die besten Empfehlunge» vorbringen,
und fast Alle find Hinterlassene gefallener BundeS-
solbaten. DaS Territorium Washington kann sich
ebensowentg wte jedes andere Land ohne weibliche
Hilfe entwickeln und zur Blüthe gelang^i; die
Erpedition hat also ihre volle Berechtigung. Dte
sehnltchst erwarteten Schönen werden ntcht, wie
einige Stammmütter drr jrtzigen ersten Familien
VirginienS für ein bestimmteS Quantum Tabak
an Liebhaber verkauft, sondern find Herrtnnen
ihreS LooseS. Treten sie in Dienst, so wtrd thnen

gesetzt; nur der Landtag habe bisher die Arbeit
verhindert, welche aber nach Schluß desselben
in Angriff genommen werde. — Die Kammer
geht über zur Berathung des Berichts des Ab-
geordneten Muth über das ordentliche Budget
des Finanzministeriums, Tit. I. Momänendirec--
tion, II. Herg- und Hüttenverwaltung, III.
Steuerverwaltung, IV. Salinenverwaltung.
Auf Poppen's Anregung spricht sich Staatsrath
Dr. Vogelmann dahin aus: die Regierung
beabsichtige, eine neue Regelung der Gehalte
aller Finanzbeamten mit nächstem Budget vor-
zulegen und dabei die ständigen Remuneratio-
nen in Besoldung zu verwandeln; aber nicht
blos bezüglich bestimmter Klassen vön Bezirks-
beamten, sondern aller, auch der Kreiskassiere,
Rezirksbaumeister rc. — Auf Schaaff's
Anrcgung erklärt Staatsrath Dr. Vogelmann,
daß dic Domänendirekrion die Gesellschaft für
Verbesserung dcr Fischzucht in aüem Möglichen
unterstützen werde. Ueber die Petitionen be-
züglich deS Hüttenwerks Albbrück geht die
Kammcr zur Tagesordnung über. — Auf
Heidenreich's Änfrage erwidert der Finanz-
ministcr: ES sei eine Untersuchung der beiden
Unterstützungskassen Kandern und Albbruck an-
geordnet, hauptsächlich über die Fragen, ob das
Vermögen derselben (Kandern 23,000 fl. mit
3000 ft. ständiger Belastung und Albbruck
26,000 fi. mit 2300 fi. ständiger Belastnng)
zu verlheilen sei und an w:n? mit odev ohne
Belastung? wem sie gehören? rc. Ehe diese
Fragen entschieden, könuc er nicht sagen, ob
die StaatSkasse in's Mitleid gezogen werde. —
Für die Kolonisten in Albbruck nimmt sich
Hebting ctn; der Minifter erwidert, daß für
diese von dem Grundherrn zu sorgen sei, und
das sei der Staat. Auf Moll'« Bemerkung
sagt Staatsrath Vogelmann: Die letzte Ver-
steigerung des HüttenwerkS Albbruck sei ohne
Erfolg gewesen, eine weitere Versteigerung stehe
noch nicht in Aussicht und eS werde wohl einst-
weilen das Werk fortzubetreiden sein. — ES
sprechen über die Staatsgewerbe noch v. Rog-
genbach (Hausen), Schaaff, Roder und
Muth. Friderich, Muth und Schaaff
thun dar, daß die Finanzverhältnisse des Lan-
des seit den letzten 5 Jahren sich in erfreu-
lichster Weise gehoben hätten; das sei die beste
Antwort auf falsche Ausstreuungen. — Hei-
denreich wünsast Herabsetzung der Brannt-
weinsteuer undÄnführung einerTabakssteuer.—

ein Lohn von 4 Dollarl Gol» wöchentlich grwähr-
leistet, und kommen sie unter die Haube — desto
besser. Da« ist die praktische Seite der Affaire.
Stelle man fich nun aber die romantischr vor; drn

Reise burch daS Lap Horn in gutrr Laune zu er-
balten, die Srnsation auf den Zwischenstationrn —
Rio de Janeiro, Lalparaiso, Panama, Acapulco,
San FranciSco — und rndlich die 'Ankunft am
Brstimmungsort! Hoffentlich werden sich Bericht-
erstatter an Bord befinden, welche AlleS, vom An-
fang bis zum Enbe, haarklein erzählen.

^ Baden, 5. Mai. Heute traf die Frau Groß-
herzogtn Luise hier ein, ftieg bei der Frau Prin-
zesfin von Hessen ab und brgab fich mit derselben
zur Matinre ber Frau Viardot, auch die Frau
Großfürstin Katharina war erschienen. Unter den
Schülerinnen der Künstlerin zeichnrte sich besonderS
eine junge Damx von Norwegen aus, deren mäch-
tige und doch so zarte Altstimme ganz hinreißend
wirkt. Eine große Zukunft steht dieser Sängerin
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