Heidelberger Zeitung — 1866 (Januar bis Juni)

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Erklärung lag bekmmtermaßeu für Roggenbach
in der ungeschickten oder perfiden Art, wic das
Bismarck'sche Lbiborgan (die Nord. Allg. Ztg.)
für ihren Herrn und Meister politisches Ca-
pital aus Roggcnbach's Anwesenheit zu schlagen
versucht hatte. Zu einem Mitschuldigen an
seiner Gewaltspolitik, zu einem Gläubigen dcs
Bismarck'schen Parlaments hatte mau ihn
stempeln wollen. Darauf har nun der charak-
tervolle Staatsmaun mit dürren Worten er-
wiedert: „Rechtstreue iu Sachen Schleswig-
Holsteins, kein Spiel mit den höchsteu Zielen
der Nation, kein oerfassungsbrüchiges Preußen
als Grund- uud Eckstein für Neudeutschland I"
Damit wendet Roggenbach der Restdenz Bis-
marcks und seinem Großpreußen den Rücken.
klm so mehr wird man ihn in Deutsch-
land willkommen heißen.

Frankfurr, S. Mai. Jn dcr heutigen
Bundestagssitzung wirv »on dcr königlich säch-
stschcn Regierung, unter Vorlegung deS jüngsten
DepeschenwechselS zwijchen der prcußischen und
dcr sächstschcn Rcgierung, dcr Antrag gcstellt:
die Bundcsversainmlung wolle beschließcn, dic
iöniglich prcußische Rcgierung darum anzugchen,
datz durch gccignctc Erklärung dcm Bunde, mit
Rücksicht aus Artikel XI. der BundeSakte volle
Beruhigung gcwährt werde. Bon Seite dcr
koniglich preußischcn Regierung ward cinc Er-
klärung abgegeben welchc den defcnsiven Cha-
rakter der prenßischcn Maßregeln hervorhob,
und erfolgte hierauf der Bcschluß, in einer in
dcn nLchsteu Tagcn stattfindeiidcn Sitzung übcr
den Autrag abzustimmen. — Oesterrcich betont
die Nothwendigkeit übcr Beobachtung des Art.

eine unzweideutige Erklärung PrcnßcnS zn
erhalten, wic Oestcrreich dicselbc am 31. April
in dcr BundeSversammlung abgegeben habe. —
Jn einer sodann crstattcten Anzeigc wird von
der königlich sächstschen Rcgiciung dic Annahme
des Enlwurfs ciner deutschen Maß- und Ge-
wichtordnnng in AuSstcht gestellt, falls die
ständische Gcuchmigung crfvlgc.

Lei'pzig. S. Mai. Bon den Gerüchtcn
nbcr prcußische Truppenbewcgungcn nach dcr
sächstschcn.Greiize ist nur sovicl gegründet, daß
von Dölkau hcrauf über Lützen und Mölsen
bis Zeitz Truppcn zur Einquartiruug ange-
meldet siud.

Lei'pzig, 5. Mai, Abends. Der Stadtrath
beschloß heute einstimmig eine Vorstellung an
das Gesammtiiiinistcrium gegen die kriegerische
Politik der königl. sächs. Regierung zu richtcii,
in gleicher Angelegenheit findet morgen eine
Stadtoerordnetensitzung statt. Dre Leipziger all-
gemeine Zeitung wiederholt die Mittheilung,
daß Herr o. Beust zuoerlässig in Wien Mini-
ster des Auswärtigen werde.

Berli», 4. Mai. DaS „Frl I." schreibt:
Die telegraphisch gemeldcte KriegSbereitschaft
von süuf Armeecvrps, der Artillerie und dcr
Cavallerie der ganzcn Armee bcstätigt sich nicht
bloß, sondcrn wir könncii sogar, auf stcherste
Miirhciliingcn gestützt, schon heute versichern,
daß in wenig Tagcn dik ganzc Armee mobil
gcmacht wcrdcn joll. Der ilntcrschied zivischen
Kricgsbcrcitschaft und Modilmachung ist ein
politisch vcrschwindciidcr. Er licgt darin, daß
dic KricgSbcreitschaft den MilitärfiScuS wcniger
bclastet. Jn der Mobilmachung erhaltcu die
Offizierc und Wannschaften Zulagen. Bei
vollcr KricgSstärke repräsentirten die scchs
ArmeecorpS cinc Armee von 240,000 Mann.

Berlin, 5. Mai, Abends. Der Staats-
anzeiger bringt einen Erlaß des Kriegsministers
und des Ministeriums des Jnnern vom 4. Mai,
welcher den Erlaß vom 29. MLrz über Nicht-
ertheilung von Entlassungsurkuiiden, oon PLssen
in das Ausland und Heimathscheinen nunmehr
auf denUmfang der ganzenMonarchie ausdehnt.

Berlin, S. Mai. Die „Nordd. Allg. Ztg."
schreibt: Das Land wird mit größtcr Genug-
thuung dic Nachricht aufnehnieii, daß die preu-
ßische Regierung in Folgc dcr immcr drohett-
der wcrdcudeu Rüstungen Ocstcrreichs sich eno-
lich dazu veranlaßt gcsehcn hat, entsprechciidc
Gcgenrüstungen in erheblichcm Umfange anzu-
ordnen.

Breslau, 4. Mai. Dem MittagSblatt der
„Schlcs. Ztg." wird unterm 3. Mai aus Oestcr-
rcichisch-Schlesien gemeldet: Für Brelitz, Biala, i
OSvincim marschircn zwei uugarischc Fußregi-
mcnter bchuss der Grenzbcsetzung an. !

Rendsburg, S. Mai. Große Thäligkeit
unterm Militär. Gestcrn Abend soll für daS
hicr garnisonirende preußijcheJnsanterieregiment
Nr. 59 Ordre zur Mobilifirung und ivtarsch-
bercitschaft eingetrofsen scin.

Wien, 3. Mai. Aus die von hier aus in
Bcrlin vorgcschlagene Löjung der schleS-
wig-holsteinischen Frage ist noch keine Rück-
außerung eingegangen; die gestern hier über-
reichte Depcsche bezieht flch ausschließlich auf
die RüstungSsragc. Jn demjelben maßvollen
Ton, den dieje Depeschc innehälts wird diesclbe
übrigenS josort cine Erwiederung finden. Noch
einmal und noch stärker wird dic feierliche Er-
klärung gegeben werden, daß den Absichtcn
OestirreichS NichlS ferncr tiege, als ein An-
griff gegen Preußen; aber mit allem Nachdruck
wird zugleich bcmerkbar gemacht werdcn, daß
Oesterreich sich nimmcrmehr herbeilasseu könne,
de» Gang nnd die Ziele seiner auSwärtigen
Politik uiiter die Kontrole irgend rines drittcn
StaateS zu stellcn, und das Recht deS KriegeS
und des FriedenS nur nach Maßgabe frcmden
Bcliebcus zu übeu. Oesterrcich habc so wcnig
Jtalieu als Preußen anzugreifeii die Absicht,
abcr so lauge Preußen dic offenkundigen That-
sachcu nicht zu eulkräften vermöge, müsse eS
aggressives Vorgehen Ztaliens als unmittelbar
drohend aniichmen und ihm gegeuüber seincm
Rcchte und sciner Pflicht gemäß stch zur Ab-
wehr bereit hallen.

Wie», 4. Mai. Auf dcr Bahustrecke
Sissek-Agram ist am 3. d. M. von frevlerijcher
Hand einc Strccke von 200 Klaftern LLnge
Schieiien mil Stiinen bedcckt wordeu, um die
Trausporte der Grenzer-Truppen vcrungiücken
zu machen. Die Thäter sind noch unersorscht,
doch vcrmuthet man, daß arbeitslose Ztaliener
das Verbrccheu verübt haben.

Wien, S. Mai. Erzherzog Albrecht ist
gcsteru Abend uach Jtalien adgereist. Man
crwartet die Publikation eiucs Generalavance-
mcutS in der Armec. Fcldzcugmeister Prinz
Alerandcr von Hesscn ist in desondcrcr Misston
nach Stuttgart gcreist. Der preußijche Gene-
ral Wiüissen ist hier angckommcn.

Wien, 5. Mai. Dic „Wien. Ztg." ver-
öffcntlicht eiu Gcsetz vom heutigen Datum, wo-
durch dic Banknoteu von cin und fünf Gul-
den zu Staatslasten übernommeu und als
StaatSnoten erklärt, von allcn landesfürstlichen
Kaffen in vollem Nennwerth angcnonimcn, bei
StaatSzahlungen ebenso gegcben und unter
bteberwachung der Staatsschuld-Koiitrole gestellt
werdcn, welche üdcr den jcweiligcn Umlauf,
dcr 150 Milj. nicht übcrsteigen darf, einen
MonatsauSiveis veröfscntlichl. Dic National-
bank ist verpflichlct, dcn Betrag der Ueber-
nahmSsumme dem Staat sofort in Banknoten
höherer Appoints zn leistin. Ein besonderes
Gesetz wird den EinlösungSzeilpunkt und die
EinlösungSart bestimmcn.

Prag, 3. Mai. Vorbercituiigen werdcn
jeit gestern gctroffen, um nöthigenfallS die hie-
sige Statthalterei nach Budweis zu verlegen.
— Gerüchtweise vcrlautet, daß vou czechischer
Seite cine Monstrepctition an dcn Kaiser um
allgemcine Landesvertheidigung vorbercitet wird.

F r a n k r e i ch.

Paris, 4. Mai. Dcm „Memorial diplo-
matiquk" wird unter'm Heutigcn aus Wien I
telegraphirt: ES ist falsch, daß Frankrcich a»
Oesterrcich energische Vorstcllungen gegen die
Rüstungen in Vencticn gcrichtet habe. Die in
diesem Betrcff von. Paris abgeschicktc Depesche
ist in d-n freundlichsten AuSdrücken abgefaßt
und vcrlangt lediglich vcrtrauliche Aufklärungcn
über dcn Zweck dcr KricgSvorbereitungen in
Venetien. Oestcrreich bcthcucrt von Ncucm,
daß es auf der Dejensive bleiden würde, uud
Frankreich nimmt diese Erklärung an. Oester-
reich vcrpflichtet sich für den Fall, daß Jtalien
gegen dcn Rath Frankrcichs zum Angriff jchrittc,
sich die Vortheile emcs cventuelleu KricgeS nur
mittclst der diplomatijchen Zntervention Frank-
reichs za ficheru.

Paris, 5. Mai. Der „Monitcur" vo'n
heutc Morgcn bringt die Erncnnung der HH.
Lacage, Blondel, Gcueral Molard und Graf
Bacciochi zu Seiiatoren.

I t a l i e n.

Neapcl, 3. Mai. Der Prinz Humbert
errichtete für den Fall des AuSbruchs eines

KriegS einen Ausschuß zur Aufrechthaltung der
öffentlichen ^irdiiiiug gegc» die bourbonistischen
uud klcrikalcn Drohungen.

Florenz, 4. Mai. Eine Depesche auS
Berlin uieldct, in Preußen sei die Mobilistrung
von 150,000 Mann angcordnet. — Dcr Prinz
Napoleon ist gcstcrn in Florenz eingetroffeu. —
Die „Opinione" berichtet: ES wird verstchert,
der Ministerpräsident Lamarmora habe gestern
dem AuSschuß der Deputirtenkammer crklärt,
daß er im Falle deS Krieges alle uationalen
Krästc ausrufen würde.

Florenz, 4. Mai. Die Diskusston deS
FiiianzprojcctcS in der Dcputirteiikamincr ist
auf nächsten Montag sestgesetzt. Der Minister
deS Jnnern hat dcr Kanimer einen Gejetzent-
«nrf vorgklcgt, durch wclchen der Regierung
die außcrordeutliche Besugniß übertragcn wer-
dcn soll, durch königliche Dccrete sür die Vcr-
theidigung dcS StaateS und die öffentliche
Si cherheit Vorkehr zu treffen. Dic Aushebung
für den Seedienjt hatte aitSgezeichuete Rcsultate.
Zu Genua stellten stch außcr jämmtlichen Jn-
scribirlen 116 Freiivillige.

Florcnz, 4. Mai. ES bestätigt stch, daß
Oestcrreich sich bereit crklärt hat, jeinc Armee
in Vcneticn auf den vollen Friedensfuß zu-
rückzuführcn, wenn Jtalicn nicht dic Abflcht
hat, Ocstcrreich anzugreifcn. Die Rcgicrung
Ztaliens hat ihrc Erklärung wiederholt, daß die
italienischen Rkstungeii reine Dcfensivmaßregeln
sind, und daß Ztalien nicht die Jnitiative zum
Kricg ergreijen wird.

Fiorenz, 5. Mai. Der Prinz AmadcuS
ist zum Gcneralmajor ernannt.

Florcnz, 5. Mai, Miitags. Ein Telegramm
aus Triest meldet, daß die österreichifche Frcgatte
„Novara", nachdem auf dersclben gestcrn Nach-
mittag cine FeucrSbrunst auSgcbrochen, im
Marinearsenal Pola vor Anker gegangcn sei.
Man glaubt, daß dic FeucrSbrunst kcine zu-
fällige gewcsen.

Mailand, 5. Mai. Die „Pcrscveranza"
meldet: Zn'Padua haben patriotische Anschlag-
zcttel begeistcrte Deniviistrationeu «eranlaßt.
Es wird flcißig an der Errichtung eineS ver-
jchanztcn Lagcrs aus dem Lido di Vcnezia ge-
arbeitct. Zn Ztalicnijch-Throl sollen 30,<X>0

Ncueste üöactirictiken.

Köln, 5 Mai, Abends. Die „Köln. Ztg."
meldct in cinem Extradlatt aus Coblcnz:
„Die Mobilmachung dkS achtcn Armcccorps ist
befohlen, alle augenblicklich außer Controle
stehciiden Mannschasten de« beurlaubten Stan-
deS haben flch unvcrweilt bei einer Landwehr-
behörde zu meldcn. — Coblenz, 5. Mai 1866.
Das Gcneralcoinmaiido des 8. Armcccorps.

Florenz, 6. Mai, Abends. Eiu königliches
Dekret ordnel die Mobilisirung von fünfzig
BataillonS Nationalgarde zum KriegSdienst sür
dte Dauer von drci Monaten, vom 20. Mai
ab gcrechnet, au.

Wien, 6. Mai. Die Nordarmce ist auf
d-n KriegSfuß gesetzt worden. Das Haupt-
quartier wird dcmnächst uach Böhmen verlcgt.
Bcncdck wird heute hicr erwartet. (N. F. Z.)

Berlin, 6. Mai, Abeuds. Durch crgangcne
Ordre wurdeu das drittc, vierte, fünfte, scchste
undaaS Gardc-ArmcekorpS mobil gcmacht.

Berlin, 7. Mai. Die österrcichische Nole,
wclchc dic Abrüstung ablchnt, resp. Garautieeu
von Ztalicu verlangt, ist am 4. d. M. hicr
übergeben worden.

1 Heidelbcrg, 7. Mai. Dec osr einigen Tagen aus
der^Main-Neckarbahn vernnglückle Bahnwarl Krasl ift

den N'ir bald Grleaeirhcir haben. die inleressanlen Ein-
richluiiii-n zur künftlichen Fischzuchl kcnncn zn lerncn.
Der Winh anf dem Bahnhof dajelbst ist im Bcftliff,
eine d-rartigi Anftal! zu crbauen. g-wiß ein virdienst-
Ucked und inZbesondere bei der N ähe der Bäderstadt cin

Lnisenhettnnsttrlt

Herr Rpothcker Bronner bon Wicsloch
hat unscrer Heilnnstalt. durch Vcrmittlnng des
Hrn. Mcdicinalrnth Mczger «on hier, dm
Betrag bon „fünf und siebenzig Gul-
den" übcrschickt. Wir sdrcchcn hiermit un-
seru bcsteu Tank dafür aus.

Heidcldcrg, 5. Mai 1866.

Dr. «. Dusch.
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