Heidelberger Zeitung — 1866 (Januar bis Juni)

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Mlage M Hel-elt»erger Iettung.

.M 118.

Deutschlanh

Karlruhe, 19. Mai. 15. öfj-nrliche Siz-
zung d-r Erstcn Kammer. Unter dem Vorfltz
deS durchl. Prasidenten, Sr. Großh. Hohcit deS
Prinzen Wilhelm von Baden. Auf der Re-
gicrungSbank: Gcncrallicutenant Ludwig, Ge-
neralauditor Dzz. Brauer, Oberst Götz und
Ministerialrath Winter.

DaS hohe Präfldium bringt zur Kcnntniß
des HauseS, daß Geh.-Nath v. Mohl durch
Amtspflichten, und Prälat Holtzmann durch
schwerc Erkrankung dicser Sitzung anzuwohnen
»erhindert stnd.

Das Secretariat zeigt den Einlauf von 7
Pctitionen gegen die Civilehe an.

Der TageSordnung gemäß wird zur Be-
rathung des vom Oberst Keller erstatteten
Berichts über den Gcsctzentwurf, die Abände-
rung deS ConscriptionögcsetzeS, gcschritten.

Die Commisston stellt dcn Antrag aus Ge-
nehmigung deS EntwurfS, wie er von der Zweiten
Kammer endgiltig angenvmmen ist.

, Ohne Discussion genehmigt.

ObergerichtSadvokat Dr. Bertheau berichtet
«eiter im. Namen der Petitionscommission übcr
die Eingabe eines entlassenen protestantischen
Geistlichen, der um Rcactivirung nachsucht.
Der Antrag lautet auf Uebergang zur TageS-
ordnung.

Graf v. Berlichingen wünscht, daß daS
hohe HauS wenigstenS eine Fürsprache mit dem
Beschluß verbinde; doch wird der Antrag, da
die Angelegenheit rein kirchlicher Natur ist und
nicht in der Compxtenz.dcS HauseS liegt, an-
genommen.

Die ErgänzungSwahlcn einzelner Com-
missionen werden nach Eintritt der neugewähl-
ten Grundherren stattfinden.

Schluß d-r Sitzung.

Frankfurt, 19. Mai. Jn der hcutigen
außerordentlichcn Sitzung deS BnndestageS
wurde von den Rcgieruugen von Baycrn,
Württemberg, Baden, Großhcrzogthum Hesseu,
Nasiau, Sachscn-Weimar, Sachsen-Meiningen
und Sachsen-Coburg-Gotha ein Antrag eingc-
bracht, cs möge an alle diejenigen BZndcsglie-
der, welche Rüstungen vorgenommen haben,
daS Erjuchen gerichtet werden, zu erklären, ob
und unter wclchen VorauSsetznngen sie bereit
seicn, gleichzeitig und zwar von einem in der
BundeS-Versammlung zu »crcinbarenden Tagc
an zum Fried-nSstand zurückzukehren. Die
dcSsallflge Abstimmung soll in der nächste»
Sitzung stattfinden. — Von der königlich-nic-
derländijchen großhcrzoglich luremburgijchcn
Regicrung ward der Antrag gestellt: dcn Bun-
deSbeschluß vom 5. scptember 1839 wieder
aufzuheben und den Austritt deS Herzogthums
Limburg aus dem Bundesverhältniß zu geneh-
migen. Die geschästliche Behandlung dicses
AntragcS soll in einer nächsten Sitzung fest-
gesiellt werden.

Frankfurt, 2V. Mai. Jn der gestrigen
BundestagSsitzung erklärte der Präsidialgesandte
im Austrage Oesterreichs, eS werden zwischen
Preußen und Hannovcr bundeSwidrigc Ver-
handlungen gcpflogen, weßhalb er beaustragt
sei, die hohe Versammlung zu veranlassen, bcide.
Staaten auf die noch zu Rccht bestehenden
Bundespflichten aufmcrksam zu machcn.

Dresden, 19. Mai. Die Reform wieder-
holt cnergischen Prvtest gegen die Bedrohung
SachsenS durch Preußen. Sachse» habe keine
Abstcht auf Wiedcrervberung der 1815 an Preu-
ßen verlorenen Provinzen.

Leipzig, 18. Mai. Die Stadtverordneten
sprachen mit 44 gegen k Stimmen auf dcn Rc-
gierungsbescheid gegcn die Vorstellung der Leip-
ziger Stadtbchördcn ihre unvcrändcrtc Ueber-
zeugung au», mit jener Vorstellung „ach bestem
Wisscn ihre Pflicht gegen Stadt und Vaterland
gethan z» haben.

Mittwoch, den 23 Mai

18««

Bcrli», 19. Mai. ES wird versichert, die
Herzoge von Ujest u»d Ratibor, die Fursten
Blücher, v. Hohenzollern-Hcchingen, v. Pleß,
v. Hatzseldt und v. Biron und der Graf v.
Maltzahn hätten beschloffen, drci Husarenregi-
menter und drei ZLgerhataillone auf ihre cige-
ne» Koste» zu errichten. Dic Gelder jeicn be-
reitS gezeichnet; um dic Erlaubniß sei nachge-
sucht.

Berlin, 19. Mai. Bon betheiligter Seite
werdeu Anstrengungen gemacht, daß, wenn der
Congreß zusammentritt, auch der deutsche Bund
wegen HolsteinS nachträglich cingeladcn werde.
OesterreichS Ablehnung joll erst vorläufig aufl
osficiösem Wege constatirt scin. Rußland und
England habeü in Wien darauf aufmerksam
gemacht, daß Oesterreich durch jcine definitive
Ablehnung die Verantwortlichkcit für die Fol-
gen übernehmen wird.

Altonn, 19. Mai. Die ,SchlcSwig-Hol-
steinische Ztg." meldet: DaS preußische Kano-
nenboot „Tigcr" pasflrte gestern bei .Kuxhafen
die Elbe hinauf. — Gestern wurdc die Bcrla-
dung der öfterreichischen Bagage fortgesetzt. Die
österreichischen Osficiersfamilien packen ihre Ef-
fekt.en.

Wien, 18. Mai. Dcr Großhändler Kafker
in Brünn, Schulhos, Pvpper, sämmtlich PLchter
Esterhazpscher Güter, sind verhastet worden.

Wjen, 19. Mai. Benedek wird sein Haupt-
quartier wahrscheinlich erst zum 28. Mai nach
Pardubitz verlegen. Erzherzog Wilhelm, dem die
Artillerie-Direction ansgetrage» ist, bildete sei-
nen Generalstab, um nach Böhmcn abzugehen.

Wien, 19. Mai. Die Wicner Abendpost
vernimmt bezüglich der angeblichen Grenzübcr-
schreitung b-i Klingebeutcl, daß der Connnan-
dant der belresienden Abtheilung auf das Be-
stimmtcste eine derartige Grcnzverletzung in
Abrede stellt. Genaue Erhebungen stnd dies-
falls angeordnet, und gelegentlich ist auch den
betreffcndcn Commandanten neuerdingS einge-
schärft wordcn, sich streng an die bestehenden
Weisungen zu haltcn und dadurch allen be-
gründetcn Reclamalionen vorzubeugen.

Wien, 19. Mai. Die „Neue sreie Presse"
vernimmt Folgendes übcr den prenßisch-italieni-
schen Allianzvertrag: Die bciden Könige verab-
redeten, den Fall deS AiigrisfcS PreußenS oder
Jtaliens von Scite Oestcrreichs solidarisch als
cssus bolli anzusehcn. DicSsallS werden stc cin-
verständlich operiren und entsagen dem Rechte
deS Friedensschlusies ohne gegenseitigcs Einver-
nehmen. Wird Preußen durch Oesterreich zu
einer KriegSerklärung prvvvcirt, so nimmt Zta-
lien am Kampfe als BundeSgenosie gleichsallS
Theil. Bside Staaten gehen keine andcrweitige
Allianz ohne »orherige Berathung ein. Dic Ab«
machung soll bis Ende 186k gelten. Jm.Ver-
trag ist keine Verpflichtung PrcußenS für den
Fall stipulirt, daß Ztalien mit Oestcrreich in
Krieg verwickclt wird. Prcußen scheint sich hier-
für freie Hand vorbehalten zu haben.

F r a ukr e i ch

Paris, 19. Mai. Das „Memorial diplo-
matique" enthält eine Wiener Depesche »om
Gestrigcn, besagend: Rachdem daS Wicner Ca-
binet den Mittelstaaten gcgenüber die förmliche
Verpflichtung übernommen hat, in Beziehung
auf die Elbherzogthümer keine specielle Verpflich-
tung gegen Preußen einzugehen, ist von nun
an jcde Unterhandlung zwischen Wien und Ber-
lin als geschlossen zu bctrachten. Fcrner ein
Frankfurtcr Telegramin vooi Gcstrigen, meldend:
Die BaMberger Conferenz hatte den Zwcck, die
Uebereinstimmung zwischen Oestcrreich und den
BundcSgenosscn zu vcrvollständigen. Dicse
Uebereinstimmung bezieht stch auf solgende
Punktc: 1) Gcgenscitige Entwaffnung SeitcnS
der dcutschen Großmächtc, und im Fall dcr
Weigcrung PreußenS Bundesexecution gemäß
dem Bcjchlussc vom 9. Mai; 2) Lösung der

Elbherzogthümerfrage durch dcn Bundestag;

3) Zeitgemäßheit eincr vernünftigen und libe-
ralen Reform der deutschen Bundcsversasiung;

4) Bcstimmung deS ZeitpunktS des Zusammen-
tritts cineS deutschen Parlaments erst nach der
von seite Preußens erfolgten Formulirung
seiner Rcsormvorschligc.

Paris, 19. Mai. Die „Patrie" verstchert,
in einem am.17. Mai in Berlin abgehaltenen
KriegSrathe sei entschieden worden, daß Preußcn,
welcheS flch der Neutralität HannoverS »er-
sichert halle, zum Behuse dcr Aussührung deS
Gasteiner VertrageS in den Elbherzogthümern
operiren werde. Die „France" sagt, von einem
Augenblick zum audern vermöge ein plötzlich
eintret-nder Zwischenfall in Deutschland oder
in Jtalien den Ausbruch der Feindjeligkciten
herbeizuführe». Die Mächte, welche so große
Anstrengungen für die Erhaltung dcs FriedcnS
machsn, müssen stch becilen, wenn ste nicht von
den Ercigniffen überholt sein wollen.

Paris, 20. Mai. Der Credit Mobilier
gibt keine Dividende. 5 Mill. sollen zur Re-
scrve genommen werden. Mobilier gestern Abend
aus dem Boulevard 500.

Eng la n d

London, 19. Mai. Die „European Bank"
hat juspendirt. Auf die 50 Pfd. Strl. betra-
genden Actien sind bis jetzt nur 15 Pfd. St.
eingezahlt rvorden.

Z t a l i e n.

Florenz, 19. Mai. Man versichert, daß
bercitS 20 Freiwilligenbataillone complett stnd;
und man glaubt, daß wegen des großcn Zu-
drangS nächstenS weitere Bataillvne gebildet
werdcn.

Florcnz, 19. Mai. Ein Circular deS Kriegs-
ministerS setzt die Formation der Freiwilligen-
rcgimenter auf den21. Mai fest. Die„Gazetta
ufficialc" veröffentlicht die Ernennung einigcr
Freiwilligenofficiere, darunter die HH. Corte,
und Nicotera. — Durch königliche« Dccret wird
angeordnet, daß die am 1. Zuli verfallenden
RentenconponS bei allcn Zahlungen an die
StaatSkassen biS Ende Juni glcich baarem Geld
zum Nennwerth angenominen werden; ebenso
bei dcr Nationalbank in ToScana, Neapel und
Sicilien.

Florcnz, 20. Mai. Die heutigen Blättcr
sind der Anstcht, der Senat werde daS Gcsetz
über Besteuerung dcr Rente verwerfen. Die
Handelskammer »on Ncapel hat gegen dieses
Gejetz eine Petition an den Senat gerichtet.
Der Finanzminister Scialoja hat sein Entlas-
sungSgesuch noch nicht definitiv zurückgezogen.

Bcnetinnische Grenze, 20. Mai. Eine
Commisston von Höheren Osficieren hat die Be-
sestigungen von Polestna inspirirt und ist dabei
zu eineM ungünstigen R-sultat gelangt.

Tü rke i

Bücharest, 18. Mai. Nach Berichten auS
Metschin, Rustschuk und Tulscha wäre der
Uebergang der Türken über die Donau nahe
bevorstehcnd. Di-Regicrung hat befohlen, die
rumänischcu PiketS. zurückzuziehen, ivelrbe das
linke Ufcr des FlusseS bewachten. Die Regie-
rung vcrlangt von der Kammer cinen Credit
von 7 Millioncn Piaster, um Behufs der
Deckung Bucharest'S ein Lager zu bilden.

A m e r i k a.

Ncuyork, 10. Mai. Das Repräsentanten-
hauS hat daS vom ReconstructionScoinitc vor-
geschlagene Amendement angcnommen. Nach
Berichten aus Chili ist den neutialcn Fahr-
zeugen mitgetheilt worden, daß daS spanijche
Geschwader die Landung in den chilenischen
HLfen untersagt. Die Flotte ist unter Segel
gegangen, um die Nordhäfen, kinschließlich Ca-
laos, zu bombardiren.
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