Heidelberger Zeitung — 1866 (Januar bis Juni)

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schenGebietes; keineÄbtrelüng'deutschen Bodens
an das Ausland und endlich Lerminderung der
MilitLrlaften.

Koblenz, 28. Mai. Gestern fand hier die
erste Wahlversammlung statt. Einstimmig wurde
beschlossen, die bisherigcn Abgeordneten wieder-
znwahlen. Bei den Berathungen ssrrach näment-
lich Advokatamvalt Lingmann in scharfeu
Worten gegcn den Krieg wider dcutsche Brüder;
begeistert ruft der Redner aus: „Unsere erste
Meinung sei, wir woüen keinen Krieg und
auch kein Geld zu einem solchen bewilligeu,
wir wollen mit unsern deutschen Brüdern in
Frieden leben. Will man keine Panduren und
Kroaten, warum ruft man sie denn? rber ist
schuld, daß dieselben kommen? (Stürm. Bravo.)
Wir wollen Recht im Jnnern, Recht nach Außen,
Entwickelung des Wohlstandes, geistige Ent-
wickelung, Wohlfahrt und Toleranz in jeder
Beziehüng. (Bravo.) Wir wollen keine Erobe-
rungen mit Spitzkugeln und gezogenen Kano-
nen, wir wollen Schleswig.Holstein nicht zu
etwas zwingen, was es nicht wiü; lassen wir
dieseS Land über fein Schi'cksal selbst bestim-
men. Unser Grundsatz ist: Mntracht und
Friede in Deutschtand", unscr Programm:
„Anerkennung des Rechts." (Stürm. Bravo.)
Nachdem noch zur regen Betheiligung an den
Wahlen aufgeford^rt worden, wurde die Siz-
zung mit einem Hoch auf die Verfassung ge-
schlossen.

Glatz, 24. Mai. So eben wird eine ma-
gistratualische Bekanntmachung den Einwohnern
von Glatz crösinet, daß Diejenigen, welche sich
im Fall eincr Belagerung nicht auf drei Mo-
nate verproviantiren können, unnachsichtlich die
Stadt verlaffen müssen. — Die Festüng Glo-
gau wird armirt.

Berlin, 30. Mai. Preußen hat in den
Vorverhandlungen seine Theilnahme an der
Conferenz nur in Ücr Voraussetzung zugesagt,
daß eine Einmischung in die innern Angelegen-
heiten des Bundes nicht beabsichtigt ist. Die
Machte sind darauf aufmerksam gemachi wor-
den, daß die preUßischen Bundesreformvorschlage
jeden Anlaß zu einer fremden Jntervention ver-
mieden haben. Der König präsidirte heule
Mittäg einer mehrstündigen Conseilsitzung. Der
Kronprinz ist wiebcr hier eingetröffen.

Dresden, 27. Mai. Das Nesultat der
gestern für die zweite Kammer erfolgten Prä-
sidentencandidatenwahl ist folgendes: Es erhiel-
ten Stimmen: Haberkorn 56, Oehmichen 53,
Dr. Hertcl 50, Sachße 52. Zum Präfidenten
der ersten Kammer hat der König dcn früherün
Präsidenten v. Friesen ernannt.

München, 30. Mai. Jn der heutigen
Sitzung der Kammer der Abgeordneten legte
dcr Ministcr v. d. Pfordten dcn Standpunkt
der Regierung dar.« Dieselbe werde in ihren
Bestrcbungen zur Erhaltung des Friedens sort-
fahren und im Vereine mit den bund'estreüen
Regierungen gegen Jeden, der den Bund bricht,
einschreiten. Aus diesem Grunde sei die Mo-
bilisirung der Armee erfolgt. Derselbe legt
sodann ein Gesetz zur Bewilligung eiNes Kre-
dits'für außerordentliche Militärbedürfnissc im

Betrage von 31V, Mill. Gulden vor, welche
zur Hälfte in Papiergeld, zur Halste durch
eine Anlcihe aufgebracht werden sollen. Finanz-
miüister v. Pfeuffer legte hierauf cinen Gefttz-
cntwurf vor. die Regierung zu besonderen
Finanzoperationen zum Zwecke der Militär-
bedürfnisse nnd zum AuSdau der Eisenbahnen
zu ermächtigen.

Hamburg, 30. Mai, Vormittags. Die
„Börsenhalle" hat Bcricht aus Lima vom 27.
April. Der spanische Admiral war vor der
Stadt eingetroffen und hatte den Bcginn der
Feindseligkeiten auf den 1., den Anfang der
Blokade auf den 3. Mai notistcirl. Die -Be-
schießung von Caüao sollte vermuthlkh am 1.
Mai stältsinden.

Kiel, 30. Mai. Nach amtlichen Ermitte-
lungen-sind bei der Schlägerei zwischen Preu-
ßen und Oesterreichern auf dem Schützenhofe
in BrunSwick Tödlungen nicht vorgekommen.
Die Untersuchung ist eröffnet.

Wien, 30. Mai. Dic „N fr. Pr." läßt,
sich lelegrphisch aus Paris melden, Herr v.
GraMmonl chabe daselbst Aussichten aüf eine
versöhnliche Politik Oesterreichs eröffnet. Jn'
militärischer Beziehung soll die Aufrechthaltung
des 8tatus quo während der Dauer des Con-
gresses vereinbart sein.— Man befürchtet eine
progressistische Bewegung in Spanien.

Wien, 30. Mai. Der französische Bot-
schafler hat hier den Wunsch Napoleons aus-
gedrückt, Graf Mensdorff möge persönlich auf
der Conferenz erscheinen. — Oesterreich soll
entschlossen sein, auf der Confcrenz die Abtre-
kung Venetiens for,mell abzulehncn. Rußland
billige diesen Standpunkt, wie man denn über-
haupt von einer gr-oßcn Annäherung' Oester-
reichs und Rußlands spricht. Als weitcres Con-
ferenzprogrclmm Oesterreichs wird die Lösung
der Herzogthümerfrage durch Berufung der
Stände und die Ablehnung jeder Competenz in
der Bundesreformfrage bezeichnet.

Pesth, 29. Mai. Der Bürgerausschuß hat
eine Loyalitätsadresse an den Kaiser angenom-
men und beschlossen, Geldsammlungen zur Un-
terstützung Verwundeter aus ungarischen Regi-
mentern einzulditen. Mehrere tausend Gülden
sind bcreits gezeichnct.

Prag, 24. Mai. Eine heute publicirte
Verordnung Benedek's gebietet den Truppen
der Nordarmee für den Kriegsfall bei agressivem
Vorgehen die Heilighaltung des Eigenthums in
Feindesland, die Bewährung des Rufes, wel-
chen sich Oestcrreichs Truppen in dieser Be-
ziehung erworben.

Oestsrrcichtsche Monarchie.

Ragusa, 29. Mai. Vor Antivari smd
drri österreichische KrirgSschiffe zur Ueberwa-
chung der Küsten emgitrvffdn.

Z t a l i e 1i.

Turin, 28. Ma>. Aus Befthl des KriegS-
ministcrinms wurden heute die Freiwilligen-
Anwerbungen bis a»f WeitercS cingestellt, da
die DcpotS nicht einmal fnr Unterbringung der
tercils Angeworbene» ansrkiche», deren Zahl
fich vorgestern Abend anf 63,000 belief.

Neuestc Rachrichten.

Florenz, 30. Mai. Die „Opinione" mel-
det: Der König hat heute Morgen ein Decret
über Errichtnng vo» 2 Bataillonon freiwrlliger
Bersaglieri und ein anderes übcr Vermchrung
des FreiwilligencorpS um 20 Bataillone unter-
zeichnet.

Berlin, 30. Mai, Abends. Ein Frank-
surter Telcgramm meldet: Jn der heutigen
Sitzung deS betreffenden BundesansschuW
wurde dic Annahmc der Conferenzeinladmrg
und die Vertretung deS BnndeS durch Bayern
beschlosscn. Da Hr. v. d. Pfordten unzweiftl-
haft dic Misston annimmt, so wird deffen Wahl
in der BundeStagsfltzung vom Freitag ersolgen.

Wien, 30. Mai. Dic Einladung zur Con-
ftrenz ist heute hier überreicht worden. Graf
Mcnsdorff gcht vorlänfig nicht nach PariS.
— Ein höherer Bcamter der Staatskanzlei
überbringt heute dem Fnrsten Metlernich die
Jnstrnktioncn Oesterreichs. DaS Programm
geht wesentlich auf Ablehnung eines etwaigen
Vorschlages wcgen Ablrktnng VenetienS, in der
schlcKwtg-holstrinischen Frage anf Besragunz
°»cr Stände und auf Ablehnmrg der Kompttcnz
dcr Konferenz hinflchtlich der Bundesresorm.

Aus Baden. Papierfabrikdrsitzer Oe. oon

Dittishaufin A. Neustadt und deffcn Ehefrau
wurden wegen gegründeten VerdachtS der Falsch-
münzerei gefänglich nach Donaueschingen cin-
gebracht. Man soll i» deren Besitz für BOO fl.
falfcheS Geld gefunden haben.

Erklärung.

AnS dem „Psälzer Boten" Nr. 62 ersehen
wir zu nnferm Erstannen, daß der Jhnen mit-
getheilte, auf rcincr Wahrheit beruhcnde Arflkel
vom 25. Mai die gemeinsten Beschimpfungen
gegen Sie in jcnem Lügcnblatte hervorgerufen
hat. Die Unterzeichneten müssen die gegen «oie
gerichteten, dcr ultramontanen Partei nur all-
zugcläufigen Beleidignngcn auf stch seldst be-
ziehen, u»d erklärcn daher dem aiionymcn Ar-
tikclschreibcr im-Ps. B., daß sie keinc nichts-
würdigcre Nnd unehrenhastere HandlungSweise
kcnncn, als aus stcherm Hinterhalt die gröbsten
Schimpfworte gcgen Andere zu schleudcrn und
dic Belkidigtkii alsdann an cine Adresse zu ver-
weisen, mit der flch Niemand befaffen mag. —
Wcnn daher der gelehrte dickbäuchige Brrfasser.
der etwaS BeffereS treiben könnte, als Andere
mit Kolh zu bewcrscn, den Muth hat, gleich unS
als Vcrfasscr scineS Auffatzes stch öfftnjlich zn
nennen, so wird stch bald zeigen, aus wclcher Seite
die Ehrenhaftigkcit zn suchcn. Schlicßlich erklä-
re» wir wicderhölt dc» Arkikel in Nr. 60 -des
Ps. B., wie Ivir es bereits in Nr. 122 der
Heidelb. Ztg. gcthan, für eine perfide Lüge und
Verleuindiing.

Kelsch, 30. Mai 1886
Zakob Keilbach II. Heinrich Kn i ttel.

Zoh. Stratthails. Ant. Fischer.

Karlsruhe, 30. Mai. Bei der belrle ftcittgehLbten

^0N?188/Igct°362,"s7«^ 117S, 14g«, 1S2S, 2867,
S47S, «180, «38g, S27S, SS87, SVOS, 60l8, 6280,
6306, 7277, 7361, 7«0«.

Obngkeitliche Bekanntmachungen und Prlvat-Anzeigen.

Großh. Bezirksamt Heidelberg.

Dte Haüptmusterung der Hu»de
im Jayre 1866 detr.

Nr. 11,866. Zur Vornahme der Hauptmusterung
der Hunde auf den Landorten werden folgende
Tagfahrten festgesetzt:

1) Freitag, den 1. Iurri, Vormittags 8 Uhr,
iu Neckargemünd; um 11 Uhr in Kleinge-
münd.

2) Samftag, 'den 2. , ' Vodm. 10 Uhr,

in Maüer; üm'2 Uhr ln"Wiesenbach mit

Langenz cll.

ntag, den 4. Juni, Nachmittags 1 Uhr,
^^raldwimmersbach; um 4 Uhr in Spech-

4) Dienstag, den 5. Irrni, Vorm. 9 Uhr, in
Dllsberg mit Rainbach und Neckarhäuser-
hof; Nachmittags 2 Ubr in Mückenloch.

5) Mrttwoch, den 6. Iuni, Vorm. 10 Ubr,
in Monchzell; Nachmittags 2 Uhr in Lobenfeld.

6) Donnerstag, den 7. Juni, Vorm. 11 Uhr,
in Bammenthal; Nachmtttags 3 Uhr in Gau-
angelloch.

7) Freilag, ^err 8. ^ftmi, früh 9 Uhr, 1n

Meckcshcim.

8) Samstag, den 9. Jrrni, Vorm. 11 Uhr,
in Hilsbach; Nachmittags 2 Uhr in Gaiberg.

9) Donnerstag, den I4.-Zuni, früh 8 Uhr,

in Neucnhekm; Nachmittags 2 Uhr in Hand-
. schuchsheim.

10) Freitag, den 15. Juni, Vorm. 11 Uhr,
in Hetligkreuzsteinach; Nachmittags 2 Uhr
in Lampentzain.

11) Samstag, den 16. Zuni, früh 8 Uhr, in

Kirchheim; Nachmittags 2 Uhr in Pleikarts-
forst. ^ ,

12) Montag, den 18. Iunr, früh 9 Uhr, in
Nußlocb;'Nachmittags 2 Uhr in St. Jlgen.
^13) Dienstag, ^den^lO.^Iuni^nstüh 9 Uhr, in

"14/Mittwoch, den 20. Juni, Vorm. 1y Uhr,
in SchSnüu; Nachmittags 2 Uhr'in Altneu-
dorf. ^ ,

15) Donnerstag, den21. Iuni^ Vorm. 8 Uhr,
in Robtbach; Nackmittags 3 Uhr in Lelmen.

16) Fkeitag, den 22. Iuni, früh 8 Uhr, in
Ziegelhausen; Nachm. 2 Ubr in Petersthal.

17) Samstag, den 23. Inni, Nachm. 2 Uhr,

in Grenzhpf. ^ .

18) Montag, den25. Jum. Vorm. 11 Uhr,
in Altenbach; Nachmittags 2 Uhr in Wil-
helmÄfeld.

19) Dienstag, den 26. Iuni, Vorm. 8 Uhr,
in Wieblingen; Nachmittags 2 Uhr in Ep-
pe l heim.

20) Mittwoch, den 27. Juni, Vorm. 9 Uhr,


in Dossenheim; Nachm. 2 Uhr in §
heim.

21) Dvnnerstag, den28. Iuni, Vorm.ll Uhr,
in HeddcSbach; Rachm. 2 Uhr in Brombach.
Alle über 6^Wochen^alten, ^sovüe die eist noch

gesetzliche Steuer zu rntrichten^ ist.^welche fur eine
Hündin 2 fl. und für einm Hund 4 fl. -eträgt.

Wer seinen Hünd vorzufuhren unterkaßt, hat
außcr Nachzahlung der Tare den doppelten Betrag
als Strafe zu cntrichten.

durch Anschlag am Rathhause der Gemeinde ver-
künden zu laffen, sodann zur festgesetzten Zeit, zu
welcher fich auch BezlrkSthierarzt Widmann^ emfin-

toköll u. ein V^rzetchniß über alle bekanntermaßen
der Commission nicht vorgeführten Hunde anher
vorzulegen.

Heidelberg, den 25. Mai 1866.
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