Heidelberger Zeitung — 1866 (Januar bis Juni)

Page: 615
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/hdtz1866/0615
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Ministkr v. BiSmarck und v. Roon in« Hauvl-
quartier »ach Schlesien. Die Entscheidung
muß und wird in nächster Woche erfolgen.
BiS dahin haben sich auch die Gesandten Oest-
reichs und PrenßenS reisefertig zu halten. Von
nochinaligcm Einspruch der neutralen Mächte
«erlautet nichtS; er würde auch schwerlich, nach-
dcm die Dinge so weit gediehcn flnd, auf Ge-
hör noch rechnen können. Kommt es in Hol-
stcin zum Ansbruch deS Conflicts, so ist damit
für Oesterreich das Signal zum Einfall in
Schlesien gegkben. Auf solche Eventualität
macht man sich hier gefaßt und ist darauf vor-
bereitet. Mit morgen haben die xreußischen
Rüstungcn ihren definitivcn Abschlnß gefunden,
die Armee steht schlagsertig da. DaS Volk
sieht dcn Ereignisien mit ungeheurer Ruhe zu.
Noch bis heut erklären alle Wahlversammlun-
gcn: für einen dentschen Krieg kein Geld, in
keinem Falle aber, so lange noch Bismarck am
Rnder ist. Jn der That, der Mann jpielt ein
verwegen Spiel!

Berlin, k. Juni. Die „Provincialcorre-
spondcnz" meldcl: Die neutralen Mächle spra-
chen Prcnßen ihren Dank aus für sein Ein-
gehen auf die FriedenSversnche nnd erkannlen
an, daß Preußcn wiedcr in die volle Frciheit
seiner Entschließungcn eintrete.

Berlin, k. Juni. Die preußische nach
Wien gcgangene Dcpesche soll crklären, daß
Oesterrcichs Anträgs in Franksurt und Ver-
sügung in Holstein wegcn der Ständeberustmg
den Gasteiner Vertrag veiletze. Die beiden
Mächte würden dadnrch aus dic Stellung und
die Rechke dcs Wi-ner VertrageS zurückgeführt,
welcher seine europäische Geltung bewayre.
Daraus geht also hervor, daß Prcußen das
Rccht beansprucht, eventuell zur Wahrung sci-
nrr SouveränctätSrcchte in Hvlstein einzurücken.
Jn Folge der Verletzung des Gasteiner Ver-
trages durch Oesterreich, Ivelche PreußenS Er-
klärung in Wien constattrt, wird General vvn
Manteuffel wahrscheinlich die gemeinsamc Re-
gicrung SchleSwig-Holsteins zn beanjpruchen
und die entsprechenden Rechte auszunben vcr-
anlaßt werden.

Hannover, k. Juni. Die Dcpntirlcn-
kammer hat dcn llrantrag Bennigjens in Be-
treff der politijchen Lage angenommen und den
desfallsigen Beschlnß der Ad-lskammer unter
dem Widerspruch der Minister abgelehnt.

Woimar, 7. Juni. Nachdem die AuS-
stcht aus cin günstiges Ergebniß der Verhand-
lungen des ResormauSschusseS der BundcSver-
sammlung geschwunden ist, beabsichtigcn meh-
rere deutjche, den preußijchen Resormvorichlägen
züftimmende Zürsten, außerhalb deS Bundes-
tageS B-rathungen über Einberufung -ineS
Parlamentcs im Jnteressc des FriedenS hcrbei-
zuführen. — Bahern und Prcußen . dringcn
auf schleunige AuSführung desBundesbeichlusseS
über die BeiatzungSveränderung in Mainz,
Franksurt und Rastatt.

Hamburg, 7. Zuni. Der Einmarsch
preußischer Truppen in jene Theile HolsteinS,
welche von Oejterrkichern nicht besetzt flnd, ist
zu heute osficiell angekündigt. Die Statthäl-
lcrei wird dagegen Protcst crhkbcn, daS Ucbrige
dcn Entschließungen des östcircichischcn Cabi-
nets anheim geben. Die oberste Regierungs-
behörde wird heute nach Altona vcrlegt, rvo
anch die Oestcrreichcr bckanntlich noch auf d-in
Friedenssuß stehen und die österreichische Bri-
gade concentrirt wird.

Hamburg, 7. Juni. Heute Morgen sind
die Preußen in Holstcin eingerückt, um Kiel,
RendSburg und Jtzehoe zn besetzcn.

Altona, 7. Juni. Sichercm Vernehmen
nach ist der Erbprinz von Augustenburg hcute
Vormittag hier eingetrofscn. Eis-nbahnbcamte
erzählen, daß um'l. Uhr MittagS dcr Statt-
halter v. Gablenz mittclst ErtrazugeS ebenfalls
anlangcn wjrd.

Aitona, 7. Juni. Die Prcnßen besetzten
heutc Ztzchoc. Prenßischer SeitS wird dicS als
friedlich.cS Mittkl znr Herstellung dcS stotus
qno ante bczeichnct. Die prenßischen Truppen
besetzen kcincn Punkt, wo sich österreichische
befinden. Letzters haben Rendsburg »nd Kiel
gcräumt.

Wien, 6. Jnni. Grammont überbrachte
eine dcn Erklarungen dcS Constitntionncl ent-
sprechende Antwort. Einc preußische Note,

welchc g-gcn die Ständeberufung protestirt und
Oesterreich deS VertragsbruchS beschuldigt, ist
angelangt. Man erwartet, daß Preußc» am
Bunde einen entsprechenden Antrag stellt.

. (R. F. Z.)

Wien, 7. Juni. .Frhr. v. Gablenz hat
Weisung crhalten, für den Fall, daß prcußische
Truppeii in Holstcin einrücken würden, dafür
Sorge zu tragen, daß jedcr beivaffnete Conflict
vermieden wkrde. Dcr Abbruch des diploma-
tischen Verkehrs zwischen Wicn und Berlin soll
erst erfolgen, wenn der preußischc BundeStags-
gcsandte Franksurt verläßt.

Wieir, 7. Juni. Die amtliche „Wiencr
Ztg." veröffenllicht cin kaiscrlicheS Handschrei-
ben an den Hofkanzler für Ungarii, Grafen
Mahlath, vom 6. d., welchcs anordnet, daß
Betrcffs deS Nolhstandes in Ungarn unverzüg-
lich eine Commisston untcr dem Vorsitze und
der Leitung des Tavernikns zusammcntrete, um
über die geeignctcn Mittel zur Abhilse, sowie
übcr deren Beischaffung und Verwendung er-
schöpfendc Vorschläge zu erstatten — Ein an-
dcrcs kaiscrlichcs Handschreiben an den Slaais-
minister Belcredi befichlt soforlige Erhebnngen
an, Bchuss Beurtheilung inwiewcit Erndtebe-
fopgnisie in Bezng auf einzelne Fruchtgattun-
gcn begründet sind, und um daS Geeignete
rechtzcitig^erwägen zu können.

Anläßlich der Ueberreichung der Pest-Ofener
Loyalitätsadressr sprach dcr Kaiser auS, er finde
in den gcgenwirtigen ernsten Momentcu, wo
änßere Berwickelungen ihn znr Vertheidigung
des Ansehens dcr Krone und der Znlercssen
der Monarchie nöthigen dürftcn, großen Trost
und eine Stütze in der begcisterten Opserwillig-
keit seiner treuen Völker. Er nehmc die Adresse
als neuerliche Bcweise bewährtcr Treue und
VaterlandSliebc entgegen.

Wien, 7. Juni. Di- „N. Fr. Presse"
schrcibl: Eine von Hr». g>. Werther gestern
dem Hrn. v. MenSdorff vorgelesene Dcpeschc
legt Verwahrnng gegcn OesterrcichS Bnndes-
crklärung ein, ausjprechend, daß Preußen scin
von Oesterrcich gebrochcnes vertragSinäßigeS
Recht in den Herzogthümern mit allcn Mitteln
zu dehaupten cntjchlosfcn sci. Darallf lhcilte
Werther mit, Manteuffe7 sei angeivicscn, zu ge-
eigneter Stunde in Holstein cinzurücken, nm
oas Land im Sinn dcr Wiederherstcllung des
im Wiener Frieden etablirten Condominiums
zn bejetzen.

Oostrrreichische Monarchie.

Benedig, k. Juni. Nach ciner anlori-
sirten Notification der „Gazctta von Vcnedig"
wird diese Festung anf 3 Monate verproviantirt.

F r n » k r e i ch.

Paris, k. Juni. Der „Patric" wird un-
term S. Juni aus Koirstantinopel berichtet:
Fuad Pajcha ist durch Mchcincd Ruschdi Pascha,
bishcrigen Präsidenten des großen Jnstizrathcs,
ersetzt, Riza Pascha znm Kriegsminister cr-
nannl.

S ch U' e i z.

Bern, 7. Juni. Bisherige 7 Mitglicder
der Berncr Regierung wurden mit einer Mehr-
heit von 20 Stimmen bestätigt: neugewählt
sind Jolisfaint, radical, und Wattenwyl, con-
servativ. Durchgefallen: Kummcr, Erziehungs-
director; Devoigne, Eisenbahndirector.

I t a l i e ii.

Florenz, 4. Juni. Hier erwartct man
nun bald den Ausbruch oer Feindseligkeiten.
Man wünscht denselbcn herbei, da der Gesnnd-
heiPzustand der Arwce sehr bedcnklich gcwor-
den ist. Es sind b-rcitS Fieber ausgebrochen,
und vorliegende Berichtc sagen, der ThyphuS
wcrde nicht laUge mehr auf sich warten lassen.

Florenz, 7. Juni. D-r König «ird heute
Adcnd zurückkehrcn. Die Deputtrten habeii die
finanzicllc Maßregel mit 145 gegen 40 Stim-
men gebilligt. — „Diritto" veröffentlicht cinen
Brief de« Generals Türr an den D-putirten
Macchi in Betrcff dcr Absichten der italicnischen
Patrioten bezüglich Dalmaticns. Macchi ant-
wortct: dic Jtaliencr wünschen den Kricg, in
der Absicht, nur die italienischen Provinzen zu
besreicn, aber sie werden die Rechte andercr
Völker achten.

RiederlanVe

Haag, 5. Juni. Jn der ersten Kammer
theilte der Minister der Colonien das Programm

das Cabinets mit. Den Eintritt van ZuylenS
in das Cabinet bezeichnete der Minister als der
europaischen Lage angemcffen. Die Coloniefrage
fordere vor allen andern ihre Lösung. Die Re-
gierung werde Mittel suchen, die Bedenken ge-
gen den Volksunterricht auszugleichen. — Die
Kammer behielt sich eine Diseussion vor.

A m e r i k a.

Neuyork, 26. Mai. Es ist Hrn. Jeffer-
1»n Davis auf Ehrenwort, keinen Fluchtversuch
zu machen, gestattet worden, in der Festung
Monroe frei umherzugehen. Man hat ihm
auch die Erlaubniß zu Zusammenkünften mit
den Herren O'Connor und Shed ertheilt. Es
heißt, der Proceß Davis werde nicht vor August
zur Aburtheiluug kommen.

Neuefte Nachrichten.

Berlin, 7. Juni. General v. Manteuffel
hat Vollmacht erhalten, auf Grund des Wiener
Vertrages je nach den UmstLnden zu handeln.
Die Mittelstaaten, namentlich Baiern, sollen
noch Versuche unternehmen, zmischen Oester-
reich und Preußen zu vermitteln. Die neutra-
len Machte sollen noch officiöse Friedens-An-
strengungen machen — allem Anscheine nach
ohne Aussicht auf Erfolg. (K. Z.)

Berlin, 7. Juni, Abends. Die Zeitungs-
nachricht, der König reise morgen oder über-
morgen nach Breslau, ist ungegründet.

Berlin, 7. Juni, Abends. Durch Eabi-
netsordre vom 1. Juni wird der Kronprinz
für die Dauer des mobilen Verhaltniffes zum
Gouverneur von Schlesien ernannt.

Rendsburg, 7. Iuni, Abends. Die hiesige
Garnison räumt auf Befehl des Statthalters
v. Gablenz die Festung im friedlichen Einver-
nehmen mit den zurückbleibenden Preußen. Der
Gouverneur v. Manteuffel wird erwartet.

Altona, 8. Juni, Morgens. Die öster-
reichifche Truppenkoncentrirung findet in der
Richtung von Wedel und Stade statt.

Paris, 8. Juni, Morgcns. Dcr „Consti-
tutionnel" sagt: Die Anstrengungen zur Er-
haltung des Friedens sind gescheitert, obgleich
der Krieg noch nicht begonnen hat. Frankreich
hält sich nach wie vor dem Kampfe fern. Es
hat keine Verpflichtung und wird seine volle
Aktionsfreiheit behalten, ob der Krieg ausbreche
oder nicht. Unter veränderten Verhältniffen wird
es an den Ereignissen nur'dann thätigcn An-
theil nehmen, wenn gebietcrische Umstände ihm
aus Rücksichten der Vcrtheidigung der natio-
nalen Ehre und Jnteressen daraus eine Pflicht
machten.

Aus Baden. Die Vorstände dcs Turn-
und Schützenvereins in Constanz haben eine
Eingabe an das großh. Kriegsministerium ge-
sandt, worm sie, mit Bezug auf die Beschlüffe
in der 2. Kammer, die Errichtung e-iner Volks-
wehr betr., daS Gesuch stellen: 1) großherz.
Kriegsministerium wolle für jeden Amtsbezirk
zur Einübung und Leitung der Volkswehr die
erforderlichen Jnstruktoren abordnen, 2) die
Vermittlung der Bewaffnung übernehmen. Zu-
gleich wecden die andern Turn- und -Lchützen-
vereine des Landes aufgefordert, sich mit ähn-
lichen Gesuchen an das KriegSministerium zu
wenden. — Jn Mannheim wird am näch-
sten Sonntag eine große Volksversammlung ab-
gehalten. Die Einladung geht von dem Aus-
schuß deS neu gegründeten „Volksvere.inS" aus.
— Jn Freiburg wurde Kreissteuerperäqua-
tor Schuster mit 88 von 90 Stimmen zum
2. Bürgermeister gewählt.

(Hottesdiensi in Heidelberg.

pold.

Nachmiltcigs 2 Uhr,

in der Heiliggeistkirche: Hr. Stadtvicar Hönig.^ ^

^ ^ Wochengotlesdienst:

Mittwoch, 8 Uhr, in der Heiliggeistkirchc: Hr. Stadt-
vicar HKnig.

Deutschkatholifche Gemeinde.

Sonntag, ixn 10. Juni, MorgenS 9 Uhr, Bortrag
von Hrn. Scholl aus Mannheim. „W arnung vor
demHereinziehen der confessionellen Frag e
in den gegenwärtigen Streit deS Bater-
loading ...