Heidelberger Zeitung — 1866 (Januar bis Juni)

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Undklbergrr Ieilung.

Kreisverkündigungsblatt für dcn Kreis Heidelberg und aintlichcs Verkünüigungsblatt für die Amts^ unü Amts-
Gerichtsbezirkc Heidclbcrg unü Wicsloch und den Amtsgerichtsbezirk Neckargemünü.


Mittwoch. 18 Zuni


* Politische Umschau.

Heidelberq, 12. Juni.

* Eine neugeschaffene Formel: „Nicht
wer den Krieg anfängt, sondern wer die Er-
chaltung des Friedens unmoglich macht, ist für
den Krieg verantwortlich," wird jetzt irr Paris
u. Berlin aufOesterreich angewendet. Man wirft
dort dieserMachtvor, sie habedieneutralenStaa-
ten an der Nase herumgeführt und durch un-
annehmbare Bedingungen den Congreß unmög-
lich gemacht. Die osficiösen Pariser Blätter
erklchren insbesondere, alle Verantwortlichkeit
falle auf den Kaiser Franz Joseph. Zu diesem
jetzigen Perhalten Oesterreichs hat offenbar viel
der Einfluß Nußlands beigetragen, welches
sich in neuere-Zeit von Preußen ab und Oe-
sterreich zuA^„.ndt hat. Schon die angebliche
Verhinderung Gortschakoffs, nach Paris zu kom-
men, und die Reise der Konigin Olga geben
zu dieser Aunahme den Schlüssel. Rußland
hat jedenfalls selbst ein Haar in dem ganzen
Congreßplan gefunden. Trotz der Verwandlung
der venetianischen Frage in die italienische An-
gelegenheit mußte man sich in Petersburg sagen,
daß es sich hier um eine Nationalitätsfrage
handle, und daß eben so gut die polniiche Frage
aufgeworfen werden köllne. Bei der bekannten,
Ueberraschungen liebenden Politik Napoleons
konnte man einer- solcheu Eventualität schon
gewärtig sein. Hiezu kam die wegen Her nr-
mänischen Frage und der Wahl des Fürsten
von Hohenzollern eingetretene Spannung Ruß-
lands mit Preußen. Daher ertheilte wohl Ruß-
land an Oesterreich den Nath, die Conferenz-
betheiligung an unannehmbare Bedingungen
zu knüpfen, und vielleicht auch die Zusicherung,
daß ein actives Einschreiten Frankreichs auch
die russische Armce auf die Beine bringen werde.

Die „Karlsr. Ztg." erklärt die Nachricht
des „Temps", wornach die sranzösische Negie-
rung durch ein Rundschreiben an ihre Vertreter
bei* *den deutscheu Hösen dieselben zur Neutrali-
tät in dem bevorstehenden preußisch-österreichi-
schen Kampf ermahnt habe, so weit weuigstens
die großh. Negierung in Betracht dabei käme,
als vyllig unbegründet.

Auf die preußische Depesche vom 3. Jnni
wird eine österreichische Antwort erwartet, worin
erstens nachzuweisen versucht werden soll, daß
Oesterreich deu Gasteiuer Vertrag nicht gebro-
chen, und worin zweitens zugleich die Berech-
tigung Oesterreichs zur einseitigen Berufung >

Du deutsches Volk, was säumst du noch?

Du dkutsckes Volk, wos säumst du nock
Jn dieser sckwcren^cit?

Sei es der Fronzmann, wohl bewehrt,
Weiin er vie Fühler streckt,

Set's Einer, der am eignen Herd
Vcrrath und Zwictracht hcckt.

Erwack', eh' frübe oder svät
Drr Fcind dich übkrmannt! —

N»r kampfberrit dilft das Gcbet:

Mit Gott für'S Vaterland. ,

Ein jedcs Zögerii ist Verrath
Am dkutsckcn Grist allein,

M<!?ß es'^g swl Tlur und Saat,

Viel oöbcr alS das Lcben steh'n
Dic Ehre und daS Rcckt,

Denn wknn die dir vcrloren geh'n.

der holsteiuischen Stände aufrecht erhalten
werden soll.

Die „Jtalia" versichert, daß die Feindselig-
keiteu am 12. d. beginnen werdeu. General
Fabrizi ist zum Generalstabschef, Cairoli zum
Generalquartiermeister der Freiwilligen ernannt

Die „France" behauptet, die Airgaben einiger
auswärtigen Blätter, daß Frankreich sich mit
Militärvorbereitungen beschäftige, seien durch-
aus unbegründet. —(Die kürzlich in unserem
Batte enthalteue Nachricht, daß die franzosische
Armee kriegsbereit sei, beruhte auf einem Ver-
sehen—es war diepreußische Armee gemeint.)

D e u t s ch l n d.

aiiil LZffenburii, oen Postosficialcn Karl Noseu^ccher

Karlsruke, 11. Juni. Nachdem Seine
Großh. Hoheit der Prinz Karl nunmehr die
amtlichen Urkunden über den von ihm schon
vor mehreren Wochen erbetenen Austritt aus
dem k. k. österreichischen Militärdienst erhalten
hat, wird Seine Großh. Hoheit sofort eine
Verwendung im großh. badischen Armeekorps
finden, und ist der betreffende Befehl hierzu, dem
Vernehmeu nach, unmittelbar bevorstehend.

Seine Königliche Hoheit der Großherzog hat
gestern Vormittag die beiden letzten Bataillone
der königl. preußischen Besatzung in Rastatt,
welche unter Führung des bisherigen preußischen
Kontingentskommandanten, Obersten v. Schme-
ling, nach ihrem Abgang von Rastatt hier
durchkamen, auf dem Bahnhof begrüßt.

Ebenso haben Seine Königliche Hoheit am
Abend des gestrigen Tages das von hier zum
Ersatz nach Nastatt abgehende großh. 5. Jn-
fanterieregiment auf dem Hofe der hiesigeu Jn-
fanteriekaserne besichtigt, und dabei an die
Offiziere und Unteroffiziere des Negiments den
ernsten Umständen der gegenwärtigen Lage ent-

sprechende Worte gerichtet. Der Großherzog wird
Sich heute Abend nach Rippoldsau begeben, um
die am 12. Juni stattfindende Feier des Geburts-
tages des jüngsten Prinzen im Familienkreise
zu. begehen und gedenkt nächsten Mittwoch den
13. d. schon am Morgen wieder in der Resi-
denz einzutreffen.

Karlsruhe, 9. Juni. (49. öffentl. >L>iz-
zung der zweitcn Kammer.) Kusel berichtet
über dic Berathung der Commission, welche be-
züglich des Ministerverantwortlichk eitsgesetzcs
niedergesetzt wordeu ist, über die gestrigen An-
träge des Abg. Obkircher hinsichtlich der
88 22a und 23. Die Commission stellt den
Antrag, nach Obkircher's Vorschlag den 8 22a
zu streichcn, sodann aber den § 23 nach dcm
Negierungsentwurfe anzunehmen und dcn von
Obkircher vorgeschlagenen 8 23a im Wesentli-
chen und mit wenigen kleinen Abänderungen
anzunehmcn Endlich den 8 24 in Folge dessen
dahin abzuän»ern, daß der Staatsgerichtshof
neu zu bilden sei und die zweite Kammer die
Commijsion auf's Neue wählc Bezüglich der
Anträge zu 22a, 23 und 23a erklärt sich Ob-
kircher einverstanden, anch Staatsrath Dr. La-
mey, obgleich er noch bxhaupte, däß der Werth
einzig in dem Beschlusse des Hauses liege, nicht
in einer bloßen Anzeige. — Wundt (von
Heidelberg) ist gegen die Anträge, der ange-
klagte Minister könne einen Gerichtshof schaffen,
der ihn unter allen Umständen freisprechen
werde; ebenso v. Feder. — Knies., Kiefer,
Kirsner und Staatsrath Dr. Lamey ent-
gcgnen dem Abg. Wundt. Die Abändcrung des
§24 wird stillschweigend genehmigt. Der § 23a
lautet jctzt: „Die Auflösung der Ständcver-
sammlung unterbricht die Verfolgung deS An-
klagerechtS und hebt die Wirkungen der be-
schlossenen Anklage wieder auf. DaS Anklage- -
recht kann jedoch bei dcr nächstcn Ständever-
sammlung abermals gcltend gemacht werden.
Wird die Motion auf Erhebuug dcr Anklage
wiedcr angezeigt, so hat im Falle abermaliger
Auflösung der Ständeversammlung die zweite
Kammer zur Erledigung ihres Äntrags eine
Frist von 6 Wochen. Wird die Erhebung der
Anklage beschlossen, so bleiben dic von der 2.
.Kammer gewählten Commissäre zur Vertretung
der Anklage ermächtigt und der Präsidcnt, so
wie die übrigen Mitglieder der aufgelösten 1.
Kammer zum Richteramte im Staatsgcrichts-
hofe berufcn." Kusel berichtet weiter über

Wcr schützt die Kinder unh die Frau'n,

Dcr Liebe höckücs G»t,

Thust du es nickt mit Sclbstvertrau'n,

Mit Tapferkcit unh Muth!

Auf dcnn, erklär' cs^f-st vereint

b __Carl Reifert.

Das Lombardement von Valparaiso.
sAuSzug aus eincm Privaibriesc.)

Mit zittcrnder Hand und noch in der ersten Auf-
regung über die crlebten Scenen gcbe ich Jhnen
Nackrickt von dcr größtcn Sckandthat, die dicseS
Hahrbundcrt aufzuweis n hat, Valparaiso ist von
den spanischen Krikgssckiffen dombardirt! Dte Zoll-
häuser mit ihrem Znhalte und ein Tbeit der Stavt
liegen in Ascke. Unscr Store, unscr Haus, sowte
unsere Magazine in der Stadt mit allcn zollfrcien
Waaren sind gerettet! Die Waaren, die in d.en
Zollhäusern lagerten, sind dagegen fast alle ver-

> wie mir möglick ist, Jhnen den Hergang dieseS
! gräßlicken Ereignisscs zu bcschreiben. Es sind aber

> keinc Worte hart und scharf genug, um die Bru-
! talität dieses infamcn Mißbrauchcs der Kanonen
' auszubrücken! Doch zur Sacke: Nack Abgang des

vorigen Dampfcrs wurde es hter bekannt, daß der
Commandant drr spanisckrn KriegSsckiffe von seiner
Regierung Jnstructionen brkommen habe, die Blo-
kade unseres Hafens aufzuhebeu und mit größerer
Euergie einen maritimcn Krieg fortzusrtzen! Alle
Welt glaubte nun, daß ber spaniscke Eommandant

schiffcn, der Panzerfrrgatte .Zndrpendentia" und
dem Monitor „Huascar" entgcgenreisen würde, um
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