Heidelberger Zeitung — 1866 (Januar bis Juni)

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gestimrnt und wird in voller Bundes treue
Das thun, was die Psiicht gegen das eigene
Land wie gegen das deutsche Vaterland un-
ausweichlich gebietet. Die nachfolgende Erklä-
rung der Karlsruher Zeitung über die Moti-
virung der badischen Abstimmung am Bunde
muß auch solchen, welche nur mit einer stark
gefärbten Brille die Dinge in der Welt sehen
oder sehen wollen, jeden Zweifel benehmen.

-i- Karlsrrrhe, 15. Juni. Die zweite
Kammer wird in nächster Woche, wahrschein-
lich am Mittwoch, auf längere Zeit vertagt
werden. Nur die mit der Vorberathung des.
Schulgesehes betraute Commission wird noch
einige Zekt beisammen bleiben, bis die Berichte
über die einzelnen Theile des umfassenden Ge-
sches festgestellt sind. Alle übrigen noch nicht
erledigten Vorlagen, Gesetze und Motionen
werden auf spätere Zeit verschoben. Treten
nicht unvorhergesehene Ereignifse ein, welche
eine frühere Berufung der Kammern noth-
wendig machen, so werden diese erst im Herbst
zur Vollendung der angefangenen Arbeiten
wieder zusammen treten. Jn der That ist jetzt
auch die allgemeine Stimmung der Art, daß
sie der legislatorischen Thättgkeit wenig günstig
ist. Manches, was jetzt beschlossen wurde, paßt
vielleicht schon in einem halben Jahre bei ganz
veränderten Verhältnissen durchaus nicht mehr.
Alle Sorge rst jetzt von den Ereignissen des
Tages in Anspruch genommen; wo fände man
in diesen ernsten Tagen die nöthige Freiheit
zum stillen unbefangenen Schaffen?

** Karlsruhe, 15. Juni. Von einer in
der Negcl zuverlässigen Seite vernehme ich, daß
Se. Gr. Hoheit Prinz Wilhelm seine Stelle
als Armee-Obercommandant der badischcn Trup-
pen uiedergelegt habc. Zndem ich Zhncn diese
Nachricht unter Vorbehalt mittheilc, zweifle ich
nicht an deren Beslätigung schon in ben näch-
stcn Tagen.

^ Baden, 15. Juni. Auch hicr zittert
man vor den Folgcn des Kriegs. Die Ver-
miethcr. deren Zahl Legion, sehen mit Bangig-
keit der Zukunft entgegen Manche derselben,
welche größere Näume auf Spcculation mil
nur geringen Mittcln übernommen haben, kön-
ncn kaum länger als einen fruchtlosen Som-
mer aushalten. Die Russen zichen fort, weil
ihrc Einkünfte durch Aufhcbung der Leibeigen-
schaft ganz bedeutend abgenommen haben, und
weil ihre Papiere bci uns nur sehr schwcr an-
gcbracht werdeu könncn.

Aus Baden. 15. Inni. Nach dem
Telegramm eines im Dienste stehenden bayeri-
schen Ofsiziers ist die Hauptmacht der Bayern
heute in Sachsen eingerückt und zunachst bis
Plauen marschirt, um sich mit dem sächsischen
Heerkörpev in Verbindung zu setzen. (Wir
finden diese Nachricht von anderwärts bis heute
noch nicht bestätigt. Die Red.)

x Aus Baden, 15. Juni. Vergegen-
wärtigen wir uns einen Angenblick gewisse
Bestimmungen der Wiener Schlußacte, wie es
bei Streitigkeiten unter Dundesgliedern gehal-
ten werden kann. Daran erkennt man, daß
der Cadaver Bundestag schon längst der Ver-
wesung anheimgefallen ist. Nach Art. 20 ist

aui^, dn Zyllbäuser mil^DtttraiUe besckießen,

Eisenbahn zu zerstören suckte. Wir gaben bie ganze
Stadt für vertoren; benn selbst als in einem der
Zollgebäud^ und in einer nahe bei nnserm Hanse

gen,^war die wilde unmenscblicke Zerstörungsgier
der Spanier noch nicht befriedigt, die fortfubren,
mitten in die brennendcn Häuser hinein ibre Bom-
bcn zu sckleudern! — Es schien aber, daß endlich
dem amerikanischen Comodor, der bisher von ferne
aus ein neutralrr Zusckauer gewesen war, das Blut
kockte; — er schickte einen Steamer mit voller Kraft
gegen die spaniscken Henkerschiffe, und wenige Au-
genblicke nackher börte das Vombarbement auf.
Das Feuer batte indessen an beiden Stellen mit
rasender Scknelligkeit um sick gegriffen, die Spritzen

sckon^seit langen Jahren einen Verein von circa
1500 freiwilligen Spritzenleuten bilden, dem Feuer
Einyalt zu thun.

(Schluß folgt.)

die Bundesversammlung, wenn sie von einem
Bundesgliede zum Schutze des Besitzftandes an-
gerusen wird und der jüngste Besitzstand streitig
ist, befugt, ein bei der ^-ache nicht betheiligtes
Bundesglied in der Nähe des zu schützenden
Gebietes aufzufordern, die Thatsache des jüng-
sten Besitzes und die angezeigte Störung des-
selben ohne Zeitverlust durch seinen
oberstenGerichtshof summarisch untersuchen
und darüber einen rechtlichen Bescheid ab-
sassen zu lassen,' deffen Vollziehung die Bundes-
versammlung zu bewirken hat. Das Obertri-
bunal Celle iu Hannover wäre somit der com-
petente Gerichtshof, um über die Besitzstörung
in Holstein zwischen Oesterreich und Preußen
endgiltig zu urtheilen. Gibt es eine größere
Zronie als diese Bestimmungen, angewendet auf
den gegenwärtigen Zustand ? Und doch waren
sie 46 Jahre lang posittves Recht sür ganz
Deutschland!

iü Aus dem Unrerlande, 15.Juni. Die
polittjcheuEreigniffedrängen sozusagen alle wich-
tigen inneren Fragen unseres Landes zurück;
mit Tpannung siehl man den Dingen entgegen,
die ein neuer Tag bringeu wird. Wenn irgend
ein Sland den Druck besonders schwcr fühlt,
so ist es der Lehrerstand. Die schöne Hoffnung:
cndlich von manchen leiblichen und gcistigelr
Uebeln befreil zu merdcn, düritc ja beim Aus-
bruch cines Krieges sehr^in die Fcrnc gerückt
werden. Einc ncuc leibliche Noth dann zu
dcr alten; hatte seither der geriuge, dürflige
Gehall bei vielcn Lehrern nicht vor großcn Nah-
rungssorgen schützen können, so würden die
Drangsalc oes Krieges um so drückendcr sein.
Doch inmittcn dieser Gedanken eiuer trüben 'Zu-
kunft bringt cin Hoffnungsstrahl neues Licht;
man versichert, daß das Schulgesetz doch zur
Berathung und beim Eintritt ganz stürmischer
Creigniffe zur Annahme im Ganzen, vorbehalt-
lich eincr spateren Nevision gelangen soll. Dies
wärc doch sür den Lehrerstand in manchfacher
Beziehung eine Beruhigupg. Er. verkennt das
Gute, daS Bcssere des Gesetz-Entwurfs nichl,
obwohl er sich in allem Ernste sagen muß, daß
er manche Bestimmung enthalk, die für Schuie
und Lehrer nachtheilig sind. Wir behalten uns
vor, demnächst über die nachtheiligen Bestim-
mungen in diesem Blatte zu berichteu.

):( Aus dem Unrerlande, 15 Juni.
Der LandeS-Lehrer-AuSschuss hat die Bedenken
deS Lehrerstandes gegen cinzelne Bestimmungen
deS neuen Entwurfs über dcn Elementarnnter-
richt in einer Denkschrift an hohe Regierung
und Stände zusammengestellt und unter Be-
gründung dieser bcdeuklich'en Punkte die Bitte
um Abänderung der betreffcnden Paragraphcn
erhoben. Die genanute Denkschrift liegt eben
den einzelnen Conferenzen zur Zustimmung und
zum Bcitritt zu den vorgctragenen Wnnschen
vor; hinsichtlich der meisten Punkte dürfte eine
UebereinstlPmung des Lehrerstandes zu erwar-
tcn sein.

Frankfurt, 15. Juni. Heute Vormittag
notificirte der hiesize Notar Dr. Thomas 'bem
Bankhause M. A. v. Rothschild u. Söhne in
Auftrag der königlich preußischen Regicrung,
daß die bei diesem Hause deponirten Bundes-
gelder ohne die ausdrückliche Einwilligung
Preußens nicht mehr herausgegeben, d. h. nicht
mehr an die Bundeskasse verabfolgt werden
dürsten. Der Hr. Notar machte den Chef des
Hauses für die etwa hieraus entstehenden
Schäden und Nachtheile verantwortlich und
nahm übcr die Verhandlungen in Gegenwart
von zwei Zeugen einen Act auf.

Frankfurt, 15. Iuni. Die Abstimmung
Baycrns in der gestrigen Bundestagssitzung
lautete wie folgt: „Die königliche Regierung,
welche noch immer an der Hoffnung der Er-
haltung des Friedens festhält, stimmt den An-
trägen, in so weit sie die Mobilisirung des 7.,
8., 9. und 10. Bundes-ArmeccorpS betreffen,
bei, da sie im Hinblicke aus die fortdauernden
Nüstungen Oesterreichs und Preußcns, deren
Differenzen inhaltlich der beiderseittgen Erklä-
rungen vom 1. l. M. noch immer ungeschlichtet
sind, die hohe Bundesversammlung ebenso für
verpflichtet alS berechtigt erachtet, in der bean-
tragtcn Wcise die erforderlichen Vorsichtsmaß-
regeln zu lreffen, um etwaigen Slörungcn des
Bundesfricdens gegenüber die ihr obliegenden
Vcrpflichtnngen zu erfüllen. Dabei vermag sich

indeffen die konigliche Regierung die Motivi-
rung dcs Antrages mit dem erfolgten Bruche
der Gastciner Conventiou nicht anzueignen, da
diesc Convention für die königliche Regierung,
w're für den Bund nicht existirt."

Kaffel, 14. Juni. Dic Minister v. Abee
unv Harbordt habcndas eingercichteEntlassungs-
gesuch zurückgezogen. nachdem einige den ftändi«
schen Anträgen cntsprechcnde Gesetze (Verkoppe-
lungSgesetz) die Genehmigung des Kurfürsten
erhaltcn hatten.

Kafset, 15. Iuni. Die Ständeversamm-
lung beschloß hcule nach dreistündiger Debatte
auf dcn Antrag des Abg. Bischoffhausens bei
uamentlicher Abstimmung mit 35 gegen 14
Stimmen, die Gtaatsregierung unter Bezug-
nahme aus gestrige BundeStagsabstimmung auf-
zufordern, unverzüglich zu der vom ganzen
Lanv gutgeheißenen neutralen Haltüng zurück-
zukehren und die Truppenmobilisirung nicht
ausznführen und hiermit die Erklärnng zu ver-
binden, daß dic Stände die Bewilligung von
Geldcrn für die Mobilmachung so lange ab-
lchnen würden, als nicht der Zwcck derselben
dcm Lebensinteresse des Landes völlig entspre-
chend nachgcwiesen werde. Jm Fall der Nicht-
beachttmg des gcge»wärtigen Verlangens macht
die Ständeversammlung. die Regicrung für die
daraus entspringenden schwcren Folgen vcrant-
wortlich.

Kaffel. 15. Juni. Die Mindcrheit der
Ständeversammlung beschwerte ffich aus Anlaß
des heutigcn Beschluffes wegen der Mobilisi-
rung (s. o.) heftig wegen Ucberrumpelung durch
die Majorität.

Kafsel, 15. Juni. Hier wurde ein preu-
ßisches Ultimatum übergeben, des Jnhalts: 1)
Kurhessen solle dem preußischen Resormproject
beitreten, Parlamentswahlen ausschreiben; 2)
die Mobilisirung nicht cintreten laffen; 3) dafür
wird Souveränelätsgarantte mit ParlamcntSbe-
schränkungen geleistet. Antwort bis 2Uhr Nachts.
Jm AblehnungSfall Kriegserklärung an Kur-
heffen und Regentschastseinsetzung des kurhessi-
schen Thronfolgers.

Weimar, 14. Juni. E'me Depesche des
Grascn Bismarck voni 12. Juni an die Regie-
rungen der BundeSmitglicder, welche dic preußi-
schc Auffassung des östcrreichischen Antrages auf
Mobilisirung der Bunoesarmec auseinanderietzt,
besags im Wescntlichen: „Dem Antrage sehlt
jede bundesrechtliche Grundlage, durch Annahme
deffelben lösen die Betheiligten das Bmwesver-
haltniß und treten den buudeslosen Zustand
mit einem Acte der Feindseligkeit gegen Preu-
ßen an. Jn dem dann ansbrechenden Kriege
wird sich Preußen nur durch sein eigenes Jn-
tereffe und dasjenige der zu ihm stehenden Staa-
ten leiten laffen." Die Depesche constattrt, daß
die Zustimmung zu dem Mobilisirungsantrage
für Preußen soviel bedcute, wie die Solidarität
der zustimmenden Regierungen mit Oesterreich,
welches eine besondere Kriegserklärung auf den
Mobilmachungsbeschluß solgcn laffen wird. Die
Zustimmung zu dem Antrage wird daher preu-
ßischerseits einer selbstständigen Kriegserklärung
jener Staatcn gleichgeachtet. Hierauf sollen die
zwischen den preußischen Provinze.n liegenden
Staaten, von denen die Annahme des Antrages
vorauszusehen, noch besonders aufmerksam ge-
macht und ihnen die Schritte angedeutet wor-
den sein, welche der nothwendige Zusammen-
hang der preußischen Armeen mit dem Staats-
gebiete im bevorstehenden Kriege unabmeislich
fordern.

Dresden, 14. Juni. Der Landtag ist durch
den Staatsminister v. Beust geschloffen. Dcr-
selbe dankt sür die übereinstimmenden Beschlüffe
der Kammern, sür ihre patriotische Hingabc
und sür die Gewährung der Mittel. Lreine
Nede schloß: Die Opfer, die gebracht werden,
die Prüfungen, die bevorftehen, sollen zum
Heile Deutschlands, für einen dauernden, chren-
vollen, Segen verbreitenden Frieden getragen
werden.

Berlin, 14. Juni. Der „Staatsanzeiger"
euthält eine Bekanntmachung ves Finanzmini-
sters uud des MinisterS des Jnnern, wodurch
die Ausfuhr sämmklicher Mühlenfabrikate aus
Getreide und Hülsenfrüchten, sowie von Bäcke-
reiwaaren und von Nind- und Schasvieh über
dic Grenze von Thorn bis Seidenberg an der
sachsischcn Grcnze verboten wird.
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