Heidelberger Zeitung — 1866 (Januar bis Juni)

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wählen." Weiter bcrichtet dasselbe Blatt: „Es
hat den Anschein, als jnchtcn die Hannovera-
ner. bei denen sich ein höherer österreichischer
Osficier befindet, welcher, wie cs heißt, sogar
die FLHrrrnK übernommkn hätte, Zeit zu ge-
winnen, um bayerische Hilfe zu erwarten. Die
hannovcr'schen Truppen sind nahezu 20,000
Mann stark, worunter 6 Cavallerieregimenter
und 6 Battericn Artilleric. Den Hannovera-
nern soll für dic Capitnlationsannahme noch-
mals eine Frist bis heutc Abend bewilligt
sein."

Bödmisch-Trübau, 25. Juni. Der
Armeecommandant gibt die 3 Bulletins über
den Sieg der Südarmee der Nordarmee be-
kannt und knüpft daran:

Jm Namen der Nordarmee habe ich hierauf folgendes

Ruf: " B

Folgende Antwort ist soeben aus Verona
telegraphisch hier eingetroffen:

Erzherzog Albr^cht an Feldzeugmeister Benedek: Der

Frankfurl, 27. Juni. Die hannoverschen
Truppen standen vorgestern Abend in einer
starkcn Stellung bci Eisenach. Die Stadt, welche
von Preußen und Koburgcrn occupirt war,
wurde von hannoverschen Generalen aufgesor-
dert, den Durchzug zu gestatten, widrigenfalls
die Siadt in Brand gcschossen werden würde.
Ein Parlamentär der Stadt erwirkte Waffen-
stillstand bis 8 ^hr Morgens (26.), der in
wunderbarer Weise gewährt, zur Folge hatte,
daß sich Nachts die preußischen Strcitkräfte durch
Zuzüge aus Kassel und Erfurt sehr zu verstär-
kcn vermochtcn. Berichterstattcr, welcherNachts
von Eisenach abreiste, v.crmag nicht anzugeben,
welchen weitern Verlauf der Waffenstillstand
hatte.

Pardubitz (übcr Wien), 27. Juni. Seit
zehn Uhr Vormiltags zwischen Ne ustadt und
Nachod anhaltendes Geschützfeuer. Die Preu-
ßcn sind bci Skalitz zurückgeworfen, wo Ca-
vallerie in die Action lritt.

Abends 6 Uhr. Dic Prcußen sind geschla-
gen und in vollem Nückzuge begriffen. Tie
habcn Todte und Verwundetc auf dem Platze
gelassen.

Von der italienisch Grenze, 25. Juni.
Garibaldi ist in Nocco d'Anfo (am See Jdro
im Thal des Chiese), eine Stunde von der Ty-
rolcrgrenze, westlich vom Garoasee. Ein Theil
der Freiwilligen stcht in Tonalc.

Floreoz, 26. Juni. Den aus Lxm italie-
nischen Hauptquarticr vom 25. hier eingetroffe-
nen Depeschen^zufolgc befindet sich General
Villarcy unter den in dcr Schlacht vom 24.
italienischcr Seits Gcfallcnen.

Eine officielle Depesche von Brescia, 25.,
spricht von einem Treffen der Freischaaren mit
den Ocsterreichern zwischen der Brücke von Caf-
faro und Lodrvne (hart an der Gränzc im
Chiesethale). Die Oesterreichcr seien zurückge-
drängt worden und haben einige Todte und
Verwunvete zurückgelasien. Die Freischaaren
hatten keinen Verlust.

Deurschland.

Karlsruhe, 25. Juni. DaS großh. Ne-
gitrungöblatt Nr. 37 enthält cine allerhöchst-
laüdesherrliche Verordnung vom 25. d., daS
Verbot der Ausfuhr von Proviantvorräthen und
Kbiegsmaterial nach Preußen und den von
preußischen 'Truppen besctzten GebietStheilen
Vetrcffend.

KarlSruhe, 27. Zuni. Oberlieptenant v.
Bodmann vom FeftungSartillcrie - Bataillon
wurde zum 2. Adjutanten beim Gouvernement
der Bundesfestung Nastatt ernannt.

* Heidelberg, 28. Zuni. Am „Fr. I."
ist die Nachrichl aus Berlin enthalten, „vic
Großherzogin von Daden fei mit ihren Kin-
dern Sonnabend Abend in Potsdam angekom-
men". Hier zu Land ist davon nichts bekannt;
die Frau Großherzogin verweilt vielmehr mit
ihren Kindern seit einiger Zeit in dem Bade
NippoldSau.

Frankfurt, 27. Juni. Bundestagssitzung.
Die Bundcsversammlung beschloß, die Verwal-
tung Kurhcssens im Namen deS Kurfürsten
durch cinen Bundcscommiffär führen zu laffeu.
— Prinz Karl von Bayern wurde zum Ober-'
befehlshabcr der Bundcstruppen — unter der
obcrsten Leitung Benedek's nach einem gemein-
schaftlich festgestellten Operationsplan — er-
wählt. Die Bundestruppen und dst mit ihnen
vereinigten Oesterreicher werden die deutschen
Farbeu trcrgen.

Frankfurt, 27. Juni. Seit geftern sieht
man in ven Skraßen der Stadt mehrfach Bnn-
dcs-Officiere mit den dcutschen Farben um dcn
linken Arm.

Worms, 24. Juni. Eine heute Nachmit-
tag stattgefundene Volksversammlung von 1200
bis 1500 Mämkern faßte folgende Resolutioneu:
1) Die Rheinlande wollen ewig deutsch blei-
ben. 2) Es müssen alle Mittel aufgewendet
werden zur Verhmderung der Abttetung der
Rheinlande an Frankreich. Verdammung der
Bismarck'schen Regiernng in Preußen. 3)
Creirung von Nationalgarden für Deutschland.
4) Parlament und Centralge'walt. Als Redner
traten auf die Herren Dr. Schneider, Dr. Marx,
Dumont, Preetorins, Gorz, Edinger, Nett,
Fitting und Dr. Schröder.

Gießen, 27. Juni. Die zwci gestern von
den Preußen weggenommenen Locomotiven sind
wieder im Besitz der Bahnverwaltung.

Kafsel, 21. Juni. Der Aufforderung des
Generals v. Be^er an den bleibenden ftändi-
fchen AuSschuß, vertrauenswürdige MLnner für
die Fortführung der Staatsgeschäfle zu bezeich-
nen, hat der Ausfchuß nicht eutsprochen, dies
vielmehr als über seine Zustandigkeit hinaus-
gehend abgelehnt. Daraus hiu sind die Refe-
renten der drei Ministerien des Jnnern, der
Finanzen und der Justiz (Geh. NeH. Rath
Mittler, Ober-Finanzrath Ledderhose und Ober-
gerichtsrarh Etienne) gestern Abend zum Gene»
ral v. Beyer beschieden und ist ihnen angeson-
nen worden, unter ihm als Gouverneur die
laufcnden Geschäfte dcr Verwallung fortzufüh-
ren. Als die Herren sich weigcrten, ist ihnen
bedeutet worden, daß ste dann als Gefangene
auf eine prcußische Festung abgeführl werden
würdcn. Daraufhin ist dann fülgende Verstän-
digung erfolgt: üic gedachten Herren fungiren
nicht als Minister, sondern stnd nach wie vor
nur die ersten Ministerialreferenten. Minister
für Alles ist General .v. Beyer uud er allein
unterzeichnet die wichtigeren Staatsacte.

München, 22. Juni. Aus dcr Schluß-
äußerung des StaatsministerS v. d. Pfordten
in der gestrigen Sitzung der Kammer des Ab-
geordyetenhauses heben wir folgende Stellen
hervor:^^ ^ w ü ^ „ enva^

„Wir kämpfen dasür,^ daß^der deutsche Name in der
Geschichte nicht untergehe, daß es nicht jetzt heiße: Lms

„Das ist also auch zunächst das Ziel, sür welcheö die
bayerische Regierung in diesem Kampfe wirken zu sollen
für ihre Pflicht hätt und zu dem ich mich hier vor
Jhnen bekenne.

„Wir wollen, daß das Gesammtband der deutschen
Nation, das jetzt besteht, nicht zetrissen, sondern erhalten
werde.

„Wir wollen aber nicht, daß es erhallen werde in
seiuer allen Gestalt, sondern erneut, verjüngt, verbessert
nach den Vedürfiliss>.il der Zcit, nicht in centralistischer
Nichtung, sondern in föderativer, auf dem Föderativ-
princip, welchcs das Lebensprincip der germanischen
Völker ist, seildem sie in der Geschichte existiren, und
welches nach unserer festen Ueberzeliglliig allein die
Grundlage ^io erde^r^ kann zu^ ^er un^

reichung dicses ZieleS nicht hindern werden, daS vermag
wohl jetzt Niemand zu sagen.

Jhrer^A^E

Zuknnft.

Köln, 25. Jlmi. Die Armirung von Deutz
soll, wie wir hören, bereits empfohlen fein.
Auch findet die theilweise Armirung von Köln
L>tatt.

Berlin, 26.Juni. Die am 25. hier statt-
gefundcneu Wahlmänner-Wahlcn sind zwar der
Mehrheit nach liberal ausgefallen, doch haben
die Conservativen entschieden mehr Stimmen
a!S früher erhaltcn. — Jn den Provinzen siÜd
die Wahlen, fo weit sich bis jetzt übersehen
läßt, 'übe.rwiegend zum Vortheil der liberalen
Partei auögefallen.

Berlin, 26. Juni. Aus 267 (von ca. 500)
Wahlbezirken ist das Resultat der gestrigen Ur-
wahlen bekannt: 838 Wahlmänner gebören zur
Fortschrittsparkei, 255 zn den vorgeschrittenen
Lrberalen. 3 zu den Altlrberalen, 240 zu den
Conservativen; von 80 ist die Stellung nicht
bekannt. — Fr. Harkort gibt in dcr „Nhein.
Ztg." ein Wahlprogramm mit den Wokten:
„Herstellung des Nechtes im Jnnern, dann die
äußerste Anstrengung zur Abwehr der Angriffe
von Außen; dic Zntegrität der deutschcn Erde;
ein deutschcS Panament mit wührhaften con-
Miltionelle,n Rechtcn und Befugnisfen; schließ-
lich ein regenerirtes Preußen an dcr Spitze
der Executive!"

Hiimburg, 25. Juni. Die Bürgerschaft
hat nach 3tägiger Sitzung die Ausforderung
Preußens, aus dcm deutschen Bund zu treten
und daS Contingent zur preußischen Verfügung
zn stellen, ablehnend beantwortet. Nach dem
„Preuß. Staatsanz." steht das Aufhören der
Souveränelät Hamburgs bevor.

Wien, 25. Juni. Die „Wiener Zeitung"
beleuchtet die bis jetzt vorliegenden Notizen über
üie Schlacht bei Eustozza in folgender Weise: Der
zweite große Sieg, den innerhalb l8Jahren österr.
Waffen auf diesem historischenSchlachtfeldLerfoch-
ten haben, endigte mit einer vollständigen Niever-
lage tzes italienifchen Heeres. Die Kräfte, welche
der Feind ins Tresfen führte, waren sehr be-
deutend. Alle drei Corps Vcr Mincio-Armsr
und die Reserve-Cavallerie, von dem König
Victor Emanuel persönlich geführt, hatten am
Abend Änd in der Nacht vom 23. zum 24. den
Miitcio überschritken. Die Absicht des Königs
war, direct nach Albaredo (hinter der Etsch,
etwa 4 deutsche Meilen nörolich von der Fcstung
Legnago) zu marschiren, wo er unsere Armee
vermülhcte. Die drei Corps, aus wclchen die
italienische Operationsarmee bestand, sind daS
erste und zweite der Generale Durando und
Cuchiari und wahrscheinlich noch das Corps della
Nocca's. Nach der durch uniern Corresponden-
ten aus dem Hauptquartier Verona in seinem
Schreiben vom 17. d. M. mitgetheilten Ordre
Ve Bataille des italienischen Hecrcs stand das
Corps Durando vor der Kriegserklärung bei
Lonato und Desenzano (am Gatda-See) mit
dem Stützpunkte Brescia, das CorpS Cuchiari
zwischcn Cremona, Casal maggiore nnd Mar-
caria, vaS CorpS della Roeca zwifchcn Piacenza,
Fierenzuola und Colorno, dieNeservecavallcrie
unter Sonaz bei Montechiari. Seither hatten
sich diese Abtheilnn^en noch mehr concentrirt
und dem Mincio genahert. Das Eorps Durando
zählt 4, das CorpS Cuchiari 3, das Corps della
Rocca 4 Divisiorjen. Da die Divisionen eine
durchschnittliche Starke von 10,000 Mann ha-
ben, so zählt das Operationsheer Victor Ema-
nuels, falls unsere Voraussetzung von der Her-
anziehung auch des Corps della Rocca richtig
ist, ohne Cavallerie- und Artilleriereserve reich-
lich 100,000 Mann. So weit es sich nach der
erwähnten Ordre de Bataille beurthcilen läßk,
marschirte das Corps Durando auff dem linken,
das CorpS Cnchiari auf dem rechten Flügel,
das CorpS della Rocca in dLr Neserve.Die
Zeit des Beginnens der Schlacht ist aus den
officiellen. brgreiflicherweise kurz gefaßten Tele-
grammcn nichl zu ersehen. Custozza, der Tchlüs-
sel der Stellung, wurde um 5 Uhr Abends von
den kaiscrlichen Truppen erstürmt. Da die öster-
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