Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 14.1879

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Vom Christmarkt,

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Bcseitigung der schwerfalligen Seiten - Umrahmungen,
an deren Stelle ein wcniger aufdringlicher, in Roth-
drnck ausgesiihrter Zicrrath getreten ist, — Mit besvn-
derer Freude begriißcn ivir auch den zweiten Jahrgang
von Bodenstedt's Almanach „Kunst nnd Leben",
Stnttgart, Spemann, Machte schon der erste Jahr-
gang den ergnicklichsten Eindrnck durch die wahrhaft
vornehme Ausstattnng, seine nä boo gefertigten rei-
zenden Kopfleisten, Bignettcn nnd Jnitialcn von der
Hand des seit Kurzem von Rvm zurückgekehrten Archi-
tekten — wir hatten in ihm auf Grund der präcisen
Figurenzeichnung irrthümlicherweise einen Maler ver-
niuthet — Fr, Thiersch, so zeigt in dem zweiten
Jahrgange die künstlerische Zuthat nicht nnr nach der

II,

Wir sind schon so sehr daran gewöhnt, mit jedem
Jahrc eine nene Mappe mit fünf Hildebrand'schen
Aguarellen in Farbendrnck von Steinbock, gewissermaßen
als den Glanzpunkt der bnchhändlerischen Christbe-
scheerung, zu begrüßen, daß wir das Ausbleiben der
regelmäßigen Erscheinung als cine Unvollkommenheit
im Gange der Dinge empsinden, Zum Glück ist vvn
anderer Seite für eine Art Ersatz gesorgt. Die Stein-
bock'sche Presse ist anch dies Jahr nicht unthätig ge-
wesen nnd lieferte ein fünsblätteriges Album,^dessen
Jnhalt wiedernm von der hohen Vollendung der
chromvlithographischen Technik zengt, welcher die ge-

Aus Scheffel's „Trompeter von Säkkingeu", illustr. von A. v. Werner. Stuttgnrt, Bonz L Co.

ornamentalen Seite hin, sondern auch in Bezug auf
die eingeschalteten Radirungen nnd Holzschnitte, ein
gesteigertes Bemühen, dem Unternehmen den Stempel
der Schönheit aufzudrücken, Aus dem Jnhalt des
Bandes heben wir als besonders interessant für unsern
Leserkreis Rob, Vischer's Essay über das Abendmahl
des Lionardo hervor, dem eine delikate Radirung,
drei Apostelköpfe aus dem berühmten Bilde, von Stan g
in Düsseldorf, beigegeben ist, ferner einen Aufsatz von
R, Kekuls über die Tanagräischen Terracotten, —
Schließlich ist noch einer geschmackvollen klcinen Ausgabe
von Gutzkow's „Köni gslieutenant", Verlag von
H, Costenoble in Jena, zu gedcnken, mit der sich ein auf
dem Felde der Jllustration bisher unbekannter Künstler,
Erdmann Wagner, mit hübsch ersimdenen Kompo-
sitionen in leichter, charakteristischer Zeichnung nicht ohne
Aussicht auf Erfvlg einführt.

nannte Offizin ihrcn Weltruf verdankt. Die im Ver-
lage von Adolf Titze erschienene Mappe führt den Titel
„Meisterwerke der Äquarellmalerei" nnd ist ver-
muthlich als das erste Glied einer längeren Kette an-
zusehen, deren weitere Entwickelung von dem ersten
Erfolge abhängig sein wird. Die Verlagshandlnng
hat bei der Zusammenstellung ihre Wahl offenbar mit
Rücksicht auf die Verschiedenheit dcs Geschmacks und
auf den internationalcn Markt getroffen. Außer drei
deutschen Meistern von hohcm Ruf, Achenbach, Alt
nnd dem frühverstorbenenHorschelt begegnen wir zlvei
Fremdlingen, deren Bekanntschast zu machen immerhin
von Jntcresse ist, einem Holländer, I. F. Martens,
dsr uns ein auf römischem Boden erwachsenes hübsches
Genrebild „Die erste Cigarre" vvrführt und einem
Jtaliener, E. Fontana aus Mailand, dessen „Masken-
gsheimnisse" eine mit einem Briefe beschäftigte Grnppe
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