Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 14.1879

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Ausstellung von Handzeichnungen alter Meister in Paris.

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weichen Weisc des Meisters behandelt. Unter ciner
ganzen Reihe als „der ftorentinischen Schule des 15.
Jahrhnnderts" angehörig katalogisirten Blättern fnhre
ich ein in Gegenstand und Ausführung (Fnrbemniniatur
auf Pergament) bemerkenswerthes an, den „Thurm
der Weisheit" darstcllend (d'Aumale): auf einem in
Treppen abgestusten kegelförmigen Hügel die Personi-
fikationen der Ktinstc und Wissenschaften, zu oberst die
Theologie mit dem Papste zu ihren Füßen, zu nnterst
die Naturwissenschaft. — Trefflich ist sodann die Blüthe
der florentinischen Schule in Fra Bartolommeo mit
acht, in Andrea del Sarto mit fiinf Blättern reprä-
sentirt. Unter den ersten sindet sich eine erste Skizze
zn dem h. Georg des großen Gemäldes im Pal. Pitti,
nnd zwei Skizzen zu dem „Auferstandenen" ebendort
(Malcolm), unter den letzteren eine Studie zur Taufe
Christi in den Scalzi zu Florenz und zur Parabel voq
den Arbeitern im Weinberge (Malcolm, Federzeich-
nnngen, in Bister lavirt), ein Theil der ausgeführten
Stndie in der Brera zu Mailand, zn der nnterge-
gangenen Freske im Garten der Servienti zu Florenz,
Die umbrische Schule ist durch zehn Blätter Perugino's,
darunter mehrere Studien zum Sposnlizio in Caen
(Malcolm nnd d'Aumale, Silberstistzeichnungen) und
zu Len Fresken des Cambio in Perugia (Mitchell,
Malcolm, Silberstift), sowie durch eine Silberstiftstndie
Pinturicchio's (Malcolm) zu einer Ler FreSken der Dom-
bibliothek zu Siena mit den Bildnissen Perugino's und
Raffael's in einer Ecke der Kompositivn vertreten. Es
folgen Michelangelo mit dreizehn und Raffael mit
zwanzig Blättern. Das Bemerkenswertheste unter den
ersteren ist: eine Röthelstudie zu einem der Sklaven
des Louvre (Armand), eine Federskizze der „Veritas",
Lie sich den Spiegel vorhält (d'Aumale), aus der
Sammlung Mariette stammend, der das Blatt mit:
„Tnmnlo ckulii II. bninwi kontiüois inssrvisllänill"
bezeichnet hat, eine Federskizze zu dem h. Paul aus der
Bekehrung Pauli sür die Capella Paolina im Vatikan
(Malcolm), die Röthelskizze der Geißelung Christi in
S. Pietro in Montorio (Malcolm), das Blatt mit
dem Sturz Phaeton's, das der Meister seinem Lieb-
ling Tommaso dei Cavalieri geschenkt hat, mit einer
daraufbezüglichen eigenhändigen Zuschrift (nicht mehr in
der Sammlung Galichon, wie Springer anführt, sondern
aus dieser in die Malcolm's übergegangen), endlich
eine leichte Federfkizze für den David (Gatteanx). Bon
den Raffael's fiihren wir an: die stark lavirte nnd
weiß aufgehöhte Federskizze zu der Flucht Loth's in
den Loggien (Armand), eine Rvthstiftstudie zu den drei
blumenstreuenden Horen aus dem Gastmahl der Götter
in der Farnesina (nach dem Modell der Fornarina
gezeichnet, d'Aumale), eine stark lavirte Federzeichnung
zu der um das Sakrament angeordneten Gruppe der

Kirchenlehrer und Kirchenväter aus der Disputa
(d'Aumale), in der allgemeinen Anordnung schon die
Ausführung der Freske feststellend, ein Blatt Stndien
(Schwarzstift, Malcolm) für die Engelgloric im oberen
Theile der Dispnta, zwei leichte Federzeichnungen der
Gruppe um die ohnmüchtig zusammensinkende Mutter-
gottes für die Borghesische Grablegung (Malcolm), die
eine davon das anatomische Skelett Maria's darstellend,
die ungemein zart behandelte Silberstiftzeichnung eines
Mädchenkopfes (Malcolm), ehemals als Porträt der
Schwester Raffael's angeführt (Passavant II, S. 338
der franz. Ausgabe), eine sorgfältigst vollendete Schwarz-
stiftstudie zu dem Apostel der Transfignration, der in
der linken Hälfte des Gemäldes sich vorneigt, um den
Besessenen zu sehen (Malcolm), die Federzeichnung
einer nic ausgeführten Auferstehung Christi (Mitchell),
eine leichte Röthelskizze zu einem der schwebenden
Engel (dem mit dem Spruchband) in den Sibyllcn
von S. Maria della Pace (d'Aumale), eine Federskizze
zur h. Familie aus dem Hause Canigiani, in der
MUnchener Pinakothek (d'Aumale), die Figuren nackt
dargestellt, das Fragment einer Kreuzabnahme (Gay,
Federzeichnung), die sich als vollständige Kompositivn
unter den Handzeichnungen zu Oxford befindet, endlich
die Kopie einer ersten Skizze zur bslls fÄräinivrs von
Timoteo Viti (d'Aumale, Federskizze), viel ausgesührter
als die im Besitze des Malers Timbal befindliche Ori-
ginalzeichnung. — Wir übergehen die unbedeutenden
Blätter der römischen, sowie die wenigen (fünf) der
bolognesischen Schule, um von den dreißig Blättern
der lombardischen vor Allem einige Federzeichnungen
Mantegna's sür die Kartons des Triumphzuges Cäsar's
(d'Anmale und Malcolm), einen in die Vorhölle hinab-
steigenden Christns (HooIs()ä68 bsnux-nrts), Studie
zu dem vom Meister selbst gestochenen Blatte (Bartsch
XIII, S. 216) sowie zwei energische Kopfstudien (Mal-
colm und d'Aumale, Federzeichnungen), ferner zwei
Blätter Federzeichnungen von Marco d'Oggione mit
Scenen aus dem Leben Jesu (de Chennevisres), eine
Schwarzstiftskizze Sodoma's zn der ohnmächtig zu-
sammensinkenden h. Katharina in S. Domenico zu
Siena (Malcolm), einige Blätter Röthelzeichnungcn für
die Engel der Fresken in Parma von Correggio (Mal-
colm), endlich die acht Passionsengel von Niccolo detl'
Abbate (Armand, in Bister lavirt), Entwürfe fur die
von Läonard Limousin hergestellten großen Emailaltar-
tafeln der 8ts. Ollaxslls, jetzt im Louvre, anzuführen.
Vvn dem halben Hnndert Blättern der venezianischen
Schule erwähnen wir eine Studie zu deni Christus der
Himmelfahrt im Museum zu Neapel Vvn Giov. Bel-
lini (Malcolm, in Bister lavirt), ein männliches Brust-
bild von Giorgione (d'Aumale, Federzeichnung) von
lebensvollster Charakteristik bei Anwendung dcr knapp-
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