Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 14.1879

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Dis intsrnationale Kunstausstellung zu München.

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hergeliehen; Breslau sandte die Perle seines Museums,
den durch den blauen Lichteffelt magisch wirkenden
„Palast der Königin Johanna" bei Nachtstimmung,
von der Hand Osw. Achenbach's, die k. Württemberg.
Staatsgalerie gab Josef Brandt's „Reitergefecht aus
dem dreißigjährigen Kriege" und als wehmnthige Er-
innerung Ed. Kurzbauer's „Erstes Bilderbuch'ch aus
Königsberg kam „Andreas Hofer's letzter Gang" von
Defregger, aus Hamburg L. Gebhardt's „Kreuzigung"
und die „Strickschule im. Sabiner Gebirge" von dem
Berliner M. Max, aus Worms der „Kentaurenkampf"
Böcklin's, damit auch dieser originelle Münchner nicht
im Kreise fehle. Kaiser Wilhelm schickte aus seinem
Privatbesitze Werner's „Kaiserproklamation in Ver-
sailles" und Camphausen's neuestes Meisterwerk, das
„Reiterporträt Sr. Majestät", die Prinzessin Gisela
von Bayern eine „Mondscheinlandschaft" von dem
Belgier Unterberger, Professor Defregger eine große
Landschaft von Willroider und Herr Neuschiller in
Nizza eins der Hauptprunkstücke der modernen spa-
nischen Schule: Pradilla's preisgekröntes Gemälde
„Johanna die Wahnsinnige begleitet den Sarg ihres
Gemahles Philipp's des Schönen". Dancben traf das
Neueste aus den bedeutenden Ateliers von Düsseldorf,
Berlin, Weimar und Dresden, Karlsruhe, Frankfurt
und Stuttgart ein, und gesellte sich zu den bekannteren
Werken aus den letzten Jahren. Bautier's „Verhaftnng"
vereint Vollendung der Technik und Poesie der Auf-
fassung, Hans Dahl's „Spiel der Wellen" ist ein er-
greifendes Nachtstück, Salentin's „Findelkind" gehört
dagegen zu seinen minder gelungenen Leistungen; Sohn
jnn. ahmt mit Glück die niederländischen Atlasmaler
nach, — sein „Besuch" ist ein neuer Beweis davon, —
und kultivirt daneben das Porträt mit hervorragender
Begabung; sein „Kinderbildniß" in ganzer Figur ge-
hört neben Defregger's einsach schönem „Kinderporträt"
zu der Elite im Glaspalaste. Schulz-Briesen ist mit
Humor und Ernst erschienen, im „Herrenstübchen"
weilen bekannte Gestalten, „Zur Untersuchung" athmet
tiefe Tragik, „Differenzen" schwebt zwischen beiden
Stimmungen. Bockelmann führt uns das oftgenannte
„Leihhans" und ein „Wanderlager vor Weihnachten"
vor, Hünten Schlachtenbilder, Normann, Nordgren,
und Rasmussen brachten norwegische Landschaften,
Dücker eine Marine, Kröner und Burnier Landschaften
mit Thierstaffage, Süs und der schwächere Jntz Genre-
bilder aus dem Hühnerhofe. Gustav Richter's Por-
träts des deutschen Kaisers und seiner Gemahlin,
Bleibtreu's von rothglühendem Flammenscheine über-
gossenes Gruppenbild „König Wilhelm bei Gravelotte"
sowie Arbeiten von Biermann, Graef, C. Becker, P.
Meyerheim, Steffeck, Kay, Treidler, Ockel, A. von
Heyden und Anderen vertreten Berlin neben den Sen-

dungen der Nationnlgalerie. Wedcr die Frankfnrter
Burnitz und Thoma noch die Stützen der Karlsrnher
Schule Hans Gude und Eugen Bracht blieben aus;
Th. Hagen, Gleichen-Rußwurm und Hoffniann-Fallers-
leben vertreten Weimar. Aus Oesterreich ist bis jctzt
nur eins von den erhofften Historiengemälden einge-
troffen: Brozik's vielgenanntes Bild: „Die Gesandten
König Ladislaus' von Ungarn und Böhmen am Hofe
Karl's VII. vvn Frankreich". Makart sandte nur ein
Frauenporträt, Munkacsy blieb ganz aus. Angeli
sandte den deutschen Kronprinzen und seine Gemahlin,
Canon den früheren Bürgermeister von Wien und die
Gräfin Schönborn, und Griepenkerl macht uns mit
fünf bedeutenden Oesterrcichern bekannt; Leopold Müller,
I. Schmid, Blaas, Lichtenfels, Tina Blan und Ruß
reihen sich ihnen an.

Die Schweiz nennt nur Koller ihr eigen, da ihre
Söhne Vautier, Böcklin und Weckesser sich deutschen
Akademien angeschlossen haben. Jtalien weist neben
mißlungenen Proben von der Vorliebe seiner Künstler
für ein leuchtendes Kolorit einige vielverheißende Ar-
beiten auf. Rontini hat ausgesprochenes Talent für
das Porträt, Ussi's Begabung für die orientalische
Landschaft und das Historienbild ist bekannt, Vertunni,
Mancini und Joris sind Zierden auf dem Gebjete
der südlichen Landschaft, Mion's Malweise zeichnet sich
durch Kraft und Frische aus. Jn der Plastik bewährten
die italienischen Bildhauer wiederum ihre Meisterschaft
in der Ausführung des Details. Pereda's Marmor-
gruppe „Mutterlos" athmet deutsche Jnnigkeit der
Empfindung. Eine Marine Aivasovsky's, kaum mehr
als eine von Meisterhand geschaffene Studie und die
beiden 1878 gemalten Pendants Siemiradzki's „Der
bettelnde Schiffbrüchige" und „Ein Weib oder eine
Vase?" bilden den Kern der dürftigen Sendung aus
Rußland. Die Dänin Frau Jerichau-Baumann hätte
ihre unschöne, bedenklich verkürzte „Odaliske" besser im
Atelier gelassen. Amerika weist nur eine umfangreiche
sonnenhelle Landschaft von dem genialen Bierstadt auf.
Fast ausnahmslos Gutes und Hervorragendes kam
von jenseits des Kanales. Namen wie Alma Tadema,
Leighton, Browning, Millais, Herkomer, — der von
Geburt ein Münchener Kind ist, — Moore, Cvoper,
Allan Schmidt, Haag und Calderon redcn für sich
selber. Am lebhaftesten außer den Franzosen, deren
Sendung noch nicht sichtbar ist, betheiligten sich die
Belgier und die Holländer an der internationalen
Münchener Ausstellung. Man kann die Antwerpener
Nebenbnhler auf dem Gebiete der Landschaft, van
Luppen, den Freund des Eichen- und Buchenwaldes,
und Lamorinisre, den Meister im Birkenlaube mit ein-
ander sowie mit dem überaus duftig malenden Hol-
länder Bilders vergleichen; den Brüsselern Schamphe-
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