Büttner, Andreas
Der Weg zur Krone: Rituale der Herrschererhebung im spätmittelalterlichen Reich — Mittelalter-Forschungen, Band 35,1: Ostfildern, 2012

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Heinrich VII. (1308/09)

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und dem Widerstand gegen Richards Königtum wäre ein Streit wohl wenig opportun
gewesen.""
Der Krönungstag wurde in den allermeisten Fällen sehr bewusst gewählt, so dass
er auf einen hohen Feier-, Heiligen- oder Sonntag fiel. Dies hatte zur Folge, dass die
Herrscher wie 1248 oder 1257 vor ihrer Krönung einige Zeit in Aachen oder an anderem
Ort verbrachten, um den am geeignetsten erscheinen Festtag abzuwarten. Bei den Krö-
nungen von 1292 und 1298 ist hingegen erkennbar, dass der Termin der Krönung bereits
am Wahltag oder kurz danach feststand und wahrscheinlich vom Kölner Erzbischof
dem König wie den Kurfürsten mitgeteilt wurde. Eine gewisse Ausnahme bildet somit
nur Rudolf von Habsburgs Krönung an einem gewöhnlichen Dienstag. Dies dürfte dar-
auf zurückzuführen sein, dass die Weihe unmittelbar nach der Ankunft des Herrschers
geschah, der als erster spätmittelalterlicher König in Begleitung der Kurfürsten von
Frankfurt nach Aachen gezogen war. Nach dem Vollzug der Krönung blieben die neuen
Herrscher etwa eine Woche in der Krönungsstadt, bevor sie dann zumeist in das nahe-
gelegene Köln weiterzogen. Lediglich bei Albrecht von Habsburg fiel der Aufenthalt in
Aachen noch einmal etwas kürzer aus, was in den besonderen Umständen seines Herr-
schaftsantritts und dem sehr großen Gefolge begründet sein dürfte.

5.7 Die Herrschererhebung Heinrichs VII. (1308/09)

5.7.1 Viele Kandidaten und die Geburt eines Traditionsortes
Albrecht von Habsburg starb so, wie seine Herrschaft begonnen hatte, nämlich durch
Gewalt - eine Parallele, die bereits zahlreiche Zeitgenossen bemerkten und die nach
manchen Chronisten auch von einem der Mörder als Rechtfertigung angeführt wur-
de.5"9 War der habsburgische König aus den heftigen Auseinandersetzungen mit den
rheinischen Kurfürsten noch siegreich h e r vo r gega n ge n," ° so führten am Ende inner-
familiäre Erbstreitigkeiten zur Ermordung durch seinen Neffen Johann am 1. Mai
13087" Seine letzte Ruhe sollte Albrecht schließlich an der Seite seines Kontrahenten
von Göllheim und Vorgängers auf dem Königsthron finden, nachdem sein Nachfolger

508 Sicherlich besteht auch die Möglichkeit, dass sich über einen solchen Streit lediglich keine
Nachrichten erhalten haben, doch dürfte es kein Zufall sein, dass solche Berichte erst zur Krö-
nung 1273 vorliegen.
509 Vgl. RoGGE, Attentate und Schlachten, S. 30-32 und mit mehr Belegen DANUSER, Göllheim und
Königsfelden, S. 104f., wozu noch die Gesta abbatum Trudonensium. Continuatio tertia. Pars II,
S. 412 zu ergänzen wären: AINrfMS rex RowMMorMw:, pre&cessorz's SH/ AdHifz Merempfor ... a SMO ne-
pofe... occz'dz'fHr.
510 Vgl. HESSEL, Jahrbücher des Deutschen Reichs unter König Albrecht I., S. 92-108; PRiETZEL, Das
Heilige Römische Reich, S. 38f.
511 Vgl. hierzu DANUSER, Göllheim und Königsfelden, S. 92-101 sowie weitere Literatur bei RoGGE,
Attentate und Schlachten, S. 31, Anm. 112.
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