Heidelberger Zeitung — 1866 (Januar bis Juni)

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ndelbergrr Irilllng.

Krcisverkündigungöblvtt für den Kreis Hciüelberg und amtliches LerlünSigungsblatt für die Amts-- und Amts-
Gcrichtsbczirke Hcidclbcrg und Wicsloch unü dcn Aintsgerichtsbezirk Ncckargcmünd.


Bestellun«;en auf die „Heidelberger
Zeirung" nebft Beilage „Heidelber-
ger Familienblätter" für das mit 1.
Januar 1866 begonnene 1. Quartal
werden fortwäkrend angenommen.

Die Expedition

* Politifche Umfchau.

Die „Schleswig-Holstcinische Ztg." veröffent-
licht ein Nundschrciben dcS engcren AusschusseS
der schleswig - holsteiuischen Vereine vom 31.
Dccember, welches sich bcsondcrs gcgen die vou
der prenßischen Verwaltnng in SchleSwig seit
der Gastciner Cynvcntion verhangten Polizei«
maßregeln wendet.

Schwyz ist znm Fcstort für das nachste eid-
genössische Freischießen bestimmt.

Aus Lissabon wird vom 2. Jan. berichtet:
Der König Dom LUis hat heute die Kammern
mit einer Thronrede eröffnct Er drückte seine
Befriedigung über die Anfnahme, die ihm und
seiner Gemahlin an den bedeutendstcn Hösen
Europa's zn Theil geworden, und übcr die
vortrefflichen Beziehungen auS, die zwischen
Portugal und allen übrigen Machten bestehen.

Der Pariser „TempS" wird aus Madrid ge-
meldet, daß wenn es Prim gelinge (was nun-
mehr erfolgt ist) die Ebencn der Mancha zu
erreichen, er wohl auch nach den Gebirzen An-
dalusiens gelangen werdc, und dann sei der
Sicg der Ncvolution als sichcr anzunchmen.
Die Landbevölkerung AndalusienS und theil-
weise auch Valencia's und sämmtliche Fabrck-
arbeiter Cataloniens seien entschicdcn für den
Umsturz der bestehcnden Ordnung der Dinge;
namentlich 10,000 Arbeitcr in Barcclona.

Die ausführlichsten Nachrichten aus Madrid
bringt das „Avenir national." Ein drittes
Regiment, Jnfanterie, hat sich erhoben und
marschirt gegen Vülencia; Gerüchte lassen die
Bewegung sich nach Zaragyza und Barcelona
ausbreiten. Zu Madrid selbst soll ein Jn-
fanteriebataillon entwaffnet worden sein, das
in der Nähe des Palastes kasernirte. Der
Aufstand sollte eigentlich erst inl Frühjahr ans-
brechen. Ein Theil der gegen die beiden Nei-
terregimenter ausgesendeten Truppen unter Be-
sehl des Ministers Zaoala ift zu den Jnsur-
genten übergegangen. Auch ein zu Almanza
gestandenes Jnfanterreregiment hat sich erhoben.
Alle diese Thatsachen sind von dem Minister

Die Nache einer Frau.
(Fortsetzung.)

Iene Villa, die Itzre Neugier rrge gemacht hat,
gehört seit langer Zeit der Familie C. aus Monza.
Der lrtzte Marquis von C. entschloß sich erst im
höheren LebenSalter nock zu heirathen, und zwar
war seine AuSerwählte ein siebzehnjahriges Laden-
mädchen, das er in der Merceria in Venedig ent-
deckt hatte, als rr öort eines TageS ein Collier
für etn Balletmädchen deS Theaters Malibran
kaufte. AlS man ihn fragte, wle er in so hohem
Alter eine so eigenthümliche Ehe eingehen könne,
antwortete er, er habe während seineS ganzen Le-
bens das echt venetianisch-blonde Haar gesucht und
kS erst auf dem Kopfe Emilias grfunden. DaS
Haar der Marquise glänzte in der That in jrnem
goldigen Rrflrr, mit wrlchem Titian und Paul
Deronese ihre Modelle auSgestattet haben; übrrdieS
war es so dicht und lang, daß die Marquise, wrnn
fie eS fallrn gelaffen hätte, buchstäblich kciner an-
deren Brkleldung bedurft habrn würde.

Ein Iahr nach seiner Vrrhetrathung starb der

Mittwoch, l<» Zanuar 18««

zugestanden, während die anderen Beamten ste
noch ableugnen. Die Jnsurgenten haben die
Lnsung angenommeu: „Einigung Jberiens un-
ter der konstitutionellen Regierung Jsabella's!"

Die „Jndcpendance Belge" mcldet auS an-
geblich officieller Qucllc, daß in Paris der Ab-
schluß einer Convention über die Näumung
MexikoS vorbercitet sei. Diese Convention sei
der mit dem Königreich Jtalien abgcschlossenen
Septemberronveiltion ähnlich, und cs seien nnr
die Specialbedingungen noch festzuhaltcn.

Jn Konstantinopel ist Mehemmcd Rüschdi
Pascha zum Finanzminister ernannt worden.

Deutfchland.

* Heidelberg, 9. Jan. Bei der heute
vollzogencn Abgeordnetenwahl erhielt Hr. Bür-
germeister Krausmann von 48 anwescnden
Wahlmännern 45 Stimmen. 11 Wahlmänner
hatten sich bei der Wahlhandlung nicht be-
theiligt.

Darmstadt, 6. Jan. An die 2 Kammer
ist Seitens deS Abg. Thudichum d§r Antrag
gerichtet worddn, die Skaatöregicrung zu er-
snchen, einen Gesetzentwnrf über allgemeine
Anwendung dcr bis jetzl bewährten Vorbcu-
gungSmittel gegen Cholera nnd Trichinenkrank-
heit den Skänden vorzulegen.

Dresden, 7. Jan. Der König reiste ge-
stern Abend nach Münchcn ab, anläßlich ciner
bedenklichen Erkrankung der Hcrzogin Sophie
von Bayern an einer Nippcufell-Entzündung.
Die Tclegramme auS München melden bis jctzt
wenig Besserung der Krankheit.

Gotha, 2. Jan. Mit dem neuen Jahr
hat der Geheime Regicrnngsrath L-amwer seine
bisher noch innegehabte Wohnung definitiv auf-
gegebeu, nachdem bcreits vor längercr Zeit seine
Familie von hier nach Kiel übergesiedelt ist.
Es scheint demnach, alS ob derselbe nunmehr
seiuen bleibenden Wohnsitz in letzterer Stadt
zu nchmen gedenke.

Ikcndsburg, 2. Januar. Für einige im
SchleSwig'schen erscheinende Zcitschriftcn cröff-
nct sich eine ungewöhnlich günstige AuSsicht.
Das hiesige Wochenbl.att vom 30. Dec., wel-
cheS scit einigcr Zeit in mehreren hundert
Excmplaren in Schleswig gclesen wird, bringt
nachstehende Annonce: „Da wir in Erfahrnng
gebrachl, daß viele Exemplare im DchlcSwig'-
schen erscheinender Zeitungen wegen Mangel
an Abonnenten gratiS vertheilt, und dvch nicht

Marquis. Die Mailänder Aristokratie, welche dif-

ihr Winterquartirr anfschlagen. Jnsbesondere wnßte
fie eine russische Fürstin P fo für sich rinzunehinen,
daß fich ein innigeS FreundschaftSverbältniß zwischen
drn jungen Frauen btldete, welche bald nicht mehr
ohne etnander lebrn zu können schirnen.

An dirsem FreundschaftSbunde war indessen noch
eine dritte Person belheiligt, und dies war der
Graf Guisrppe F., der cavsliere servente der
Fürstin.

Urbrr das Arußere deS Grafen Guiseppe brauche
ich Ihnen nichtS zu sagen, denn Sie haben thn
gesehen.

Einer angesehenen neapolttanischen Familie ent-
fproffen, befitzt er die Manteren und dte Bildung
eines vollkommenen Edclmanns. Die Natur hat
ihn mit etner Fülle von vortrefflichen GeistrSgabrn
auSgcstattet; fingt, dicktrt, ift Bildhauer, Eompo-
nist und Gott wrtß, waS AUrs. Auch an Muth
fehlt es ihm nicht, und er hat mehr alS ein glück-

angenymmen werden, so machen wir die rcsp.
Redactcure darauf aufmerksam, daß wir solche
Zeilungen als Makulatur pro 100 Pfd. 7 M.
8sh. kaufen. H. Nathan n. Co. Schleswig,
im Dec. 1865."

Wien, 5. Jan. Dem Kronprinzen Rudolf
hat der Kaiser Napoleon das Großkreuz der
Ehrenlegion, die Königin Victoria den Hosen-
bandorden als NeujahrSgeschenk verliehen.

Wien, 7. Jan. Jn der heutigen Verwal-
tungsrathssitzung der österreichischen Creditbank
rvurde Direktor Müller-Melchior suspendirt.
— Wie hiesige Blätter melden, iverden die
Landtage Ende Januar geschlossen.

Trieft, 2. Jan. Heute verschied hier nach
längerem Leiden der päpstliche Generallieute-
nant und gewesene KriegSminister, Frhr. von
Kalbermatten. Frhr. von Kalbermatten war
biS zum Jahr 1831 in französischen Diensten,
ünd trat in demselben Jahr als Oberstlieute-
nant in die papstlichen. Jm Jahr 1848 war
er Kriegsminister.

Itali en

Florenz, 2. Jan. Anschläge des Sindaco
an den Slraßenecken machcn die Bevölkerung
darauf aufmerksam, daß durch die Einsührung
des neuen Civilcoder mit dem gestrigen Tage
im Königreich Jtalien die Civilehe eine Wirk-
lichkeit geworden ist. Die Trauungen werden
von nun an offentlich im Gemeindepalast vor
einem Beamten dcs Civilstands vollzogen. Zn-
widerhandlungen dagegen sind mit einer Strafe
von 100 bis 1000 Fr. bedroht. Dcm Trau-
ungsakt muß ein ziveimaligeö öffentliches Auf-
gebot untcr dem Eiiigang zum Gemeindepalast
vorausgehen. Neligiöse Ordensgelübde siud kein
Hinderniff bei Heirathen. Die CivilstandSregi-
ftcr sind gleichzcitig mit dem neuen Gesetz auS
den Händcn des CleruS genommen und der
Gemeindebehörde anvertrant, womit der Ctcrns
sich eineö bedeutsamen Hebels zur Deeinflufi
sung auf das italienisch'e Familienlebcn beraubt
sieht.

Am 2. Jan. fiel ein Jndividuum über den
kürzlich zurückgetretenen Finanzminister Sella
her und traktirte ihn mit Stockschlägen. Zwei
Mnnicipalgardjsten, die in der Nähe waren,
sprangen herbei und nahmen dcnselben fest.
Allein dieser schrie gewaltig und rics seine Un-
verletzlichkeit an, denn er sei Deputirter. Die
Municipalgardisten, von constitulrvnellem Re-
spect durchdrungen, ließen ihn los. Es hat sich

licheS Duell grhabt. Dabei aber hat er auch seine
großen Fehler; streifrn Sie die Cavalterhülle von
ihm ab, und es bleibt nichts übrig, als der krie-
chende, arbeitSscheue, vor dcm Mangcl feig zitternde
Lazerone, der im Stande tst, dem Sinnengenuffe
jrden Augenblick seine Sclbstachtung zu opfern.
Nachdem er sein Vermögen durchgcbracht, hat er
mit dem Titrl eincS Eicisbco und Sclaven der
Fürstin zugleich den klingenden Lohn für seine
Knechtschaft acceptirt. So tst er nach und nach
dahtn gckommcn, daß er jetzt ausschließlich von
ihrem Ueberfluffe lebt, und zwar vor Allcr Augen,
ohne daran zu drnkcn, welche erbärmliche Rolle er
eigentlich spielt. Er trägt kein Bedrnken, die kost-
barsten Präsente von ihr anzunehmcn, und scheut
sich ni.cht, vor der Welt damtt zu prahlrn, fie alS
ganz natürliche Beweise von Zuneigung und Ach-
tung darzustellrn."

„Und die Fürstln?"

„Die Fürstin gehört, wie gefagt, dem höchsten
moskowitischen Abel an. Sie lrbt getrennt von
ihrem Gattcn, der in Rußland ein hoheS Eom-
mando brkleidrt, und reist seit zwei Jahren in
Europa umher, überall mit einer Verschwenduug
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