Heidelberger Zeitung — 1866 (Januar bis Juni)

Page: 67
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/hdtz1866/0067
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
M e x t c o.

Deracrnz, D«br. Dcr Richtcr dc«
obcrstrn srcpubliknnischcn) GcrichtShoscS hat
s,ch »°n Inarcz ivSgcsagt und «egen d,c eigcn-
mächtige B.r,Lngcrung dcr Pra„drnt,ch->ft uber
den vcrsaNungSmLßig-n T-rmm hmauS Protest
erhoben. _

Neueste Nnchrichten.

Hamburq, 17. Zan Besicm V-rn-hmcn
nach ist am vcrgangtnen Samstag d,e endllche
Vereinbaning zwischen Hamburg und Hannover
bernalich der Elbübcrbrückung zu Slande ge-
kommcn. — Lant Privattelegrammen an hiesige
^andelshäuscr mnrden Laguayra und Caracas
(1m südamerikanischen Freistaat Venezuela) am
16. und 18. Dec. von Erdbeben heimgesucht.
Euröpäcr scicn dabci nicht verunglückt. (Ca-
racas wurde bcrcitS im Jahr 1812 ganz und
1926 thcilweise durch ein Erdbcben zerstört;
bei crstgenannterKatastrophe verloren an 20,000
Menschen daS Leben.)

Berlin, 17. Jan., MittagS. In dcr heu-
tigen Sitzung deS AbgeordnetenhauscS erfolgte
die Wahl des P'äsideuteu dcS Hauses. Dic-
selbe fiel mit 192 gegen 29.Stimmen auf Hrn.
v. Grabow, mclcher sofort mil cinigen Wortcn
deS DankcS den Vorsitz übcrnahm.

Berlin, 17. Jan., MittagS. Jm weitern
Derlauf dcr Sitzung deö Abgeordnetenhauses
^ fuhr der Wäsident Grabow, nachdem er seinen
Dank für dle Wicderwahl ausgesprochen,' fort:
Das in der letzten Session aufgerollte Bild
Hber die innere Lage des Staates hat sich seit-
dem noch mehr vcrfinstert. Beim Landtags-
schluß wurde dieses HauS beschuldigt, die höchste
Nichtschnur aller Parteien, daS Wohl des Va-
terlandes, dem politischeu Meinungskampfe ge-
geuüber preisgegebcn zu haben. Die reactio-
näre Presse und selbst Gcistliche dürfen sich
die gehässigstcn Angriffc und Schrilte maß-
^osester Neberhebung gegeu den zweiten, gleich-
'erechtigtcn Factor dcr Gesetzgebung erlauben,
)ährend ein Fest am Rhein, durch welches
das freisinnige Bürgerthum NhcinlandS und
WestphalcnS die Vielverhöhntcn und gemaß-
regelten Volksvertreter zum Dank für vierjäh-
rigcn auSdauernden Kampf für die beschworcne
Derfassung chren wollte, durch bewaffnete
Macht verhindert wurde. Dcr aus der gesetz-
lich nicht geordnetcn Armcereorganisation ent-
sprungene VcrfassungSconflict ist chronisch ge-
worden ohne Verschnlden dieses Hauses, wel-
ches nur sein verfassungsmäßiges Budgetrecht
vertheidigt, nicmals aber scine Hand nach ihm
nicht zustehenden Rcchten ausgestreckt hat. Der
politische Theil der Gesetzgebung ist gänzlich
zum Stillstaud gebracht, und vergebenS hofft
das Land noch immer aüf Gesetze über Mini-
sterverautwortlichkcit uud übcr die Einrichtung
und die Befugnisse der Oberrcchnungskammer,
ohne welche die Verfassung kcine Wahrheit ist,
vergebens auf eine von frcisiunigen Grund-
sätzen getragcne Untcrrichts-, Gewerbe-, Krcis-
ynd Provinzial-Ordnung. Die Verwaltung
dcs Staates ist von freisinnigen Grundsätzen
gänzlich entkleidct; die freisinnigen Blättcr,

Vercille uud Versammlungen, die liberalen
Gemeindebeamten und StaatSbürger wcrden
gemaßregelt. Nimmermehr aber werden Preu-
ßens Volk und desscn Vcrtreter auf die For-
derung der rückhaltSlosen Anerkennung und
gcwissenhaften Ausübung seineS beschworenen
Ncchles vcrzichten. Nur eine darauf gegrün-
dete Freihcit wird untcr Achtung deS Selbst-
bestimmungSrechtes der deutschcn Bruderstämme
zu moralischen Eroberungen und zu einer be-
fricdigenden Lösung der durch die Gasteiner
Uebereinkuuft noch mehr verwickelten schles-
wig-holsteinischcn Frage und zur bundcSstaat-
lichen Einigung Deutschlands führen. Möge
Preußen in Erfüllung seincS deutschen Beru-
fcs eiuen solchen freisinnigen Eutwickelungs-
gang einschlagen, ehe es durch einen möglicher
Weise der Freiheit günstigen Verlauf dcr Dcr-
fassungkrisis tn Oesterreich überholt, und ehe
eS überhaupl zu spät wird! Dann wird
DeutschlandS eiustige Vertretung die Zukunft
deS deutschen Vaterlandes mit Freuden iu den
mächtigcn Händcn unscrer Könige gesichcrt
sehen. — Hicrauf wurden zu Viccpräsidenten
gewählt die HH. v. Unruh mit 162 und v.
Bockum-Dolffs'mit 165 Stimmen. — Hr. v.
d. Hcydt protestirt gegen die Nede des Präsi-
denteu, dcr nicht berechtigt sei, als solcher nur
im Sinne der Majorität zu sprechen. Hr.
Grabow bemerkt, er glaube für die Majorität
und für die Minorität gesprochen zu haben,
von seinem Standpunkte auS habe er die Ehre
des Hauses gegen die' von Außeu erfolgten
Angrifie wahren müssen. '

London, 17. Januar. Der von hier auS
nach Melbourne abgegangene Dampfer „Lon-
don" ist am 11. d. M. untergegangen. Von
289 an Bord befindlichen Personen sind nur
19 gercttet. Die Letzteren sind in Plymouth
angekommcn.

Bern, 17. Jan. Durch eine kleine Mehr-
heit von Schaffhausen ist die gesetzliche Mehr-
heit von 12 Kantonstimmcn für Art. 2 dcr
Bundcsrevision (Gleichstellüng der Juden) ge-
sichert, nämlich von Zürich, Glarus, Freiburg,
Solothuru, Basel, Schaffhausen, Aargau, Thur-
gau, Tessin, Waadt, Neuenburg, Geuf und
halbe Stimme Obwaldens. Wallis und Bern
können noch Art. 5 und 6 (kantonaleS Stimm-
recht der Niedergelasscnen und Glaubensfrciheit)
retten, da die Volksmehrheit dort unzwcifelhaft
dafür ist. Die übrigen Punkte (Maas und
Gcwicht; commnnales Stimmrecht der Nieder-
gelassenen; Besteuerungsverhältniß derselben;
Prügelverbot; Schutz des geistigen EigenthumS;
Aufhebuug der Lotterien) sind unrettbar ver-
loren.

):( Aus dem Unterlande, 10. Jan. Dic Cen-
IL^Zm. 1864/^5. Vereiusvermoqcn« pro

wurde erhöbt; ein Antrag hinsichtlich' der GrsundheiiS-
zrugnisse. be;w. übcr derm Eigenschaft zur Gültiqkeit,
w.ird für nächste Versammlung vcrtagt. AlS Zilsammrn-
kunstöorl für die künftige Generalvcrsammlung ist ri n-
stimmig Wa ldsh nt.bestimmt worden.

Nach dem ,Rechenschast«bcricht" zählt der Verein pro
1864/6ö 841 Mitglieder (darunler in dieser Rechnnng«-
periode neuansgenommen 73); gestorben sind 12 Mit-

waren eS 768, milhin hat der Vercin eine Vermehrung
von 60 Mitgliedern.

Da« VereinSvermögen hat sich in dem abgelaufenen
Rechmmgsjahr um 3106 fl. 50 kr. vermehrt und bekrägt
23.257 fl. 29 kr. gegcn 20.150 fl. 39 kr. im vorigen
Jahr. Seit Gründiing de« Verein« (1846) starben 167
Mitgliedcr und wurden an deren Erben 26.800 fl. Bene-
ficien bezahlt. Die 12 im laufcn.den NechnungSjahr
Verstorbenen hatten DnrchschnittSalter von 50,' Jahren.

Die Lotterie, welche im Jahre 1863 zn Gunsten de«
Pestalozzi-Verein« veranstaltet wurde, barte den bedeu-
tenden Erlrag von 21.199 fl. 22 kr.^. so daß sich mit

ergibt.

):s Vorn Schwarzwalde. 14. Jan. Uebcrblickeu
wir den Verkchr unserer Jndiistrie. so findet man dabei,

Fabrikanten genöthigt sehcn, ihrc Waaren nach cng-
lischem oder französischem Maaße fcrtigen zu lassen. Die
darüber schon laul gcwordcnen Stimmen, besonderS^auch

auSstellungen in Paris und London durch die Regici.-Com-
missäre bekräftigt. sie erkannten die Nothwendigkeit dieser

ganz Jtalien, in der Schweiz eingebürgert, wäre daö

1 Heidelberg, 17. Jan. Nach dcm Abschluß der
bei der hiesigen städtischen Verwaltung eingcführlen Ge-
schäftsbücher ist in der Zeit vom 1. Jan. bi« 31. Dec.
1865 solgende Anzahl schriftlicher Gcschäste vorgekom-
men und erledigt worden: im Ganzen 11,389 (gegen
11,220 im Jahre 1864). Diese vertheilen sich wie folgt:

Die Gesammtzahl zerfällt wieder in 1694 Gcmeinde-
rathsbeschlüsse mit 51 Sitzungen, 235 Ailsschiihbeschlüsse
in 23 1435 Grund- und Pfandbuchs-

20. „ Etua ^

22. „ Peruvian^ ^

Boston .
Nenyork

Philadelphia .
Portland

Obrigkeitliche Bekanntmachungen und Privat-Anzeigen.

Großh. Bezirksamt Heidelberg.

^1. ^113^. Nach^dem^die stat^itengcmäße Dttns^-

Heidelberg, ven 17. Ianuar 1866.

Renck.

Großh. Bezirksamt Wiesloch.

Nr- 484. Die unterm 20. v. Mts., Nr. 28466
in Nr. h der Heidelb. Zeitung verkündcte Hohe Mi-
ntsterialverordnung vom 25. November 1865 gilt
auch für den AmtsbezirkWiesloch, was hiermit zur
Darnachachtung bekannt gemacbt wird.

Wiesloch, den 10. Ianuar 1866.

L i n d e m a n n.

I. Eberle.

Academ. Krankenhauscommisston.

Z"M Zwccke einer fortwährenden Nebersicht über
den Aufwand des academischcn Krankenbauses ist
es nothwendig, daß für die an die Anstalt gcmach-

rung oder Arbeit, für kleinere Forderungen a/er
minoestens nacb jedcm Vierteljahre an die Ver-
wa^tiing einzureichen. ^

zulä?sig? ' b - l 6,a "icht m^hr

Heidelberg, den 17. Jaiiuar 1866.

Btuchtschhi..

Bekanntmachur^g.

Nr. 54. Die Gewinnung, Beifuhr und Zube-
reitung des znr Untcrbaltiing der StaatS- und
wichtigeren Vizinalstraßen in den Iahren 1866
und 1867 erforberlichen Materials wird an nack-
benannten Tagen und Orten und zwar jcweils
auf dem Rathhause versteißert:

1) Mittwoch. den 24. Januar, Dormittags
-tt Uhr in Wiesloch, für die Straßen in-
nerhalb des Amtsbezirks Wiesloch;

2) Donnerstag, den 25. Zanuar. Vormittags
Itt Uhr in Langenbrücken, für die Straßen
innerhalb der Gcmarkungen Mingolsheim,

Langenbrücken, Stettseld, Oestringen, Zeu-
thern und Odenheim;

3) Freitag, den 26. Ianuar, Vormittags 8
Ubr in Bruchsal, für die übrigen Straßen
im Amtsbezirke Bruchsal;

4) Samstag, den 27. Januar, Dormittags

10 Uhr in Bretten, für die Straßen inner-
balb des Amtsbczirks Brctten;

5) Montag, den 29. Januar, DormittagS

11 Uhr in Oberhausen, für die Straßen
tnnerhalb der Gemarkungen Bußbardt, Wag-
hänsrl, Nheinbaysen und Oberhausen;

6) Dienstag, den 30. Januar, Vormittags
10 Nhr in Wiesenthal, für dte übrigen
Straßen des Amtsgerichtsbezirkes Philipps-
b»rg;

7) Donnerstag, den 8 Februar, Dormittags
9 Uhr in Eppingen, für die Straßen deS

8) Freitag, den 9. Februar, Dormittags 9
Uhr in Sinsheim, für die Straßen des
Amtsbezirks Sinsheim.

Bruchsal, den 15. Ianuar 1866.

Gr. Wassei- und Straßenbau-Inspection.

Z. Eiseulohr. (1)

tHpsltchl "ird ein Sinsteher zur Infanterie auf
6 Jahre. Naheres in der Erp.
loading ...