Heidelberger Zeitung — 1866 (Januar bis Juni)

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wig'Holstein einen langeren anscheineud offi-
ciösen Artikel für die Personalunion zwischen
Prcußcn und den Herzogthümein. Der Ver-
fasser des Artikels will aus maßgebenden Kreisen
wifsen, Preußen wolle den Herzogthümern
Schleswig und Holstcin vollen Schutz gcwäh-
ren und dieselben aller Vortheilc materiellcr
und geistiger Art theilhaftig machen, die das
starke, geordnetc Staatswesen seinen Angchö-
rigen bietet. Es will dahcr die Verbindung
der Herzogthümcr mit der Kroue Preußen.
Dic Modalitäten der Verbindung will es der
Selbstbestimmung der Herzogthüywr überlassen;
es'will den Herzogthümern ihre eigenthümliche
Verfassung belassen unv die bestehende Militär-
verfassung nicht ohne Zustimmung deS Landes
ändern, sondern dem Lande selbst die Ausbil-
dung seiner eigenthümlichen Jnstitutionen an-
heimgeben; es hat kein Bedürfniß, den Herzog-
thümern ein Zollsystem aufzudrängen, welchcS
-ie Bewohner nicht selbst ihren Jnteressen ent-
sprechend finden würden; es wünscht nicht, die
Eigenthümlichkeiten in der Organisation der
Rcgierung und der Aemter des Landes zu be-
seitigen. Preußen wäre dann bercit die Ge-
sammtkriegskosten im ungefähren Bctrag von
44 Millionen Thaler zu tragen und den Her-
zogthümern bci der Schaffung ihres Hcerwesens
wesentliche Erleichterungen zu gewähren. Wür-
den dagegen die Herzogthümer bei ihrem Widcr-
stand gegen Preußen verharren. und würde
Preußen in die Lage gebracht werden, die ihm
gebührende Stellung in den Herzogthümern
ohne den Willen der Bcvölkerung zu gewinnen,
so würde es bei der Feststellung der Bedin-
gungen lediglich seille eigenen Jntcressen zu
Rathe zichen. Der Artikel meint schließlich:
e- thue Noth, sofort zu erwägen und zu be-
schließen, denn die Stunde der Enlscheidung
könne da sein, ehe man cs denke.

Hamburg, 7. Febr., Nachmittags. Die
„Hamburger Ztg." bringt eine Depesche aus
Kiel, welcher zufolge an die Regierung in
Schleswig die Weisung ergangen wäre, mittelst
Circular die Bcamten aufzufordern, für die
Personalunion mit Preußen zu wirken.

Berlin, 7. Fcbr., AbendS. Die „Provin-
cialcorrespondenz" cnthält folgende Bemerkun-
gen und Angaben: Das Abgeordnetenhaus
dürfte sehr bald Gelegcnheit haben, sich übcr-
seine Stellung inderHcrzogthümerfrage bestimmt
und ohne Ümschweife auszusprechen. — Be-
züglich der bevorstehendcn Debatte über den
Obertribunalsbeschluß: Dic GesetzgcbungSge-
walt dcr beiden Landtagshäuser ebenso wenig
wie dic der Krone dürfen in die richterliche
Gewalt.eingreifen. Es wäre das geradezü ein
revolutionärcs Bcginnen, ein verhängnißvolles
Auflehnungsbeispiel gegen verfassungsmäßig ge-
ordnete Gewalten. — Die Vorgänge in Hol-
stein haben Verhandlungen zwischen Oesterreich
nnd Preußen hervorgerufen. Das Wiener Ca-
binet mißbilligt jene Vorgänge ganz entschieden.

Wien, 7. Febr. Der Ministerrath in Pesth
war nicht durch innere Angelegenheiten. sondern
durch dic veränderte Lage der schleswig-holstci-
nischen Frage ver«nlaßt. Preußen soll über
das Verfahren des General Gablenz Beschwerde

geführt und neue Vorschläge in Betrrff der
Führung dcr Regierung von Holstein gemacht
haben.

London, 7. Febr., Morgens. Die „Lon-
don Gazctte" vcröffentlicht die Proklamation,
welche gcgcnübcr Spanien und Chile die Ncu-
tralität Großbritanniens verkündigt. — DaS
Ministerium ist jetzt vollständig bcsctzt. Statt
des resignircnden Sir Charles Wood erhält
der Graf de Grey and Ripon das Staatssecre-
tariat für Jndien; der Marquis v. Harüygton
erhält daS Staatssecretariat des Krieges; Hr.
Monsell die Vicepräsidentschaft des Handels-
bikreaus, und Hr. Stansfeld das Unterstaats-
secretariat für Jndicn. — Jm Unterhause wird
die Adrcßdebatte Morgcn fortgesetzt.

London, 7. Febr. Bei der Adreßdebatte
im Unterhaus bildete daS Verhalten der Re-
gierung gcgcnüber der Viehscuche den Haupt-
vorwurf. Jm Oberhause kritisirte der Graf
v. Derby einzelne Stellen der Thronrede: er
kann nicht begreifen, wie dic Zusammenkunft
der englischen und der französischen Flotte Frie-
denstcndenzen documentircn soll; er -tadelt die
Suspendirung des Gouvcrneurs von Jamaica,
Eyre; sprichl mit Spott von dem österreichischen
Haudelsvertrage; tadelt dic Lässigkeit der Re-
gierung gegcnüber der Viehseuche; crklärt die
fenische Verschwörung für eine Folge srühcr
bewicsener Weichhcrzigkeit, und kündigt eine
entschiedene Opposttiou gegen eine eventuclle
mangelhaste Neformbill an. Gras Russcll ver-
theidigt kaum vernehmbar einzelne Punkte und
hofft, die Reformbill in Monatsfrist vorlegen
zu könncn. Die Adresse wurde angenommen.

Aus Daden. Wie der „Oberrh. Kur."
vernimmt, jollen Erhebungen nber die Wirkun-
gen gemacht worden sein, welche die Aufhebung
dcr Fleisch- und Brodtaxcn gehabt haben. DaS
Ergebniß war keineswegs erfreulich; auS allen
Theilen des Landes trafen ganz übereiustim-
mende Klagen über die unverhältnißmäßigen
Preise, welchc von Bäckern uud Metzgern jetzt
verlangt werden, ein, ,und vielfach und energisch
soll der Wunsch um Wiedereinführung der
Taxen auSgesprochen worden sein. — Wie die
„Bad. L.-Z." vernimmt, werdcn nunmehr die
Einleitungen getroffen, die'Eisenbahn von Frei-
burg nach Breisach aus Privat-und Gemeinde-
mitteln in AuSführung zu bringen. Zunächst
sollen die besonderen Vorarbeiten unter endgil-
tiger Festsetzung der Zugsrichtung gefertigt
werden. Die Kosten bestreiten die Städte Frei-
burg und Breisach gemeinschaftlich. — Jn
Hcuweiler, Amt Waldkirch, sind trotz der
bald erschienenen Hilse fünf Häuser abgcbrannt.
Bei dem Feuer wurden leider zwei Menschen
nicht unerheblich verletzt; ebenso ist der Verlust
von 4 Pferden und 20 Stück Hornvieh zu

melden. ___

^ Heidelberg^ 6. Febr. ^ §)ie gestern dahftr ftatt-

Herth, erstattele» JahreSbericht entnehmen wir u. A.,
daß sich die Zahl der Mikglieder im verflossencn Jahre
um 82vermehrt hat und der Verein nnnmehr 420 Mit-
glieder zählt.

Die von Hrn. vezirksthierarzt Wittmann einze-
leitete Frage: .Welcher Nachcheil erwächst dem Vieh-
züchter durch^ dero rü u u u g^vom ^ug^st ^86^,

Landwirthen in diesem^Jahre Waldstreu verabfolgen zu
lassen.

Ein durch sinnreiche Loaste gewürzteS Mahl bildete

^ f't^Hkide^berg. 7.^ Febr. Jn der am letzteu Moi^-

)( Aus dem Elsenzthale, 29. Jan. Dieser Tage

rüben mil den Produceitten abzuschlietzen, und zwar zu
de^ Pr^isc ^deS^ vorigen JahreS ^(26—28^k^per^ Ctr^).

Kälbertshausen im AmtSbezirke MoSbach, 5.
Fcbr. Der Wolf, der biShcr immer jenseitS des NeckarS

/X Mosbach, 6. Febr. Der heute dahier abgebal-

vermischtr vachrichtrn.

Düsfeldorf, 3. Febr. Wegen der Rinderpest mar-
schirte heuie die 11. Compagnie deS 16. Jnfanterieregi-

Obrigkeitliche Bekanntmachungen und Privat-Anzeigen.

Großh. Amtsgericht Wiesloch.

Nr. 1244. Gegen Fosef Brillmann von St. Leon,
Karl Friedrich Taubenberger von Malsck, Theo-
dor Sckmitt von Mühlhausen, Nikolaus Sckmttt
von Dielhetm, Johann Bontemps von WaUdorf,
Josef Lehr von Roth und Iosef GroS von Hor-

welcke pro 1866 conscriptionSpflichtig find, hat die
Gr. Staatsanwaltsckaft die Beschuldigung erhoben,
daß fie bei der Aushebungstagfahrt am 4. Decem-
ber v. I. ungehorsam auSgeblieben seien.

Es wird deshalb Tagfahrt zur Hauptverhaud-
lung auf

Samstag, ^den 24. März d. I., 9^Uhr,^

ihrem Ausbleiben das Urtheil nach dem Ergebniß

WIeSlo«^d"nV!°F-druar"t888"°°"

H - r d t.

Beck.

Großh. Amtsgericht Neckargemünd.

Nr. 752. Der ledige Dienftknecht Georg Keller
von Baierthal steht dahier wegen Betrugs in Un-
tersuchung.

Wir pitten denselben, der in den angrenzenden
Bezirken sich als Taglöhner aufhalten dürfte, aus

Betreten mit Laufpaß hierher zu weisen und unS
davon zu benachrichttgen.

Neckargemünd, den 5^ Februar 1866.

Bersteigcrungs-Zurücknalimc.

Die auf 5. März d. I. «ngrkündigte Versteige-
rung des dem Maurcrmeister Louis Hanhart ge-
hörigen Bergstücks findet nicht statt.

Heidelberg, den 6. Februar 1866.

Der Vollstreckungsbeamte.

H. Pezold. _

Hausversteigerung.

In Folge rickterlicher Verfügung wird dem vor-
maligen Kaufmann I. C- Keller bahter das un-
teu besckriebene Wohnhaus am

Donnerstag, den 22. Februar d. I.,
Nackmittags Z Uhr,

auf dem hiefigeu Rathhaus öffcntlich versteigert,
wobei der endgiltige Zuscklag erfolgt, wenn aus
dem Erlös der Gläubiger I^ F. Winteroll vollstän-
dige Befriedigung erhält, nämlich:

Etn drei Stock hohes WobnhauS von Stein und
Riegelfack erbaut, mit gcwölbtem Keller, zwei-
stöckiges Hintergebäude vou Stein, Kettengasse Nr.
12, sammt Hofraum, nach Lagcrbuch 6 Ruthen
12 Sckuh 1 Zoll 10 Linten Heidelberger Werkmaß,

d. i. 14 Ruthen 87 Fuß 17 Zoll badisck Maß
Flächenraum enthaltend, begrenzt einseits Privat-
mann Iohann Werner^und Schlossermeist^Franz

Die VerfteigerungSbedingungen können jeden Tag
auf dem Gesckäftszimmer des Unterzeichneten, Fisck-
markt, Eck der Haspelgasse und Unterestraße 37
dahirr, eingefthen werden.

Heidelberg, den 3. Februar 1866.

Der VollstreckungSbeamte:
_Dillinger._ (1)

Lchöffengerichtssitzung.

Verhaudlung:

1) die Untersuckungssacke gegen Bierbrauer Con-
rad Iäger in Heidelberg, wegen Körperverletzung;

2) die UntersuckuiigSsacke gegen Sckmied Michael
Sckrotz von Schönau, wegen Widersrtzlichkeit;

3) die Untersuchungssache gegen Scklosser Iohann
Bürkel von Heidelberg, wegen Diebstahls und

4) die Anklagesacke gegen Holzhändler Georg
Petkr Sckmitt von Bärsback, wegkn Ehrenkrän-
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