Heidelberger Zeitung — 1866 (Januar bis Juni)

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diesem Cirkular wird uämlich den Pfarrgeist-
lichcn anbcfohleu, bei Beerdigung von prolestan-
tischen Gemeindegenossen sich strenge an fol-
gende Vorschriften zu halten: 1) die Glockcn
nicht läuten zu lasien; 2) den katholischen
Pfarrkindern zu verbieten, an der Beerdigung
Theil zu nehmen; 3) darf der Protestant nur
in .,t6k-r-a nv» b^neckiets" beerdigt werden;
4) darf der Pfarrgeistliche, alS Örtspfarrer,
nur'als Zcuge, als Privat- und Civilpcrson
bei dcr Beerdigung erscheinen, ohne Zeichen
des katholischen Ritus; 5) der protestantische
Pastor darf weder die Kirchc, noch die Kanzel
betreten. Ob nun dieses Kreisschreiben auch
an Pfarrgeistliche anderer Diöcesanstände er-
-lassen wurde, wissen wir nicht; eben so wenig
ob der Bischof das Plazet für die Erlassung
dieses Kreisschreibens von der Regierung von
Bern erhalten hat; jedenfalls schcint uns aber
dieser intolerante Act Grund genug zu sein,
dast dem Begehren des Bischofs von Basel,
um Aufhebung des Plazets, nicht entsprochen
werde.

Ztalie n.

Florenz, 20. F-br. Jn der Dkvutirten-
kammer stellten die Abgg. Franciani und -De-
boni den Antrag, für die Befreiung Venetiens
einen Appell an's Land- zu richten.

G » q l a « d

Dublin, 19. Febr. Ansehnliche Truppen-
corps mit Artillerie stnd gestcrn nach dcm
Snden abgegangen. Hier werdcn die Truppen
fortwährend zum Ausrücken bereit gehalten.
Die Zahl der vorgestern bewerkstelligten Ver-
haftungen beläuft sich auf 250.

B e l g i e n.

Brüfsel, 20. Febr. Jn der Montagsdepu-
tirtenkammer brachte die Regierung Wahlreform-
vorschläge ein. Nach denselben macht das ein-
undzwanzigste Lebensjahr wahlberechtigt, der
Census in den Communen wird herabgesetzt,
ebenso in den Provinzen auf die Hälfte für
dreijährigen Besuch von Mittelschulen; wahl-
berechtigt sind ferner Beamte und Advocaten.

D V «r r: i e

Die „Correspondencia" bringt eine unheim-
liche Slatistik. Sie stellt die verschievenen po-
litischen Hinrichtungcn zusammen, welche seit
Beendigung des Bürgerkriegs zwischen dcn Chri-
stinos und den Carlisten bis heute in Spanien
stattgefunden baben. Hingerichtct wurden wegen
politischer Verbrechen: Untcr der Regentschast
Espartero's: 1 ehemaliger Marineminister, 1
Generallieulcuant, 1. Generalmajor, 1 Brigade-
commandanl, 2 Obersten, 3 Hmuplleule. 10
Sergeanten und 4 Civilisten, zusammen 23 Per-
sonen. Untcr der Präsidentschast Gonzalez Bra-
vo's: 1 Cabinetssecrctär, 2 Hauptleutc, 2Lieu-
tenants, 3 Unlerlieuteuants, 1 Corporal, 1 Ge-
meiner uud 4 Civilisten, zusammen 14 Perso-
nen. Untcr der Präsidentschast von Narvaez:

1 Generalmajor, 3 Obersteu, 10 Hauptleute,

2 Unlerlieulenants, 1 Sergeanl, 2 Corporäle,
5 Gemeine und 68 Civilisten, zusammen 92
Personen. Endlich uuter der Präsidentschaft
O'Donnell's: 1 Generalmajor, 1 Oberst, 1
Hauptmann, 2 Sergeanten, 8 Civilisten, zu-
sammen 13 Personen.

Ik u ß l a n d.

Petersburg, 20. Febr., Vormitt. Das
„Journal de St. Petersburg" sagt in Betreff
der theilweisen Aufhebung der Militärverwal-
tung iü Polen: cs hänge nun von Polen sAbst
ab, die Herstellung einer normalen Lage zu be-
schleunigen und die letzten Spuren einer schmerz-
lichen Vergangenheit zu vertilgen.

Neueste Sdachrichten.

Berlin, 21. Fcbr. Die heutige „Provinc.-
Correspondenz" sagt, das Preßgesetz schütze nur
Berichte dcr Presse über „öffentliche" Sitzun-
gen, aber nicht über anderweitige Kundgebun-
gen des Landtags. ivie z. B. Veröffentllchungen
über gestellte Anträge, Commissionsberichte,
Referate über Vorverhandlungen in den Com-
mifsionen, vollendS in den Fractionen. Diese
Lage der gesetzlichen Bestimmungen sei neuer-
dings vielfach übersehcn, wcßhalb die Regierung

sich veranlaßt finde, auf die Unzulässigkeit sol-
cher Veröffenllichungen hinzudeuten.

Wien, 2l.Fcbr. Ungeachtet der officiellen
Demcntis sind die Nachrichten über große rus-
sische Truppenbewegungen in Congrcßpolen voll-
ständig gegründet. — Die „Neue freie Presse"
will wissen, die Vorschläge Preußens an Oester-
reich wegen der Herzogthümerfrage wlirden auf
eine Personalunion Schleswigs mit Preußen
und Holstcins mit Ocsterreich iauten uud näh-
men eine Erwerbung Holsteins auf dem Wege
der Abttelnng in Aussicht.

Paris, 21. Febr. Hr. Boitelle ist zum
L-enator ernannt. Ein Brief dcS Kaiseks an
den Minister des Jnnern befichlt die Erhallung
deS westllchen Theiles des LouxembourggartenS.

London, 21. Febr. Reuters Office ver-
öffentlicht nachstehend.e, mit dem Dampfer „Hi-
bernian" eingetroffene Nachrichten aus Neuyork
vom 9. Febr. Abends: Der französische Ge-
sandte Montholon hat dem StaatSsecretär Se-
ward angezeigt, oaß der Kaiser Napolcon die
Näumung Mexikos von Seilen der französischen
Truppen befohlen habe. — Die französischen
Verstärkungen sind am Rio Grande ange-
langt.

Karlsruhe, 17. Febr. (Hauptergebnisse
der THLtigkeit der großh. Gerichtshöfe im Jahre
1865.) I. Obcrhofgericht: Oberappellationen
wären 233 auhängig, darunter 59 von 1864;
erledigt wurden 165 und zwar 118 durch Ur-
theil und 47 in andercr Weise, 68 gingen auf
daö folgende Jahr über; Rechtspolizeisachen
waren 5 anhängig, welche erledigt wurden. Hin-
sichtlich der Strafrechtspflege sind anhängig ge-
wesen 86 NichtigkeitSbeschwerden, wovon 76
durch Erkenntniß und 4 in anderer Weise er-
ledigt wurden, 6 unerledigt blieben, und 33 Be-
schmerdeführungen, von denen 29 erledigt wur-
.den. II. Kreisgerichte: 4. Bürgerliche RechtS-
pfiege. 1) Appellationssenatc. a. Appellationen:
gegen Amtsgerichte 1273, gegen Kreisgerichtc
257, zus. 1530, davon wurden erledigt 1227
und zwar 982 durch Urtheil und 245 in an-
derer Weise, 303 blieben unerledigl. lr. Rechts-
polizcisachen: anhängig 132, erledigt 115 durch
Erkenntniß und 8 in anderer Weise, 9 unerle-
digt. 2) Civiikammern: Nechtsstreite: 4512 an-
hängig, 3546 'erledigt und zwar 2144 durch
Urtheil und 1402 in auderer Weise, 966 uner-
ledigt. ü. Strafrechtspflege. 1) Naths- und

1632, oavon erledigt 1611. 6. Beschwerdefüh-
ruugen: 167, d.avon erledigt 163. 2) Schwur-
gerichtsfälle: anhängig 112, erledigt 110. 3)
Strafkammcrn: anhängig 583 Fälle, wovon
562 erledigt wurden und zwar 374 durch Ur-
theil.

X Albbruck, 19. Febr. Das hiesige, in
stctem Bekriebe sich befindende und in neuerer
Zeil an Bestellungen reicher gcwordene ärari-
sche Hammerwerk kam heute mit Invenlar und
den großartigen Betriebsmaschinen, wie sic sel-
ten ein solches Werk aufzuweisen vermag, zur
Versteigerung. Jn Anbelrachl dcr dazu ge-
hörigen schönen Gebäulichkeiten, des LVerthes
einer Realwirthschaft und dcr herrlichen Wasser-
leilung, ist die gebotenc Sleigerungssumme von
126,000 fl. gewiß, w?nn die höhere Genehmi-
gung erfolgen sollle, eine sehr billigc zu nen-
nen. Da Hr. Wunsch von Konstanz das Werk
zu kaufen beabsichtigl, jo glaubt man, daß das-
selbe seiner seitherigen Bestimmung erhalten
blcibt. Die Vcrsteigerung lieferte indeß kein
Ergebniß, da die Vorbereitungen zu derselben
uicht hinlänglich getroffen warcn.

Aus Baden. Am 18. Fcbruar ist nach
längerem schmerzlichen Leiden der pensionirte
Lehrer am Lyceum in Mannheim Hofrath I.
Scharpf im 71.. Lebensjahre göstorben.

Der ehemalige Redacteur des Mannheimer Jour-
nals, Dr. W. Koffka. ist nach Berlin über-
gesiedelt. — Das Vermögeu der Wittwenkasse
der badischen Aerzte ist wahrend deS 18jährigen
Beftands der Kaffe auf 60,000 fl. angewachsen.
Sie leistet nach dem lctzten Rechenschaftsbericht
an 18 Wittwen und Waisen Bencfizien von
100 fl. Der jährlichc Beitrag der Mitglieder
ist 10 fl. — Für den Ort Steinen, Bcz.-Amts
Lörrach, wurde ein Personal-Privilegium zur
Errichtung ciner Apothekc verwilligl. Bewer-

bungen sind innerhalb 4 Wochen bei dem Gr.,
Obermedicinalrath einzubringen.

^ Au^ dem AmteSlnsh^ im^ 16.^ Fcbr.^ Ge-

Bezuqnahme aui einen Aufsatz im landw. Wochenblatt
186b, Nr. 4; b) Anlagen von Fohlkngärkcn; «) die
Braiinln'einsteuer und 6) die Wahl von 9 Directions-
mitqliedern. — Am 19. Febr. l. I. wird anf der Be-
schälstation Sinsheim onrch den großh. Landstallnseister,

vcrmischtt Nachrichten.

jctzt 158,114 fl. 39 kr. AuS dem>Äilderverkaufe wnrden
erlöst 21,346 fl. 3 kr. Znsammen dermalen 179,490 fl.

42^ ^ ^ . B , 19 Ab z'glich d E 'e -

ror^fundenen Eneclen eiuem Jngenieur^ngch^rten.

Berlin, 17..Febr. Bekanntlich ist die Nachfrage
nach^zi^ni^ Operuha^sin den ^letzten ^a^reu ^

stellen. Wollten alle liberalen vüraer deS LandeS sich
dazn verstehen, Gleiches mit Gleichem zu verqelten.
unsere ganzc conservative Partci mnßte mit Weib und
Kind, Knecht, Magd und Bieh binnen acht Tagen ver-
hungert^

daher jetzt nicht mehr ganz klein; eS sin'd da« Sckwein.
die Katze, die Ratte die Maus, der Jgel und der Fucbs.

London, 17. Febr. Unsere Gerickte zeigen fortwäh-
rend die größke Strenge gegen Nacklässigkeiten der Eisen-

Verloosungen.

Frankfurt, 21. Fcbr. Bei der heuligen Ziehung

Nr. 23^761 25.0M fl^Nr'12M7 6000 fl!'^Nr!Ä
3000 fi., Nr. 19,236 2000 fl., Nr. 7329 nnd 15,918
jede 1000 fl.

am 15. Febi^ Serw 58, 582. 927. 1036.^1805? 2351,
2647. 2687, 2959, 3022. 3567, 3726, 4476. 5092,
5470, 5983. 6048, 6051. 6167. 6620, 7366.

Das Hamburger Postdampfschiff „Borussia", Capi:.
Schwensen, von der Listie der Harnburg-Amerikani-
schen Packetfahrt-Aclien-Gesellschaft. ging, erpedirt von
Hrn^A .gust Bolt^n, William Mi'ller's Nachf., am

Außer einer starken Bries- und Packetpost hatte daS-
selbe 11 Passagiere in 1. Cajüte, 41 Passagicie in 2.
Cajüle und das' Zwischeudeck mit Passagicren voll be-
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