Heidelberger Zeitung — 1866 (Januar bis Juni)

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Mlage M Heldelberger Ieitung.

12 «2. Donnerftag, den IS März 18««.

D e n t s ch l a i, k»

wiefern der deulsche Bund angerufen we^dei^ solle,' in-
wieweit die Zuständigkeit derselben in dieser Frage gehe,
und da zeige es fich, daß der Bund anerkanntermaßen
nichl anders entscheiden könne, als durch Stimmeneinheit.
Es sei aber bekannt, daß diese nicht zu Stande kommen
werde, weil die Staaten, die noch das öfsentliche Spiel
gestatten, gegen dessen Aufhebung stimmen würden. und
daher sei es nicht gerathe«, an den Bnnd zu gehen.
Der vorliegende Gegenstand sei mit den Jnteressen der
Stadt Baden in Beziehung gebracht worden und mit
Recht, denn durch Aufhebung aller öfsentlichen Banken
könne der Schaden für Baden nur sich verringem. —
Staatsminister Frhr. v. Edelsheim erklärt sich Nsmens
der Regierung dem Antrage der Kommission aeneigt,

denden Verträge hinweisen, und dem Bunde stehe. ein
Zwangsrecht gegen diese Staaten nicht zu. Durch Prs-

einige, und sokhen der Kammer vorzulegen. — Fürst
Karl v. Löwenstein unterstützt Andlaw's Antrag: Man

Summen spiele^ Artaria zieht seinen Antrag zurück —
Der KommissionHantrag erhält die Mehrheit der Kam-
mer ünd die Tagesordnung führt zur Anfrage des Krhrn.
v. Andlaw an den Präsidenten des Diinisteriums des
Jnnern, die Ortsschulrathswahlen betr. — Frhr. v. And-
law: Herr Staatsrath Lamey habe früher in diesem
Saale geäußert, das Schulaufsichtsgesetz sei vou deyi
Geiste der Milde beseelt und da, wo diese Milde etwa
nicht zur Herrschaft gekommen, sei er gerne zu einer Ab-
änderung bereit. Nun sey aber dieser Grist der Milde
vielfach verletzt worden und er (Nediier) sei deßhalb zur
heutigen Anfrage veranlaßt. ES werden nun die bei
den Ortsscbulrathswahlen vorgekommenen Wahlenthal-
tungen und die in Folge derselben verfügten Strafen
und dagegen erhobenen Beschwerden, sowie deren Verbe-
scheidun,en aufgezählt und bis ins Einzelne besprochen;
dann sährt Frhr. v. Andlaw fort: Es sei unrecht, gute
Z^ck^mir^Zwang u^^Slraft^ ve^olgen,^ um^ so

der oben erwähnlen Zusage, dieses Strafverfahren einer
Durchsicht zu unlerwerfen, die ungerechten Strafen wie-

der gut zu machen und die Entschädigung dafür ein-
treten zu lassen gedenke? — Se. Großh. H. der Prinz
Wilhelm bemerkt dem Redner, daß seine Angriffe auf
das bestehende Gesetz unstatthaft seien und eine Verletz-
ung der Kammer. welche dazu mitgewirkt habe. —Frhr. v.
Andlaw: Er verweise diese Sache in die Abtheilungen des
deutschen Volkes! — Staalsrath Lamey findet in dem
Dorlrage des Vorredners weniger eine Anfrage als eine

wortm, als man keinen ehrlichen Mann fragen könne,
ob er diejenigen Akte, welche großentheils von ihni, bezw.

und verliest die desfallsigen Vvric^riften. — Jolly, wel-
cher Ministerialreferent in Schulangelegenheiten ift, stndet
das Lerhalfen des Mnisters yollkominen gerechtsertigt,
mie^Meu^^o^ fe^m ^entgeg^i^

und unter diesen Um^tanden könne unmi^glich eine Ant-
wort erfolgen. — Bluntschli beklagt, daß Fragesteller
nnt so wenig Ehrfurchl von dem bestehenden, von die-
sem Hause genchmigken Gesetze gesprochen habe; wo das
geschehe, könne uicht mehr diskulirt werden. — Frhr.
v. Andlaw; Seil 30 Zahren habe er sich der Achtung

' Berli», 9. März. Hinter dem nm 3. d.
wicdcr »nch Paris abgercisten Grafcn Gdltz
her erichallt gewalligcs Murrcn der LiSmarck'-
schen Partei in uujer» Regierungskreifcu. Vor
Allem ist man empört darüber, dag er jd ojsen
und -nlschicden dic Bejeitigung dcs innern Con-
fliktS gcsordcrt habe, che man an eine» Krieg
gegen O-stcrrcich denke. Zum Anderu, sind un-
sere AnnerionSjängumiker jehr verstimmt dar-
ber, baß Graf Goltz so wenig Aussicht auf
cin französtjches Bündnist sür den BtSmarck'-
schcn Krieg gegen O-sterreich und den Deut-
jche» Bnnd crösfncn zn müssen gcglaubt hat
und jclbst von dem Versuch, ein solchc» Bünd-
niß z» erlangen, nicht j-hr erbanl g-wcse» ist.
„ES ist ein M-njch, der kcinen Sint, für große
Politik hat, ein Schwachkopf!" so jollcu die
Worte deS Grasen Bismarck über seinc» Anti-
poden und muthmaßlichen Rachfolger gelaulet
haben. Graf v. d. Goltz dagegeu hat, wenn -
cr auch im Minister-Conjeil voa, 28. D-cbr.
seine Ansichten übcr dic BiSmarck'jchen Pläne
»nd Mittel in sehr milbcr Form vorgctragcn
hat, dcn cinzclnen Minijtcrn und, wie man
allgemein behauptet, anch dem Könige gegen-
übcr kci» Hchl auS seincr cntjchicdcnen Mih-
billigung der BiSmarck'schen Abentcnrcr-Politik

gcmacht. Er hat aus die gefährliche Leibenschaft-
lichkeit d-S jetzigcn Prcmier« hingewiesen, der
Preußen nach allen Seitcn verfeindct und e«
bis an dcn Rand de« Abgrunde« gebracht habe,
und eS sür hohe Zeit crklärt, daß seincm un-
heilvollcn Treiben im Jnnern wie nach Anßen
eiu Zicl gcsetzt wcrde. — W-nn Graf Goltz
jctzt nichtSdestoweniger, wie verstchert wird, mit
dem Auftrage nach Pari« zurkckgekchrt ist, zu
versnchen, ob der Kaiscr durch daS preußische
Anerbieten der Rückgabe NordschlcSwigS an
Dänemark u»d Abtretung de« Saarkohlcnbeckcn«
an Frankreich siir Herrn v. BiSmarck'S Pläne
zu gewinnen sei, so wird cr sich hosscntlich bei
seinem eigenen inneren Widcrstreben gegen diese
Pläne nicht gar zu viel Mühe sür daS Gelin-
gen seines Anstrage« geben. Die Thatsache,
daß die preußische Negierung immcr wieder die
Entscheidnng über deutscheS Land, sowie üder
ihren eigenen Bestand, ja übcr' die Schicksale
PrenßenS und DentschlandS-nach Pari« vcrlcgt
bleibt bestehcn, und sie dürfte bald selbst von
dcncn empfnnden werdcn, dic jetzt noch, alle
Freiheit und nationalc Ehre vergcsscnd s mit
Herrn v. BiSmarck durch Dick und Dünn tra-
ben. (N. F. Z.)

'A m e r i k a.

Newyork, 21. Febr. Jetzt, da dcr zwi-
schcn d-m Congreß nnd dem Präsidcnte» ob.
waltcnde Conflikt hinsichtlich der Wicderherstcl-
lungspolitik immcr größcre AuSdehnung anzu-
nehmen scheint, dürstc eS von Jntercsse scin,
den Hauptinhalt der Frcedmen-Bureau-Bill, dei
welcher der Conflikt zum eigcntlichcn AuSbruch
gckommen ist, dcm Gedächtniß zurnckzurusen.
Dic wesentlichsten Bedingungc» der Bill, welche
im Scnate mit 37 gcgen 10 Slimmin, im Ab-
geordnetenhause mit 137 gegen 38 Stimmen
durchging, sind solgcnde: Si- dchnt dic Auto-'
rität der schon bcstehenden Freigelasjcnen-Bn-
reauS über Flüchtlinge und Frcigelassene in
allen Theilen dcr Union auS und crmächtigt
den Präsidentcn, daS Land, worin solche Pcr-
sonen jich bcfinden, in Bezirke elnzulheilen und
Osficicrc als Commissäre übcr sie zu sctzcn.
Die Officicre sollen ermächtigt sein, über die
Unterabtheilungcn ihre« BezirkS auS dcr Armee
entnommene Agenten zu setzcn, welche unter
militärijche GerichtSbarkcit u»d Schutz gestellt,
d. h. dcm Bereiche der StaatSgesctze enkzogen
sind. Dcr KriegSministcr ist crmächtigt, rn alle
Klüchtlingc und Freigelaffene, die dessen bedürf-
lig stnd, Leb-nSmittel, Kleidung, Feuerung,
Arznei und Reiscmittel verabrcichen z» lassen.
Der Prästdcnt ist befugt, bi» zu 3 Millionen
Acker LanbeS von dc» unbesetzten StaatSIändc-
reien i» Florida, Mississipxi und ArkansaS vom
Verkanfe und anderwcitiger Bisttznahme anS-
zuichlicßeu nnd in Loojen vo» höchstcnS 40
Ackcr an dic Freigclassincn gegen einc zwischen
dicsen und den Commiffären zu vereinbarcnde
ZahreSrente übcrwcijcn zn lassiu. Eine andere
Bestimmung ermächtigt ih», MlitärgerichtSbar-
kcil u»d Schutz über alle Personen auSzudch-
ne», denen wegen. Nace oder Farbe irgend cin
bürgerlicheS Necht vcrweigcrt wordcn, und cine
weitcre unterwirst einer Getdbuße von 1000
Doll. und Gcsängnißstrafe bis zu eincm Jahre
alle diejcnigcn, welche eiuem N-ger odcr Frei-
gklasscnen irgcnd ein dcn Wcißcn zuständigeS
Necht versagen odcr ihm cine Strase, wovon
Weiße auSgcnommen stnd, auferlegen, indcw
sic zügleich den Bcamten d-S BureauS dic Bc-
fugniß, übcr dergleichen Fälle zu entscheidcn,
ertheilt. Die Folgen dieser Bill, deren strengere
Bistimmmungcn auf die abgefallenen Staaten
bcschränkt join sollten, würdc», wenn sie durch-
gegangcn, die Unterwerfung der Behördc» dcr
Einzclstaatcn nnter MilitärgerichtSbarkeit sein.
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