Heidelberger Zeitung — 1866 (Januar bis Juni)

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lichen Absichten und seinen persönlichen Ge-
fühlen für Preußen zerstreut wissen wollte, hat
dem Grafen Mensdorff befohlen, dem Berliner
Cabinete folgende Proposition zu machen: Beide
Mächte werden, soweit es sie betrifft, den mi-
litärischen 8t-itus qun, wie er vor dem Er-
greifen der Vertheidigungsmaßregeln gewesen,
wiederherstellen. Oesterreich bestimmt zu diesem
Behufe den 25. d. M. als den Tag der gegen-
seitigen Entwaffnung; es ist sogar, indem es
diese Entwaffnung seinerseits am 25. vornimmt,
damit einverstanden, daß Preußen dies erst am
26. ausführe. Dieser Vorschlag ist nach Ber-
lin abgegangen. Es scheint unmöglich, daß
Preußen ihn nicht annähme. Derselbe ist zu-
gleich den Höfen von Paris und London, ver-
traulich, auf telegraphischem Wege mitgetheilt
und hat deren Zustimmung erhalten.

Paris, 21. April. Veranlaßt durch die
Ungeduld der Journale, welche wünschten, daß
sich die französische Regierung über die
deutschen Angelegenheiten erkläre, erinnert der
heutige „Constitutionnel" in einem Limayrac
gezeichneten Artikel daran, daß Frankreich weder
direct noch indirect bei dem Consiicte betheiligt
sei. Die Regierung des Kaisers habe keinerlei
Rechtstitel zu einer Jntervention, wohne dem
Streite uur als Zuschauer bei und folge sei-
nen Entwickelungen wachsamen Auges mit der-
senigen Aufmerksamkeit, welche der Kaiser allen
wahrhaft wichtigen Angelegenheiten der äußeren
Politik widme. Die sranzösische Regierung
könne kein Urtheil über den Conflict abgeben,
der so viele Phasen durchmache und sich fast
täglich anders gestalte; sie könne namentlich
unter keinen Umständen ein solches Urtheil
öffentlich aussprechen, ohne in dem Kampfe
Partei zu nehmen. Der „Constitutionnel"
weist sodann ans dem Notenwechsel, aus den
Dispositionen und der Haltung der kleineren
deutschen Staaten nach, daß die Situation we-
nigste^s ebenso viel Chancen für den Frieden,
wie.sur den Krieg offen lasse.

C' n g r a d

London, 20. April. Auf einc Jnterpclla-
tion Saudforts antwortete Layard: Die Pa-
riser Fürstenthümcrconfcrcnz dauert sort, die
Berathungen seien unmittelbar. Griffith fragte:
Wird England der Wahl ocS Prinzcn von
Hohenzollern vpponiren? Layard hat darauf
eine bcstimmte Antwort vermieden und sagte:
Dcr Tractat fordere die Erwählung eines Ein-
geborenen, England könne in dieser Sache uur
gemeinsam mit dcn übrigen Mitgliedern der
Confcrenz entscheiden.

L-vndon, 21. April. Die „TimeS" schrcibt:
Zu unsercm Bedaucrn erfabren wir, daß im
gestrigen, zu Schönbrunn abgchaltenen Mi-
uisterrathe dcr Kaiscr von Oesterreich nnd Graf
McnSdorff, gegen den Nath der andern Ministcr,
die Abberufung deS österreichischen Gesandten
in Berlin, Grafen Karolyi, beschlosscn haben.

Die Abreise dcs preußischcn Gesandten in
Wien, Barons v. Werther, ist, nachdem ihm
dieser Enschlnß mitgrthcilt sein wird, unver-
züglich zu erwarten.

Dic unmittelbare Ursache deS BruchcS war
angeblich, daß Graf Mensdorff, nach dem
Empfang der preußischcn Antwort vom 15.
April (siehe H. Z. Nr. 92) die österreichischen
Fordcrungen, wic sie in der Depejche vom 7.
April aufgestcllt stnd, nach Berlin tclegraphirte,
woranf gcstcrn eine abcrmalige Weigcrung
PrenßenS cingctroffen.

Der österreichische Militärcommandant in
Holstein wurde gleichzeitig angewiesen, mit Zu-
rücklassung weniger Compagnien übcr Hamburg
und Hannover zu relirircn. Die „Timcs cr-
achtct dicsen, von ihr alS „übereilt" bezeichne-
sen Schritt für bedcnklich. (Diese Mitthcilnngcn
der Tnnes sind im Widerspruch mit dcn von an-
derwärts kommcndcn friedlichen Nachrichtcn und
scheincn in dcr Hanptsache erfundcn. Times
hat anch die Angabcn kcincswcgS so bestimmt
gemacht, wic der Telegraph angab.)

A m e r i k a.

Newvork, 12. April. Jm Senat ist die
Anleihebill gleichfalls durchgegangen. Auch das
Haus der Nepräsentanten hat gegen das Veto
des Präsidenteu die Oivil-riAkt^-bill angenom-
men. — Es geht das Gerücht, daß in Kurzem

eine allgemeine Amnestie proclamirt werden
wird. Große Feniermaffen haben sich an der
Gränze von Neu-Braunschweig gesammelt, von
wo ans sie Campobello und St. Stephens
bedrohen.

Aus Baden. Jn KarlSruhe hat sich
in der Jnsantcriekaserne ein Rckrut deS 5. Jn-
fanterieregiments mit dem Gewchre eine Kugel
durch den Mund gejagt. Der Tod trat augen-
blicklich ein. — Jn Eppingen wurde Herr
Apotheker L. Lother fast einstimmig zum Bür-
germeister erwählt. — Nachbenannte wurden
auf den Grund der Verordnung vom 16. August
v- J.-(Reg.-Blatt S. 538) als BezirkS-Thier-
ärzte für die beigesetzten Bezirksämter bestellt:
1) Jamm in Konstanz (für Konstanz); 2)Gut
in Engen (Engen); 3) Hcitzmann in Meßkirch
(Meßkirch); 4) Skrittmatter in Pfullendorf
(Psullendorf); 5) v. Ow in Thengen (Stockach);
6) Schilling in Niedböhringen (Donaueschin-
gen); 7) Weißenberger in Erzingen (Jestetten);
8) Jehlin in Säckingen (Säckingcn); 9) Hier-
bolzer in Thiengen (Waldshut); 10) Bender
in Brcisach (Breisach); 11) Mcngis in Etten-
hcim (Ettenheim); 12) Römmele in Freiburg
(Freiburg); 13) Metzel in Lörrach (Lörrach);
14) Betsch in Kandern (Lörrach); 15) Götz in
Gengenbach (Gengenbach); 16) Braun in Al-
tenheim(Kork); 17) Kager in Ottenheim(Lahr)^
18) Bührer in Wolfach (Wolfach); 19) Binz
in Achern (Achern); 20) Lydtin in Baden
(Gernsbach); 21) Hauer in Dnrlach (Durlach);
22) Schmidt in Ettlingen (Ettlingen); 23)
Fuchs in Mannheim (Mannhekm); 24) Krauth
in Weinheim (Weinheim); 25) Fühner in
Adclsheim (AdelSheim); 26) Gallion in Eber-
bach (Eberbach).

-j-j-Die Verhandlungen vor dem Gr.
Hesfilschen BezirkSstrafgerichte
Michelstadt

(Fortsetzung.)j

Nach Verleiung der ve> schiedenen Gutachten (j. Nr. 93)
wurde zum Verhör dcr EnNastungSzeugen geschritten:

1) Daniet WieSwäsjer, 46 Jabre att, evangclisch,
Biervrauer auf dem Neckarhäuser Hofe im Badischen,

Wafsen oder höchsteuS cin Gewehr und einen Säbcl ge-

2) Friedrich Nebberger von Neckarstcinach, 59
Jatnc alt, protest., Schnhm., hörtc den einen Redner, oer

Kirche, der ^ckulrath von Heidelberg sei nichlS nntz.

Pfarrcr B e n z aufgerufen und deßhalb bcfragt, stellte
dieses MeS auf das Enischiedenste in Abrcde, und bezog
sich in allen Sluckcn auf jein früheres Protokoll, dais
er beschworcn habe.

Der Zeuge Rehberger beharrte ber seincr AnSsage
und fügle hinzn: ES fei auch gesagt worden, die Prote-
stanten stannnien auS emer BaSlcr Fabrik, der prole-
stantischc Glanbe wcrde dahcr gepreßi. Es sind Sleine
oden von der Terrasse Heruuier geworfen worden, da

zablk mich erst."

3) Franz Rehbergrr, 45 Jahre alt, evangelisch,
von Neckarsteinach, Steinbrecher, sowie daS Prolokoll
des Zeugen Joh. Schneider, welcher nicht erschienen
war, sagtcn ans. daß scharf geschosscn wurde.

4) Peier Schäfer. 24 Jahre alt. katbolisch. sagt
aus: Ein Mann Nameus Kcrn warf zwcimal iu daS
Schloß; eS wurde dann heransgcworfen. Ziierst hat er
von dem Schlosse auö geschossen, wir haben gcseben,

Stelle. Daß zuerst von der Terrasie herunter geworfen
wurde, habe ich uicht gesehen. JustuS Olbert und Jo-
seph Heilmann haben die Leute abgehalten zu werfen.
Zeugc komml in Widerspruch mit seiner früheren ;u
Protokoll gegebenen AuSsage und wird vom PrLsidenten
ernstlich an seinen Eid erinnert. Zeuge behauptet indeß
über da« Vorgefallene beffer nachgedacht zu haben und
die Wahrheit zu sagen.

5) Georg^L)^r sa^m.^28 Ja^reaU,^ luth., ^ierbraiier^,

er unter den Neckarsteinachern keine Feinde habe.
(Fortsetzung folgt.)

-j- Heidelberg, 20. April. Es wird wohl Allen.
die sciner Zeit Loose für die Erbauung einer evangel.
Kirche in Salzburg genommen haben, von Jnteresie
fein, etwas NähereS über diese Sache zu vernehmen.
Der siebenie Rechcnschaftsbericht sagt: Der Gefammt-
werth der bis jetzt eingegangenen Kunstgegenstände er-
reichl die Summe von 19,450 Thalern: noch fehlen in-

der Werth ^sämmtlicher Gaben^ 1606 an der Zahl, die

winne, wie folgt: 179 Oelgemälde im Werlhc von
12,090 Thalcr, 46 Bildhaucrwerke im Werthe von 739
Thalcr, 109 Aqnarclle und Handzeichnungen im Werlhe
von 3069 Thaler, 369 Knpferstiche im Werthe von
1766 Thaler, 510 Lithograpbieen im Werlhe von 736
Thaler, 264 Pholographiecn im Werlhe von 540 Thalcr,
74 iünstrirte Werke im Werthe von 305 Thaler. AuS
diesem Verzeichniß ergeben sich die höchst günstigen Ver-

in Erinnerung bringt, daß der Termul zur Ablieferung
nicht verkaufler Loofe auf den 1. Mai festgesetzt ist, die
Verloosung selbst aber in der letztcn Woche desielben

-f- Heidelberg. 21. April. Bei der hente stattgehab-
ten ersten Jmmatriculation wurden infcribirt: Theo-
logen 9, Juristen 100, Wediciner 9, Chemiker 9, Philo-
logen und Philofophen 26. Vorgemerkl sind 75, sodaß
die Anzahl neu angekommener Akademiker sich jetzt schon
auf 230 beläuft.


8 Albbruck. Jn dem naheliegenden Dörfchen
Schachen schwärmte am 17. d. Mtö. ein vorjährt-
ger Bienenstock, giwiß für diese Jahreszeit in nn-
serer Gegrnd etwas seltenes. Nnsere Wintersaaten
stehen herrlich unt- die Obstbäume, wie Kirschen
und Pstaumcn sind in sckönüer Dlüthc. Stellcn-
weise kann in kurzcr Zeit schon Klee gemäht wer-
den^ Die Vlkbpreisc steigen schr und es läßt sich

und per Eiseiibnhn weiter gebracht werdcn, erwar-
ttn, daß diese Preisc an Höhe alle seitherigen über-

-j- Das Modell von Salzburg, welchcs gcgenwärtig
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