Heidelberger Zeitung — 1866 (Januar bis Juni)

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SeiliM zur Hri-elberger Ieitnng.

»L »8

Deutschland

Bom Neckar, 24. April, Ang-regt durch
deu Kr->«auSjchuß Heidelberg, hsl gestern da<
jelbst eine Berjammlung von Verlrelern d-r
KreiSauijchüsie Freiburz, Bade», KarlSruhe,
Heidclbrrg, MoSbach «ud Mannheim statlge.
sunden. Zwerk diejer Berjammlung war, stch
über die Behandlung »on Fragen, welche für
alle KrriSverbände deS LandeS von besondercm
Jnteresie stnd, zu beralhcn und aus Lirje W-ije
gemeinjame Vorschligc vor die Ȋchste Kreis<
verjammlung bringcn ;u kinnen, Diesc Vcr-
jammlung, welcher, auster dem großh, LanoeS-
cpmmisiär von Maunhcim, dic Krcishauptmän-
ner der Kreije Mannheim, Heidelberg u»d
MoSbach anwohntcn, unlerzog ihrer Berathung
jämmtlichc Anträge, wclche bei allcn Kreisver-
jammlungen oeS vorigc» ZahrcS gestellt und
de» Auöschüsicn zur Begulachluug überwic-
s-n worden stnd, alS:

1) Grüuduuz »vn Anstalten zur Ausnahmc
von Waiscn- sowic von armen und verwahr-
losten Kindern, 2) Errichlung von KreiSar-
meuhäusern, 3) Errichtung von Krankenhäu-
sern. 4) Errichtung vo» Siechenanstallen, be-
jonderS zur Anfnadine von Cretine», si) Er-
richtung von Augcnheilanstalten, 6) Erbauung
und Nnterhaltung von Slraßen, 7) Gründung
von Hagel- u»d FcuerversicherungS-Anstalten.

8) Gründung von Lcih- und Borschußkasie»,.

9) Bistcllung vo» Wlesenbauaufsehern 10)
Gründung landwirthlchasllicher Winterschulen,
11) Wicdereinjührung einer Dienstbotenord-
mzng, 12) Errichlung von ZwangöarbcitShäu-
sern sür ArbeitSschiue,

Nachdem allc »icss Anträgc gründlich crör-
Icrl uno manchc derjclben als nnzweckmäßig
ober unansführbar erkannt «orden, hat mam
weil 5 Kreisverbändc, wclche wegcn zu großer
Enlfernuug durch ihre Ausjchüsic nichl verlre-
lcn und lctzlcre thcilwcije auch nicht hicrhereinge-
ladcn waren, den Antrag d<S VerlretcrS von
Freiburg zum Bejchlusic crhoben und cine Ver-
jarnmlung aller KreiSauSschüsie dcS La»dcS aus
den 17. Zuni d, I, »ach Offenburg sestgejctzl.

Legten hicrdurch die Vertreter der KreiSver-
wallungen daö Zcugniß ab, daß fie in Erskl-
lung ihrer übcrnommencn Pflichtcn k-in-rlei
Opfer scheuen, jo geben sie auch zu erkcnncn,
wie sehr ihnen daran gelegen ist, daß daS Ge-
sctz über die Organijation der innern Vcrwal-
tung zur Durchführunz komme und cs wird
nun lediglich noch Sache unscrer Regierung
sein, durch Erlasiung weiterer Gcsctze einen
Theil ihrer seithcrigcn Compctenz aus dieje
volksthimlichen Jnstitute zu übertragen,

(Oberrh, K.)

Italien

Florenz, 26, April, Dcr Finanzminister
acccptirt die von dcm AuSjchusie für die AuS-
sührung deS prvvijorische» BudgetS vorgeschla-
gcnen zwei Zwölstek nicht l cr verlangt drei
Zwölstel. — Der Deputirle Guerazzi fragte in
der heutigen Sitzung der Kammer die Regie-
rung, ob Jtalien von Krieg bedrvht sei, La-
marmor» antworstte, im Falle cines Kriege»
wirde ma» ih» nichl auf diescr Bank, sondcrn
anderSwo jehen. Die Deputirten Gucrroni und
Bertani entwickclten daraus Mißlrauensantrigc;
diesclben wurden abcr von der Kammer ver-
worsen, Jm weitere» Vcrlauf der Sitzung wur-
den sodann die vom ginanzniinister Scialoja
gcforderten drci Zwilftel bcwilligt und daS
ganzc Gesctz mit 168 gegen 72 Stimmen an-
genommen.

Pß Die Berhandlungen vor dem Gr.
Hesfischen «ezirksstrasaericht«
Michelstadt

(Schluß.)

Iudem wir jr«I -m di- v-l>d-idi,ung d-r «u,
g,!>»g„n üd-rg-d-n, wi! fi, »on den Sld»»kai-N M-tz, ,
H-uman» und Ojann >n d-r hi-r anz-gid-n-n >

Lonntag, den 28 April

Rrihrnfolgr stanfand, haben wir wohl nicht nöthig zu
sagen, daß wir, waS wir scho>l eiumal sagten, uns aus

müsscn.

Nachden» die hier in Nede stebenden Erccffe verübt

frül>erel?Protokolle, kann in Betrachl geMen rmrdrn,
sie allein könnci, die Gründc für den Wahrspruch ab-
geben. Der hohe GcrichlShos vertritt bekanntlich dic
Stelle der Geschworenen, und eS brsteht kein Grjrtz,
welchrS ihm daS Necht gibl, frühere Protokolle und
AuSsagen oder Geständnisse dem UrtheilSspruche zu
Grunde zu legen. Nnr dafür ist die öffentliche Abhör,
nur diese hat gesetzliche Gültigkeik.

Wir gehen auf die Anträsik des Hrn. StaatSanwalteS
über. und schicken folgende Bemerkungen voraus.

welche Ruhe uud Fricden wollcn, vielmehr find sie dar-
auf aus, daS in Badeu besleheiide Ministerium zu be-
seitigen.

Zum Deweise dessen las die Bertheidigung einige,
diesen Vorsatz mit Bestimmlheil und unzweifelhaft auS-
sprechende Stellen von in Würzburg gchaltenen Nedeu vor.

Lie OperalionSbasiS zum beschloffenen Feloznge der
Kirche gegen die Regierung wurde feslgesetzt, und darauf
bilveten sich dic wandernden Casino'S. Diese Versamm-
lungen waren iil gan; Baden augerordentlich verhaßt.
Die Resultate der Abhaltimg eiueS solchen Casino'S in
Mannheim und an andeni Orten sind allbekannt. Man
gelraute sich nicht mehr, ste iu Baden abzuhaltcn, und
beabsichiigte sie in daS benachbarke Großherzogtbum
Heffen zu verlege». ES sollte »l Virnheim geschehen.
wie allseitS bekannt ist; da wllßle man mit vestimmt-
heit. daß polizeiliche Erlaubniß dazu erforderlich ist.
Man wendele sich mik dem deSfallstgen Gesnche an daS
großh. KrciSamt Heppenheim. un» diese« schlug die Er-
laubniß mil solcher Snlschiedenheit ab, daß man sich
dabei beruhigte. Man ging nun auf die andere Seite.
man wollte eine Versammlunz in NeFarsteinach abhal-

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Vergnügcn dazu bcreit. Solllen nun die Neckarsteinacher
sich einer Strafe schuldig gemacht haben, weil sie diese
ungcsetzliche und gewiß strafbare Versammlung verhin-

dir auigklrekenen gcistlichen Nrdner, wie die klarsten bc-
schworenen Zeugnisse in großer Zahl vorliegen, über
die^prolcstanllichc Religion, über die badis.l e Regierung

leisestc Ärund vorhanden, anzunehinen, daß ein Com-
plott bestanden habe, mil Gcwalt in daS Schloh einzu-
dringen, und wenn die Angeschuldigtrn wirklich eine
Verabrrdung gelrosfrn haben, so brstand sie darin. sie
wollttn^dic Abhaltung einrr Versammlung des wandern-

Mlhhandlungen begeheu, u,n ihreii Willen durckzusetzen,
iveni, e« nölhig scin solltc. Dessen sind sie abcr nicht
angeklagt, und somir köttiien sie Luch dieserhalb nicht
bestrast werden; — wir beaniiagen ihre Frcisprechung.

Was die Beschuldignng wcgcn der Mihhandlung Brei-
denbachs detrifft, so ist die einzige Zcngenanssage, die
de« Breidenbach selbst, welchci von dem OrtSgerichte 'als
durchauS unglaubwürdig geschildcrl ist. Sollic aber auch
cin Zeiigenbewcis vorliegrn. so könnrn doch dicjenigen
nicht gestraft werdcn, wetche zu ihm gingen, nm ihn
zur Nedc zu stellen, abcr an der angeblichen Mißhand«
lnng stch in keiner Weise belheiligtcn.

Es fehlt der Raum, um daS vorzutragen, waS die
Vertheidigung für die einzelnen Angeklagten bezüglich
der gegen sie vorliegenden Beschuldiglingen vortrug unb
auSführte, wonach eine größere Zahl freigesprochen, ge-
grn die übrigen eine nur unbcdeutende Strafc erkannt
werden kann.

Jn dcr Gegenerklärung bebarrte der StaatSanwalt in
allen Stücken bei jeinen Amrägen, welche dnrch die
Vercheidigung schließlich wiederholl bekämpit, und alS
ungerechtiertigl dargestellt werden.

(DaS Uriheil haben wir m der gestrigen Nummer
bereilS mitgethrilt.)

(Etngesandt.) Bammenthal-Wiefenbach,
den 25. April. Der gestrige Tag war für unsere
Gesammtgrmeinde ein Tag tiefer Traner. — <LS
galt das Schriden unserrS grliebten und bochver-
ehrten Geistlichen, Hrn. Pfarrer Gustav Brecht,
auS nnsercr Mitte. Seine herzgewinnende Freund-
ltchkeit, sein humaneS, ItefchrtltlichcS Wesen, ver-
bunden mit seltener Opferwilligkeit gegen Etnen
und AUe, ohne Untersckird drr Eonfession. ja viel-
fältig ohne jede Rücksicht anf seine ergene Person
und Gesundheit, haben ihm in AUer Herzen einen
unvergänglichcn Denkitein geseht. AlS treurr Freund
der Schule und deS ErztebungSwesenS hat er schon
vor Iahren auf eigene Kosten für Ktnder u. Er-
wachsene eine VolkSbibliothrk gegründet. Nach
13jähriger, von hoher Oberklrchenvebörde srlbst be-
kunvetcn, böchst scaenSrricher Wirksamkcit in un-
serer Gemeinve auf die Pfarrei Schatthausen be-
rufen, wurdr ihm tzie Lirbc unv Freude zu Tbeil,
von dem dortigen gesammten Kirchengemrinderathe
per Wagen dahier abgeholt und in setne neue Hei-
math begleitet zu werden. Ehre der Gemeinde,
unter gerechter Würdigung der Verdicnste ihreS
Gelstlichen mit Liebe und Vertrauen demselben ent-
gegen kommt; Ehre dem Gristlichen, der dtese Ach-
tung genießt und alle Nebenrücksichten vergrssend,
unbeirrt seinem hohen Berufe lebt.

^Möge er unser in Lirbe gedenken! — Sein Ge-
dachtniß bleibe im Segen!
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