Heidelberger Zeitung — 1866 (Januar bis Juni)

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der liberalen Partei SüddeutschlandS und der
prenß. Verfassungsvartei Zwiespalt zu erregen.

Die „Nationalztg." veröffentlicht folgendes
Schreiben des Hrn. v. Noggendach: Ein Ar-
tikel Jhrer Zcitung vom hcntigen Tage bezieht
sich auf die Zwecke meiner hiesigen Anwesen-
heit. Untcr manchem Andern, dem ich. in der
dakei zewähltcw Darstellung widersprechen
müßte, nöthigt mich eine Stelle zu ausdrück-
licher Erwicderung. Dieselbe lautet: ,,Man
weiß ja, daß die Niederlegung seines Porte-
feuilles mit seinem Verhaltnisse zu der schleSwig-
holsteinischen Politik Preußenh in theilweisem
Zusammenhange stand. Hr. von Noggenbach
hielt die Vereinigung der Herzogthümer mit
Preußen für die beste Lösung." Beide Be-
hauptungen sind unrichtig. Zunachst hatte
mein Austritt mit meinen Ansichteu über die
Behandlung der schleswig-holsteinischen Frage
keinerlei Zusammenhang. Dann habe ich auch
nicht eineu einzigen Augenblick mcine von An-
fang an kundgcgebene Beurtheilung der recht-
lichen wie politischen Lage dieser Frage zu än-
dern Grund gefunden. Wenn die „Nordd.
Allg. Ztg." ihrem Leserkreise von meiner Hin-
neigung zu preußischen Bestrebungen berichtet,
„die ich in vielfachcn Gesprächen kundgcgeben,"
so kaun sie darunter wenigstens die Annexions-
bestrebungen in den Elbherzogthümern nicht
begreifen. Im Gegenthcile muß ich auch heute
bei der Ucberzeugung beharren, daß eine erfolg-
reiche Behandlung der deutschen Frage wesent-
lich bedingt ist von einer Wiederannäherung
der Zielpunkte der preußischen' Politik in der
schleswig - holsteinischen Angelegcnheit an eine
mit bundesftaatlicher Entwicklung vereinbarliche
Lösung. Eine nachhaltige Unterstützung des
deutschen VolkcS für irgend welche Neformvor-
schläge kann ich nur alsdann für gesichert hal-
ten, wenn dem, berechtigten nationalen Erwar-
tungen entsprechenden Jnhalte dieser Vorschläge
die begründete Aussicht hinzutritt, daß auch
dem innern Vcrfassungsconflicte in Preußen
seine für alle Theile gleich unheilvolle Schärfe
genommen werde. Berlin, 2. Mai 1866.

Wien, 2. Mai. Die preußische Antwort
auf die österreichische Note vom 26. April ist
eingetroffcn und dem Grafen v. Mensdorff be-
reitS mitgetheilt worden. Sie lehnt zwar eine
Abrüstung ab, soll aber dennoch Anhaltepunkte
bieten, die diplomatische Verhandlungen über
eine Entwaffnung nicht gänzlich abbrechen. Auf
Grund dieser Anhaltepunkte sucht Baycrn neuer-
dings zu vermitteln. Die preußische Antwort
schließt: Wir müssen erwarten, daß znnächst
allc seit Mitte März nach Böhmen, Mähren,
Krakau und Oesterreichisch-Schlesien gezogenen
Truppen zurückkchren und auch die daselbft
stehen bleibenden auf den Friedensfuß gesetzt
wcrden. Uebcr diese Herstellung des statrrs quo
ante sehen wir einer baldigen authentischen
Nachricht entgegen. Wir hoffrn, dic kaiserliche
Regierung werde durch nähere Ermittlung die
Ueberzeugung gewinnen, daß ihre Nachrichten
über agresstve Absichten Jtaliens unbegründct
waren, daß sie alsdann zur effectiven Herstel-
lung deS Friedensfußes in der gesammten Armee
schreiten und uns dadurch däffelbc Vcrfahren

crmöglichen wcrde. So lange dieser uns allein
richtig scheinende Weg nicht eingeschlagen wird,
ist es für die königl. Regierung nicht thunlich,
der nächsten Zukunft, in welcher wichtige und
solgenschwere Verhandlungen mit der kaiserlichen
Negierung bevorstehen (I), anders als unter
Festftellung des Gleichgewichts in der Kriegs-
bereitschaft der beiden Mächte entgegen zu gehen.
G n g l a n d

London. Die große Schlacht,' in welcher
die Taiping-Empörung in China angeblich bis
auf ihre letzten Spuren»ausgerottet wordeu ist,
fand am 8. und 9. Februar im Nordosten der
Provinz Kwantung Stgtl; 20,000 Nebellen
wurden niedergemetzelt, die übrigen 30,000 ge-
fangen genommen. Der kaiserliche General
Pao-Tschao ist mil einem Theile seiner Truppcn-
nach Hankao, der schlimm bedrängten Stadt
am Aang-tse-kiang, abmarschirt, in der Hoff-
nung, der Nienfei-Rebellion ebenso den GarauS
zu machen; der zurückgebliebene Theil des sieg-
reichen Heeres wird entlassen uud die Civilbe-
hörven haben die schwere Aufgabe, für die Ge-
fangenen Sorge zu tragen. Sie entledigen sich
ihrer Psiichl, indem M die Leute nach allen
Nichtungen hin auseinander gehen laffen.

Z t a l i e n.

Florenz, 2. Mai. Ein Supplement zur
amtlichen Zeitung enthält ein Decret, daß die
Bank dem Schatze 250 Millionen Francs dar-
le.ihen und ihrerseits von Baarzahlungen gegen
Bankscheine dispensirt wird.

Florenz, 2. Mai. Dic Studenten der
Universität llieapel haben in einer Petition um
schleunige Wiedereröffnung des Lehrcursus ge-
beten. Die Vorlesungen in Pavia werden am
Aonnerstag wieder aufgenommen. — Der Prä-
fect von Pisa hat telegraphisch berichtet, daß
die Muyicipalität daselbst aüe Mittel zur Un-
terstützung für die Erfüllung der Bestimmung
Jtaliens offerire. Der Kriegsminister hat ge-
antwortet und gedankt.

Neuefte Mrichrichten.

Newyork, 21. Äpril. „Newyork-Herald"
versichert, die Negierung gehe mil Ausgabe eines
neuen fünfprocentigen AnlehenS um. — Gene-
ral Meade ist in Eastport angekommen, hat die
Abficht' der'Regiernng angekünvigt, die Nentra-
lität aufrechtzuhalten und in diescr Beziehung
geeignete Maßregcln getroffen. Jn Eastport be-
sindcn sich auch mehrere englische KriegSschiffe.
— Laut Berichten aus Mazatlan — vin San
Francisco — sollen 1100 Mann französischer
Truppen bei Mazatlan mit einem Verluste von
700 Mann geschlageu sein.

Berlin, 3. Mai. Die „Kreuzzeitung"
schreibt: Die Antwort TachsenS vom 29. April
auf die preußische Depesche vom 27. April wird
durchaus ungenügend befunden, unv ist bereits
gestern eine preußische Erwiderung nach Dres-
den abgegangen. Weiter meldet das Blatt, die
Feststellung des Termins für^ die Einberusung
des Parlaments, vor dem Eintritt in die Bc-
rathung deS materiellen Jnhalts des preußi-
schen Neformvorschlagcs, sei kaum zu erwarten,
da schon viele Negierungen sich dagegen auS-
gesprochen HLtten.

Wien, 3. Mai. Die „N. fr. Pr." meldet
telegraphisch aus PariS, daß die ^France" heule
einen Artikcl zu Gunftem des CongreffcS ver»
öffentlichen werde, der insofern von außeror-
dentlichrr Bedeutung sei, weil England gencigt
sein soll, den Vorschlag eines Congresses anzu-
nchmen. — Die in Holstein stehenden Regst
menter rufen ihre Neservebataillone ein. —
Der lcUe Lloydsteamer benachrichtjgto die Ad-
miralltät zu Venedig von der Ansammlung von
14 bis 20 italienischen Kriegödampfern unter
Vacca in Taranto.

Paris, 3. Mai. NUhmittags. Sitzung des
gcsctzgebendcn Körpers. Diskussion über das
Contingentsgcsetz, Staatsminister- Nouher er«
klärt unter lebhaften Beifallsbezcugungen, daß-
unter den gegenwärtigen Verhältnissen die Po-
litik. der Regierung sich in folgenden drei Punk-
ten zusammenfassen lasse: „Fricdliche Politik,
aufrichtige Ncutralität, vollständige AktionS-
freiheit." Wenn Jtalien Ocsterreich angreift,
so wird, wie die Regierung Jralien wiederholt
erklärt hat, Jtalien die Verantwortung ganz
allein zufallen. — Thiers hat gesprochen.

Paris, 3. Mai, Abends. Nente 65.40, italr
Anleihen 44, fest auf eine Depesche Lamarmo-
ras, welche sagt, Jtalien werde nicht angreifm.

Brüfsel, 3. Mai, Nachm. Jn Fjnanzkreisen
wird positiv vcrsichert, daß 10,000 Mann franzö-
sischer Truppen nach Nom abgegangenr seiem

Aus Badrn. Aus Oberkirch und den
meisten Gemeinden des Bezirksamtes SinSheim
sind Zustimmungsadressen aM Herrn Staats»
rath Lamey abgegangen. Jn Frciburg ist eine
Versammlung. von Bürgern, und- staLtsbürgLL-,
lichen Einwotzuern auf Freitag, den 4. d. be-,
rufen worden. Der Gegenstand der Verhand-
lung betrifft^die bekannte Motion deS Frhrn. v.
Andlaw ip der l. Kümmer und sein und seinev
StandeSAenossen.VerhälteU' dabei. Es ist nicht
ein Theit der Grundherren unter der Murg ,
allein, welche über das Auftreten ihreö Stan-
desgenoffen in der 1. Kammer erbittert flnd;
eS wird der „Brcisg. Ztg." aus sicherer Quelle
mitgetheilt, daß dieses Gefühl von einem nicht
unbeträchtlichen Theil der Grundherrrn ober-
halb der Murg getheilt wird, ebenso daß mrh-
rere- iu- Freiburg.. nwhuende-Grrrndherren iw
Folge dieses VorfalleS erklärt huhen, sich so
lange ihreS Stimmrechts zu dem Wahlen in
die erste Kammer zu enthalten, bis die Reor-
ganisation diescS HauscS durchgeführt fei.

1 Heidelberg, 3.Mar. Dir Direcloren vieler deut-

Gottesdienst in Heidelberg.

Sonntag. den 6. M-i, Vormittags 9 Uhr, predigen
in oce HeiliMeistkiZche: Hr. Stadtpix. Herbch^; in der
Providenzkchcher^rr Decan -Dd. Zät t el^

NachmillagS 2 Uhr,

Universitätsgottesdienst in der Providenzkirche
>/4l1 Uhr: Hr. Kirchemath Dr. Schenkel.

Dcutschkatholische Gemeinde.

Obrigkeitliche Bekanntmachungen und Privat-Anzeigen.

Großh. Amtsgericht Wiesloch.

Nr. 3921. Die Wittwe drs Valentin Grün von
Schatthausen, Elisavrtha geb.Grtmm, hat um Ein-
weisung. in dcn Besitz und die Gewähr der Ver-
lassenfchaft ihres s- Ehemannes gebeten. Etwaige
Einsprachen hiegegrn find bei Vermeiden der Nicht-
berückfichtigung btnnen 4 Wochen dahier geltend
zu machen.

Wiesloch, den 3. Mai 1866.

H ördt.

Beck.

Bauarbeilm-Vergebung.

Brrschiedene am AmthauS und Wasenmeisterei-
grbaude dahjer hcrzustellende BäuunierhaltungS-
arbeiten find zu vergeben, und beträgt der Vor-
anschlag

». bcim AmtSgebäude fLr

Maurerarbeit 70 st 3L kk

Schreinerarbeit 120 „35 „

Glaserarbeit 36

Schlosserarbeit ' 53.-„ 46 „

Tünckerarbeit 180 „ 24 „

Tapezierarbett 104 „ 1 „

Pflasterarbeit 6 „ 30 „

b. beim Wasenmeisteretgebäude für

Maurerarbeit 9 fl. 3 kr.

Glaserarbeit 8 ,, 3 „

30

^ -'LI

Schlosserarbeit
Tüncherarbeit
Pflästererarbeit
Angebote werden bis zum 12. d. M, Nachmit-
tags 3 Ubr, auf dem Bureau der unterzeichneten
Buubebörde angeuommen, und können dort auch
dte Ueberschlage und Bedtngungen von heute an

Heidelberg, den 1. Mai 1866.

Gr. Bez.'Bauinspectio».

Waag._—

Bauarbeiten-Vergebung.

Am Forsthaus in Ziegrlhausen vorzunehmende

BauxUuterhaltungSarbeiten, alS

Maurerarbeit, angeschlagen zu 1 fl. 30 kr.

Zimmerarbeit ... 13 ff. 30 kr.

Schretnerarbett ... 5 fl. 20 kr.

Schlofferarbeit ... 3 fl. 12 kr.

Tüncherarbeit . - - 41 ff. 35 kr.

Tapczierarbeit . - - 14 fl. 12 kr.

werden im Einzelnen tn Accvrd gegeben, und find
Ueberschläge unb Beding»ngen von heute an auf
dem Bureau der unterzeichneten Baubehörde zur
Einficht aufgelegt, woi'elbst auch biS zum 14. d.
M. .Angebote angenommen werden.

Heidelberg, den 2. Mai 1866.

Gr. Bez.-Bauinspection.

Waag. (2)

Leihhans.

Wegen stattfindender Pfänder-Reviston ist
daS LeihhauS varläufig von heute an auf acht
Tage gcschlvsscn.

Heidelbcrg, den 4. Mai 186l>.

Fnr die LeihhauS-Commisfion:
Hofsmeister.

Nächste» Montag, den ?. Mai,

Nachmittags 3 Uhr,-

wird auf dem Eomvtoir des Unterzeichneten die
Anfertigung von ctrca 200 Quadratruthen
Rollpflaster an den Wenigftnehm-nden verge-
ben, wozu mit drm Anfügen eingeladen wlrd, daß
die Bedingungen dastlbft ringesehen werdrn k»nnen.
Herrenmuhle in Heidelberg.

ci) «

Eine junge Dame

kalifch ist, sucht eine Stelle als Gesellschafterin.

Gef. Anfragrn bittet man in der Lrp. d. Hetdelb.
Ztg. unter Lhiffre «l. abzugeben. s2P
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