Heidelberger Zeitung — 1866 (Januar bis Juni)

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wklche bisher auf freien Eonferenzen oder durch
Commifsionen verhandelt wurden; 3) nllgemeine
Zoll- und HandelSgksetzgebung in princixieller
Bezikhung; 4) VerkehrSwefen zwischen dcn
vcrschicdenen StaatSgebietcn; 5) Schutz deS
dcntschen HandclS im AuSlande; ö) Gründung
ciner dcutschen KriegSmarine; 7) Consolidirung
der Militärmacht DcutschlandS mitlclst durch-
greisenderR-visionderBundeö-KriegSvcrfasfnng.

Ki-I, 26. Mai. Die „Kiclcr Ztg." meldeti
Einige prcubische Segelschiffe sind auster Dienst
gcstellt; die Mannjchaftcn werdeu zur Bcman-
nnng von KriegSdampfern verwendet. Rescr-
ven des SrebataillonS treffen läglich cin.

T8i-n, 25. Mai. Braliano wirkte hicr ver-
gcblich für die Hohenzollern'sche Kandidatur in
den Donau Provinzen. Vorgeftcrn erklärte Hr.
v. Werther dem Grafcn McnSdorff, die preu-
stsche Regierung sei dem Vorgchen deS Prinzen
Karl sremd.

Wien, 27. Mai. Der Kaifer sagt in seiner
Ansprache bei der gestrigen Garnisonsrevue:
er habe mit Befriedignng die Kricgsbegeisterung
der Truppen wahrgenommen, dieselbe sei ein
großer Faktor zur möglichen Friedenserhaltung.
Sollten jedoch die Bestrebnngeii, den Krieg ab-
zuhalten, scheitern, so werde die Kriegsbegeiste-
rung nicht minder ein segenSreicher Faktor für
die Armee, die Völker und das Vaterland wer-
den. — Der Prin; zu Hohenzollern hat den
Mächten seine Thronbesteigung als Hospodar
von Rumänien angezeigt.

Wien, 28. Mai. Nach Kcnntnignahme
vomNesultat der letzten rumänischen Conferenz-
sttzung in Paris hat die Psorte ihre diplvma-
tischcn Agcnten beauftragt, die die militärische
Occupalion der Donaufürstenthümcr brtreffcnde
Nolc nicht zn übergeben odcr dieselbe, wenn
berciis übergcben, als nicht erlaffcn ansehen zu
lassen.

Oesterrel-Hische Monarchie.

V-n-dig, 25. Mai. Einc amtliche Ber-
ordnnng verbietet, aus Rückstchten der Verlhei-
dignng, allcn Schiffe» die Ein- und Ansfnhr
im hiestgen Hafen bci Nacht.

Frankreich.

Paris, 26. Mai. Der „Moniteur" ver-
össentlicht cinen vom Kaiser bereits genehmig-
ten Bericht dcs Kriegsministers über das völlige
odcr theilweise Eingehen einer Rcihe fester
Plätze und Werke, dre heut zu Tage durch die
Fortschritte im Kriegswesen und durch die Ent-
wickelung der Eisenbahnen entbehrlich oder unnütz
geworden sind. Die Berichte der Budgetkom-
missionen und die Wünsche zahlreicher Ein-
wohnerschaften lassen bie Durckführung einer
solchen Maßregel als sehr zcitgemäß erscheinen.
Es werden mithin im Ganzen für 98 feste
Plätzc oder einzelne besestigtc Werke, die zu
diesem Behufe in 4 Kategorien eingetheilt wor-
ven stnd, Veränderungen eintreten. 1) 18 feste
Plätze werden völlig aufgegcben, die betreffen-
den Grundstücke, sowie zum Theil die in den-
selben besiudlichen militärischen Gebäude ver-
kauft, 2) 9 hören auf, feste Plätze zu sein,
bleiben aber Militärdömänen, 3) 37 verblciben
fcste Plätze und Werke mit Aufhcbung der
Servituten des Festungsrayons, und 4) 34
werden einer Verkleinerung ihres Rayons theil-
haftig. Jndem der Kriegsminister diese Maß-
regel in Vorschlag bringt, unterläßt er nicht,
die Aufmerksamkeit des KaiserS auf die Noth-
wendigkeit hinzulenken, die Werke der Haupt-
gränzfestungen zu erweitern und gegen die
zerstörenden Wirkungen der neuen Ärtillerie
sicher zu stellen. Auf diese Ärbeiten sollen
alle Summen verwandt werden, welche sich aus
dem Verkauf dcr Grundstücke und deS Materials
der zu schleifenden Plätze ergeben werden.

S ch w e i z.

Bern, 26. Mai. Jtalien und Frank-
reich garantiren ebenfalls (wie Oesterreich)
die schweizerische Neutralität; letzteres fordert
dieselbe von allen Nachbarn. — Das östrei-
chische Getreideausfuhrverbot ist aufge-
hoben, Hafer ausgenommen.

Z t a l L e n.

Florenz, 25. Mai. Da die Bataillone
der Freiwittigen vollzählig sind, so suspendirt
der KriegSminister die Einziehungen vom 26.

Mai ab mit dem Vorbehalt, dieselben im Fall
des Bedürfniffes wicder zu eröffnen. — Jn
Neapel ist ein reactionäres Comite zur Ver-
leitung der Soldaten zur Desertion entdeckt
worden. Cs haben Verhaftungen stattgefunden.
Nie-erlande
Haa», 27. Mai. Der Prinz von Augusten-
iurg (welcher?) ist hier eingetroffen. Man
vermuthet, seine Reise stehe mit den deutschen
Angelegenheiten in Verbindung. Der Prinz
hat uin eine Audienz beim König nachgesucht.

Haaiz, 28.Mai. Neues Ministeriiim: Van
Zuylen Auswärtiges, Heemskerk Jnueres,
Schimmelpfcnniugk Finanzen, Meysr Colonien,
Borret Zustiz, Audreä Marine; das Kriegs-
ministerium noch unbesetzt.

P ort » g a l
Liffabon, 27. Mai. (W. T.-B.) Eine
brasilische Divifiou landete am 16. April auf
dem linkeu Ufer des Paraguay und schlug die
Paraguyten, welche ,am 23. gegen Humaita sich
kämpfend zurückzogen.

D ä n e m a r k
Kopenhag-n, 26. Mai. Die „Kopenh.
Gen.-Korresp." meldet als posttiv: Das Kriegs-
ministerium hat Vorbereitungen zur Mobili-
strung getroffen. Wie man wissen will, hat
Frankreich die Mobilisirung von 30,060 Mann
angerathen.

T ü r k e t

Bukarefi, 27. Mai. (W.T.-B.) Demeter
Ghika ist gestern mit einem Schreiben des
Fürsten Karl an den Kaiser von Oesterreich
abgereist. Die Kammer votirte eine Civilliste
rron 100,000 Dukaten. Der Fürst nimmt nur
das zur Unterhaltung seines Harrshaltes Er- -
forderliche an. Morgen reist derselbe nach der
Moldau ab.

Neueste ^dachrichten.

Berlin, 28. Mai, Abends. Die „Kreuz-
zeitung" hört, daß die Regierung den Confe-
renzvorschlag angenommen hat. Die Truppen
des Gardecorps, welche heute ausrücken sollten,
haben Befehl erhalten, weitere 14 Tage in den
hiesigen Qnartieren zu bleiben.

Agram, 28. Mai, Nachmittags. Gcstern
überreichte die hiesige Stadlrepraserttanz dem
BanuS eine Loyalitätsadresse zur Beförderung
an den Kaiser, worin sie ihre Bereitwilligkcit
erklärt, im Hinblick auf die dem Staate drohcn-
den Gefahren Leben und Gut für den Thron
des Kaisers und die Erhaltung der Monavchie
zu opfern.

London, 28. Mai, Abends. Jm Unterhaus
erwiederte der Unterstaatssecretär .Layard auf
eine Anfrage des Abg. Griffith: Die rumä-
nische Conferenz in Paris betrachte die Erwäh-
lung des Prinzen von Hohenzollern als illegal,
werde aber eine thatsächliche Jntervention nicht
autorisiren. Jn einem Ämendemcnt zur Re-
formbill blieb die Regierung mit 10 Stimmen
in der Minderheit.

Paris, 28. Mai, Abends. Die identischen
Einladungsschrciben zu den Ministerconferenzcn
sind heute in Wien, Berlin, Florcnz und am
Bundestage übergeben worden. Als Bevollckläch-
tigte können Gesandtc fungiren. Von England,
Nußland und Preußen erscheinen wahrscheinlich
die Premierininister. Jn die deutsche Reform-
frage, soweit dieselbe die Dundesverfaffung be-
trifft, ist eine Einmischung nicht beabsichtigt.
Die Zuzichung des deutschen Bundes wurde
für erforderlich erachtct, wcil durch die vene-
tianische, die Elbherzogthümer- und die Limbur-
ger Fragc Compensationsvorschläge, folglich deu
Bund berührende Territorialveränderungen dis-
cutirt werden. Zur Vertretung des Bundes wird
cin bayerischer Staatsmann erwartet. Die Er-
öffnung dcr Confercnz soll durch das verzögerte
Erscheinen eines Bundesbevollmächtigten nicht
anfgeschoben werden.

Paris, 28. Mai. AbendS. Die Nachricht,
daß die Türken in die Donaufürstenthümer
eingerückt seien, ist falsch.

* Heidelberg, 28. Mki. Der „Pfälzer
Bote" ist durch den Artikel in Nr. 122 un-
serer Zeitung auS „Ketsch", worin derjclbe der
Lüge und Unwahrheit bezüchtigt wird, offenbar

in eine unzurechnungSfähige Stimmung ver-
setzt worden. Derselbe überschüttet unS
wegen jener Eorrespondenz in seiner neuesten
Nummer mit einer vollen Ladung seineS
Giftes und seiner schwarzen Galle. Ein deut-
licher Beweis, wie richtig jcne Mittheilung
war, und wie stark sie die Nerven des an
die Vorwürfe der Unwahrheit gewohnten Boten
crschütterte. — Wir halten es jedoch untcr un-
serer Ehre, mit einem Gegner zu kämpfen, der
— ganz eines FeiglingS würdig — aus siche-
rem Verftecke die ordinärsten Beschimpfungen
über uns ergießt, und uns mit unserer Äbwehr
an den unschuldigen gedungenen Strohmann
jenes ultramontanen Blattes verweist. Ein
solches sich von selbst richtendes jesuitischeS Ver-
fahren überlassen wir getrost dem gesunden Ur-
theile des Publikums.

Aus Baden. Heinrich Freiherr v. An-
dlaw, Heinrich Graf v. Kageneck, Max Graf
v. Kageneck und Roderich Frhr. v. Stotzingen
haben sich in einer Erklärung an ihre Wähler
gewendet, worin ste sich über die beschränkte
Wirksamkeit der Ersten Kammer, über die
Lügen, Verläumdungen und Täuschungen, die
man gegen sie gebraucht, über die Verkümme-
rung der Redefreiheit durch geschäftsordnungs-
widrige Einmischungen, Untcrbrechungen odcr
drohenden Ordnungsruf u. s. w. beklagen —
eine Stcllung, die mit ihrer Standes- und
Mannesehre unvereinbar gewesen sei. Diesel-
ben Gründe aber, welche ihren Austritt aus
der ersten Kammer bedingt hättcn, geböten
ihnen auch, auf eine etwa auf sie fallende neue
Wahl zu verzichtcn. Sie würdcn sich auch
jeder Betheiligung an der Wahl so lange ent-
halten, als keine Garantie gegen die terroristi-
schen Mittel beständen, welche von dem Partei-
geiste gegen sie angewendet worden seien. —
Jn Wertheim starb am 23. im 89. Lebens-
jahr ein in diplomatischen Kreisen bekannter
und geschätzter Mann, der fürstl. Löwenstein-
Wertheim-Rosenberg'jche Geh. Rath Franz von
Jagemann.

4s" Von der Oos, 26. Mai. Man vernimmt

des FrühliniiS stund der Werth von Rebgeläiiden ^per
Ruthe auf 3 fl., jetzt sind Grundstückc 2 fl. die Ruthe
zu kaufen.

):( Baden, 25. Mai. Heute stunden zwei Bursche
vor Gericht unter der Anklage des Diebstahls zum Nach-
theil des deütschen BundeS. Sie hatten eine Bleiröhre
anf einem Blvckhans in Rastatt entwendett Jn Frank-

vermischt» klachrichtrn.

stattfinden sollte, fallt laut Ansschreiben d^s betrefienden
Comite's in Rücksicht auf die Zeitverhaltnifie auS.

' Locales. (Eingesandt.)

W,c -n-iencbm -« iii.nm Frnblinj, nnler blühcnden
Obstbäumen. i« Sommer geschützt vor brcnnenden
Strählen der heihen Miltaggsonne, im Herbste,
wenn dieselben Mit Früchten prangen, ;u wandeln,
weiß Jeder; um so wünschenswerther wäre es, wenn
die Straße von der Brücke bis zum Harlaß. aus ivel-
cher jetzt die Spaziergänger durch keine Schiffreiter mebr
belästigt werden, mit Obsibäumen bepflanzt würde.

Auch könnte die Gemeinde Neuenheim von der Brücke
bis oberhalb Dilg's Weinbera an der Sttaße hin eine
Allee Bäume setzen und die Fahrstraße an die Häuser
hin verlegen, eS wäre schöner als dre vor Hecklers Gar-
tenmauer lagernden Schiitkhäufen; älteren Leuten wird
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