Heidelberger Zeitung — 1866 (Januar bis Juni)

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Uridelbkrgtr Zeitimg.

Kreisverküiidigungsblatt sür den Kreis Heidelberg und aintliches Berkündigungsblatt für dic Amts^ unü Anits-
Gerichtsbezirke Heidelberg unü Wicsloch und den Amtsgerichtsbezirk Neckargemüno.



Freitag, 22. Zuni 18««.

* Polilische Umschau.

Heidelberg, 21. Juni.

Der hannover'sche Finanzminister ist heute
über Bremen in London eingelroffen und hat
85 Pakete Metallgeld in der englischen Bank
deponirt.

Oldenburg und Anhalt, die der 15. Curie
angehörten, haben ihren Austritt ans dem Bunde
amtlich notificiri-

Ein Correspondent der Köln. Ztg. meldet
nach Briefen aus Florenz, daß am 18. die
italienischen Truppen mit Umgehung des
FestungSvicrecks iu Venetien eingerückt seien.

Der „France" zufolge scheint cs stcher, daß
in Jtalien die Flotte den Anfang des Krieges
machen wird, wahrend die Freischaaren in
Tyrol eindringen um dort die Bevölkerung
aufzuwiegeln.

Vom Kriegsschanplatz.

' Die N. B. L.-Ztg. erhält aus Karlsruhe
die zuvcrlässigste Meldung, daß zur Zeit an
einen Einmarsch preußischer Truppen nach
Nheinbayern nicht zu denken ist, im Gegentheil,
man sah gestern in Rhcinpreußen dem Ein-
marsche bayerischer Truppen entgegen, und
wurden in Saarbrücken in der Nacht vom 17.
auf dcn 18. eine Anzahl Arbeiter bereit ge-
halten, um die Schienen der Bahn aufzureißen,
wenn die süddeutschen Truppen heranzögen.

Die Preußen haben Plauen besetzt u. stehen
eine Stunde von Hof.

Nachrichten vom 20. zufolge befindet sich der
Kurfürsi von Heffen noch in Wilhelmshöhe.
Die Preußen seien in Fritzlar stehen geblieben.
Der kurhess. Staatsschatz sei gerettet. Die
Truppen haben Fulda erreicht.

Die Zahl der in Hannover vom Norden
her eingerückten Trnppen wird von cinem Cor-
respondenten der Wes. Ztg. auf 17,000 Mann
angegeben.

Der Operationsplan scheint in den jüngsten
Tagen eine bedeutende Veränderung erlitten zu
haben, und läßt sich daraus auch schließen,
weßhalb es der preußischen Armee möglich war,
ohne Schwertstreich die militärisch wichtige Po-
sikion der sächsischcn Hauptstadt einzunehmen,
ohne daß Benedek irgend ein Hinderniß in dcn
Weg legle. Es scheint vor Allem eine Vcrbin-
dung zwischen der österreichischen, bayerischen
und sächsischcn Armee beabsichtigt gewesen zu
sein, welche nunmehr auch erfolgt ist. — Damit
wurde jedoch auch eine Berändcrung deS Feld-
zugsplanes ausgeführt, welcher, wie es den
Anschein hat, wahrscheinlich auf einen Haupt-
stoß in Oberschlesien berechnet ist. Denn es ist
die ganze aus dem ersten, fünften und sechsten
Armeecorps bestehende schlesische Armee mit
großer Hast nach Oberschlesien, vorzugsweise
zwischen Neisse und Natibor, geworfen worden.
Wie schon früher berichtet wurde, hatte der mit
seinem Corps in die Gegend von Neisse vor-
gerückte preußische Corpscommandirende v. Mu-
tius in Neisse sein Corpsquartier genommen,
und dorthin ist nun auch der Kronprinz mit
seinem Hauptquartier von Fürstenstein gereist.
Daß diese Veränderung Plötzlich und unerwar-
tet gekommen ist, zeigt die Thatsache, daß der
Kronprinz zwischen seinem Hauptquartier und
Waldenburg, Friedland u. s. w. erft vor eini-
gen Tagen Telcgraphenleitungen hcrstellen licß,
welche kaum ihre Vollendung erreichten, als
der Befehl vom König zum Anfbruch aller
bei Landeshut, Waldenburg, Fricdland und s
Hirschberg licgcnden Truppen eintraf. Jn den .
jüngsten Tagen sind 14 Ertrazüge, immer '

je und je nach zwei Stunden, mit Trup-
pen des ersten Armeecorps mit der Freiberger
Bahn nach Breslau und von dort nach zwei-
stündigcr Nast mit der oberschlesischen Eisen-
bahn nach Natibor expedirt worden, während
andere Theile dieses Armeecorps den auf ver-
schiedencn Straßen marschirenden Truppen des
fünften und sechsten Armeccorps nachgefolgt
sind und in diesem Augenblick auf diesem Wege
ihren Bestimmungsort bei und oberhalb Neiße
noch kaum erreicht haben dürften. Jn der ver-
flossenen Nacht ift auch das zweite Garderegi-
mcnt zu Fuß, mit der Eisenbahn aus Berlin
kommeno, mit sechs Extrazügen der oberschlcsi-
schen Eisenbahn nach dem nun bald blutigen
Kriegsjchauplatz bcfördert worden. Das erste
Garderegiment zu Fuß wird demselben hcute
Nacht oder morgen nachfolgen. Das Walden-
burger Gebirge und das Hirschberger Thal,
welches noch jüngst vom Geräusch dcr Waffen
wiederhallte, ist also gegenwärtig, mit Ausnahme
dex größeren Städte, wieder von Truppen ent-
blößt, und es sind an der Grenze nur so viele
Soldaten vorhanden, als zur Bewachung der
auch von den Oesterreichern schwach besetzten
Grenze nothwendig erscheinen.

Die Frankfurter Blätter erhalten nunmehr
zufolge einer Entschließung des Obercommando's
officielle Mittheilungen über den Stand der
kriegerischen Vorgänge und Operationen. Wir
entnehmen denselben Folgendes: „Am 18. Juni
stand das Gros der preußischcn in Hesseu
operirenden Truppen bei Zesberg und waren
sowoht an diesem als auch am gestrigen Tage
Gießen mit Umgebung und Wetzlar unbesetzt.
General v. Beyer ist mit seinen Truppen im
Marjche auf Hersfeld; es ist demnach die preus-
sische Hanptmacht im Thale der Fulda zwischen
Kassel und Hersfcld aufgestellt. — Das Haupt-
quartier Sr. Hoh. des Priuzen Alcxander von
Hessen, Commandanten deS 8. Armcecorps, ist
nuu volljtänoig organisirl und ist die Con-
centriruug dieses 60,000 Mann Combattamen
zählenden Corps nahezu bewerkstelligt. 12,000
zu diesem Corps stvßende Oesterreicher sind im
Anmarsche."^

München, 19. Juni. Nach Mittheilungen
aus Landshut sind dort alle Bahnzüge einge-
stcllt und wurddn 30,000 Oesterrcicher auf dem
Durchmarsche erwartet. Wegen Militärtrans-
porten find auf der Linie Salzburg-Passau alle
Güterzüge eingestellt.

Augsburg, 19. Juni. Gestern passirten
den Bahnhof, und zwar meist in nördlicher
Richtung, an neun Extrazüge mit bayrischen
Truppen.

Wien, 20. Juni. Die Nordarmee soll sich
in Bewegung gesetzt haben.

Prag, 17. Zuni. Die Elbdampfschifffahrt
wurde eiugestellt. Die sächsische Laudes-Commis-
sion, welche das Land regiert, besteht aus den
Herren Falkeustein, Friesew, Schneider und
Engcl. Von den Preußen stehen in Löbau
10,000 Mann, in NiesaDragoner. JnHerrn-
hut, Hirschfelde, Zittau, Dtrehle, Wurzcn, Dah-,
len, Machern sind 20,000 Mann vom ostpreu-
ßischen Corps eingerückt. — Dcr Numburger
Jndustricgegend wurde eine Million StaatS-
subvention bewilligt. Das westfälische Armee-
corps bei Leipzig zieht gegen Schlesien.

Berlin, 18. Juni. Die preußischcn Corps-
Commandauten, welche in Hannover, Sachsen
uud Kurhessen eingerückt siud, haben (nach einer
Berliner Mitlheilung in Wiener Blättern) die
strengsten Justructionen, gegen die Bevölkerung
die freundlichste Haltung beobachten zu lasfen,
bei einem Zusammcntreffen mit Truppen das

Blutvergießen möglichst zu vermeiden und auf
Entwaffung durch überlegene Macht zu operiren.
— Wie der „Coblenzer Zeitung" aus zuver-
lässiger Quelle gemeldet wird, ist durch eine
Cabinetsordre vom 5. d. Mts. allen unter
Waffen stehenden Wchrmännern und Reser-
visten die Theilnahme an den Wahlen untersagt.

Deutschland.

Karlsruhe, 20. Juni. Durch höchsten-Befehl Sr.

audilore Benitz, von Reichlin - Meldegg ^ und
L'. tschgi alS Feldauditore.

d Karlsru^e,^20. Juiii^ Jch ernennc Meinen ^errn

(gez.) Friedrich. ^

(gez.) Ludwig. '

Jm großh. Armeecorps treten, in Folgc der durch
allerhöchsten Befehl voin 18. d. M., Nr. 39, angeord-
netcn Auistelluiig der^großh. Felddivision, nachstehende

werden b^efehlig't:

Oberst Kcller, Chef des GeneralstabS, als solcher,
Major v. Türckheim vom (1.) Leibdragoner-Regim.

merie. Hauptmann Werner vom 3. Jnf.^Regiment,
als Coinniandant der Jnfanteric - StabScompagnie, zu
welchcr Oberlieutenant v. Nüdt-und Lientenanl von
Sch eurer vom Leib-Grenadier-Negim. und Lieutenant
v. Nöder vom 5. Jnf.-Negiment verfetzt werden.'

H. Generalstab.

Hauptmann 2. Kl. Seyb im Stab deS 8. deutschen
Armeecorps rückt in die 1. Klasfc seiuer Charge vor;

1. Füsilierbataillon, werden zu Hauptmännern 2.Klasse
III. Jnfanterie.
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