Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 14.1916

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THOMAS HERBST, DORF IM WINTER. 187Ö

HAMBURGER KUNSTHALLE

CHRONIK

Antwortschreiben an Herrn Professor Georg
Biermann in Darmstadt.
Sehr geehrter Herr Professor!

Auf Ihren Brief im Juniheft des „Cicerone" muss
ich antworten, damit die Leser Ihrer Zeitschrift nicht
glauben, Sie hätten recht mit Ihren Behauptungen. Ich
halte mich nur an das Thatsächliche, Punkt für Punkt.

1. Ad Ignaz und Ludwig Stern und Spiegier. Über
die Lebensdaten der Genannten lässt sich nicht mehr
streiten, da gründliche Speziallexika existieren. Hier
die gewünschten Quellen: Für Stern: Noack, Deutsches
Leben in Rom 1700—1900. Register S. 420. Für
Spiegier: Schurr, Das alte und neue Münster in Zwie-
falten. S. 9j.

1. Ad Winckelmann. Dass die Herren, die Ihnen
beim Lesen der Korrektur halfen, über eine unmög-
liche Zahl hinweglesen, ist belanglos. Das Bedenkliche
ist, dass ein Autor, der über achtzehntes Jahrhundert
arbeitet, überhaupt eine solche Zahl diktiert oder
schreibt. Die wenigen Hauptdaten, auf die es ankommt,
hat man entweder im Kopf oder man hat sie nicht im
Kopf.

3. Ad Maria Theresias Aufenthalt. Gewiss steht
in dem Handbuch, Maria Theresia habe sich in München
huldigen lassen. Aber die Falschheit beginnt in dem

Augenblick, wo Sie aus dieser Thatsache folgern, Maria
Theresia sei deshalb in München gewesen: sie Hess sich
eben ,,in absentia" huldigen.

4. Ad Hagedorn. Bildnis von van der Smissen. Sie
erzählen, die Sache verhalte sich allen Ernstes so, dass
Sie das Bild lediglich auf Grund von Stilkritik dem van
der Smissen zugewiesen hätten. Jeder Student weiss,
dass man die Erwähnung der eigenen stilkritischen
Tüchtigkeit so lange vermeiden muss, bis man sicher ist,
dass die fragliche Entdeckung nicht auch schon von
andren gemacht ist. Dies aber ist genau Ihr Fall.
Ausser den Hagedorn-Ausgaben, in denen schon Ihre
Entdeckung stand, kannten Sie nicht:

a) die ausgezeichnete und grundlegende Arbeit von
Hubert Stierling „Leben und Bildnis Friedrich Hage-
dorns" (Mitteilungen aus dem Museum für hambur-
gische Geschichte 1911), in der die ganze Frage der
Hagedorn-Ikonographie endgültig und einwandfrei ge-
löst ist.

b) die Notiz der Zeitschrift „Cicerone" (Jahrgang
1909. S. 425), in der das Bild dem van der Smissen zu-
gewiesen wurde.

c) die Mitteilung der Hamburger Kunsthalle, in der
Ihnen das Bild für Ihre Ausstellung als ein Werk des van
der Smissen (?) für Ihre Ausstellung bezeichnet wurde.

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