Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 14.1916

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DIE AUSG1ESSUNG DES HEILIGEN GEISTES
VEZEI.AY

GRECOS GOTIK

UND SEINE BEZIEHUNGEN ZUR BYZANTINISCHEN KUNST

VON

AUGUST L. MAYER

Vor einiger Zeit hat Meier-Graefe in diesen
Blättern den Versuch gemacht, Grecos Barock
zu analysieren*. Dabei kam er naturgemäss auf das
Gotische in Grecos Kunst zu sprechen. Diese Gotik
Grecos hat er ganz kurz skizziert und aus der inneren
Verwandtschaft zwischen Gotik unb Barock, aus der
„heimlichen Gotik" des Barock heraus zu erklären
versucht. Es dürfte an der Zeit sein, diese Gotik in
der Kunst Grecos doch noch etwas genauer zu unter-
suchen und eine wirklich befriedigende Erklärung
dafür zu finden. Cossio sowohl wie Meier-Graefe
haben Greco allzusehr als eine ganz singulare

* Kunst und Künstler X, 78ff., vergl. auch die Abbildungen
X, 512; XIII, 525.

Erscheinung genommen und sich nicht übermässig
bemüht die Kunst des Meisters mit der seiner Zeit-
genossen zu verknüpfen, noch auch dafür den An-
schluss nach rückwärts zu suchen. Was Greco mit
den italienischen Manieristen des sechzehnten Jahr-
hunderts verbindet, habe ich schon an anderer Stelle
auseinanderzusetzen versucht. Die Beziehungen des
Meisters zu Tizian, aus dessen „Ermordung des Petrus
Martyr" der Meister noch 1578 eine Figur für seine
„Auferstehung Christi" in Sa. Domingo el Antiguo,
ein nach Meier-Graefe besonders von Michelangelo
beeinflusstes Werk, übernommen hat, sein Verhältnis
zu Paolo Veronese, Tintoretto und Jacopo Bassano,
seine Caravaggiesken Tendenzen sollen in diesem

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