Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 14.1916

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MEDAILLE FÜR DEN MINISTER V. LADENBERG

VORDERSEITE
NACH EINER LITHOGRAPHIE VON FRANZ KRUGER

1839

RÜCKSEITE
NACH EINER ZEICHNUNG VON ADOLF MENZEL

EINE MEDAILLE FÜR DEN MINISTER V. LADENBERG

NEBST ENTWÜRFEN UND BRIEFEN

VON MENZEL, KRÜGER UND SCHINKEL

MITGETEILT VON

PAUL MAHLBERG

Die hier nach Vorder- und Rückseite abgebildete
Medaille auf das fünfzigjährige Dienstjubiläum des
Staatsministers Philipp von Ladenberg entwickelt mit
dem erreichbaren Drum und Dran von Zeichnungen
und Schriftstücken so etwas wie einen Querschnitt
durch die berlinischen ästhetischen Verhältnisse vom
Datum 1839. Sie vereinigt nämlich auf sich in ver-
schiedenem Umfange die Personen Schinkel, Krüger
und Menzel. — Schinkel steht am Ende seines Lebens,
ein Jahr später tritt die Geisteslähmung ein, und in
einem seiner hier abgedruckten Briefe (siehe Nr. 5)
erscheint er als ein hinfälliger Mann. Noch ist er aber
das wirksame künstlerische Gewissen Berlins, und im
vorliegenden Falle hat er die künstlerischen Dispositio-
nen übernommen. Von Krüger nimmt er um 79 rthr.
10 sgr. die Porträtzeichnung des Jubilars. Der vierund-
zwanzigjährige Menzel ist dazu ausersehen, die Zeich-
nung für die allegorische Darstellung zu machen. Nach
der Ablieferung muss er sie, offenbar auf Antrag des
Oberlandforstmeisters, der die geschäftliche Seite der
Angelegenheit in der Hand hat, umändern. Der neue
Entwurf wird genehmigt, und Menzel bekommt schliess-
lich dafür 22 rthr 20 sgr. In dem Verhältnis des Honorars
ist die allgemeine Situation ausgedrückt. Der Professor
Krüger ist ein schon geschätzter Künstler, und wohl wird

Menzel bereits zu Gelegenheitsarbeiten herangezogen,
geht aber erst an die Holzschnitte zu Kuglets Geschichte
Friedrichs des Grossen heran, die ihn bekannter machen
sollen. (Krüger steht vor der „Potsdamer Parade".) Man
kann es übrigens Menzel nachfühlen, dass er späterhin
von solchen Aufträgen, für Medaillen zu zeichnen, nichts
mehr wissen will. (Siehe Nr. 6.)

Der Jubilar — die hier wiedergegebene im Kgl.
Lithographischen Institut hergestellte Lithographie zeigt
den alten Herren nach einer Krügerschen Zeichnung als
von aufrechter Figur, klugem sympathischem Gesicht
mit dem Signalement von einigen Eigenheiten — war
nach dem Rechtsstudium mit zwanzig Jahren (1789) in
den preussischen Staatsdienst eingetreten, kam 1792
zur kurmärkischen Kriegs- und Domänenkammer und
machte, vorzüglich im Fache der Finanzen beschäftigt,
schnell Karriere. Verschiedentlich wurden ihm Beweise
königlichen Vertrauens zuteil, und im Jahre 1834 erhielt
er bei der Dreiteilung des Finanzministeriums die neue
Stelle eines Chefs der die Domänen und Forsten um-
fassenden IL Abteilung des Ministeriums des Kgl. Hau-
ses, von 1837 an mit dem Prädikat eines Geheimen
Staatsministers. Sein König verlieh ihm zum fünf-
zigjährigen Dienstjubiläum die Brillanten zum Roten
Adlerorden I. Klasse mit Eichenlaub; später erhielt er

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