Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 14.1916

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HANS THOMA, MA1NI.ANDSCHAFT. 1874. ZEICHNUNG
BESITZER: FRITZ GURI.ITT, BERLIN

HANS T HOMA

VON

KARL SCHEFFLER

Wenn man die Friedenszeir zwischen 1870 und
1914 als eine geschlossene Epoche von beson-
derem geschichtlichen Charakter betrachtet, so wird deut-
lich, dass die Lebensarbeit Hans Thomas durchaus dieser
Periode angehört, dass dieser Maler am Gesicht der vier
Jahrzehnte entscheidend mitgearbeitet hat und auch
wiederum von ihnen gebildet worden ist. Aufstieg und
VollendungdesTalents fallen ganzin diesenZeitabschnitt.
Eine umfassende Ausstellung von Bildern Thomas, wie
sie jetzt bei Fritz Gurlitt stattfand, ist darum ebenso
berechtigt wie es die Ausstellungen von Werken Lieber-
manns, Trübners, Corinths und Slevogts gewesen sind.
Ja, mehr noch als die Lebensarbeit dieser Vier-Slevogr
ist noch nicht einmal fünfzig Jahre alt — wirkt die
Thomas abgeschlossen, sie wirkt schon historisch. Die
Persönlichkeit nimmt sich, den andern gegenüber, ganz
patriarchalisch aus — und das nicht nur durch Alter und
Erscheinung.

Aber nicht nur als Bilanz war diese Ausstellung viel-
leicht gedacht. Es hat mit ihr wohl noch eine besondere
Bewandtnis. Eine neue Jugend tritt nämlich hervor und
ihre Wortführer erklären, der „Impressionismus" Lieber-
manns, Corinths, Trübners, Slevogts und anderer sei
„überwunden" oder müsse es doch werden, dem „Ex-
pressionismus" Thomas aber gehöre in gewisser Weise
die deutsche Zukunft. Thoma erlebt es in seinen alten
Tagen, dass sein Lebenswerk noch einmal programmatisch
wird und dass die Jüngsten ihm die Ehrenmitgliedschaft
antragen.

In den vergangenen Jahrzehnten hat Thoma eine
wichtige Seite der deutschen Romantik verkörpert.
Nachdem er als Maler wie ein Holländer und wie ein
Anhänger der Schule von Fontainebleau begonnen hatte,
hat er sich, nach einer Periode äusserer Erfolglosigkeit,
mit bewusster Konsequenz dem Kreise um Richard
Wagner angeschlossen. Sein Ideal mag Hans Sachs ge-



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