Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 14.1916

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LIEBERMANNS KOPIEN NACH FRANZ HALS

VON

ERICH HANCKE

Als eines Tages in Liebermanns Gegenwart die mit dem Pinsel in der Hand. Die unmittelbarste

Rede daraufkam, wie wohl Franz Hals seine Schaffensweise gilt ihm für die höchste. Was er

Schützenstücke, von denen bekanntlich keinerlei in sich selbst als das Stärkste und Lebendigste

Entwürfe erhalten sind, angefangen haben könne, fühlt, drängt ihn zu dieser Überzeugung. Mit

und die Meinung ausgesprochen wurde, dass er, welcher Genugthuung zitiert er nicht den Fran-

wenn auch ohne Entwurf, so doch wenigstens mit zosen, der von ihm sagte, er sei ein „peintre prime-

einem bestimmten Plan
an die Arbeit gegangen
sein müsse, da wollte Lie-
bermann hiervon nichts
hören und fügte hinzu:
wie ich Franz Hals auf-
fasse, ist er ein viel
grösserer Maler. Die Vor-
stellung, dass Franz Hals
seine Bilder im Kopfe kon-
zipiert und dieses Konzept
nachträglich nur ausge-
führt haben sollte, war ihm
zuwider. Seiner Meinung
nach komponiert der Maler

MAX LIEBERMANN, KOPIE NACH FRANZ HALS

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sautier"! Und weil er in
Franz Hals den Inbegriff
dieser Unmittelbarkeit er-
kennt, deshalb ist er für
ihn der ideale Maler, die
Verkörperung dessen, was
er unter malerischer Phan-
tasie versteht. Wenn er
Manet liebt, so geschieht
es hauptsächlich um des
Stückes Franz Hals willen,
das er in ihm wiederfindet.
Manet ist ihm ein Mitstre-
bender,FranzHals das uner-
reichbare Vorbild.
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