Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 14.1916

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ABBILDUNG T

NOCHMALS:

UNBEKANNTE, SOGENANNTE UND APOKROYPHE BILDER LEIBL'S

VON

EMIL WALDMANN

Seitdem vor etwa zwei Jahren in diesen Blättern
eine nicht unbeträchtliche Anzahl apokrypher
Leiblbilder veröffentlicht wurden (Jahrgang XII, Seite
86 und Seite 1^9, Oktober und Dezember 19 13),
ist ein Teil dieser bedenklichen Stücke aus dem
Verkehr der Kunstmärkte verschwunden und zurück-
gekrochen in die wohlverdiente Anonymität, be-
ziehungsweise nicht wieder aufgetaucht aus der Stille
des betreffenden Privatbesitzes. Andres, wie zum
Beispiel die grosse Wildererzeichnung (a. a. O. Ab-
bildung XII, Seite 92) hat dennoch einen Besitzer
gefunden, trotzdem sich nachher herausstellte, dass
jenes Attest von der Hand Rudolf Hirth du Fresnes,
auf das sich der Verkäufer berief, sich gar nicht auf
diese Zeichnung bezog, sondern auf eine ganz andre.
(Auf welche, war nicht zu ermitteln). Nur wenige

Arbeiten fahren fort, den Kunstmarkt fortwährend
weiter zu beunruhigen, und zwar keine so hartnäckig,
wie jene„Alte Frau mit dem karrierten Schultertuch",
die aus diesem Grunde hier in der Einleitung noch-
mals abgebildet sei: (Abb. 1). Im letzten Jahre
ward dieses Bild von nicht weniger als vier ver-
schiedenen Seiten immer wieder als Leibl angeboten,
versehen mit einer Reihe von Attesten von Münchener
Malern, Zeitgenossen oder Jugendfreunden Leibls.
Es soll die Frau Trinkl von der Plonermühle in
Dachau darstellen, laut Aussage der Kinder dieser
Frau, von denen ein Sohn sich genau erinnert, dass es
von Leibl stamme, und laut Aussage eines zwölf Jahre
lang bei Frau Trinkl bedienstet gewesenen Knechtes,
der dieselbeThatsache zuProtokoll gegeben hat. Ver-
kauft wurde es von Bauersleuten, die nach München

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