Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 14.1916

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LOV1S C0R1NTH, OBSTSTILLEBBN

BERLINER SEZESSION 1915

iese Ausstellung verhält sich zu
den grossen Sezessionsausstel-
lungen der früheren Jahre un-
gefähr, wie sich in diesen
fleisch- und fettlosen, brot-
und mehlarmen Tagen ein
Kriegsdiner zu einer Gasterei
der Friedenszeit verhält. Es
wird immer schwieriger, den
Gästen etwas Ausgesuchtes
vorzusetzen; es giebt nur wenige Schüsseln und
Reste von gestern werden unbedenklich verwendet.
Die gute Hausfrau verzagt trotzdem nicht; sie
deckt den Tisch freundlich wie sonst und richtet
die geringeren Speisen so geschmackvoll an, dass
die Suggestion eines festlichen Essens auch so bei

den anspruchsloser gewordenen Gästen erzeugt
wird.

Dieser guten Hausfrau gleicht die Künstler-
vereinigung, die heute den Namen Berliner Sezession
führt. Sie hat in diesen harten Zeiten den Mut
gefunden ein Haus zu bauen, hat für dieses Haus
die beste Gegend gesucht, die es in Berlin für ein
Ausstellungsunternehmen dieser Art giebt, hat das
Gebäude, einen zufällig vorhandenen Plan klug
nutzend und Erinnerungen an das ältere Ausstellungs-
haus weiter oben am Kurfürstendamm nicht aus-
weichend, praktisch behaglich eingerichtet, hat die
Kunstschau geschickt inszeniert und so erreicht,
dass der Besucher lebhaft an die Empfindungen er-
innert wird, die er, ach wie oft! in den Räumen
der alten Berliner Sezession gehabt hat. Wüsste

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