Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 14.1916

Page: 163
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kk1916/0180
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
MODERNE HOLLÄNDISCHE MALEREI

VON

ERICH HANCKE

'päter als andere Länder hat Holland sich
der neusten Bewegung in der Malerei
angeschlossen. Das ist erklärlich. Denn
erstens steht der konservative Holländer
|jedem Neuen zurückhaltend gegenüber.
'Sodann hat er thatsächlicheinennationalen
Besitz an malerischer Kultur zu verteidigen,
dessen er sich sehr bewusst ist. Das zeigte sich schon
in dem Verhältnis der holländischen Malerei des
vorigen Jahrhunderts zu der französischen. Nur die
Schule von Barbizon, die in Inhalt und Form nicht
allzuweit über die Meister des siebzehnten Jahr-
hunderts hinausging, hatte wirklich Einfluss in
Holland. Was nach ihr kam, also Manet und die
Impressionisten, blieb dort so gut wie fremd. Um
wie viel mehr musste das mit dem Expressionismus
der Fall sein, dessen verallgemeinernde Tendenz der

aufs Individuelle gerichteten Natur des Holländers
nicht anders als unsympathisch sein konnte.

Wenn sich nun neuerdings eine entschiedene
Strömung in dieser Richtung bemerkbar macht,
und beim Publikum und der Kritik ein gewisses
Entgegenkommen oder wenigstens Duldung findet,
so kommt das, weil man sich bewusst wird, dass
eine dauernde Beschränkung auf den immerhin
engen, durch die Meister der Haager Schule ge-
zogenen Kreis die holländische Malerei mit Sta-
gnation bedroht. Und diese Befürchtung ist nicht
unbegründet. Man sieht zwar noch ab und zu in
den Ausstellungen ein gutes Werk eines jüngeren
Malers, in dem sich die Traditionen jener Schule
lebendig erhalten haben; wie die Stadtansichten von
Mastenbroek (S. 168). Es lebt ja auch noch eine
ganze Generation ausgezeichneter älterer Maler, zu

163
loading ...