Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 14.1916

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EDVARO MUNCII, MANN UND FRAU AM MEER. LITHOGRAPHIE
AUSGESTELLT IM GRAPHISCHEN KABINETT fj. B. NEUMANN)

UNSTAUSSTELLUNGEN

S FERDINAND VON RAYSKI

Das Beste, was bisher im Zu-
sammenhang über den in der Jahr-
hundert-Ausstellung wieder ent-
deckten Dresdener Maler Ferdinand von Rayski, aus
dessen Lebenswerk vierzig Bilder gegenwärtig in den
Ausstellungsräumen Paul Cassirers zu sehen sind, gesagt
worden ist, hat der jung gestorbene Konrad Müller-
Kaboth im Jahre 1906 geschrieben. Sein Aufsatz steht
im V. Jahrgang, Seite 13 3 dieser Zeitschrift und es
empfiehlt sich ihn gelegentlich dieser Ausstellung wieder
durchzulesen, weil das darin Ausgesprochene noch
ganz aktuell wirkt. Trotzdem inzwischen eine Bio-
graphie Rayskis von Ernst Sigismund erschienen ist*
und andere Arbeiten des so lange vergessenen Bildnis-
und Tiermalers öffentlich ausgestellt worden sind, ist
demUrteilMüller-Kaboths grundsätzlich eigentlich nichts
hinzuzufügen. Höchstens dieses eine: dass Rayski doch
nicht so sehr, wie Müller-Kaboth annahm, ein „Kavalier-
maler", dass er mehr als es anfangs schien ein Berufs-
maler gewesen ist. Allerdings ein Berufsmaler, dem
seine Kunst weder die Göttin war, der er alles opferte,
noch die milchende Kuh, sondern mehr die standes-
gemässe, gesellschaftlich empfehlende Beschäftigung
eines nicht reichen aber selbstbewussten Edelmanns.
Rayski hat durchaus vom Ertrag seiner Arbeiten leben
müssen, er hat immer mehr oder weniger die Erwar-
tungen der ihm befreundeten oder gesellschaftlich nahe-
stehenden Besteller berücksichtigt und hat sich dabei mit
den Instinktregungen seines Talents nie so im Gegensatz
gefühlt, dass etwas wie ein tragischer Konflikt hätte ent-

* Ferdinand von Rayski. Ein biographischer Versuch von
Ernst Sigismund. Dresden. Wilhelm Baensch, Verlagshand-
lung 1907.

stehen können. Das Talent Rayskis war bedeutend;
doch gehörte der Künstler zu jenen Malern, die im
allgemeinen von ihrer Umgebung, von der Gunst der
Zeit und der Umwelt abhängig sind; zu jenen Künstlern,
die zu einem gewissen Weltruhm, zu allgemeiner Gel-
tung nur dann kommen können, wenn sie ihr Talent
an grossen Zeitgenossen zu einer gewissen bescheidenen
Klassizität entwickeln. In diesem Sinne hätte Rayskis
Talent sich ebenfalls eine gewisse Weltgeltung errungen,
wenn es in einem Kreise bedeutender Genossen, inner-
halb einer grossen Epoche der Malerei herangewachsen
und gereift wäre. Er gehört jenen Begabungen zu, denen
künstlerische Kultur angeboren ist, die für die Malerei
geboren sind, die den Zug zum Meisterhaften haben,
die aber in einem entscheidenden Punkte indifferent
sind. Sie sind abwartende Naturen, gleich bereit das
Ungewöhnliche zu leisten wie im Konventionellen
zu beharren — wie das Schicksal es fügt. Eigen-
willige Gestaltungslust liegt ihnen fern; aber sie sind
kluge, lebendige Menschen, die aus einer flüchtigen
Anregung die wertvollsten Folgerungen ableiten; sie
haben eigentlich alles, grosse Künstler zu werden —
bis auf jenen heftigen Antrieb im Innern, der den
Kampf sucht und im Kampf den Sieg. Rayski hat einige
Meisterwerke geschaffen: das Bildnis des Domherrn
von Schröter, das die Jahrhundert-Ausstellung brachte,
die Bildnisse seiner Mutter und des jungen Grafen Ein-
siedel, die die Nationalgalerie besitzt, das Bildnis der
Frau Christine von Schönberg, das diese Ausstellung zeigt
und das ebenfalls von der Nationalgalerie angekauft
worden ist und etwa noch das Bildnis des jungen Kon-
rad von Posern. Andere Bilder gleicher Qualität giebt
es vielleicht noch irgendwo im Privatbesitz. Daneben
sind eine grössere Anzahl von Bildnissen bekannt, die
mehr im Sinne der konventionellen deutschen Bildnis-

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